Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 18, Nummer 14 › Seite 111

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Februar 1862, Seite 111

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 9 · Tradition 3 · Kirchengemeinſchaften

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beschweren, ihre Blutwurst oder sonst blutige
Delikatessen verspeisen, so haben wir nichts da⸗
gegen. Ein Jeder ist fur sich selbst seinem Gott
verantwortlich. Uns wenigstens hat die Be—
ftrachtung dieses Gegenstandes im Lichte des
Wortes Gottes allen Appetit genommen zur
Blutwurst.“

Grundtvigianismus. Ueber diese
grundfalsche, verderbliche Richtung innerhalb der
lutherischen Kirche Dänemarks, dadurch die Bi⸗
bel beiseite geschoben und in erzpapistischer Weise
die Tradition an ihre Stelle gesetzt wird, berich⸗
tet der, Freimund in Nro. 50 des vor. Jahrgangs:
„Diese Richtung hat ihren Namen von dem be—
kannten Professor Grundtvig in Kopenhagen und
ist in den drei nordischen Reichen (Dänemark,
Schweden, Norwegen) sehr weit verbreitet. Das
Eigenthumliche dieser Richtung besteht in einer
besonderen Lehre über das apostolische
„Glaubensbekenntniß. Grundtvig sagt
nämlich: „„Die Bedingungen zur Seligkeit
mussen zu allen Zeiten dieselben gewesen sein,
da der HErr selbst unveränderlich ist. Jetzt for⸗
bert der HErr von uns, wenn er uns die Selig⸗
keit von der Taufe verheißt, Entsagung und Glau⸗
ben. Da die Taufe selbst zu allen Zeiten dieselbe
gewesen ist, so muß auch der Glaube in dem
apostolischen Bekenntnis, wie wir ihn bei der
Taufe bekennen, zu allen Zeiten in derselben
Form bekannt worden sein und daher vom
Hrrn selbst herrühren. Die Bibel ist zwar ein
herrliches Erklärungsbuch dieses Glaubens, aber
sie ist nicht das er ste, sondern das zweite;
denn das apostolische Glaubensbekenntnis war
früher da als die Bibel. Wer eine andere Be—
dingung zur Seligkeit aufstellt, als die erste vom
HErrn selber aufgestellte, dessen Gemeinschaft
mit der Kirche Ehristi ist zwar nicht völlig zer⸗
stört, aber doch gelockert und ungewiß gemacht.““
Mit dem Vorzuge, den Grundtvig dem münd-
g lichen Worte (dem apostolischen Bekenntnisse und
der Tradition, d. h. der mündlichen Lehre), vor
dem geschriebenen Worte (der Bibel) beilegt,
seht auch seine Behauptung in Verbindung, daß
nan nicht durch Lesen des Wortes Gottes, son-
dern nur durch Hören desselben zun Glauben
komme. Die Bibel setze ihrer ursprünglichen
Absicht nach vielmehr den Glanben bereits voraus,
da die einzelnen Bücher des N. Test. ja nicht
fur die Heiden, sondern für Christen destimmt
gewesen sei.“ C.

— Ein jüdischer Dorfschulze. In dem
Dorfe Läblau bei Danzig war seit Beginn der
neuen (preußischen) Aera der Streit verhandelt
vorden, ob das Schulzenamt durch den christ⸗
lichen oder durch den jüdischen Besitzer der
beiden dortigen Schulzen höfe zu besetzen sei. Der
gegenwärtige Minister des Innern entschied sich,
abweichend von der bereits vollzogenen Verfuͤgung
seines Vorgaͤngers, fur den Juden und be⸗
stimmte zugleich, daß die dem Schulzen obliegen-
den Functionen als Mitglied des Schulvorstan-⸗
des von einem hierzu besonders ernannten Dorf⸗
ö schoͤppen versehen werden sollten. Der auf Ver⸗
fügung des Ministeriums executorisch seines
Amtes entsetzte christlichee Schulze richtete
hieruber während des letzten Landtags ein Gesuch

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an das Herrenhaus, welches, von den rechts⸗
kundigen Mitgliedern desselben lebhaft unterstutzt,
dem Ministerium „zur Abhülfe“ übergeben wurde.
Hierbei ereignete sich der merkwürdige Fall, daß
der Minister Graf Schwerin dem Herrenhause
eine von angeblich sämmtlichen Hofbesitzern des
Dorfes Löblau unterschriebene Petition zu Gun⸗
sten des jüdischen und gegen den christlichen
Schulzen vorlegte. Genauere Nachforschungen
haben jedoch ergeben, daß diese Petition, die
allerdings viele, keineswegs aber alle Hofbesitzer
unterzeichnet hatten, von der Hand des jüdischen
Schulzen Levy selbst geschrieben und, wie dieser
Letztere selbst erklärt hat, unter Rath und Bei—
hilfe des — evangelischen Ortspfarrers
Sachse abgefaßt war. — Man erzäaͤhlt weiter,
daß der Pfarrer auf der Diöcesanversammlung
über sein Verfahren in dieser Sache zur Rede
gestellt worden ist, wobei er seine Theilnahme
an der Petition weder zugestanden, noch geradezu
abgelehnt haben soll. (Pilger.)

Prof. Lehmann gesteht endlich in seiner
Zeitung vom 1. Febr. nach längerem Zögern ein,
daß allerdings eine briefliche „Aufforderung ähn⸗
lichen Inhalts“ wie diese an ihn gelangt sei:
doch „zu specificiren, worin der Borwurf des
unchristlichen Verhaltens (des angeblich des⸗
wegen ausgestoßenen Zöglings) bestehe; mit der
Erklärung, wenn er jenes verweigern werde, daß
man dann annehmen müsse, er könne diesen
Beweis nicht liefern.“ Zugleich bekennt er, daß
er trotzdem — nicht geantwortet und den Be⸗
weis nicht geliefert habe; seine letzte kümmer⸗
liche Ausflucht ist, daß wir uns ja nicht un⸗
mittelbar an ihn gewendet haben! — Dies
das letzte Wort in dieser für Herrn Prof. Leh⸗
mann in der That wenig ehrenvollen Sache.

Kaplan⸗Streiche. Folgendes lesen wir
im Evangelisten vom 8. Februar: „Ein Kaplan
bei einem in Port Royal stehenden Regiment
nahm aus einer dortigen leerstehenden Kirche
die Kanzel, um sie als Merkwurdigkeit nach
Hause zu senden. Dafur belegte ihn sein Obrist
mit Arrest. Es scheint mit den Kaplanen in der
Armee nicht besser gestellt zu sein, als mit den
Generalen .. . Viel Lumperei!“

Wider das
Gewohnheits⸗Trinken.
Ephes. 5, 18.

Eine lutherische
Lehr⸗, Straf⸗ und Lockpredigt
von

Dr. W. Sihler.
1862.
Zu beziehen von Mr. M. C. Barthel, St. Louis, Mo.

(Preis: pr. Exemplar 74 Cts., das Dutzend 72 Cts.,
100 Stück 85,00.)

Das Gewohnheits-Trinken ist anerkannter-
maßen ein Feind, der in vielen hiesigen Gemein;
den schon große Verheerungen angerichtet hat;
fast größere noch, als das, was die Welt allein
Saufen nennt. Gewiß haben daher schon viele
rechtschaffene Seelsorger gewünscht, einen Trac⸗
tat an der Hand zu haben, der diesem Feinde
nicht mit der fleischlichen Waffe der Empfehlung

ciner Temperenz-Gesellschaft, sondern mit jener
Waffe unserer Ruterschaft, die da mächtig ist
vor Gott, zu zerstören die Bevestigungen, mit
dem zweischneidigen Schwerdte des Wortes Got⸗
tes begegnete. Getrieben von der Liebe zu den
vielen sich selbst betrugenden Seelen, hat sich
denn Herr Doctor Sihler daran gemacht, die
oben angezeigte Predigt wider das Gewohnheits⸗
trinken aufzusetzen und darin diesen von vielen
unerkannten Seelenfeind mit Gottes Wort zu
entlarven, zu entwaffnen und gegen denselben die
von ihm gefährdeten Christen zu rusten. Zugleich
sind darin auch die berücksichtigt, welche durch
ihr gewohnheitsmäßiges Trinken starker be⸗
rauschender Getränke endlich in den Abgrund
des viehischen Saufens versunken sind, beiden
aber, den Gewohnheitstrinkern und offenbaren
Säufern und Trunkenbolden, nicht nur ihr leib⸗
liches und geistliches Elend aus Gottes Wort in
lebendigen Farben vorgestellt, sondern auch die
rettende Hand der Gnade gezeigt, die Gott auch
nach ihnen ausstreckt. Besorgte Seelenhirten
werden daher gewiß nicht unterlassen, die an⸗
gezeigte Predigt sich in einer größeren Anzahl von
Eremplaren anzuschaffen, um sie möglichst weit zu
verbreiten und fur alle Faͤlle zur Hand zu haben.
Ja, jeder, welcher um das Seelenheil seiner
Bruder besorgt ist, sollte nicht unterlassen, die
ihm hier gebotene Gelegenbeit eiligst zu ergreifen,
auch etwas dafür zu thun, daß einem großen
Feinde des Aufbaues unseres americanischen
Zions gesteuert und wo möglich alle die, welche
bereits in dem Rachen jenes Ungeheuers stecken,
aus demselben noch wie ein Brand aus dem
Feuer gezogen und die in Gefahr Stebenden ge⸗
warnt und bewahrt werden. Auch für Colpor⸗
teure wäre die Predigt ein vortrefflicher Tractat
zu möglichst weiter Verbreitung. Wir bemerken
noch schließlich, daß die Predigt, wie es sich von
einer „lutherischen“ von selbst versteht, nicht
darauf ausgeht, eine Geistlichkeit der Engel zu
fordern, die da sagt: „Du sollst das nicht an⸗
greifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das
nicht aurühren“, Col. 2, 1823., sondern fest
daran hält, daß alle Creatur Gottes gut und
nichts verwerflich ist, das mit Danksagung und
geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet
empfangen wird, 1 Tim. 4, 4. 5.

Kirchweihe und Missionsfest.

——

Der erste Adventssonntag v. J. war für die
Gemeinde in Lebanon bei Watertown, Wisc.,
ein Tag großer Freude. Es wurde nämlich ihre
neuerbaute, geräumige, mit hohem Thurm ver⸗
se hene, prächtige Backsteinkirche dem Dienste des
dreieinigen Gottes geweiht. Außer dem Pastor
loci, G. Link, waren noch neun Pastoren an⸗
wesend. Trotz der beißenden Kälte war doch das
Gotteshaus mit Gästen fast überfüllt.

Am folgenden Tage wurde ein Missionsfest.
gefeiert, bei dem zuerst eine Festpredigt und dar⸗
auf ein Missionsvortrag gehalten wurde.

Möge der treue Gott dieser Gemeinde auch
fortan Sieg geben, wie er bis dahin gethan hat.

Watertown, Febr. 1. 1862.
C. Strasen.

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