Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 21, Nummer 24 › Seite 186
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. August 1865, Seite 186
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Bethanien; die Jagdplaͤtze sind bald ausgenutzt,
weil so viele Indiauer in einer Gegend zusam-
mengedrängt leben; die Gelegenheit zum Fischen
ist gering; die Indianer sind in jeglicher Hinsicht
durch das Rahe⸗Wohnen der Weißen zu sehr ein⸗
geengt. Es scheint daher, als ob sie große Lust
hätten, wenn sie nach 12 Jahren ein Jeder seinen
Deed über das ihm ausgetheilte Land bekommen
haben werden, dasselbe zu verkaufen und anders
wohin zu ziehen. Sollten sie sich aber in den
14 Jahren mehr zur Bearbeitung ihrer Farmen
bequemen, so wurden wir in Bezug auf ihre Ver⸗
sorgung mit der Predigt des göttlichen Worts und
sonderlich in Bezug auf den Unterricht ihrer Ju-
gend in der Schule bessere Hoffnung haben, da
dann ihre Unterstützungsgelder aus öffentlichen
Kassen aufhören und die Regierungsschulen ein⸗
gehen müssen, deren Unterhaltung bisher von
ihren Jahresgeldern bestritten wurde. Sie selbst
wären dann auf ehrliche Arbeit und ihre Kinder
in Bezug auf die Schule allein auf uns angewie⸗
sen; sie würden dann vielleicht auch unsre Lie⸗
besarbeit unter ihnen wieder mehr schätzen lernen.
Bis dahin scheint es das Räthlichste für den
Missionar zu sein, sie waͤhrend der Woche in klei⸗
neren Haufen in ihren Camps aufzu suchen und
sie Sonntags wo möglich in größeren Haufen im
Gotteshause zu versammeln. — Im letzten Jahre
am Auszahlungstage ihrer Jahrgelder soll, so
sagt man, von der Regierung der Vereinigten
Staaten ein Vertrag mit den Michigan-India⸗
nern auf zehn Jahre geschlossen worden sein, worin
stipulirt ist, daß ihnen auf Regierungskosten eine
Gewerbe⸗Schule gebaut und eingerichtet werde,
wobei die Methodisten sich die leitende Hand aus-
bedungen hätten. Man sagt auch, daß in die⸗
sem Vertrage als Bedingung mit eingeschlossen
sei, daß die Indianer als Staatsbürger dem Mili.
tärdienste unterworfen sein sollten. Ein solcher
Vertrag würde freilich unsere Hoffnungen man⸗
nigfach beeinträchtigen.
Der Kirchenbesuch war in dem letzten Jahre
unter den oben angegebenen Verhältuissen sehr
spärlich; es kam nicht selten vor, daß der Mis⸗
sionar den weiten Weg zur Kirche (10 Meilen)
um son st machen mußte, da sich keine Leute zur
Theilnahme am Gottesdienste eingefunden hatten.
Im Anfange dieses Jahres fanden sich die India-
ner nach langer Abwesenheit wieder zahlreicher
an ihren Wohnplätzen ein und es fand auch eine
Taufe Statt. — Um die Mitte des Mai starb
die Frau des Häuptlings Nawgishig nach laänge⸗
rem Leiden. Seit ihrer Uebersiedlung von Betha⸗
nien nach Isabella County waren ihr 5 Kinder
in die Ewigkeit vorangegangen. Dies und viel
anderes Kreuz hatte ihre Seele dem Evangelio
zugänglicher gemacht und der Missionar konnte
mit Freude und Dank gegen Gott sprechen: „Sie
ist selig entschlafen und zu ihres HErrn Freude
eingegangen.“
Der kranke Indianerjungling Philipp, der bis
vor 4 Jahren in Fort Wayne ausgebildet wurde,
ist von seinem kranken Fuße so weit genesen, daß
er jetzt ohne Kruͤcken gehen kann. Es wird zu⸗
sehens besser mit ihm und er besuchte den Missio⸗
nar im Vorwinter zu Pferde. Einige ihm von
den Synodalen in Fort Wayne übersandte Ga⸗
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ben an Kleidungsstücken u. s. w. erfreuten ihn
sehr, vor allem aber verklärte sich sein Gesicht,
als er vernahm, daß seine Fort Wayner Lehrer
seiner noch gedächten und sich willig erklärten, ihn
wieder als Schüler aufzunehmen, wenn er genesen
sei.
Die Erndte des Missionar Mießler im Herbste
1864 war sehr gering und bei Weitem nicht aus⸗
reichend für die Bedürfnisse der Station; für den
kommenden Herbst aber erweckt der Stand der
Früchte schöne Hoffnungen. Ein junger Knecht
verrichtete die äußerlichen Arbeiten des Hauses
bis Mitte Mai d. J.; der Missionar konnte ihm
ein gutes Zeugniß geben. Leider aber ging der⸗
selbe ploͤtzlich wieder fort, ohne daß ein bleibender
Ersatz für denselben sich dargeboten hätte. — Im
Garten beschäftigt sich gern nach Kräften der alte
Herr Mießler, der greise Vater des Missionars,
der seit Jahren bei seinem Sohne wohnt. — Die
frühere Missionsfarm in Bethanien war bis jetzt
verpachtet und brachte wenig ein. Leider wur⸗
den während des letzten Winters am hellen Tage,
also ohne Schuld des Pächters, durch umher⸗
schleichende Hunde von unsern 16 Missions⸗
schafen zehn zerrissen. Das von den fortgezogenen
Indianern zurückgegebene Waldland Bethaniens
liegt unbenutzt und ist zum Verkauf disponibel,
sobald die Synode dazu Auftrag gibt. Ob die
Indianer noch einmal wüunschen werden, dasselbe
zu beziehen, ist sehr fraglich und kaum zu erwar⸗
ten. Man hätte deshalb schon dazu schreiten
können, die Länderei zu verkaufen, aber bisher
schien der Zeitpunkt dazu nicht geeignet, da we⸗
gen der Kriegszeiten die volle Verwerthung der
Länderei nicht zu erzielenn dagegen zu erwarten
war, daß nach beendigtem Kriege, sonderlich da
die Verbesserung der Straßen, ja selbst der Bau
einer Eisenbahn in der Nähe der Länderei in
Aussicht steht, der Preis derselben steigen werde.
In Erwägung alles dessen hat die Synodalver⸗
sammlung des Jahres 1864 beschlossen, den Ver⸗
kauf der Missionsländerei abermals zu verschie⸗
ben. — In Bethanien mußte im vergangenen
Sommer die frühere Kirche eingerissen werden,
da sie sonst zusammengefallen sein würde. Nur
mit Wehmuth können wir daran denken, da die⸗
ses neue zerstörte Kirchlein in früheren Zeiten
herzerhebende Versammlungen der ehemaligen
Bethanischen Gemeinde umschlossen hatte.
Die Pferde, die für die Missionsfarm in Be⸗
thanien nöthig gewesen waren, sind für §255
in Town-Orders binnen einem Jahre zahlbar,
erkaͤuft worden. Da es den Einwohnern der
Town billig schien, daß der Mission ar Mießler
auch an der Kriegscontribution Theil nähme,
so hat derselbe fur Anwerbung von Freiwilligen
bis letzten Herbst die Summe von §94 eingezahlt.
Wäre nicht durch das reichliche Beisteuern der
wenigen Familien im Township die Anwerbung
von Freiwilligen ermöglicht worden, so hätte den
Miss. Mießler leicht das Loos treffen können, in
die Armee eintreten zu müssen, da eine Unter⸗
suchung vor dem Provostmarshall in Flint erge⸗
ben hatte, daß er trotz seiner Schwachheit zum
Dienste tauglich sei.
Der Gesundheitszustand in der Familie des
Missionars war nicht ohne vorüberge hende Krank⸗
heiten. Die Masern, von denen viele Indianer⸗
familien befallen wurden, kehrten auch im Mis⸗
sionshause ein, kamen aber nicht zum vollen Aus-
bruch. Der Missionar preiset den HErrn wegen
der gnädigen Verschonung, sowie wegen der Stär⸗
kung seiner eignen, früher so sehr schwachen, Ge⸗
sundheit.
Der längst beabsichtigte Bau eines neuen
Wohn hauses für den Missionar hat seit dem
Fruͤhjahr 1865 endlich begonnen; die Materia-
lien dazu waren längst angesammelt und der An⸗
kauf von Föhneblöcken, die der Missionar dann
schneiden ließ, haben den Preis für die Bretter
bedeutend ermäßigt; dagegen sind die Löhne der
Arbeiter höher, als in frühern Zeiten. —
So weit der kurze Ueberblick über unsre Mis⸗
sionsplätze. Scheint es nur wenig zu sein, was
in der jüngsten Zeit gewirkt werden konnte, so ist
uns vom HErrn nicht mehr gegeben worden.
Uns genügt zu berichten, was die reine Wahrheit
ist; wir wollen dieselbe nicht durch geschminkte
Darstellung verhüllen. — Dem HErrn aber sei
Dank, der uns, die wir dem Fleische nach auch
gern von größeren Thaten berichten möchten, zur
Demuth ruft; wir wollen uns von Ihm Glau⸗—
ben und Treue in der Missionsarbeit erflehen.
Er, der treue, barmherzige Gott segne alle, welche
gern die Pfleger unsrer Mission waren; Ihm sei
Lob und Preis für alle Theilnahme, die Er inner⸗
halb und außerhalb unserer Synode für die armen
Heiden und ihre Missionare erwirkt hat, auch für
das auf den gefeierten Missionsfesten kundgege⸗
bene größere Interesse vieler Gemeinden an der
Missionssache, sowie für das eifrige Wirken
mancher Frauen⸗-Vereine. Der HErr nehme
uns allen Kleinmuth weg, wo es gilt, Sein heili⸗
ges Werk unter den Heiden zu treiben und Seine
Wahrheit zu verkündigen! Er gebe uns größere
Liebe zu unsern armen Chippeways, auf daß sie
mit größerer Macht der Liebe zu unserer Christen⸗
seligkeit gelockt werden! Amen.
Frankenlust, im Juli 1865.
Ferdinand Sievers.
Welchem deutschen Volke ist wohl zuerst
unser HErr Christus gepredigt worden?
Diese Frage beantwortet Pastor Rocholl in
seiner Schrift „Christophorus“ folgendermaßen:
„In alten, alten Zeiten, lange vor Christi
Geburt, sind drei deutsche Volksstämme, sie
hießen Trokmer, Tolstobojer und Tectosagen,
vom Rheine, da herum sie ihre Sitze hatten,
aufgebrochen, und, wie denn unsre Vorfahren
viel in Frankreich oder Italien einfielen des gu⸗
ten Landes und Weines wegen, nach Griechen⸗
land gewandert. Dort, wo heute der Türke
seine Herrschaft hat, haben sie viel geraubt, ge⸗
sengt und gebrennt. Endlich haben sie in einer
Landschaft, die man Thrazien heißt, ein König⸗
reich errichtet. Da haben sie aber als streitbare
Leute, denen die ganze Welt offen stund, auch
nicht lange Ruhe gehabt, sondern sind, da noch
Zuzüge aus Deutschland gekommen, unter ihren
Heerführern Leonar und Lothar übers Meer hin⸗
über nach Asien gezogen. Dort im Berglande
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