Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 20, Nummer 1 › Seite 4
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. August 1863, Seite 4
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule · Gemeindeſchule
Mutter, die ihre eigenen Kinder frißt, um sie
darnach in allerlei Verwandlungen wieder von
sich zu geben.
Es leugnen also diese Kinder des Unglaubens,
diese Narren des Teufels, den persönlichen und
in unumschränkter Machtvollkommenheit über der
Welt erhabenen, von dem Seraph wie von dem
Wurm als durch eine Kluft geschiedenen, maje⸗
stätischen, glorreichen Gott, in dem gleichwohl
alle Menschen leben, weben und sind, der alle
Dinge trägt mit seinem kräftigen Wort, ohne des⸗
sen Willen kein Sperling vom Dache und kein
Haar vom Haupte fällt, ohne dessen Kraft sie sel⸗
ber, diese Thoren, nicht denken, reden und schrei⸗
ben können, wiewohl der Inhalt desselben nichts
denn Luͤgen und Betrug, ja stinkende Blähungen
und Winde des Teufels sind, die er durch ihren
Mund streichen läßt.
Leugnen diese betrogenen Betrüger aber den
persönlichen, wahren und lebendigen Gott außer
und über der Welt, so leugnen sie natürlich auch
seinen heiligen und gerechten Willen, den er als
Gesetz allen Menschen ins Herz geschrieben und
zudem noch, seinem wesentlichen Inhalte nach,
in den heil. 10 Geboten ausgedrückt hat; näm-
lich, wie die Menschen, seine vernünftigen Crea⸗
turen auf Erden, nach Seel und Leib beschaffen
sein und demgemäß denken und wollen, thun und
lassen sollen. Leugnen sie aber diesen im Gesetz
innerlich und äußerlich ausgedrückten Willen
Gottes und seine heiligen Forderungen an seine
Geschöpfe: so leugnen sie auch folgerichtig, daß
es irgend welche Uebertretungen dieses Gesetzes
in Gedanken, Worten und Werken gebe, mithin
die Wirklichkeit der Sünde, das ist, der zu süh⸗
nenden und die Nothwendigkeit der strafenden
Gerechtigkeit und Vergeltung. Demnach handelt
denn auch, nach der Anschauung dieser atheisti⸗
schen, epicurischen Weisen, die Obrigkeit sehr
grausam und nnmenschlich, wenn sie z. B. einen
Dieb oder Hurenbock und Schänder von Jung-
frauen straft; denn ihr Thun sei ja nur eine
bloße Naturnothwendigkeit und kein Unrecht, da
es eben kein Recht und Gesetz, also auch keine
Uebertretung und Verletzung derselben gebe.
Leugnen sie aber das Unrecht und die Sünde,
und noch mehr die erbsündliche Verderbtheit der
menschlichen Natur, die ihnen als christliche
Grundlehre natürlich als völliger Unsinn oder
Wahnsinn erscheint, so leugnen sie demgemäß
auch die Nothwendigkeit einer Erlösung; und
die Lehre von Christi Person und Werk ist ihnen
die ausgemachteste Thorheit. Die Geschichte von
Christo aber verweisen sie billig in das Gebiet
der Sage und Fabel, wie die vom Herkules und
Theseus, obwohl sie wider die Wahrheit selbst
der Weltgeschichte nicht zu leugnen vermögen,
daß das Evangelium Chbristi götzendienerische
und in Sünden ersoffene heidnische Völker zu
gotte sfürchtigen und sittlich gearteten Menschen
umgewandelt, ja die ganze Gestalt der Welt ver—
ändert habe. Solchen Geschmeißes und Unge⸗
ziefers, gleich einer egyptischen Plage, ist nusere
Zeit jetzt voll, sonderlich drüben in unserem alten
Vaterlande, da die Hauptschreier und Haupt-—
schreiber dieses Atheismus, der wie ein Krebs
immer weiter um sich frißt, ihren Sitz haben und
von denen die hiesigen, vornehmlich vom Jahre
1848, erst ihre Weisheit gelernt haben.
Es sind aber zweierlei Sorten dieser gottlosen
Gesellen. Die eine sind die unfläthigen Säue,
die sich im Schlamme der groben fleischlichen
Lüste, im Fressen, Saufen, Huren ꝛc. wälzen;
und je tiefer sie sich darein wühlen, desto wohler
ist ihnen zu Muth. Vornehmlich sind es die
Saufhelden in den Branntweinskneipen und
.
werden, immer kräftiger in ihnen wird, bis sie
endlich im Säuferwahnsinn oder in Verzweiflung
Bierhäusern, da sie sich gewohnheitsmäßig toll
und voll saufen, von dem starken Getränk wild
und unsinnig werden oder gar, ihrer Besinnung
beraubt, zu Boden fallen und als ein lebendiges
Aas daliegen.
immerdar so greulich her, daß sie sich unter das
unvernünftige Vieh so rief erniedrigen, so ist und
bleibt es doch ihre Lust, sich fleißig anzutrinken,
zumal wenn es ihnen nichts kostet und sie von
ihren Gönnern tractiert werden. Weil sie, ob-
gleich getaufte Christen, grundsätzlich und ohne
Scham und Scheu den Gott verleugnen, auf den
sie getauft sind, und sonderlich Christum schänd⸗
lich lästern, so ist es nur der strafenden Gerech-⸗
tigkeit Gottes gemäß, diese in folgenden Stücken
an ihnen zu erzeigen:
Zum Ersten nämlich geschieht es in ihnen,
daß die Regungen des Gewissens und einer, wenn
auch nur knechtischen, Furcht vor Gott und sei—
nem Wort, die im Anfange ihres Sündenlaufes
noch häufiger waren, immer seltener und schwä⸗
cher werden. Früher erschreckte sie noch zuweilen
das lebendige und kräftige Wort Gottes, das
z. B. Sprüchw. 23, 29. also lautet: „Wo ist
Weh? Wo ist Leid? Wo ist Zank? Wo ist Kla-
gen? Wo sind Wunden ohne Ursach? Wo sind
rothe Augen? Nämlich, wo man beim Wein
liegt und kommt auszusaufen, was eingeschenkt
ist; und desgleichen Jes. 5, 11.: „Wehe de⸗
nen, die des Morgens fruͤh auf sind, des Saufens
sih zu befleißigen, und sitzen bis in die Nacht,
daß sie der Wein erhitzt; daher hat die Hölle
ihren Rachen weit aufgethan, daß sie hinunter⸗
fahren.“ Und nicht minder erschracken sie bei
St. Pauli Wort, daß die Trunkenbolde das Reich
Gottes nicht ererben werden. Aber weil der
Teufel und ihr eigener böser Wille diese Re—
gungen des Gewissens im starken Getränk alsbald
ersäuften und den Ansatz zu rechtschaffener Buße
verhinderten, so war es der Strafgerechtigkeit
Gottes gemäß, daß diese Regungen je länger,
desto seltener und schwächer wiederkehrten, das
Gewissen immer stumpfer und der Verstand im⸗
mer finsterer, der Wille immer böser, das Herz
immer kälter und härter wurde.
Zum Andern begiebt es sich in Folge deß
in ihnen, daß der Saufteufel immer mehr Besitz
von ihnen nimmt und sie in fluchen, lästern,
huren, faullenzen, lügen, trugen, stehlen und
andere Schande und Laster immer unaufhalt-⸗
samer hineinstürzt, sie nach Leib und Seele im-
mer mehr zu Grunde richtet und sie auch in die
äußerste Schmach und Verachtung vor den
Menschen bringt.
Zun Dritten ist es der gewöhnliche Hergang,
daß der Zorn und Haß wider Gott, den sie ver⸗
geblich zu leugnen versuchen und unter dessen
Strafgericht sie immer härter und verstockter
Und geht es auch nicht bei allen
ihre elende Seele aushauchen, die dann der Teu⸗
fel zur Hölle hinabreißt.
Die andere Sorte der Gottesleugner und Epi⸗
kurer ist die feinere, aber bei weitem gefährlichere,
als die eben erwähnte; denn bei diesen ist es
selbst blöden Augen klar ersichtlich, wohin die
Leugnung Gottes und die Abstreifung aller Got⸗
tesfurcht endlich führe, nämlich in das zeitliche
und ewige Verderben.
Diese feine Sorte nun sind die gebildeten Athe⸗
isten, die, wie bereits oben dargethan, die Gött⸗
lichkeit und Ewigkeit der Welt behaupten, dage⸗
gen den persönlichen Gott über der Welt leugnen.
Und daß aus diesem Behaupten und Leugnen die
Aufhebung aller sittlichen Verhältnisse und auch
des bürgerlichen Gemeinwesens, als einer Rechts⸗
anstalt, nothwendig erfolgen müsse, haben wir
bereits oben gesehen. Denn diese getauften, aber
abgefallenen Christen sind nicht nur geschworne
Feinde Christi und seines Reiches, Verächter und
Spötter der Bibel, sondern auch Feinde und
Hasser aller heilsamen Ordnungen, als z. B. des
einem jeden eigenthümlichen Besitzes in Geld und
Gut, der Ehe und der Beschützerin beider Ord⸗
nungen, der weltlichen Obrigkeit. Und wäre
ihre Macht so stark, als ihr böser Wille, so wäre
bereits aller Orten die Obrigkeit aus dem Mittel
gethan, der Unterschied des Eigenthums und die
Ehe aufgehoben und die ganze Welt in eine
große Räuberhöhle, Mördergrube und Huren⸗
haus umgewandelt, darin sie jedoch die Fürsten
und Herren, d. i., schließlich in gegenseitiger Ver⸗
nichtung des Teufels Statthalter auf Erden
wären.
Doch ist der größte Theil dieser gebildeten
Gottesleugner bis jetzt noch vorsichtig genug, dies
ihr schließliches Absehen, die Welt zu beglücken,
d. i., zu verwüsten, noch geheim zu halten nnd
sich in den Schranken der Ehrbarkeit und des An-
standes zu bewegen, so daß sie auch mit jenen
ihren Brüdern von der groben Sorte keine offen⸗
bare Gemeinschaft pflegen. Dagegen lieben sie
es, sich in das Gewand der Wissenschaftlichkeit zu
kleiden, das ihnen jedoch ziemlich lose anhängt
und ihnen etwa eben so wohl ansteht, als die
Reifröcke den Weibern; auch ist trotz des statt⸗
lichen Aussehens in beiden Gewändern ziemlich
viel Wind. Insonderheit brüsten sie sich mit
sogenannten neueren Ergebnissen der erfahrungs⸗
mäßigen Naturwissenschaft, um die biblische
Schöpfungsgeschichte zu bestreiten und als bloße
Fabel und Dichtung hinzustellen. Diese Ergeb⸗
nisse jedoch, die zuerst mit der größten Dumm⸗
dreistigkeit als unzweifelhaft und unangreifbar
ausposaunt waren, wurden danach von gründ⸗
lichen und wahrhaft wissenschaftlichen Natur-⸗
forschern als leere Behauptungen und unhalt⸗
bare Sätze nachgewiesen; und dadurch ward der
Beweis geliefert, daß gerade der böse Wille und
Haß gegen Gottes Wort jene scheingelehrten Ge⸗
sellen in ihren Beobachtungen geleitet und sie in
ihre irrigen Behauptungen hineingetrieben hatte.
Das trefflichste dieser Weisheit ist unleugbar
die Bebauptung, daß die erste und ursprüngliche
Geburtsstätte des Menschen ein befruchteter Ur⸗
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