Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 4 › Seite 68
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1915, Seite 68
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68
S Der I utheraner
klären, wo ich geblieben war. Aber einer schien doch auf den
richtigen Gedanken gekommen zu sein, denn seine wuchtigen Tritte
hallten bald von dem Gewölbe des Kirchenschiffes wider. Ein
zweiter schien ihm zu folgen. Sie brauchten auch nicht lange
nach mir zu suchen. Bald hatte der Vorangehende mich entdeckt.
Meine Kameraden kamen jetzt also doch nicht mehr früh genug,
um mich dem Mordstahl der Feinde zu entreißen! Nun denn, in
Gottes Namen! Ich empfahl meine Seele dem Allmächtigen und
blickte dann gefaßter meinem Feinde entgegen, über dessen von
der Trunksucht zerrüttetes Gesicht ein teuflisches Lächeln spielte.
Von dem hatte ich keine Gnade zu erwarten, das war mir klar.
Er stürzte denn auch mit einem bellenden Laut auf mich zu, packte
mich vorne an der Kehle und holte mit seinem kurzen Degen,
den er aus der Scheide gerissen hatte, zum tödlichen Stoße aus.
Mein letzter Augenblick war gekonumen. Da — als der gezückte
Stahl niedersausen wollte, wurde plötzlich des Mörders Hand mit
unsanftem Ruck beiseite geschlagen. Die kräftige Gestalt eines
französischen Unteroffiziers mit nicht unschönem, intelligentem Ge⸗
sicht tauchte neben meinem erbarmungslosen Henker auf. „Pas
tuer, mon cameérade!“ (Nicht töten, Kamerad!) redete er hastig
auf den andern ein. „Pas tuer dans Péglise!“ (Nicht töten in
der Kirche!) Dabei warf er einen scheuen Blick zu dem Altar
hinüber, von dem das Kreuz des Friedens und der Erbarmung
herabblickte. Der andere wollte erst unwillig werden, dann aber
schien auch er die Heiligkeit dieser Stätte zu empfinden. Oder
waren es nur die sich nähernden Schüsse, die ihn stutzig machten?
Der wieder zum Stoße gehobene Arm sank schlaff zurück. Da
tönten wiederum aus der Ferne Schüsse herüber. Die beiden
Franzosen lauschten einen Augenblick, dann warf mein Henker
einen Blick auf mich, der sagen wollte: „Armer Kerl, du bist ja
doch mehr tot als lebendig!“ und eilte, von seinem Kameraden ge⸗
folgt, flüchtigen Fußes aus dem Gotteshaus. Aber sie hatten die
Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das Krachen von guten deut⸗
schen Infanteriegewehren vor der Kirche belehrte mich, daß ihnen
draußen unsere Braven einen heißen Empfang bereitet hatten.
Sie waren nun wohl schon nicht mehr unter den Lebenden. Um
den Unteroffizier wäre es mir leid gewesen. Nach längerem
Suchen entdeckten mich meine Kameraden endlich in meinem Ver—⸗
steck, und ich wurde in das primitive Feldlazarett gebracht.
Hier hatte auch jener von unsern Leuten nur verwundete
französische Unteroffizier Aufnahme gefunden, der mich vom Tode
errettete. Ich empfahl ihn gerne der Milde meiner Kameraden,
da er einer Fürsprache wohl wert war. Der, welcher mich mit
dem Messer bedroht hatte, war gefallen. Ihn hatte die Strafe
schon ereilt. Er sollte seine ruchlose Hand nicht mehr nach einem
wehrlosen, verwundeten Feinde ausstrecken.
Am nächsten Tage wurde ich mit einem Transport weiter
nach der deutschen Grenze übergeführt. Jetzt bin ich schon wieder
auf dem Wege der Besserung und liege wohlbehütet von lieben
Verwandten und Freunden in meinem Heimatstädtchen im schönen
Bayerland. Wie wunderbar hat mich Gott aus allen diesen Nöten
in Feindesland gerettet, der ich zu gering bin solcher Barmherzig—
keit und Treue!
(Dr. H. W. Sch. nach dem Bericht eines Verwundeten.)
Neue Drucksachen.
Jauchzet Gott in allen Landen! Osterchor für gemischte Stimmen
von 7 M. Kirsch. Veröffentlicht von J. P. T. Kir sch, 5437
Marshfield Ave., Chicago, III. 4 Seiten 7410. Preis: 15 Cts.;
Dutzendpreis: 51.75.
Orgeleinleitung, Chor, Baßsolo, Chor, Sopransolo, Duett für Sopran
und Alt, Chor, Duett für Tenor und Alt, Chor. Ein ansprechendes Stück
wie die vor einiger Zeit erschienenen „drei Weihnachtschöre“ des Verstor⸗
benen. L. F.
Einführungen.
Im Auftrag der betreffenden Distriktspräsides wurden eingeführt:
Am 15. Sonnt. u. Trin. 1914: P. W. Stock in der St. Trinitatis⸗
gemeinde zu Trochu, Alta., von P. Th. Dannenfeldt.
Am 4. Sonnt. d. Adv. 1914: P. H. Wiemken in der St. Petri⸗
gemeinde zu Lodi, Cal., von P. G. C. Jacobsen. — P. A. H. Jacobs
in der St. Johannisgemeinde zu Thalheim, Cal., von P. G. C. Ja⸗
cobsen.
Am 1. Sonnt. n. Epiph.: P. F. W. Weidmann in der Drei⸗
einigkeitsgemeinde zu St. Louis, Mo., unter Assistenz Prof. Daus und
der PP. Schmidt und Sieck und anderer Pastoren der Stadt von P. J. J.
Bernthal.
Am 2. Sonnt. n. Epiph.: P. Th. Rolf in der St. Markusgemeinde
zu New Germany, Minn., unter Assistenz P. Sebalds von P. F. W.
Erthal. ö
Am 3. Sonnt. n. Epiph.: P. H. Wehmeyer in der Zionsgemeinde
zu Bridgeport, Conn., unter Assistenz der PP. H. Steup und P. Steup 14
von P. M. Steup.
Am Sonnt. Septuagesimä: P. H. Michel in der St. Johannis⸗
gemeinde zu Covina, Cal., von P. A. Hansen. — P. R. F. Zimmer⸗
mann in der St. Paulusgemeinde zu Indianapolis, Ind., unter Assi⸗
stenz Dir. Lückes und der PP. Lange, Matthius, Meinzen und Reuter von
P. M. Tirmenstein. — P. P. Scherf in der Trinitatisgemeinde zu!
San Diego, Cal., von P. F. Kogler. — P. A. H. Habekost in der St.
Johannisgemeinde bei Traer und in der St. Johannisgemeinde bei Hern⸗
don, Kans., von P. O. H. Möllmer.
Am Sonnt. Sexagesimä: P. Th. Keyl in der St. Matthäigemeinde
zu Newark, N. J., unter Assistenz der PP. H. C. Stechholz, H. Stechholz
und Volk von P. O. Sieker.
Als Lehrer wurde eingeführt:
Am Sonnt. Septuagesimä: Lehrer J. H. Meyer als Lehrer an der
Schule der Gemeinde zu Fairfield Tp., Ind., von P. R. Kretzmann.
Konferenzanzeigen.
Die Gemischte Konferenz von St. Louis und Umgebung versam⸗
melt sich, w. G., am Montag, den 22. Februar, in der Kreuzschule. Ar⸗
beiten: Was richtet ein Pastor oder Lehrer aus, wenn er Gottes Wort
verkündigt? P. Schüler. Ist die Zeit gekommen, daß wir den Religions—
unterricht in englischer Sprache erteilen? Lehrer Müller.
A. Heinemann, Sekr.
Die Allgemeine gemischte Lehrerkonferenz von Minnesota und
Dakota versammelt sich, w. G., vom 6. bis zum 9. April (Mittag bis
Mittag) in Lehrer Taggatz' Schule, Gaylord, Minn. Gaylord liegt an
der Minnea polis & St. Louis-Bahn. Vom Westen treffen die Züge dort ein
um 4.55 und 6.07 A. M. und um 3.08 P. M.; von Minneapolis um 11 A. M.
und um 7.53 und 11.45 P. M. Man gebe an, mit welchem Zuge man zu
kommen gedenkt. Anmeldungen find vor dem 6. März an Lehrer G. Tag⸗
gatz zu richten. F. Burandt, Sekr.
Bekanntmachungen.
P. F. W. Loo se, Mitchell, S. Dak., wird hiermit au Stelle P. G.
Döges als Vertreter unsers Distrikts in Eisenbahnangelegenheiten er—
nannt.
Scotland, S. Dak., 2. Februar 1915. J. D. Ehlen,
Präses des South Datota-Distrits.
In der Aufsichtsbehörde des Concordia-College zu St. Paul, Minn.,
waren durch die Resignation Herrn C. Schröders und durch die Weg⸗
berufung P. R. Zimmermanns zwei Vakanzen entstanden. Die Behörder
hat sich dadurch wieder vervollständigt, daß sie an Stelle P. Zimmermanns
P. Aug. Schlüter und an Stelle Herrn C. Schröders Herrn J. H.
Henke erwählt hat. Robt. Köhler,
Präses des Minnesota⸗Distrikts.!
P. Albert Brauer und seine Gemeinde in Millington, Mich.,
haben ihre synodale Verbindung mit der Missourisynode gelöst, weil sie
mit der Lehre vom rechtfertigenden Glauben, wie sie in unsern Publika⸗
tionen vorgetragen worden ist, nicht stimmen zu können behaupten. Eine;
nach ihrer Austrittserklärung ihnen angebotene Verhandlung mit Synodal⸗
beamten darüber haben sie abgelehnt. E. A. Mayer, ů
Präses des Michigan-Distrikts.“
.
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