Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 21, Nummer 24 › Seite 187

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. August 1865, Seite 187

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* — — 4.

ists ihnen wohl geworden, haben um Sold einem
mächtigen Könige von Bithynien, Namens Niko-⸗
medes, im Kriege gedient. Der hat ihnen statt
Soldes viele Ländereien oder einen ganzen
Landestheil eingeräumt. Da wohnten sie nun
in Klein-Asien, die deutschen Leute, mitten unter
Griechen. Daber hieß man sie Gallische (soviel
als fränkische) Griechen, und ihr Land Gallisch⸗
Griechenland, oder kurzweg: Galatien. Das
war ein schönes Land mit drei ansehnlichen
Städten, z. B. Ancyra, welches heutigen Tages
Angora heißt, und mit einem schönen Flusse.

Da hatten sie fruchtbares Land, Wein und Oel⸗

bäume und Feigen, und ihre deutschen Stammes-
sitten behielten sie, wiewohl sie unter die Herr-
schaft des mächtigen römischen Reiches kamen,
allezeit. — Aber nun kam die Zeit, da sie auch
mehr haben sollten, als Wein und Oel und
Feigen. Denn siehe, es kam, daß der Welt
Heiland geboren wurde. Wenn die deutschen
Männer in Galatien sich dahin wandten, wo die
Sonne im Mittage steht, nämlich sudlich — da
lag das heilige, gelobte Land. Und dort ging
nun der Morgenstern auf, unser lieber HErr
und Heiland, ein Licht für alle armen Heiden.
Und das selige Licht für die Heiden schien denn
auch in die galatischen Berge hinein. Denn als
unser HErr der heiligen zwölf Boten Zahl in
alle Welt abgeordnet, da ließen sie sich, als er
gen Himmel gefahren, und ihnen den werthen
heiligen Geist dafür herabgeschickt, auch nicht
säumig finden. Und da waren die Christen zu
Antiochia, die fasteten und beteten, und legten
die Hände auf den lieben Apostel Paulus, und
sandten ihn, und er ging und predigte. Und als
er zum andern Mal auszog, da nahm er, wie in
der Apostelgeschichte zu lesen, den Silas mit sich,
und da kam er auch zu unsern deutschen Män-⸗
nern in Galatien. Und seine Füße auf ihren
Bergen sind ihnen lieblich gewesen, als eines
Boten, der ihnen Heil verkündigte. Und wie
waren sie über das gute Wort so selig! Ja,
wenn es möglich gewesen wäre, sie hätten ihre
Augen ausgerissen und ihrem Apostel Paulus
gegeben (Gal. 4, 15.). Also wenige Jahre nach
unsers HErrn Tode schon, wo ihre Volksgenossen
in Deutschland noch auf die Berge, anf den
Desenberg und Gudensberg, zu Götzenaltären
liefen, und durch ihre endlosen Wälder scholl
noch keine Glocke, und von ihren dunkeln Bergen
blickte noch kein Kreuz — da hatte siie hier in
der Fremde in Galatien der Gekreuzigte schon
angeblickt. Da waren sie froh und priesen ihn.
Und dann ist Paulus nochmals bei unsern Ga⸗
latern gewesen, und hat das Gepflanzte begossen.
Darauf hat er ihnen von der Stadt Ephesus
aus auch einen Brief geschrieben, der in den
Gemeinden umging. Und wenn ihrs nun leset,
wie der Apostel im Briefe an die Galater anhebt:
Paulus ein Apostel (nicht von Menschen, son-
dern durch IEsum Christ und Gott den Vater,
der ihn auferwecket hat von den Todten) und
alle Brüder, die bei mir sind — den Gemeinden
in Galatia: Gnade sei mit euch, und Friede
von Gott dem Vater und unserm HErrn JEsn

Christo! — ich sage, wenn ihr das leset, so

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Fleische, das ist an Deutsche geschrieben, und
das sind die Deutschen, die zuerst von unserm
ganzen Volke die theuer werthe Predigt be⸗
kommen haben.

Was nun späterhin aus diesen deutschen
Christengemeinden geworden ist? Davon ist
nicht viel zu berichten. Aber es lebte ein Kir⸗
chenlehrer Namens Hieronymus beinahe 400
Jahre nach dem Apostel Paulus, der war viel
gereist, in Rom und Constantinopel gewesen,
und auch in Galatien, und verlebte nun seine
letzten Tage einsam am Kripplein Christi zu
Bethlehem, darüber die fromme Kaiserin Helena
eine Kirche gebaut hatte; denn er sagte: „„Wo
mir Gott seinen Sohn vom Himmel gegeben, an
demselben Ort will ich ihm meine Seele hinauf
in den Himmel schicken.““ Genug, dieser Mann
schrieb auch eine Schrift über die Epistel Pauli
an die Galater, und darin bezeugt er, die Gala⸗
ter sprächen freilich griechisch, aber daneben auch
noch so, wie die Trevirer, d. h. deutsch. Und
merkwürdig ists, als fast zwölf hundert Jahr
nach Christi Geburt unser großer Kaiser Fried⸗
rich I. einen Heereszug nach dem gelobten Land
machte, um das heilige Grab den Türken ab-
zugewinnen — denn die hatten damals schon
die Obmacht dort, — da haben die Baiern in
des Kaisers Heer, wie berichtet wird, dort in
Galatien noch die bojische oder deutsche Sprache
gehört. Und jetzt? Ja, der Türke hat schon
lange in den ganzen Ländern dort das heilige
Kreuz heruntergerissen und den Halbmond auf
die alten christlichen Kirchen gesteckt; und ist
geschehen, was der heilige Johannes vorher-
gesehn: der heilige Leuchter ist von seiner Stätte
gestoßen, zum Zeugniß über uns.“

Uebrigens hat auch Luther dies recht wohl
gewußt. Er schreibt in seiner großen Auslegung
des 1. Buchs Mose: „So weiß man, daß die
Galater Deutsche sein; wie man denn saget,
daß sie noch heutiges Tages der Deutschen
Sprache, wie sie in Sachsen läuftig ist, ge⸗
brauchen sollen.“ (Walch, Tom. I, 992.)
An einer anderen Stelle schreibt Luther: „Es
halten etliche, als sollten wir Deutsche von den
Galatern herkommen; und sollte auch wohl
nicht weit fehlen, es sollte recht treffen und er⸗
rathen sein. Denn wir Deutschen sind fast
solcher Art und (wenn man die Wahrheit sagen
soll) wäre es wohl zu wünschen, daß unsere
lieben Deutschen etwas mehr tapfer und bestän⸗
diger wären.“ (Zu Gal. 1, 6.) Luther will
sagen, die Deutschen könnten mit Recht auch
deswegen Abkömmlinge der Galater genannt
werden, weil die Deutschen ebensobald, wie einst
die Galater, sich „abwenden lassen von dem, der
sie berufen hat in die Gnade Christi, auf ein
anderes Evangelium.“ Gal. 1, 6. W.

Zur kirchlichen Chronik.
Röbbelen. Dieser unser l. Bruder und
theuere, hartgeprüfte, noch immer schwer dar⸗
niederliegende Gottesmann schließt seinen jüngsten
Brief mit dem Wunsch, „daß sich die Ver. Staa⸗

denket: das ist an unsere Brüder nach dem ö ten seit dem entscheidenden Siege der Regierung

bald wieder freundlicher gestalten und die Wun⸗
den des Kriegs nicht so lange schmerzen und
eitern mögen, wie die me iner Lunge.“ Beweisen
wir ihm doch unsern Dank dafür, indem wir in
treuer, reichlicher Unterstützung, deren er in seiner
traurigen Lage so sehr benöthigt ist, nicht nur
nicht ermüden, sondern immer brünstiger werden.
C.

Union. In dem Blatt der „Vereinigten
Brüder in Christo“ vom 26. Juli, in dem
„Fröhlichen Botschafter“, sagt der Herausgeber,
manche behaupteten, mehrere der kleinen Gemein⸗
schaften seien einander so ähnlich, wie ein Ei
dem andern, darum sollten sie sich doch billig mit
einander zu Einer Kirche uniren. Hierauf ant⸗
wortet er: „Daß die Schale der Eier sollte zer⸗
brochen werden, um eine Vereinigung zuwege
zu bringen, sind wir nicht bereit zuzugeben.
Ist doch die Schale gerade dasjenige, was ein
Ei macht. Mehrere solcher Eier zerbrochen und
der Inhalt der Schalen vermenget, möchte wohl
einen guten Kuchen machen; dieser müßte aber
dann auch sobald gebacken und verzehret werden,
oder der Zahn des Schimmels wird bald daran
nagen. Die zerbrochenen Schalen wären von
keinem Nutzen, und wo wäre das Uebrige?“ W.

Dienunmehrige Stellung der Kirche
und ihrer Anstalten in Missouri.
In der neuen Constitution dieses Staates, die am
4. Juli dieses Jahres in Kraft getreten ist,
heißt es unter Anderem Artikel 1. § 12. 13. fol⸗
gendermaßen: „In diesem Staate kann keine
religiöse Corporation errichtet werden, es sei denn,
daß eine Kirche oder religiöse Genossenschaft oder
Gemeinde sich den allgemeinen Staatsgesetzen in
diesem Betreff entsprechend incorporiren läßt,
zu dem ausschließlichen Zweck,
nicht mehr Land zu erwerben, zu be⸗
nutzen und disponibel zu machen,
als zur Errichtung eines Andachts⸗
hauses, einer Pfarre und eines
Begräbnißplatzes erforderlich ist,
dieses Land und die darauf befindlichen Gebäude
durch Administratoren, die von der betreffenden
Gemeinde gewählt werden, verwalten zu lassen;
aber der von irgend einer solchen Corporation
für Kirche, Pfarrhaus und Begräbnißplatz er⸗
worbene Grund und Boden soll nie mehr
als fünf Acker auf dem Lande oder
Einen Acker in der Stadt betragen.
Alle einem Priester, Verkündiger oder Lehrer des
Evangeliums oder Vorsteher einer religiösen Secte,
Denomination oder eines religiösen Ordens, als
solchem, gemachte Schenkungen, Gaben oder
Landverleihungen oder zum Unterhalt,
Nutzen oder zur Verwaltung einem Priester,
Prediger, Volkslehrer, als solchem,
oder einer religiösen Secte, desgleichen Orden
oder Denomination (Kirchengemeinschaft)
vermachten Geschenke, jede Gabe
oder Verkauf von Gütern, beweg⸗
licher oder unbeweglicher Habe zur
Vererbung oder zum Besitzantritt
nach dem Tode des Verkäufers oder Schenkenden
zum Zweck der Unterstützung,
Benutzung oder zum Vortheil eines Priesters,
Predigers oder Volkslehrers,

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