Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 20, Nummer 1 › Seite 5
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. August 1863, Seite 5
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule
schlamm gewesen, aus dem sich zuerst die Pflan⸗
zenwelt, darnach aus dieser die Thierwelt und
endlich wiederum aus dieser als letzte Spitze und
Krone des organischen Lebens der Mensch heraus-
formiert hätte, so daß also dieser (freilich nur im
Gehirn dieser dünkelweisen Naturforscher sitzende)
Urschlamm der Urvater aller lebeudigen Wesen
it. Bei der Uebereinstimmung in Hinsicht auf
diesen gemeinsamen Urgrund alles Lebens in den
verschiedenen atheistischen Naturkundigen ist es
dann von keinem besondern Belang, daß die einen
z. B. den Affen für einen entarteten Menschen,
die andern aber den Menschen für einen veredel⸗
ten Affen halten; denn diese unbedeutende Mei-⸗
nungsverschiedenheit wird von der Einigkeit im
gemeinsamen Urschlamm, darin sie alle stecken,
bei weitem überwogen.
Diese Behauptungen aber werden natürlich
nicht nur von der heil. Schrift als gotte slästerlich
verworfen, sondern auch von dem Vernunftlicht
der gebildeten ehrbaren Heiden als Wahnsinn
und Aberwitz erklärt. Denn diese er⸗ und be—
kannten aus der Existenz, Erhaltung und Re-
gierung der Welt, daß ein Gott sei, der sich auch
im Gewissen des Menschen bezeuge, der die Un-
gerechtigkeit der Einzelnen, wie ganzer Völker schon
in diesem Leben mit Gerechtigkeit strafe und in
der Unterwelt die Gottlosen mit ewigen Strafen
peinigen werde.
und deshalb werden diese vernunftigen Heiden
wider die unvernünftigen, abgefallenen Christen
und atheistischen Gotteslästerer am jüngsten Ge⸗
richt auftreten und sie verdammen.
So ist denn klarer, als die Sonne, daß die fei⸗
nen und groben epikurischen Atheisten und abge⸗
fallenen Christen e in Herz und eine Seele sind
und als aus einem Munde immerdar schreien:
„Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche.“
Dieser Spruch aber findet auch sonst seine
Anwendung in den geselligen Verhältnissen nuse⸗
rer Zeit. Es ist nämlich dem Sinne Christi und
seinem Worte gemäß, daß seine Christen auch
das gesellige Wesen pflegen. Schon als 12jäh⸗
riger Knabe, da er nach Gottes Leitung im
Tempel zu Jerusalem zurückblieb, als seine Eltern
heimkehrten, wurde er von diesen, da sie ihn am
Abend der ersten Tagereise vermißten, unter den
Gefreundten und Bekannten gesucht. Und dar⸗
Jnss erhellt, daß er kein trübsinniges, menschen⸗
scheues, sondern ein freundliches, ge selliges,
liebreiches Wesen hatte und den Umgang und
Verkehr mit gottesfürchtigen Menschen unterhielt.
Aehnlich finden wir ihn dann später auch als
Mann, nach seinem dreißigsten Jahre, als er
zur Ausrichtung seines prophetischen Amtes unter
Jorael auftrat und sich auch in seiner geselligen
Art und Weise gar sehr von Johannes, dem
Täufer, unterschied. Dieser nämlich hielt sich
einsam in der Wüste, trug ein härenes Kleid, aß
Heuschrecken und wilden Honig und war ein
Nann des Gesetzes, ein ernster Bußprediger, der
vorberrschend den Stab Wehe führte, um die har⸗
en Herzen der groben oder selbstgerechten Sünder
zu zerschlagen und ihnen ein Zuchtmeister auf
Christum zu werden. Ganz anders aber hielt
sich der HErr in seinem geselligen Bezeigen.
Nach seiner Freundlichkeit und Leutseligkeit wohnte
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er der Hochzeit zu Kana bei, aß mit den bußfer⸗
tigen Zöllnern und Sündern und kehrte nicht nur
bei den Liebhabern des göttlichen Wortes, bei
Lazarus und seinen Schwestern, Maria und
Martha, in Bethanien, sondern auch bei Zachäus
in Jericho ein und verschmähte sogar nicht die
Einladung des stolzen Pharisäers Simon.
Nach seinem Vorbilde nun sollen sich denn
billig seine Gläubigen in ihrem geselligen Wesen
halten und zweierlei Ausschreitung meiden. Die
eine ist eine gewisse mönchische und klösterliche
Abgeschlossen heit und Zurückgezogenheit, ein pie⸗
tistisch-gesetzliches Wesen, das meistens mit einer
guten Portion geistlichen Hochmuthes verbunden
ist und darin man ängstlich die gesellige Berüh-
rung mit solchen Leuten meidet, die nicht zu den
stadt⸗ und landkundigen Bekehrten gehören und
im Geruch sonderlicher Frömmigkeit stehen. Die
andere Ausschreitung ist die entgegengesetzte, da
man sich in seinem geselligen Verhalten der Welt
gleichstellt, ihre Lustbarkeiten und Ergötzlichkeiten
gelegentlich mitmacht oder doch nach ihrer Art
redet und sich unterhält; und wer wollte leug⸗
nen, daß dies immer mit einem Mangel an
geistlichem Ernst und mit einem Mißbrauch der
christlichen Freiheit verbunden ist?
Die gesunde christliche Geselligkeit aber ver⸗
meidet beiderlei Abirrung. Ernste einfältige
Christen pflegen allerdings ebenso wenig Umgang
und geselligen Verkehr mit offenbaren Weltmen-
schen, die Gottes Wort verachten, als sie ihrer
geselligen Unterhaltung auf pietistisch⸗gesetzliche
Weise den Stempel gemachter Erbauung auf⸗
drücken. Sie hassen allerdings alles faule Ge⸗
schwätz und die lose ungeistliche Rede; dagegen
ist ihnen nicht minder widerwärtig alle gesuchte
Geistlichkeit und erkunstelte Salbung. Sie reden
über alles, über gutes und böses Wetter,
über Krieg und Frieden, über gute und schlechte
Ernte, über Kunst und Natur, über Sitte und
Unsitte, uber Gewerbe und Handel, uüber Ent⸗
deckungen und Erfindungen, über Wissenschaft
und Politik, über Kirche und Staat, über Geschich-⸗
ten und Führungen einzelner Menschen, wie
ganzer Völker und was des mehr ist; aber all
ihrem Reden und geselligen Wechselgespräch, sei
es mit Brüdern in Christo oder mit andern Men-
schen, wie es die Umstände gerade mit sich brin⸗
gen, liegt die kirchliche Gottesfurcht, der wahre
Glaube an Christum, der geistliche Sinn und
der Gehor som gegen Gottes Wort immerdar zum
Grunde. e wollen, daß auch auf dem Gebiete
des geseligen Lebens Christus und sein Wort
allezeit über sie herrsche und daß ihre Rede lieb⸗
lich sei und mit Salz gewürzet.
Gar anders aber verhält es sich mit den Kin-
dern des Unglaubens in dieser unserer Zeit auch
in ihren geselligen Verhältnissen. Die Feind-⸗
schaft und der Haß wider Christum und sein
Wort und zugleich die Selbstvergötterung des
Menschengeistes in allerlei Gaben und Kräften
tritt auch hier kräftig hervor. Der Cultus des
Genies ist der vornehmste Gegenstand ihrer
Gespräche und ihrer geselligen Unterhaltung;
und je kleiner und armseliger sie in sich selber
sind, desto großartiger kommen sie sich vor, in
Rede und Schrift ihre Götzen zu verehren, als
da sind größere und kleinere Entdecker und Erfin⸗
der, Künstler und Gelehrte, Denker und Dichter
von der abgöttischen Zunft, die auch fleißig wider
die Ehre des wahren Gottes dem Menschengeiste
die Ehre gaben und Weihrauch streuten, sonder⸗
lich aber die Revolutionshelden der neueren Zeit,
die politischen Märtyrer des Jahres 1848.
All diesen Abgöttern zu Ehren werden denn
auch fleißigst Gedächtnißfeste an ihren Geburts⸗
tagen gehalten, ihr Andenken durch schwülstige
Reden und götzendienerische Lieder wieder aufge⸗
frischt, vornehmlich aber — denn das ist und bleibt
ihnen doch die Hauptsache dabei — und zugleich
zu Ehren des heidnischen Gottes Bacchus und
ihres Lehrvaters Epikur tüchtig gegessen und
getrunken. Und indem sich in diesen Zechbrü⸗
dern und Gottes- und Teufelsleugnern gerade
der Hochmuths- und Saufteufel fleißig in die
Hände arbeiten, so ist es kein Wunder, daß sich
diese seine Kinder bei diesen Gelagen gegenseitig
stärken theils in der Feindschaft wider Christum
und sein Wort und Kirche und wider Fürsten
und Pfaffen, theils in der Verehrung und Anbe⸗
tung ihrer Abgötter. Und damit denn ihre Toasts
nicht zu flüchtig verhallen und ihre Trankopfer
nicht zu schnell verrauchen, so fassen sie denn in
sonst ungewohnter Freigiebigkeit den kühnen Ent⸗
schluß, ihren Götzen möglichst bald in Erz und
Stein Denkmale zu errichten, Standbilder und
Bildsäulen, in denen sie den Menschengeist und
sich selber vergöttern und zum gemeinsamen
Götzendienst sich um sie versammeln. Da ist es
denn mit Händen zu greifen, daß auch hier diese
Kinder des Unglaubens als aus ein em Halse
schreien und deß nicht müde werden: „Wir wol⸗
len nicht, daß dieser über uns herrsche.“
Nicht minder aber wird die Herrschaft Christi
von dem ehebrecherischen Geschlecht unserer Tage
im ehelichen und häuslichen Leben und in der
daraus fließenden Kinderzucht verworfen. Es
ist wohl kaum eine Zeit gewesen, da, der Masse
nach, die Ehen so leichtfertig geschlossen und dem⸗
gemäß geführt und wieder geschieden werden, als
in der unsrigen.
Der HErr Christus will, daß die Ehen in der
Furcht Gottes, im wahren Glauben an Ihn und
unter Einwilligung der Eltern oder Vormünder
und Pfleger der Jünglinge und Jungfrauen
geschlossen und demgemäß darnach geführt wer⸗
den. Und er will eben so wenig, daß die Eltern
aus Eigennutz, Eigen sinn und menschlicher Plan⸗
macherei das junge Volk wider die natürliche
Neigung zur Ehe zusammenzwingen, oder daß
dieses sich wider den Willen der Eltern und das
vierte Gebot sich heimlich verspreche und zusam-
menlaufe. Jener Ehezwang kam nun in frühe⸗
rer Zeit nicht selten vor, zumal in Häusern, da
nur ein gesetzliches, mitunter auch ein despoti⸗
sches Regiment geführt wurde. Dagegen ist
jetzt das leichtfertige Anknüpfen von Liebschaften
und in Folge deß die heimlichen Eheversprechun⸗
gen hinter dem Rucken der Eltern oder Vormün⸗
der so ziemlich im Schwange, zumal wenn das
junge Volk bürgerlich volljährig ist. Bei den
Heiden ist aus dem Licht des ins Herz geschrie⸗
benen Naturgesetzes die Sitte stehend, daß die
Eltern ihre Töchter zur Ehe ausgeben und ihren
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