Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 18 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Mai 1863, Seite 138
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe · Ehe 8 · Ehe 6 · Sklaverei
welche zur Ehescheidungsklage schreiten, dann
könnten wir Gott noch danken. Doch wie ganz
anders ist es damit bewandt! In wie vielen Häu⸗
sern steht der Mann wie ein Tyrann, und das
Weib kann die Zunge nicht im Zaum halten.
Die Stimme des Betens, Lobens und Dankens
ist verstummt, und anstatt dessen hört man Zan-
ken und Streiten, Lärmen und Toben, Fluchen
und Schelten. Wo ist ein Prediger und Seel⸗
sorger, zu dem nicht schon hadernde Gatten, ja
Frauen mit verweinten Augen und zerschlagenem
Leibe ihre Zuflucht genommen hätten! Und wer
hat sie zerschlagen? Die Männer, die ihnen am
Altar gelobt hatten, sie zu lieben wie ihre eigenen
Leiber, und ihnen allewege ein starker Hort zu
sein. Doch auch das sind nur noch die groben
Ausbrüche der großen Verwüstung, die über das
Haus in unsern Tagen gekommen ist. Innere
Entzweiung, eheliche Untreue, Eiseskälte unter
einander gehen durch viel mehr Ehen in höheren
wie niederen Ständen. Es giebt wenig Herzens⸗
ehen mehr. Nur das Haus, nur die Stellung zu
den Kindern, nur das gemeinsame Schaffen im
Hause und im Berufe knüpft noch an einander.
Wo nicht der äußere Anstand noch Viele zusam—
men hielte, würden der offnen Trennungen bei
Weitem mehr sein. Endlich selbst in den Ehen,
welche man gewöhnlich glückliche nennt, ist ja
doch das wahre Gluck, die Einheit in dem Herrn,
der selige Friede in Christo „dem Friedefursten“
welch ein selten Ding! Nur da ist eine christliche
Ehe, ein Hausstand, uber den Gott und alle En-
gel im Himmel sich freuen, wo der Mann ein
Mann Gottes ist, im wahren Glauben an Chri-
stum, und von ihm gilt das Wort des 128.
Psalms: „Wohl dem, der den Herrn fürchtet, und
auf Seinen Wegen geht. Du wirst Dich nähren
Deiner Hände Arbeit; wohl Dir, Du hast es
gut.“ An seiner Seite waltet die treue gottes-
fuͤrchtige Gattin, die beschrieben ist in den
Sprüchw. Salom. im 31. Cap. wo es heißt:
„Wem ein tugendsam Weib bescheeret ist, die ist
viel edler, denn die köstlichsten Perlen. Ihres
Mannes Herz darf sich auf sie verlassen, und
Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie thut ihm
Liebes und kein Leides sein Lebenlang.“ An
Vater und Mutter reihen sich die Kinder an.
Sie sind die größesten Guter, die wir nach dem
Heil in Christo hier auf Erden haben, und sollen
die Oelzweige um den Tisch herum sein. Das
Wort Gottes ist der Leuchter in diesem Hause,
welcher Allen leuchtet. Der Herr Christus ist
Hausfreund und Heiland in der Familie. Der
Friede Gottes wohnt mit unter dem Dache; und
wenn einmal die Schatten des Eigensinns, der
Verstimmung, des Haders oder Mißtrauens in
das Haus fallen wollen, so legen Alle betend die
Hände zusammen und seufzen: „Herr, bleibe bei
uns, denn es will Abend werden, und der Tag
hat sich geneiget.“ Und der Herr bleibt, und
heiligt eine solche Ehe, und segnet ein solches
Haus mit unvergänglichem Frieden.
O selig ein solches Christenhaus! selig, wer
nach einem solchen Hause mit ganzem Ernste
trachtet! Laßt uns sehen, meine Theuern, ob es
in unser aller Häusern also steht; laßt uns er⸗
muntert werden, an unserm Theile zu flehen, zu
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kämpfen und zu arbeiten, daß dem Greuel der
Verwustung an der Stätte des Hauses in dieser
letzten betrübten Zeit gesteuert und der Herr im⸗
mer herrlicher unter uns werde.
Johannis 2, V. 1 — 11.
Wir stehen in der lieben Epiphanienzeit. Epi⸗
phanie heißt in Deutsch Erscheinung oder Offen-
barung. Wenn es darum am Schlusse unsers
Evangeliums heißt: „und der Herr offenbarte
Seine Herrlichkeit;“ so ist das der Grundton und
Gegenstand dieser ganzen Zeit unsers Kirchen⸗
jahrs. Christus ist zunächst erschienen, und hat
Seine Herrlichkeit offenbart, wie wir am letzten
Sonntag sahen, im Tempel zu Jerusalem; da
hat er bereits in seinem zwölften Jahre geleuch⸗
tet als der Morgenstern des ewigen Lebens. Am
heutigen Tage, am 2. Sonntage nach Epipha⸗
nias, sehen wir den Herrn im Hause. Er ist
mit Seiner Mutter und Seinen Jüngern in dem
Städtlein Cana zur Hochzeit geladen. Vom
Himmel geht die Gnade und Herrlichkeit des
Herrn in die Kirche und aus der Kirche geht sie
ins Haus. Christus will vor Allem auch wohnen
und Seine Herrlichkeit offenbaren im Hausstande.
Im Hause, in der Familie bedürfen wir ja dieser
Offenbarung ganz besonders. Da leben wir am
Meisten. Da giebt es auch das meiste Kreuz.
Deshalb ist also das eben verlesene liebliche
Evangelium uns grade heute von der Kirche zur
andächtigen Betrachtung verordnet — und o welch
ein richtiges und nothwendiges Evangelium!
Wie so noth thut es, daß Christus in dem Hanse
wieder zum Regiment und zu Ehren komme, wenn
nicht Alles unwiederbringlich der Fäulniß und
dem Verderben anheim fallen soll. Die Verwü—
stung des Ehe⸗ und Hausstandes ist ja die Quelle
aller andern Verwüstungen und Greuel. So
laßt uns denn, wir seien verheirathet oder allein⸗
stehend, jung oder alt, dies Evangelium recht zu
Herzen nehmen, auf daß wir Jesum Christum
suchen von ganzem Herzen und in Ihm völliger
erfunden werden. Wohl uns dann: „Wo Jesus
Christus ist der Herr, wirds alle Tage herrlicher.“
Wir betrachten demnach nach Anleitung unsers
Evangeliums unter dem gnädigen Beistande
Gottes:
Das Wunder unsers Herrn Jesu Christi auf
der Hochzeit zu Cana, ein seliges Bild des
rechken christlichen gottwohlgefälligen gottge⸗
segneten Haus⸗ und Ehestandes, denn
1. es stellt uns den rechtenchristli⸗
chen gottseligen Haus⸗- und Ehe⸗
stand in seinen Hauptstücken
klar und deutlich vor Augen;
2. es zeigt uns lieblich und lockend
Gottes Wohlgefallen und Se⸗
gen über demselben.
Liebster Herr Jesu Christe, Du hast eiust
Deine Herrlichkeit hervorleuchten lassen im Tem⸗
pel zu Jerusalem, um damit zu zeigen, daß Du
vor Allem in der Kirche Dich uns offenbaren,
und durch Wort und Sacrament an unsern See⸗
len verherrlichen willst. Ach erhalte uns diese
Offenbarung Deiner Herrlichkeit, und laß den
Himmelsglanz derselben immer tiefer in unsre
Herzen fallen! Allein Du hast Deine Heilands⸗
herrlichkeit auch auf der Hochzeit zu Cana offen⸗
bart, und mit einem Wunder voll Allmacht,
Weisheit und Liebe bewiesen, daß du auch im
Hause und im Alltagsleben des Hauses bei uns
sein und Deine Gute und Treue, Deine Gnade
und Erbarmung über uns leuchten lassen willst!
Habe Dank für diese Offenbarung Deiner Herr⸗
lichkeit: unn wissen wir gewiß, daß Du ein
Freund und Liebhaber des ehelichen Lebens bist
und fromme Eheleute in allen Nöthen einen star⸗
ken Hort und treuen Hausfreund an Dir haben.
O Herr, allmächtiger Heiland, siehe darein und
heile den tiefen Schaden unsrer heutigen Christen⸗
heit; steure der greulichen Verwüstung des Haus⸗
und Ehestandes. Bessre, was zu bessern, rette,
was noch zu retten ist! Erbarme dich aller Ehe⸗
leute, auf daß das alte Gelubde Josuas recht viele
Stätten finde: „Ich und mein Haus wir wollen
dem Herrn dienen.“ Gieb es allen Jünglingen
und Jungfrauen recht ins Herz, daß sie sich erst
mit Dir, dem Seelenbräutigam, verloben, ehe sie
einer irdischen Braut oder einem irdischen Bräu⸗
tigam die Hand reichen. Ohne Dich ist das Haus
auf Sand gebaut und kann nicht bestehen; ohne
Dich ist jede Ehe eine unselige und verlorene Ehe,
O so komm zu uns Allen, wohne bei uns, heilige
jede Ehe und segne jede Familie mit deinem Frie⸗
den. Amen.
I.
Von einer Hochzeit wird uns in unserm Evan⸗
gelio erzählt. Es ist die einzige Hochzeit, die im
ganzen nenen Testament erwähnt wird und da ist
Cbristus dabei. Wie wunderbar! Der Herr
bat vor wenig Tagen sich von Johanne taufen
lassen im Jordan. Er hat sein öffentliches Lehr⸗
und Predigtamt angetreten und sich Jünger ge⸗
sammelt, und sein erster Gang mit ihnen ist zur
Hochzeit. Er weilt sonst am liebsten im Tempel
und in den Schulen, wo Er das Wort vom Reiche
Gottes verkündigt, oder auf den Stätten des
Elendes und der Thränen, wo er sich als der
Heiland aller Elenden und Hülflosen erweiset,
und siehe, hier finden wir ihn unter einer Schaar
fröhlicher Gäste, Er ist eingeladen, und so ist er
vor Allem um dieser Hochzeit willen von —.
nach Galiläg heraufgezogen. Die Gegenwart
des Herrn hat diese Hochzeit so verherrlicht, daß
ihrer gedacht werden wird, so lange man predigen
wird von dem Namen des eisgebornen Sohnes
Gottes. Es heißt: „und die Mutter Jesu war
da.“ Dies scheint auf Verwandtschaft aund enge
Freundschaft hinzudenten. Allein der Hanptge⸗
genstand und die Krone dieser Hochzeitsfeier war
Jesus, der Herr der Herrlichkeit und König aller
Kön ige, der Gottes⸗ und Menschensohn, der Schön⸗
ste unter den Menschenkindern. Schaut
Geliebte, in jenen armen dürftigen Hochzeitssaal!
Da sitzt der treue Heiland, man hat nicht ohne
Ihn sein und Hochzeit feiern können — um ihn
her die Schaar seiner Jünger — Ihm gegenüber
das junge Ehepaar! Er ist der Liebste und Ge⸗
feiertste in diesem Kreise; an seinem holden Ant⸗
litz hangen aller Augen, seinen himmlischen Ge⸗
sprächen lauschen Aller Ohren. Man ist gerüͤhrt
von Seiner innigen Liebe, daß Er, der Meister
in Israel, eine so arme Gesellschaft nicht ver⸗
schmäht hat, man fühlt es mit stiller, seliger Fren⸗
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