Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 4 › Seite 64

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1915, Seite 64

61 62 63 64 65 66 67 68

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

6⁴ S er I utherane

her. . .. His property was disposed of by him in fraud of
his wife's rights.“ („Der Zweck dieser ganzen Transaktion
war, seine Frau um ihren Vermögensanteil zu bringen, und
war ein an ihr geübter Betrug.. Er hat mit der Ver—
äußerung des Eigentums die Rechte seiner Frau in betrüge⸗
rischer Weise geschädigt.“)

Als auch dieser Versuch, der Zahlung des Unterhalts zu
entgehen, fehlgeschlagen war, verlegte er seinen Wohnsitz in
einen andern Staat, nach Brooklyn, N. Y. Russell wohnt jetzt
Nr. 122—124 Columbia Heights, New York, N. Y. Seine
Hauptkirche und Verlagshaus ist das sogenannte Brooklyn
Tabernacle, 13—17 Hicks⸗Straße, Brooklyn, N. N.

Darauf verklagte ihn seine Frau zum drittenmal, und
zum drittenmal wurde Russell verurteilt, und zugleich wurde
der Betrag des ihr zu gewährenden Unterhalts erhöht. Seine
Frau lebt seither von ihm getrennt in Nr. 449 North School—
Straße, Avalon, Pa. ‚

Kürzlich brachte die Tagespresse die Nachricht, Russell habe
den Versuch gemacht, sich mit seiner Frau auszusöhnen, indem
er sie bitten ließ, zu ihm zu kommen; er sei krank und zugleich
reumütig. Darauf Bezug nehmend, schrieb seine Frau auf
geschehene Anfrage hin an Rev. De Witt C. Cobb, Pastor der
Second M. E. Church in Asbury Park, N. J., wie folgt:
„If there was anything I could do, even yet, to save that
soul from sin and its consequences, I would do it, of course,
as à Christian duty. I would go to him in his last hour
with forgiveness, sympathy, and prayer for his full recon-
ciliation with God. ... But to seek a reconciliation and
live with him is out of the question. J have since dis-
covered that Mr. Russell was not either physically or
spiritually as represented, and the visit of this party and
another, subsequently, were evidently for a very different pur-
pose.“ (Æing9ston Leader vom 8. Juli 1914.) („Wenn ich,
auch jetzt noch, irgend etwas tun könnte, diese Seele von der
Sünde und ihren Folgen zu retten, so würde ich das als
meine christliche Pflicht ansehen und tun. Ich würde in seiner
letzten Stunde zu ihm gehen mit Vergebung, Mitleid und Gebet
um seine Versöhnung mit Gott. . . . Aber daß ich mich mit
ihm versöhnen und mit ihm leben sollte, das ist außer Frage. ...
Ich habe seither erfahren, daß Herr Russell weder körperlich noch
geistig so war, wie es dargestellt wurde, und der Besuch gewisser
Personen [bei mir] hatte offenbar einen andern Zweck.“)

Dieser Mann Russell kommt zu uns, wagt es, zu uns zu
kommen, „im Schafskleid“.

Russells Schafskleid besteht darin, daß er stets mit der

Bibel in der Hand kommt; daß er in seinen Büchern, Blät—
tern und Traktaten so viel mit der Heiligen Schrift und
Schriftstellen operiert; daß er seine falschen Träume und losen
Lehren mit so vielen angeblichen Beweissprüchen belegt; daß
er sich als den größten heute lebenden Verteidiger der Bibel
gegen die von allen Seiten auf sie gemachten Angriffe auf—
spielt. Zu seinem Schafskleid gehört ferner, daß er bei all
seinen grundstürzenden Irrlehren der modernen Bibelkritik auf
das entschiedenste entgegentritt; daß er die Wunder der Bibel
— ausgenommen die, die ihm nicht in sein System passen, zum
Beispiel gerade das größte und bedeutsamste Wunder, die Auf⸗
erstehung JEsu Christi von den Toten — als Wunder gelten
läßt und sie in effektvoller Weise gegen Angriffe verteidigt.
Das Schafskleid Russells besteht endlich auch darin, daß er den

Sozialismus verwirft und entschieden bekämpft, daß er dem
Darwinismus und der ganzen modernen Evolutionstheorie,
der sogenannten Entwicklungslehre, heftig entgegentritt, und
daß er mit einer dem amerikanischen Volk zusagenden Bered⸗
samkeit gegen die Sünde zeugt, wieder und immer wieder vor
der Sünde warnt, sie als ein überaus großes Übel, ja als das
eine, einzige große übel in der Welt darstellt, seine Anhänger
zum Kampf gegen die Sünde auffordert und sie ermahnt, ein
heiliges, sündloses Leben zu führen. Das ist das Schafskleid
Russells. So kommt es, daß seine Anhänger ihn für einen
großen, heiligen Mann halten und sich allen Beweisen dafür,
daß er eine gar zweifelhafte Vergangenheit hinter sich hat,
völlig unzugänglich erweisen.

Daher kommt es auch, daß seine Anhänger und Bewun⸗
derer ihm solch große Geldmittel zur Verfügung stellen, daß
sie ihm den Zehnten geben, viele bedeutend mehr als den
Zehnten, manche sogar so ziemlich alles, was sie haben. Daher
kommen auch die vielen testamentarischen Vermächtnisse. Rev.
Ross schreibt (Facts, S. 32): „Im Jahre 1912 wurden der
Kasse der Watch Tower Bible and Tract Society in barem
Gelde §202,000 geschenkt. . .. In dieser Gesellschaft allein,
deren Haupt „Pastor“ Russell ist, sind zwischen vier und fünf
Millionen Dollars angelegt. . . . Nachdem er es vorher ge—
leugnet hatte, gestand Russell es später zu, daß er ein Aktien⸗
inhaber (stockholder) der Pittsburgh Asphaltum Co. sei,
die später die California Aspbhaltum Co. wurde, daß er außer⸗
dem der Gründer der Selica Brick Co. sei, die ganz und gar
von dem Bible House in Philadelphia aus geleitet wird, sowie
Gründer der Brazilian Turpentine Co., die er kontrolliert, der
Cemetery Co. in Pittsburgh und der United States Coal and
Coke Co., die mit 5100,000 kapitalisiert ist. . .. Wir haben
in Erfahrung gebracht, daß die United States Investment Co.,
die niemand anders als Russell selber ist, 28 Häuser und Bau⸗
plätze in Binghamton, N. Y., andere Bauplätze in Tacoma,
Wash., eine Farm bei Rochester, N. Y., ein Haus und einen
Bauplatz in Buffalo, eine Farm in Oklahoma, 100 Bauplätze
in Texas, ein Haus und einen Bauplatz bei Pittsburgh und
5500 Acker Land in Kentucky eignete. Dieses ist nur ein kleiner
Teil des Besitztums dieser „Gesellschaft'.“ Es folgt dann die
bedeutsame Aussage: „Obwohl Rnussell vielfacher Millionär sein
soll, hat er doch nicht einen Cent auf seinen eigenen Namen.
Wenn die von ihm geschiedene Frau nicht lebte, würde dieses
der Fall sein? Die Frage beantwortet sich selbst.“

In seiner Zeitung People's Pulpit hatte Russell in bezug
auf die United States Investment Co. geschrieben: I have
not à dollar invested in it; nor have I been ever nominally
connected with it.“ (People's Pulpit, Vol. 3, No. 13, p. 2.)
(„Ich habe keinen Dollar darin angelegt, noch bin ich auch
nur dem Namen nach damit verbunden gewesen.“ Aber
Rev. Ross teilt uns mit: „Sein eigener Sekretär und Kassierer
hat auf dem Zeugenstand unter Eid ausgesagt, daß eine solche
Gesellschaft besteht, daß sie jetzt Geschäfte betreibt, und daß

sie die Bible and Tract Society als Pachteigentum kontrolliert.“

Die Bible and Tract Society wiederum ist, vom geschäftlichen
Standpunkt aus, eins mit Russell. Was haben wir demnach
von Russells Leugnung jeder geschäftlichen Verbindung mit der
United States Investment Co. zu halten?

Wir sehen, daß Russells Schafskleid eben doch ein sehr
schmutziges ist. F. P. W.

English translation

Not yet translated.