Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 21, Nummer 24 › Seite 188

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. August 1865, Seite 188

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang

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als solchen, oder einer religiösen Secte,
Ordens oder Denomination sollen null
und nichtig sein; jedoch solche Geschenke,
Verkäufe oder Landverleihungen an eine Kirche,
religiöse Gemeinschaft oder De⸗
nomination oder an eine Person oder Per-
sonen, die mit der Verwaltung einer Kirche,
religiösen Genossenschaft oder Gemeinde betraut
sind, seien sie incorporirt oder nicht,
ausgenommen, die zum Gebrauch derselben
innerhalb der Grenzen der diesem
Artikel vorausgehenden Clausel
gemacht werden.“ — Hiernach kann von nun an
einer Kirche oder Gemeinde oder Synode in Mis⸗

souri nicht mehr geschenkt, oder von ihr gekauft,
in Besitz genommen und gebraucht werden,

als Ein Acker Landes in der Stadt und fünf
Acker auf dem Lande, und zwar nur zur
Errichtung eines Gotteshauses,
eines Pfarrhauses und eines
Gottesackers. Jede andere ihnen gemachte
Schenkung oder Vererbung, jede sonstige Erwer⸗
bung durch Kauf und jeder weitere Gebrauch ist
in Missouri von nun an ungesetzlich, verboten,
straffällig und der Confiscation unterworfen.
Ein fernerer Nachtheil, welcher der Kirche in
Missouri durch die neue Constitution erwächst,
ist, daß durch dieselbe alles kirchliche Eigenthum
hoher Steuer unterworfen wird. So heißt es
nehmlich Artikel 11, Sect. 16.: „Weder Grund-⸗
noch persönliches Eigenthum soll steuerfrei sein,
außer was ausschließlich fuͤr öffentliche Schulen
gebraucht wird, was den Vereinigten Staaten,
die sem Staate, Counties oder einer Munizipalität
in diesem Staate gehört.“ — Infolge dessen hat
bereits die Union Baptisten -Kirche in Mont⸗
gomery County, Mo., folgende Resolutionen im
hiesigen „Missouri Republican?? vom 22. Juni
veröffentlicht: „Da die Aussichten der politischen
Angelegenheiten in unserm Staate der Art sind,
daß sie die religiösen Privilegien unserer Kirchen
bedrohen, welche uns durch die Constitution der
Vereinigten Staaten garantirt sind, so sei be⸗
schlossen, daß wir die Kirchen und Prediger der
Bear-Creek-⸗Baptisten-Association herzlich ein⸗
laden, sich in der Mount Pleasant Kirche,
High Hill, in Montgomery Co., Mo., am Frei⸗
tag vor dem 5. Sonntag im Juli d. J. zu ver⸗
sammeln, für die Leitung der göttlichen Vor⸗
sehung zu bitten und gemeinschaftlich zu berathen,
welches als das unter den gegenwärtigen Um⸗
ständen beste Verfahren zu beobachten sei.
Ferner beschlossen, daß wir allen unsernSchwester⸗
Associationen und allen andern religiösen Genos⸗
senschaften empfehlen, sich zu ähnlichen Zwecken
zu versammeln. So geschehen auf Anordnung
der Union-Kirche am 17. Juni 1865 und in
deren Namen gezeichnet von den Aeltesten
R. S. Duncanu, Moderator, dem Aeltesten Jo-
seph Nicholls. — A. C. Hudson, Hauptschreiber.“
W.

Bitte.

Von Herrn Past. C. Groß in Richmond, Va.,
ist ein Brief an seine Mutter, die in der Nähe
von Collinsville wohnt, eingelaufen, der uns von

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derselben gütigst zur Benutzung überlassen wor⸗
den ist. Aus demselben geht hervor, wie kümmer⸗
lich seine Lage ist. Während der Belagerung
war die Theuerung so drückend, daß zuletzt nichts
mehr zu essen übrig blieb, als Brod, Kartoffeln
und Weizenkaffee und höchstens einmal ein Bissen
Fleisch die Woche. Das Mehl kostete kurz vor
der Einnahme Richmonds 1200 bis 1400 Dollars
das Faß und so alles Andere im Verhältniß.

Kleidungsstücke waren eben so unerschwinglich;
Herr Pastor Groß behalf sich auf das nothdürf⸗

tigste mit einem Soldaten-Anzuge, den er schwarz
färben ließ. Die Zahl der Gemeindeglieder ist
von 38 auf 21 zusammengeschmolzen, da der
Zwang so arg wurde, das Viele nach dem Nor-
den flüchteten. Trotzdem hat die liebe Gemeinde
den Muth nicht verloren. „Obgleich“ — schreibt
Herr Pastor Groß — „diese Wenigen nur sehr
geringen, manche gar keinen Verdienst hatten,
so haben sie doch Alles gethan, um mir die nöthi⸗
gen Bedürfnisse herbeizuschaffen.“ Sie haben ein
zwe istöckiges Pfarrhaus mit fünf Zimmern, Keller
und einer Küche mit zwei Zimmern ganz neu her⸗
gerichtet, dasselbe tapeziren und von oben bis
unten, auswendig und inwendig vermalen lassen.
Und außerdem haben sie kürzlich einen Schul⸗
lehrer aus dem Seminar zu Addison berufen.
Gott segne die theuren Brüder, die diese schwere
Prüfung so treulich bestanden haben, und lasse
auf die große Trübsal nun eine Zeit der Er-⸗
quickung folgen!

Wie es jetzt steht, sagt Herr P. Groß mit
den Worten: „Was wir an Geld hatten, das
haben wir alles verloren. Ich hatte nichts und
die Gemeinde hatte nichts von nördlichem Geld,
und es war also die Noth nachher fast eben so
groß, wie vorher; denn Arbeit und Geschäft stockt
immer noch, und ist wenig Geld im Umlauf.“
Herr Past. Groß mußte zwei Jahre lang selbst
Schule halten. Durch Arbeiten, Entbehrungen
und ein Nervenfieber, woran er im Herbst litt,
sind seine Kräfte aufgezehrt; er bedarf der Er⸗
holung. Diese Umstände reden für sich selbst
und fordern uns gewiß zu einer brüderlichen
Handreichung auf.

Die Gaben können an die betreffenden Distrikts⸗
Kassirer zu sofortiger Besorgung eingesendet wer⸗
den. H. Fick.

Die Thebaische Legion und ihr General
Mauritius.

Ehe unter dem Kaiser Constantin d. Gr. im
4. Jahrhundert die christliche Kirche von den vie⸗
len schweren Verfolgungen der vorhergehenden
Jahrhunderte aufathmete, hatte sie noch eine
ganz besonders schwere letzte Verfolgung auszu⸗
stehen unter dem Kaiser Diocletianus.

Das war ein Mann von feiner Klugheit, der es

gar nicht übel verstand, das unter der Herrschaft
seiner rohen Vorgänger herabgekommene Römer⸗—
reich einigermaßen wieder zu heben. Aber in
der christlichen Kirchengeschichte hat sein Name
keinen guten Klang. Denn nach ihm wird die
letzte große Christenverfolgung zu Ende des drit⸗
ten und Anfang des vierten Jahrhunderts die
Diocletianische genannt. Obwohl es ihm seine

beiden Mitregenten Galerius und Maximia-
nus in der Grausamkeit gegen die verhaßten
Christen zuvorgethan haben mögen, so fällt doch
auf ihn, als den obersten Regenten des Reichs,
die erste Verantwortung der Greuel, die damals
an den Christen verübt worden sind.

Und nun laßt mich das Uebrige erzählen mit
den Worten des alten Bischofs Eucherius von
Lyon (starb um 433), der am ausführlichsten
über die Geschichte, die in St. Maurice gesche⸗
hen ist, Nachricht gibt.

„Kaiser Maximianus, welchen Diocletianus
zuletzt zu seinem Mitregenten angenommen hatte,
ein böser Mann und großer Verfolger der
Christen, ging nach Frankreich, um allda einen
entstandenen Aufruhr und Verrätherei zu unter⸗
drücken. Damit aber seine Armee desto stärker
sein möchte, wurden etliche Regimenter Christen
zu ihnen gestoßen, welche die Thebaische Legion
genannt wurden und in 6666 treuen, erfahrenen
und tapferen Soldaten bestunden. Als er nun
mit denselbigen nach Octodurum (jetzt Martigny
oder Martinach) kam und allda den Göttern
opfern wollte, ließ er seine Armee versammeln
und befahl derselben bei hoher Strafe an, daß sie
ihm sollten bei den Altären ihrer Götter eidlich
zusagen, daß sie alle einmüthig mit einander wi⸗
der ihre Feinde fechten und die Christen, als
Feinde ihrer Götter, verfolgen wollten. Sobald
als die Thebaische Legion ein wenig Wind hier⸗
von bekam, sobald entzog sie sich und ging nach
Agaunum, welches ein sowohl lustiger, als we⸗
gen der großen Berge und umliegenden Felsen
sehr fester Platz ist, acht (Crömische) Meilen von
dem vorigen entlegen und heutigen Tages von
Mauritius, dem Obersten der Legion, St. Moritz
genannt wird, um dadurch sowohl diesem gott-
losen und unrechtmäßigen Befehl womöglich zu
entgehen, als auch sich selbst wegen ausgestande⸗
nen langen Marsches wieder zu erquicken. Als
nun der Kaiser die Armee, die jetzo gleich schwö⸗
ren sollte, in Augenschein nahm, vermißte er ge⸗
dachte Legion, sendete darauf im Zorn alsbald
Offiziere nach ihr, die sie anhalten sollten, daß
sie dergleichen alsbald auch thun möchten. Die
Legion fragte nach, was es denn wäre, das sie
thun sollten. Und da sie von den Gesandten
und Boten hörten, daß alle Soldaten geopfert

=und den vorhin gemeldeten Eid abgelegt hätten,

daher der Kaiser ihnen auch ihres Orts anbe⸗
fehle, geschwind wieder zurückzukommen und des⸗
gleichen auch zu thun; so antworteten die vor⸗
nehmsten Häupter der Legion gar gelinde und
sanftmüthig und sagten, daß sie eben um der Ur⸗
sache willen Octodurum verlassen hätten, weil sie
vernommen hätten, daß sie mit Gewalt zu opfern
gezwungen werden sollten: sie wären Christen
und wollten sich nicht an den Altären der Teufel
verunreinigen; sie wären nur verbunden, den
lebendigen Gott anzubeten und diejenige Religion
zu beobachten, welche sie im Morgenlande bis
auf den letzten Blutstropfen unterhalten hätten.
Sie wären zwar eine Legion, aber um deßwillen
wieder zu ihm zu kommen und vermöge seines
Befehls eine so große Sünde zu thun, dazu könn⸗
ten sie sich nicht verstehen.

„Mit dieser Antwort gingen die ausgesendeten

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