Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 18 › Seite 140
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Mai 1863, Seite 140
Scan: Internet Archive item DerLutheraner19.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe 8 · Ebeleute · Eheleute · Sklaverei
—*—
Unbesonnen in Vermessenheit und nach eignem
Rathe in die Ehe. Ohne der Eltern Willen und
Segen thut auch nicht den geringsten Schritt.
Vor Allem fragt bei dem Bunde, den ihr schließen
wollet, nicht nach dem lieblichen Gesicht, nicht
nach den glatten Worten, nicht nach Geld und
Gut; sondern danach fraget, ob der andere Theil,
auch ein Leben im Glauben, ein Leben im Gebet,
ein Leben vor dem Herrn führt. Ihr wollt doch
eine Bürgschaft für Euer Glück, einen festen
Grund für euern Hausstand haben: allein Je⸗
sus Christus, ergriffen mit gläubigem heilsbegieri⸗
gem Herzen, ist es, und sonst Nichts, weder im
Himmel noch auf Erden.
Sind beide Herzen in Ihn versenkt,
So können sie sich nicht trennen,
Und nimmermehr wird der Bund zersprengt,
Wo Beide Ihn Heiland nennen.
Was in Ihm vertraut und vereinigt ist,
Entzweit weder Sünde noch Feindes List.
Doch wir gehen weiter in unsrer Betrachtung.
Wenn nun ein Hausstand den rechten goldnen
Boden bat, und Eheleute als wahre Christen in
Christo ein Herz und eine Seele sind, meint ihr,
daß diese selige Einigkeit verborgen bleibt, ja sich
als einen todten unfruchtbaren Schatz erweiset?
Nein, nimmermehr. Da sind zunächst die heili—
gen Gottesdienste im Hause. Fromme Ehegat-
ten können gar nicht anders, sie müͤssen mit ein⸗
ander ihre Knie vor Gott beugen, und in allen
Dingen ihre Bitte im Gebet und Flehen mit
Danksagung kund werden lassen. Das Gebet
ist ihnen eine Lust, ihr Erstes des Morgens und
ihr Letztes des Abends. Dabei lassen sie Gottes
Wort immer reichlicher unter sich wohnen in al⸗
ler Weisheit. Wenn gleich ihr irdischer Beruf
sie noch so sehr in An spruch nimmt, sie wissen
Zeit zu finden, wo sie dasselbe mit einander trei⸗
ben, und aus seinen unversiegbaren Heilsquellen
sich laben und erquicken. Ohne das Lebensbrod
des Wortes Gottes könuen sie eben so wenig le⸗
ben, als ohne das leibliche Brod.
Ein zweites Band, das christliche Eheleute
zusammen bindet und ihre Einheit in Christo
offenbart und stärkt, ist die Kirche. Dahin zieht
es sie einmüthig mit seligem Verlangen, da haben
sie einen Vorschmack von Gottes ewigem Vater-
haus im Himmel, da holen sie sich vor Allem
Lust und Kraft zu allem Guten, Licht und Rath
für alle ihre Wege, Trost und Freudigkeit in
allen Nöthen. Ein Wort göttlicher Predigt ist
es, an dem man sich weidet und stärket, ein
Sacrament, in dem man gespeist wird mit
Christi Fleische und getränkt mit Seinem Blute
zum ewigen Leben. Und da nun so christliche
Ehegatten eins sind im Glauben, im Worte
Gottes, im Gebet, in der Kirche, im heiligen
Sacrament, kann da wohl Selbstsucht, Miß⸗
trauen, Bitterkeit, kann da Streit und Zank und
ander böses Wesen unter ihnen wohnen? Ein
Christenhaus ist eine Friedenshütte, darum muß
der Satan des Unfriedeus und Haders immer
mehr weichen, alle seine Bewohner sind Frie⸗
denskinder, darum verträgt Einer den Andern,
und vergeben sie sich unter einander, gleich wie
Christus ihnen vergeben hat, also auch sie. Es
giebt da wohl auch einmal Mißverständniß und
Zerwürfuisse, denn die Sünde ist in uns Allen
140
—
noch gar mächtig, allein man kann nie die Sonne
über seinen Zorn untergehen lassen, man hat
nicht eher Ruhe, bis wieder Friede, herzlicher
süßer Friede geschlossen ist.
Da nun Christen als Mann und Weib in
Eintracht und Gottesfurcht bei einander wohnen,
so leben sie auch kensch und züchtig in Worten
aus soll er regieren? Nicht aus Laune, nicht aus
und Werken, sie enthalten sich von allen fleisch⸗
lichen Lüsten, welche wider die Seele streiten.
Sie wissen, Gott ist ein heiliger und reiner Gott,
vor dem alle Unreinigkeit der höchste Greuel und
Abscheu ist, sie wissen, Gottes feuerflammende
Augen schauen in die verborgensten Winkel, in
die geheimsten Falten des Herzens, und so steht
über ihrem Bette geschrieben das Wort des
Apostels: „Die Ehe soll ehrlich gehalten werden
bei Allen, und das Ehebett unbefleckt;“ so haben
sie immer vor Augen und im Herzen das Wort
Christi: „selig sind, die reines Herzens sind,
denn sie werden Gott schauen.“ Und da dem
also ist, so kann es denn auch nicht fehlen, daß
unter christlichen Eheleuten eine weise, geordnete
häusliche Thätigkeit, und ein ernster Fleiß in
ehelicher Handthierung stattfindet. Der Mann
ist treu im Arbeiten und Verdienen, die Frau
treu im Sparen und Zusammenhalten, Eins
reicht dem Andern die Hand, Beide trachten da—
nach, immer treuer zu werden im Kleinen wie im
Großen, immer treuer im Leiblichen wie im
Geistlichen.
Unser heutiges Evangelium ist ein heller Spie⸗
gel des rechten christlichen Haus- und Ehestan-
des, denn da wird uns weiter die Ordnung ge—
zeigt, nach welcher Mann und Weib sich richten
sollen, die Regel, die unverbrüchlich in einem
Christenhause walten muß. „Was Er euch
sagt, das thut,“ spricht die Mutter Maria zu
den Dienern. O köstliches Wort! Selig, wer es
recht zu Herzen nimmt, und in allen Stücken
sich treu danach hält! Allein was ist es denn in⸗
sonderheit, was Gott Ehegatten in Betreff ihrer
Stellung zu einander sagt? Epheser am 5. heißt
es: „Die Weiber seien unterthan ihren Männern,
als dem Herrn — denn der Mann ist des Wei⸗
bes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt
ist der Gemeine, und Er ist seines Leibes Hei—
land. Aber wie nun die Gemeine ist Christo
unterthan, also auch die Weiber ihren Männern
in allen Dingen.“ Es wird in Häusern in
Scherz und Ernst viel hin und her geredet, wer
das Regiment habe, ob der Mann, oder die
Frau. Allein die Sache ist schon abgemacht.
Nach dem Sündenfalle hat Gott der Herr zum
Weibe gesprochen: „Dein Wille soll Deinem
Manne unterworfen sein, und er soll Dein Herr
sein.“ Und ebenso klar und deutlich ist es in
den eben augeführten Worten des Apostels Pau⸗
lus ausgesprochen. Der Mann soll regieren
und das Weib unterthan sein: das ist die rechte
christliche Hausordnung, das ist eine Wahrheit,
die vor Allem in unser Land voll Mannestyrannei
und Weiberknechtschaft mit Donnerstimme hin⸗
eingerufen werden muß. Denn daß hier weit
und breit einerseits die Männer nicht regieren,
wie sie regieren sollen, anderseits die Frauen das
Commando im Hause fuhren, wer kann das
leuguen? Allein kann auch wohl Etwas abscheu⸗
licher und unnatürlicher sein, als eine solche
Zerrüttung der Stellung der Ehegatten zu ein-
ander, ein solches Pantoffelregiment! Der Mann
soll regieren nach Gottes Ordnung.
soll er regieren? Wie Christus regiert über Seine
Gemeine, nicht tyrannisch, nicht selbstsüchtig,
sondern in herzlicher Liebe und Treue. Wo her—
Eigensinn und Hochmuth, sondern aus Gottes
heiligem Willen heraus. Wohin soll er regieren?
Wohin Christus seine Kirche regiert, zu Gottes
Ehre und daß sie mit einander heilig und selig
werden. Ihr Männer, ist es also mit eurem
Regiment bestellt? Seid ihr wirklich Väter und
nicht etwa Zuchtmeister und Tyrannen in euren
Häusern? Ist eure Herrschaft wahrhaftig eine
Herrschaft in dem Herrn und nach Seinem
Willen und arbeitet ihr mit beharrlicher Liebe an
derechristlichen Ausbildung und Förderung eurer
Weiber, für deren Seelen ihr dereinst Rechen⸗
schaft geben müßt? Haltet ihr euch treu nach
dem Wort des Apostels Petrus, da er sagt:
„Ihr Männer, wohnet bei euren Weibern mit
Vernunft und gebet dem weiblichen, als dem
schwächsten Werkzeuge, seine Ehre, als auch
Miterben der Gnade des Lebens, auf daß euer
Gebet nicht verhindert werde. Und seid nicht
bitter gegen sien? Könnt ihr auch Geduld mit
ihnen haben, gleich wie Christus mit uns Geduld
haben muß, und geht ihr vor Allem in allem
Guten mit einem leuchtenden Beispiele voran?
Laßt uns nimmer vergessen, wo gut regiert wird,
da wird auch gut gehorcht. Denn welche Frau,
in der noch ein Funken Gottesfurcht lebt, wollte
nicht mit Freuden einem solchen Regimente im
Herrn und durch den Herrn sich fügen! Ja, ge⸗
liebte Frauen! „wie nun die Gemeine ist
Christo unterthan, also auch die Weiber den
Männern in allen Dingen,“ das ist eure Auf-
gabe, die ihr als Christenfrauen zu erfüllen habt.
Mit Demuth, Treue und Willigkeit sollt ihr
gehorchen, nicht bloß den gütigen Herren, sondern
auch den wunderlichen. Und wenn euch der
Gehorsam zuweilen sauer wird, so sollt ihr em⸗
por sehen von eurem Herrn und Gatten zu dem,
der allewege mit herzlicher Barmherzigkeit regiert
und allen Gehorsam leicht, lieb und suß macht.
O wohl dem Haus, wo der Mann immer mehr
im Herrn regieren und das Weib im Herrn die-
nen lernt, da kommt man immer mehr entgegen
dem Ziel der christlichen Ehe, das in den schö—
nen Worten beschlossen ist:
Weißt du, wo es keinen Herrn und keinen Diener giebt?
Wo Eins dem Andern dient, weil Eins das Andre liebt.
Wo nun christliche Eheleute also die gottgeord⸗
nete Stellung zu einander durch Gottes Gnade
inne halten, da bleibt auch das dritte Stück eines
rechten christlichen Haus- und Ehestandes nicht
aus: sie lernen Beide redlich und einmuthig mit
einander tragen. Da sind Mann und Weib wie
zwei Augen, von denen, wenn das eine verletzt
wird, das andre auch allemal mit thränt. Das
Kreuz scheidet nicht, sondern bindet immer inni⸗
ger und fester zusammen. Nie ist ein Haus
ohne Kreuz gewesen. Haus und Hauskreuz
ge hören eng zusammen. Auch dem neugetrauten
Paare in Cana begegnet sogar gleich an seinem
Aber wie
ů
English translation
Not yet translated.