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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1915, Seite 61

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AUnd ich sahe einen Engel

liegen mitten durch den &
Himmel, der hatte ein emig

Euangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden sißen
und wohnen, und allen Hei-
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Vulkern, und
sprach mit großer Stimme:
Lürchter Gott, und gebei
üilim die Ehrt; denn die Zeit
stints Gtrichts ist honnnen,
und betet an den, der gemacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunnen. Osfsb. Joh. 14, 6.7.
——— .‚

HZerausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.

71. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 16. Februar

191⁵. Nr. 4.

——

Von der Kreuzesgestalt der Kirche.

I.
(Fortsetzung.)

Allerdings, bei vielen unserer Gemeinden sieht man es
ihrer äußeren Erscheinung nicht an, daß sie unter dem Kreuze
wandeln. Wir haben viele große, reiche Gemeinden, volkreiche
Gemeinden mit prächtigem Kirchen⸗ und Schuleigentum. Man
sieht, hier ist Wohlstand, hier ist wohl gar Reichtum. Wie,
verhält es sich so? Findet sich auch hier die Kirche in der
unserm Heiland so lieben und von ihm selig gepriesenen Gestalt?

Merke: wie die Herrlichkeit der Kirche nicht in dem
schönen Kirchgebäude besteht, sondern ihr Schmuck ein innerer
ist, nämlich das von ihren Gliedern im Glauben angeeignete
Verdienst Christi, so ist auch das Kreuz, unter dem die Ge⸗
meinde wandelt, und unter dem sie zu leiden hat, nicht immer
dem leiblichen Auge sichtbar. Oder sollten wir sagen dürfen,
eine Gemeinde habe ihre Kreuzesgestalt verloren, weil sie zu
äußerem Wohlstand gekommen ist? Gilt denn das von dem
einzelnen Christen? Hat es nicht von jeher unter den Kindern
Gottes Leute gegeben, die viel irdisches Gut hatten? Nein,
äußeres Wohlergehen ist kein Beweis, daß einer Gemeinde die
Gesinnung fehlt, die ihr nach dem Willen ihres HErrn zu eigen
sein soll. Es gibt große, reiche Gemeinden, die auch vor den
Augen ihres Gottes, weil sie gern und willig um IEsu willen
Schmach leiden, herrlich dastehen.

Und doch, vergessen wir nicht, was dem einzelnen Chri—
sten, der viel irdische Güter besitzt, gesagt ist. Reichtum und
Ansehen birgt große Versuchungen, birgt vor allem die Gefahr
der Verleugnung, der Kreuzesflucht, in sich. Der Heiland sagt,
daß es leichter sei, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als
daß ein Reicher selig werde, und er fügt diesem Worte den
Ausspruch hinzu: „Bei den Menschen ist's unmöglich, aber bei
Gott sind alle Dinge möglich.“ Nur deswegen werden noch
überhaupt Reiche selig. Trotzdem heißt weder Christus, noch
heißen seine Apostel den reichen Jüngern, daß ihr Besitz großer

irdischer Habe Sünde sei; vielmehr sagt Gottes Geist durch
Paulus, daß die Reichen „nicht stolz sein“ sollen, sondern „Gutes
tun, reich werden an guten Werken“ (1 Tim. 6, 17). Sie
sollen ihr Gut zur Ehre Gottes anwenden.

So ist es einer christlichen Gemeinde auch nicht ver—
boten, reich zu sein, sondern es gilt auch ihr, daß sie „nicht
stolz werden“ soll, sondern „Gutes tun und reich werden an
guten Werken“. Dabei übersehen wir aber die Gefahr nicht,
in der eine Gemeinde steht, wenn sie anfängt, zu den wohl—
habenden Gemeinden gerechnet zu werden. Auch hier ist näm—
lich die Gefahr groß, daß sie verleugnet, daß sie kreuzesflüchtig
wird, ihre Kreuzesgestalt verliert.

Da ist vor allem die Gefahr, daß sie nun in allerlei Außer⸗
lichem ihre Herrlichkeit sucht. Sie mag wohl, als sie an
die Errichtung ihres prachtvollen Gotteshauses ging, die Ehre
Gottes und ihres Heilandes gesucht haben. Sie reichte dar, wie
damals die Gläubigen des Alten Bundes, mit dem Gedanken:
„Von dir ist es alles gekommen, und von deiner Hand haben
wir dir's gegeben.“ (1 Chron. 30, 14.) Das war recht getan.
Darüber haben sich die Engel Gottes gefreut, und der HErr
gab seinen Segen zu dem Werk. Wie aber nun, wenn man Ge—
danken irdischen Stolzes über das vollendete Werk aufkommen
läßt, wenn man sich weidet an dem Lobe der Ungläubigen, die
vor der Kirche stehen und bewundernd ausrufen wie damals die
Jünger vor des Tempels Gebäu: „Siehe, welche Steine und
welch ein Bau ist das!“? Wie, wenn man nun sich gar freut,
es einer benachbarten Schwestergemeinde zuvorgetan zu haben,
wohl gar in lieblosen Reden einer solchen Gesinnung Ausdruck
gibt? Nicht wahr, dann hat eine solche Gemeinde das Beste,
was sie zu diesem Werke trieb, nämlich diejenige Gesinnung,
die allein Gottes Ehre sucht, verloren? Wo aber die Liebe
zu Gott zurücktritt, und die Eigenliebe, der irdische Stolz zum
Vorschein kommt, wie kann es da ausbleiben, daß auch die
Willigkeit, Opfer zu bringen, lau wird, und man aus Sucht
nach Ehre vor den Menschen auch anfängt, das Kreuz, die
Schmach um Christi willen, zu scheuen!

English translation

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