Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 21, Nummer 1 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1. September 1864, Seite 4

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urtheil bei allen seinen Glaubensbekenntnissen
bis an seinen Tod. Und ihm sind alle treue
Diener unserer Kirche hierin gefolgt. So ließen
sich die gottseligen Männer Johann Arndt
und Paul Gerhardt lieber des Amtes ent⸗
setzen und des Landes verweisen, ehe sie dem Be⸗
fehle häͤtten gehorchen sollen, falschen Lehrern zu
Gunsten auch nur eine Ceremonie abzuschaffen
oder dieselben auch nur nicht mit Namen zu nen⸗
nen. Während die falsche Kirche, die von Got⸗
tes klarem Worte abging, immer dadurch ihre
Ungewißheit und ihr böses Gewissen geoffenbart
hat, daß sie ihre Gegner auch gelten lassen wollte,
wenn man nur auch sie gelten lassen wollte, und da⸗
her immer eine äußerliche Union ohne Einigkeit in
der Lehre zu stiften gesucht hat, so hat hingegen die
rechtgläubige Kirche nie eine andersgläubige an⸗
erkannt, sondern, ihres Glaubens gewiß, jeden
anderen Glauben verworfen. Daher denn auch
Luther schreibt: „Die Kirche ist, spricht St.
Paulus 2 Tim. 3, 15., ein Pfeiler und Grund⸗
veste der Wahri eit. Sie stehet feste, spricht er,
ist eine Grundveste und fester Grund, dazu nicht
ein falscher oder Lügengrund, sondern ein Grund
der Wahrheit, leuget und trüget nicht, gehet
nicht mit Lugen um. Was aber wanket oder
zweifelt, das kann nicht Wahrheit sein. Und
wozu wäre nütze oder noth in der Welt eine
Kirche Gottes, wenn sie wollte wanken und un⸗
gewiß sein in ihren Worten?“ Weiter unten
fährt Luther fort: „Die Kirche muß allein Got⸗
tes Wort lehren und des gewiß sein, dadurch sie
der Grund und Pfeiler der Wahrheit und auf den
Felsen gebauet, heilig und unsträflich heißt, das
ist, wie man recht und wohl sagt: Die Kirche
kann nicht irren; denn Gottes
Wort, welches sie lehret, kann nicht
irren. Was aber anders gelehret, oder Zwei⸗
fel ist, ob's Gottes Wort sei, das kann nicht der
Kirchen Lehre sein, sondern muß des Teufels
Lehre, Lugen und Abgötterei sein.“ (Schrift wi⸗
der Herzog Heinrich von Braunschweig. Walch
XVII, 1680. 1686.)

Aber, spricht vielleicht mancher, ist es nicht
wider die Lie be, allein recht haben zu wol⸗
len und jeden anderen Glauben als Irrthum zu
verwerfen und so Streit und Unfrieden in der
Christenheit anzurichten? Hierauf antworten
wir noch folgendes: Gerade Lie be zu unseren
Miterlösten ist es, die uns nächst Gottes Ehre
bewegt, so fest auf unserer Lehre zu bestehen und
alle derselben entgegenstehende Lehre zu verwer⸗
fen. Wir Lutherauer halten nicht darum so fest
an unserem Glauben, weil wir dächten, ein gu-
ter Lutheraner müsse einmal bei seiner lutheri⸗-
schen Lehre bleiben; nicht darum, weil diese
Lehre einmal in unseren symbolischen Büchern
stehe, die man nicht fallen lassen dürfe; nicht
darum, weil Luther, der große Reformator, so
gelehrt habe; nein, unser Grund ist dieser: weil
wir erkannt haben, daß die lutherische Lehre das
reine Gottes-Wort ist, weil Gottes heiliger Geist
den Glauben daran in unserem Herzen gewirkt
hat und weil wir erfahren haben, daß dieser
Glaube allein den Menschen der Vergebung sei⸗
ner Sunden, der Gnade Gottes und der Selig-
keit gewiß macht, ein neues Herz in ihm schafft

4

und ihn zu einem wahrhaft gottseligen Leben
führt. So wenig es nun Liebe wäre, einen
Menschen, der auf einem gefährlichen Irrweg
geht, dies nicht zu sagen und ihn über den rech⸗
ten Weg in Ungewißheit zu lassen; so wenig wäre
es Liebe, wenn wir den falschen Glauben anderer
nicht tadeln und verwerfen und unseren rechten
Glauben auch nur für unsere ungewisse Meinung
erklären wollten. Man bedenke doch, was wir
davon einernten, daß wir, wie man es nennt,
so steif auf unseren Glauben halten! Fast jedes
Blatt, das in unsere Hände kommt, ist voll der
bittersten Angriffe mehr auf unsere Personen, als
auf unsere Lehre. Nicht Gunst und Ehre, sou-
dern Haß, Schmach und Schande ist alles, was
uns unser Kampf für unseren Glauben und ge⸗
gen den demselben entgegenstehenden für unsere
Personen eingebracht hat. Daß wir den ein ·
geschlagenen Weg deswegen verfolgten, nur un⸗
sere Zahl zu vergrößern, kann auch niemand
glauben; denn es ist klar, daß wir bei unserer
Strenge in Lehre und Praxis tausendmal mehr
Schwierizkeiten haben, die theils im Unglauben,
theils in Irrglauben, theils in Glaubensgleich⸗
gültigkeit erzogenen Kinder unserer Kirche zu
sammeln, als diejenigen, welche im Lehre und
Praxis lar sind. Während andere alles aufneh⸗
men, was nur willig ist, zur Gemeinde zu zah⸗
len, mag es nun mit Glauben und Leben stehen,
wie es stehen will, so legen wir hingegen jedem,
der in unseren Gemeinden Aufnahme finden will,
sogleich eine Anzahl Bedingungen in jener dop⸗
pelten Beziehung vor, die zur Entscheidung
drängen und in der Regel bald eine Sichtung
zur Folge haben. Wahrlich! wenn uns
nicht die Liebe zu unseren Miter⸗
lösten triebe, so würden wir bald
nachgiebig werden, uns in die Zeit
schicken und mit den Gegnern unse⸗
rer Lehre ein Compromiß eingehen.
Aber da sei Gott für! —Und das ist es denn,
was wir auch bei dem Anfange dieses neuen
Jahrgangs unseres „Lutheraner“ unseren Lesern
hierdurch erklären: So lange uns Gott nicht
fallen läßt, sondern durch seinen heiligen Geist
im Glauben an sein Wort, in seiner Gnade und
in der Liebe erhält — so lange wird auch unser
„Lutheraner“ ferner an seinem auf Gottes Wort
gegründeten Glauben festhalten, davon kein
Haarbreit abweichen und Gott die Sache befeh-
len, der allen Dienern seiner Kirche durch seinen
Knecht Paulus zugerufen hat: „Habe Acht auf
dich selbst, und auf die Lehre, beharre in diesen
Stücken. Denn wo du solches thust, wirst du
dich selbst selig machen und die dich hören.“
1 Tim. 4, 16. Er aber, der treue Gott, der da
will, daß allen Menschen geholfen werde und
zur Erkenntniß der Wahrheit kommen, und der
unser geringes Blatt bisher über Bitten und Ver ⸗
stehen dazu gesegnet hat, daß viele die Wahrheit
erkannt haben und dadurch auf den rechten Weg
zur Seligkeit gekommen, auch bereits zu einem
großen Theile auf diesen Glauben getrost und
selig entschlafen sind — er segne unseren armen
verachteten, geschmähten und verketzerten „Lu⸗
theraner“ auch ferner zur Bekehrung vieler von
dem Irrthum ihres Weges und zu ihrem ewigen

—4

Heile. Das wolle er aus Gnaden thun zu sei⸗
ner Ehre um JEsu Christi, aller Menschen Hei⸗
lan des, willen. Amen!

(Eingesandt von Pastor Baumstark.)
Kurzer Abriß der Geschichte und Lehre
der wichtigsten neneren Secten.
(Fortsetzung.) „

III. Die Quäker.
Der Grundirrthum aller Schwärmer ist der,
daß sie die äußerlichen Gnadenmittel, welche der

barmherzige Gott in seiner unendlichen väterlichen

ö

Weisheit eingesetzt hat, um seine himmlischen

Güter uns mitzutheilen, in geistlichem Hoch⸗
muthe verachten und nur von „Geist, Geist“

wissen wollen, ohne zu bedenken, daß Gottes

Geist eben durch die äußern Mittel des Wortes
und der Sacramente in uns wirken will mit
Rücksicht auf das nicht rein geistige, sondern
leiblich⸗geistige Wesen des Menschen, nach wel⸗
chem der menschliche Geist durch äußere, sinnliche
Wahrnehmung seine Eindrücke empfängt. Die⸗
ser Grundirrthum aller Schwärmer liegt in den
Lehren und dem Wesen aller falschen Secten,
mit denen wir es hier zu thun haben, offen zu
Tage und zeigt sich besonders in ihren Lehren
vom Wort Gottes und den heiligen Sacramen⸗
ten, indem sie dieselben zu todten Maschinen und

leeren Ceremonien herabwürdigen, und nicht
glauben wollen, daß in und durch diese äußeren

Mittel Gottes Geist und Gnade lebe und wirke.
Während aber andere Secten sich noch scheuten,
diese Verachtung der von Gott gestifteten äußern

Gnadenmittel in offener und strenger Consequenz

durchzuführen, so bat dagegen die Secte der
Quäker diesem Grundsatze in ihrer Lehre und
ganzen kirchlichen Einrichtung volle und unbe—
schränkte Herrschaft eingeräumt.

Als Vorläufer dieser Secte kann füglich be⸗
trachtet werden der zu Luthers Zeit lebende
Kaspar Schwenkfeld von Ossigk
in Schlesien. Derselbe schloß sich anfangs mit
Eifer der lutherischen Reformation an, füͤhlte
sich aber mit seinem schwärmerischen, über dem
Innerlichen alles Aeußerliche verachtenden Geiste
bald mit dem biblisch nüchternen und besonne⸗
nen, dem Aeußerlichen seinen Werth belassenden
Wesen Luthers in Widerspruch. Und wiewohl
bei einer Zusammenkunft mit Luther im Jahre
1525 noch ein freundschaftliches Verhältniß auf““
recht erhalten wurde, indem Luther noch das
Beste von ihm hoffte und ihm freundlich begeg⸗
nete, so kam es doch bald, da Schwenkfeld sich
in seinen Irrthümern immer mehr verhärtete und
die selben auf eine der Wahrheit feindselige, zum
Theil schmähende Weise zu behaupten suchte,
zum offenen Gegensatze. Luthers treues Fest⸗
halten am Worte der Schrift schalt er „Buchsta⸗
bendienst,“ das äußere Wort habe keine göttliche
Kraft, wenn nicht das innere zuvor den Men⸗
schen erleuchtet habe. Rechtfertigung und Hei—
ligung vermischte er und lehrte, daß ein Wieder⸗
geborener ohne Sünde leben könne. Die Kin⸗
dertaufe und die wahre Gegenwart des Leibes
und Blutes Christi im Abendmahl verwarf er
und haßte alle äußere kirchliche Ordnung. Er

„

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