Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 20, Nummer 1 › Scan 004
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. August 1863, Scan 004
Scan: Internet Archive item DerLutheraner20.
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German transcription machine transcription, uncorrected
nerreeeen
Ma ich sahr einen Engel
fliegen mitten durch den Him⸗
mel, der hatte ein ewig Evan-
gelium, zu verkündigen denen,
die auf Erden sitzen und woh⸗
nen, und allen Heiden, und Ge⸗
schlechtern, und Sprachen, und
Völkern,
Offenb. Joh. 14, 6.
Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen
Redigirt von C. F. W. Walther.
hr vergehet nun und nimm
Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten.
I sprach mit großer Stim⸗
me: Fürchtet Gott, und gebet
ihm die Ebre; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen, und
detet an den. der gemacht hat
Himmel und Erde, und Meer,
und die Wasserbrunnen.
Offenb. Joh. 14, 7.
ermehr.
Jahrgang 20.
St. Louis, Mo., den 1. September 1863.
No. 1.
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us Naumann in Leipzig.
Vorwort der Redaction
zum
zwanzigsten Jahrgang des
„Also gehet mirs: wer unter dem Pa bst
kann aus dem Luther den ärgesten Rotten-
geist machen, so die Sonnen beschienen hat, der
hats troffen. Wiederum, wer mich unter den
Rottengeistern kann zwiefältigen
Papisten, und ärger, weder den Pabst,
machen, der kann nicht feihlen. Und doch, wo
der Luther nicht hätte geschrieben, so würde kein
Rottengeist wissen, was der Pabst sei, und kein
Papist widerstehen können einigem Rottengeist
(ohne mit Frevel, Feuer und Schwert); aber
meine Lehre ist das Ziel, von Gott
gesteckt, zu dem alles muß schießen.“
So schreibt Luther im Jahre 1535 in sei⸗
ner Vorrede zu einer Schrift des alten Urban
Regius.“) Niemand kann leugnen, daß Luther
hiermit nichts als die reine Wahrheit ausge⸗
sprochen hat. Es scheint ja freilich etwas höchst
Seltsames zu sein, daß die Papisten Luthern für
den wuthendsten Feind des Pabstthums,
hingegen die schwärmerischen Secten ihn gerade
für einen Erzpapisten erklärt haben!
Und doch war es in der That also. Daß die
Papisten Luthern fort und fort als den ärg⸗
sten Feind ihrer sogenannten alten Kirche und
„Lutherauer.“
ihrer heiligen Ordnungen und Gesetze verflucht—
haben, dafür bedarf es keines Beweises; das
*) Luther's Werke, Erlanger Ausgabe 63, 332. 333.
weiß die ganze Welt. Die Reformationsgeschichte
beweis't es aber nicht weniger klar, daß Luther
hingegen von den Schwarmgeistern sei⸗
ner Zeit als ein „neuer Pabst“ verlästert worden
ist. Einen „neuen Pabst“ nannte ihn zum Bei⸗
spiel Thomas Münzer, das bekannte
Haupt der Zwickauer „himmlischen Propheten,“
in einer Schrift vom Jahre 1524, die den Titel
hatte: „Wider das geistlose, sanftlebende Fleisch
zu Wiitenberg.“ Und der Schwarmgeist An-
dreas Carlstadt nannte in einer Schrift
vom Jahre 1525 Luthern den „neuen sophisti⸗
schen Papisten“, ja, „des Antichrists nachge⸗
bornen Freund.“*) Auch Zwingli beehrte
Luthern und die Lutheraner mit nicht besseren
Ehrentiteln. In seiner sogenannten Augsburgi⸗
schen Confession von 1530 nennt er die Luthe⸗
raner wegen ihres Glaubens, daß der Leib Christi
nach seinem Wesen und wirklich im heil. Abend⸗
mahl gegenwärtig sei, Leute, „die nach den ägyp⸗
tischen Fleischtöpfen zurück schauen“, womit er
nichts anderes, als den Aberglauben und die
Priesterherrschaft der römischen Kirche meint.“*)
Wie war es nun aber möglich, daß man Lu⸗
thern so widersprechende, einander so völlig ent⸗
gegengesetzte Vorwürfe machte?
möglich, zugleich schwarz und weiß, zugleich für
und wider, zugleich ja und nein zu sagen? —
So unerklärlich jene sich gegenseitig aufhebenden
*) Luther's Werke, Walch's Ausgabe. XX, S. 13 der
historischen Einleitung.
**) S. Cyprian's abgedrungenen Unterricht von kirchlicher
Vereinigung der Protestanten. Anderen Theils S. 24.
Ist es auch
Anklagen, die man gegen Luther erhob, auf den
ersten Aublick zu sein scheinen, so leicht lassen sich
diese offenbaren Widersprüche erklären, wenn
man denselben auf den Grund sieht. Luther war
kein radicaler Umsturzmann, wie Munzer, Carl-
stadt und Zwingli, sondern, wie alle rechtschaf⸗
fenen Christen, durch und durch conservativ.
Das heißt, bei semem Reformationswerk ging
Luther nicht darauf aus, weil er das große ein⸗
gedrungene Verderben sah, nun nur schnell alles
umzusturzen, was er vorfand, das gemißbrauchte
Gute mit dem Bösen, das nach Gottes Wort
Freie mit dem Verbotenen, das Erträgliche mit
dem Gewissensbeschwerenden, wie die Schwarm-
und Rottengeister thaten. Sondern, was Luther
in der verderbten Kirche vorfand, das prufte er
nach dem untruglichen Prufstein des göttlichen
Wortes: was nun in Gottes klarem Worte sei⸗
nen Grund hatte, das holte er als ein köstliches
Kleinod aus dem Schmutze, womit man es be—
fleckt hatte, hervor, reinigte es davon und ließ es
sich nun durch nichts in der Welt nehmen; ja,
auch das, was nur nicht wider Gottes Wort,
also ein freies Mittelding, und brauchbar war,
oder dessen Abschaffung doch hätte Unruhe erre⸗
gen oder die Leute von der Hauptsache ablenken
können, das behielt er bei. Als Luther z. B.
in Gottes Wort die klaren Worte Christi fand:
„Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, da ließ
er sich von den Schwärmern nimmer überreden,
die Lehre, daß Christi Leib und Blut im heiligen
Abendmahle sei, mit ihnen als eine römische,
papistische Lehre zu verwerfen, sondern hielt dar⸗
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