Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 19, Nummer 18 › Seite 141
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. Mai 1863, Seite 141
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Eheleute · Sklaverei
bochzeitstage eine kleine Noth. Es ist dies eine
Andeutung, daß der Noth mehr kommen wird.
Auther sagt gar schön: „ein Mann soll denken,
daß ihm Gott an seinem kranken Gemahl ein
Heiligthum in das Haus geschickt hat, an dem er
den Himmel erwerben soll. Selig und aber selig
bist du, wenn du solche Gabe und Gnade erken-
nest, und deinem Gemahl also um Gottes willen
dienest.“ So leiden denn christliche Ehegatten
in Geduld mit einander, was ihnen von Gott
aufgelegt wird, halten an am Gebet und Flehen,
bis die Stunde des Herrn gekommen ist, und
Mles, Lieb und Leid, Freud und Schmerz, Glück
und Unglück, bringt sie immer mehr dahin, daß
sie von Herzen zu einander sagen können:
Deine Freud, meine Freud;
Dein Leid, mein Leid;
Dein Brod, mein Brod;
Dein Gott, mein Gott.
Geliebte, solche Ehen sind wirklich im Himmel
geschlosen. Mann und Weib wandeln als
Gotteskinder Hand an Hand, Herz an Herz auf
Gottes Wegen, bis die Hand erstarrt und das
Herz bricht. Doch ich muß hiervon aufhören.
Ach daß wir Alle Herz und Hände zu Gott auf⸗
heben und bitten möchten: Herr, gieb uns eine
ö solche Ehe, laß unser aller Hausstand je mehr
und mehr einen Widerschein der Hochzeit zu Cana
werden! Denn wir sehen
II.
Nur auf einer solchen Ehe ruhet
Gottes Wohlgefallen, nur über
einem solchen Hausstand ergießen
sich die Ströme Seines Gnaden-⸗
segens.
Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ,
Im Stande, da dein Segen ist,
Im Stande heil'ger Ehe!
Wie steigt und neigt sich deine Gab'
Und alles Guts so mild herab
Aus deiner heil'gen Höhe,
Wenn sich an dich
Fleißig halten Jung und Alten,
Die im Orden
Eines Lebens einig worden.
Geliebte, ein wahrhaft christliches Haus ist
eine Hutte Gottes, ein Gegenstand Seines väter—
lichen Wohlgefallens, ein Nachbild des Himmels.
Herrlich war einst die Stiftshütte, denn in ihr
thronte der heilige und majestätische Gott, und
hatte da Seines Namens Gedächtniß gestiftet.
Herrlich ist die beilige christliche Kirche auf Er—
den, denn sie ist das Haus des lebendigen Gottes
da Er alle Seine Gnadenmittel niedergelegt hat,
und alle Seine Heilsschätze austheilt und spendet.
Allein gleichfalls herrlich ist ein wahres Chri-
stenhaus: da ist Gott der Vater, der aus
armen Sündern selige und fröhliche Gotteskinder
macht; da ist Gott der Sohn, der alle Seine
Segens- und Lebensströme ausschüttet, und die
Herzen immer mehr zu sich zieht; da ist Gott der
heilige Geist, der Sein Werk der Heiligung trei⸗
bet und alles Alte jemehr neu, und alles Todte
lebendig macht. Ja, Jesus Christus wohnt da—
selbst, gleichwie Er einst auf der Hochzeit zu
Cana zugegen gewesen ist, und mag ein solches
Haus gleich eine elende Lehmhütte und eine
Stätte bittrer Armuth sein, alle Prachtpaläste
der Erde sind nichts dagegen. Der Himmel ist
über ihm aufgethan, und die heiligen Engel stei⸗
gen wonnevoll und besorgt auf und nieder. Und
da nun ein solcher heiliger und hehrer Gast
bleibende Wohnung im Hause christlicher Ehe⸗
leute genommen hat, so herrscht auch der rechte
Ton in demselben. Derselbe zeigt sich in dem
Fragen und Suchen nach Gottes Willen, in dem
Ringen und Kämpfen wider jegliche Sunde, in
der Geduld und Treue in den befohlenen Wer—
ken, in der Lust und Freudigkeit an Allem, was
wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was
keusch, was lieblich, was wohllautet, ist etwa
eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denken sie
nach. Derselbe zeigt sich in dem täglichen Wan⸗
del, in der Art, wie sie den Beruf treiben, in der
Stille, die in ihrer Mitte herrscht, in dem Ver⸗
kehre unter einander; er zeigt sich in der Mäßig⸗
keit, womit sie genießen, und in der Zufriedenheit,
womit sie entbehren, in der Demuth, womit sie
die guten, und in der Ergebung, womit sie die
bösen Tage hinnehmen; er zeigt sich in dem
Eifer, womit sie ihr ganzes Leben allüberall in
die Herrschaft des göttlichen Willens zu stellen
trachten. Sagt, ist dem nicht also? Blicket
hin auf die Hochzeit zu Cana! Es ist eine hei⸗
lige Hochzeit, kein unlautres Wort ist zu hören,
kein Welt- und Sündenwesen zu sehen, denn der
Herr ist auf derselben und hält eine heilige Zucht
unter den Gästen. Diese heilige Zucht ist noch
heute ein Hauptsegen christlicher gottseliger Ehe,
man spürt des Herren Nähe, man wandelt alle⸗
wege vor Seinen Augen. Da ist denn alle
Freude und Lust, alles Weh und Leid verklärt
und geheiligt; man freut sich, wie man sich
freuen soll, und man leidet, wie und wozu man
leiden soll. O wie hohl und leer, wie fahl und
fade ist das Leben in so vielen Ehen, weil sie
nichts wissen und nichts suchen, als was die
Welt hat und bietet: Augenlust, Fleischeslust
und hoffärtiges Wesen! Sie hungern bei aller
Fülle, sie dürsten bei allen Strömen. Gehalt
und Geschmack gewinnt das Leben erst, wenn
wir den Herrn haben, das Leben im Leben, das
Leben in dem täglichen Tode, das Leben in dem
letzten Tode.
Wenn nun christliche Eheleute mit festem
Glauben fassen, daß Christus der treue Herr
und Heiland mit Liebe und Gnade unter ihnen
wohnet, o welch eine Seligkeit haben sie dann,
wenn Sorgen sie quälen, Haussorgen, Kinder-⸗
sorgen, Nahrungssorgen, heimliche Sorgen!
Dann können und sollen sie alle diese Lasten zu
Seinen Füßen niederlegen, getrost und mit aller
Zuversicht Ihn bitten, wie die lieben Kinder
ihren lieben Vater. Sie können und sollen im
Gebet und Flehen Alles, was sie druͤckt, Ihm
sagen und klagen, allen Schmerz vor Ihm aus⸗
schütten, allerlei gute Gaben von Ihm fordern,
all' ihr Thun und Lassen mit ihm besprechen.
Da muß ja der Friede, der höher ist, als alle
Vernunft, das Haus erfüllen, und Herzen und
Sinne bewahren in Christo zum ewigen Leben.
Gehen wir weiter in unsern Text hinein! Da
es an Wein gebrach, hat Er das Wasser, welches
in den steinernen Krügen zur Reinigung hinge⸗
stellt war, in Wein verwandelt. Er schrieb dem
jungen Ehepaare damit eine köstliche Ueberschrift
an den Eingang seines Hausstandes, nemlich
die: „Habt ihr Mich in eurem Bunde
und in eurem Hause, so soll es
euch nimmermehr fehlen.“ Und ist
dem nicht wirklich also? Wo sind die frommen
Eheleute, die bei dem Herrn nicht reichlichen,
überschwänglichen Trost hätten in aller Noth, in
aller Krankheit, in aller Armuth, in allem Ster-
ben und Verlust ihrer Kinder! Und Er tröstet
sie nicht bloß, sondern Er hilft ihnen auch, denn
Er ist ja der rechte Helfer in aller Angst und
Noth. Wie überschwänglich hat Er hier auf
der Hochzeit zu Cana geholfen! Es war dies
nicht ein vereinzeltes Hochzeitsgeschenk, sondern
ein Unterpfand auf die Hülfe fur alle fromme
Ehegatten.
Allein merket wohl, Geliebte, der Herr hilft
erst dann, wenn Seine Stunde gekommen
ist. Seine Stunde ist aber dann, wenn wir am
deutlichsten erkennen, daß es keine Menschen⸗
hülfe ist, und wenn uns seine Hülfe zur Stärkung
im Glauben und zum Preis Seines Namens am
Nützlichsten ist. O wie freundlich und gnädig
ist der Herr! selbst Seine Wundermacht hat Er
dazu aufgeboten, daß fromme Eheleute wissen,
welch einen starken Hort und Helfer sie an Ihm
haben, und daß Er allewege hilft zu rechter Zeit;
wir sollen nur anhalten im Gebet und Flehen,
bis Seine Stunde kommt. Er verwandelt auch
das bitterste Trübsalswasser in den edelsten
Freudenwein, trocknet alle Thränuen, stillt alle
Klagen, heilt alle Wunden. Es giebt Zeiten,
wo die sechs Wochentage dastehen nicht wie sechs
Wasserkrüge, sondern wie Thränenkrüge. Wohnt
dann der Herr mit im Hause, so verwandelt Er
auch diese Thränen in Wein. Er, der Sohn
Gottes, giebt den Sabbath, die Ruhe aus Gott
und in Gott zu der Müͤhe und den Schmerzen.
Auch unter der Trauer lernt man loben und
danken.
Seht, Geliebte, so ist treuen frommen Christen
ihr Haus- und Ehestand eine Schule des Him-
mels, in der sie unter der Zucht des heiligen
Geistes wachsen im Glauben und in der Gott-⸗
seligkeit, immer geübter und erfahrener werden
in den Wegen Gottes; so offenbart der Herr in
den Ehen Seiner Kinder, wie einst in Cana,
Seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit Seiner All⸗
macht und Gotteskraft, die Herrlichkeit Seiner
Weisheit und Wunderfüͤhrung, die Herrlichkeit
Seiner Liebe und Treue, bis sie einst Ihn schauen
von Angesicht zu Angesicht. Nun dazu verhelfe
Er uns Allen, Eheleuten und Alleinstehenden,
der treue Heiland; Er gebe, daß wir dereinst
mit einander unter denen sein mögen, die da
jauchzen und frohlocken: „Lasset uns freuen und
fröhlich sein, und Ihm die Ehre geben; denn
die Hochzeit des Lammes ist gekommen und Sein
Weib hat sich bereitet.“
Amen, Hallelujah! Amen.
(Eingesandt.)
Geehrter Herr Redacteur!
Sie haben vor einiger Zeit einen offenen Brief
an P. Schieferdecker publicirt, der den Zweck
hatte, den armen, verirrten Mann wieder zu⸗
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