Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 21, Nummer 24 › Seite 190
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. August 1865, Seite 190
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bei St. Maurice — haben selbst in der nüchter⸗
nen Untersuchung evangelischer Forscher die
Probe bestanden. (Pilger.)
Bischof Brochmann.
So erzählt man von dem lutherischen Bischof
in Dänemark, Namens Brochmann. Er
war ein gar mildthätiger Mann gewesen. Als
sein Sohn in London gestorben, und die Nach-⸗
richt zu ihm nach Dänemark gekommen, da kniet
er mit seiner Ehefrau nieder, und thut das Ge⸗
lübde, hinfort solle von allen Einkünften seines
Bisthums Nichts gespart, sondern Alles den Ar⸗
men gegeben werden. Hinfort hatte er immer
eine Schaar armer Kinder an seinem Tisch, und
einem Hospital machte er allein 7000 Thaler
zum Geschenk. Als er nun im Jahr 1652 auf
seinem Sterbebett lag, und viele Schmerzen
leiden mußte, so wunderte sich seine Frau über
seine Gelassenheit. Da sagte er in großer
Freude: „Ich finde in meinem Herzen so viel
himmlische Freude und Süßigkeit, daß ich es
euch unmöglich aussprechen kann. Ich ruhe in
Gottes Schooß, ich liege in Gottes Armen, von
den Engeln werde ich getragen, von Seinem
Geiste getröstet, und vom Lichte Seines An-
gesichts beschienen.“ Und da er nun fühlt, daß
der Abschied da ist, da — drückt er sich selbst die
Augenlider zu! That sie auch nimmer wieder
auf.
Da ists ja also geschehn, was den Liebhabern
JEsu zu Theil wird, gerade so, wie wirs uns
einmal wünschen, wenn wir mit dem frommen
Valerius Herberger bitten:
Rath mir nach deinem Herzen,
O JEsu, Gottes Sohn!
Soll ich ja dulden Schmerzen,
Hilf mir, HErr Christ, davon.
Verkürz mir alles Leiden,
Stärk meinen blöden Muth,
Laß mich selig abscheiden,
Setz mich in dein Erbgut.
Gibt es denn einen Teufel?
Da hab ich gestern so recht wieder an den
ersten preußischen Reiseprediger Brennecke denken
müssen, der einst mit einem alten Förster auf
seiner Reise in einem Wirthshause zusammen-⸗
traf. Der Förster merkte bald, daß er mit ei⸗
nem gläubigen Manne zusammensaß, und fragte
ihn deshalb: „Herr Pastor, gibts einen Teufel?“
„Gibts einen Gott, Herr Förster?“ war die
Gegenfrage. Der Förster machte das Fenster
auf, und weil er noch etwas vom Geruch des
grünen Feldes an sich hatte und noch nicht hin⸗
ter den Forstbuß⸗ und Strafregistern ꝛc. steif
und stumpf geworden war, so kannte er noch die
Sprache der Natur und sagte: „Sehen Sie, da
braucht man das Alles draußen nur anzusehen,
so weiß man schon, daß ein Gott ist.“ „Nun
sehen Sie in sich, und Sie werden finden, daß
es einen Teufel gibt,“ entgegnete der Pastor.
(Sonntagsbote.)
Glaubst du denn auch einen Teufel?
Diese Frage geschah einmal an Buchhändler
Frommann von einem aufgeklärten Herrn. From-
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mann antwortete: Früher habe ich nicht daran
geglaubt, aber seit 1848 glaub ich daran, weil
es mir sonst unerklärlich wäre, was ich da von
sonst vernünftigen und rechtschaffenen Leuten er⸗
lebt habe. — „Nun, dann kennen Sie wohl
auch seine Großmutter?“ fuhr der Frager fort.
„Gewiß,“ war die Antwort, „das ist ja die Frau
Hochmuth!“ (Freimund.)
Kirchliche Nachrichten.
Die ev.-luth. Gemeinde in Jacksonville, Ill.,
hat, nachdem sie von einem Prediger, vor dem die
Missouri-Synode alle Gemeinden öffentlich ge⸗
warnt hatte, glücklich wieder befreit worden war,
sich an unsere Synode um einen rechtschaffenen
Prediger des Wortes Gottes gewendet und nun
aüch einen solchen erhalten. Der Candidat des
h. Predigtamtes, Herr Franz Lehmann, welcher
seine Studien auf dem theologischen Seminar zu
St. Louis vollendet und sein Examen wohl be—
standen hatte, erhielt von der Gemeinde in
Jacksonville einen ordentlichen Beruf. Nach An-
nahme desselben ist Herr Candidat Lehmaun am
7. Sonntage nach Trinitatis, den 30. Juli,
von dem Unterzeichneten ordinirt und in sein Amt
eingeführt worden. Möge in der wunderschönen,
großen Stadt Jackson ville, in der sich die wohl⸗
thätigen Staatsanstalten von Illinois, mehrere
Colleges und viele Kirchen befinden, auch eine
im Glauben und Bekenntniß, in Liebe und Ein-⸗
tracht schöne und an Gliederzahl große ev. luthe⸗
rische Gemeinde durch Gottes Hilfe und Segen
entstehen. J. F. Bünger.
Adresse: Rev. F. Lehmann,
Jacksonville, Morgan Co., III.
Nachdem Herr Th. Gruber, bis daher Pastor
an der Gemeinde in California, Moniteau Co.,
Mo., einen ordentlichen Beruf von der Gemeinde
unweit Hampton erhalten und mit Bewilligung
seiner früheren Gemeinde angenommen hatte, so
ist derselbe im Auftrage des Herrn Distrikts⸗
Präses, J. F. Bünger, von dem Unterzeichneten
am Sonntag Trinitatis inmitten der Gemeinde
in sein Amt eingeführt worden.
Der treue Erzhirte, IEsus Christus, lasse ihn
zum Segen fur Viele gesetzt sein und die Gemeinde
unter seiner Pflege wachsen und gedeihen.
C. A. Mennicke.
Adresse: Th. Gruber,
Hampton,
Rock Island Co., III.
Nachdem Herr Pastor Döscher von einer An-
zahl Lutheraner in und um Marshaltown, Jowa,
einen ordentlichen Ruf erhalten und mit Zustim-
mung seiner früheren Gemeinde angenommen
hatte, ist derselbe im Auftrage des ehrwürdigen
Herrn Präses Bünger von dem Unterzeichneten am
30. April in sein neues Amt eingeführt worden.
Marshaltown, eine Stadt auf dem Berge,
ziert seine schöne und fruchtbare Umgegend und
entspricht so äußerlich seinem Beruf als Leuchte
des Evangeliums. Pastor Döscher hat in der
Umgegend bereits vier Predigtorte, und hat bald
Hilfe nöthig.
Gebe nun Gott, daß die Kraft des Evange⸗
liums unter den zahlreichen Deutschen in und
um Marshaltown sich lebendig erweise, damit auch
hier viele Seelen erleuchtet und Gottes heilige
Stadt, die Kirche, erbauet werde.
Fort Dodge, Jowa, am 2. August 1865.
G. Endres.
Nachdem Herr Hermann Sieving, früher Zög⸗
ling unsrer praktisch theologischen Anstalt zu St.
Louis, sein Examen bestanden hat, wurde der⸗
selbe von zwei Gemeinden, welche fruͤher von hier
aus bedient wurden, als deren Prediger und
Seelsorger berufen. Im Auftrage des Hochw.
Herrn Präses des westlichen Districts, ist er hier⸗
auf am 5. Sonntage nach Trinitatis d. J. da-
hier von dem Unterzeichneten feierlich ordinirt,
und am darauf folgenden Sonntag bei seinen
Gemeinden eingeführt worden.
Der HeErr stehe ihm in Gnaden bei, und lasse
ihn viele Frucht schaffen für's ewige Leben.
Seine Adresse ist: Rev. Hermann Sieving,
Secor, Woodford C0., III.
Peoria, den 8. August 1865.
Paulus Heid, ev.⸗luth. Pastor.
Kircheinweihungen.
Am vierten Sonntag nach Trinitatis hatten
wir in meiner Gemeinde zu Wellsville, Alleghany
Co., Staat New York, einen rechten Freudentag,
indem wir an demselben unser neues Kirchlein
dem Dienste des dreieinigen Gottes weihten.
Dasselbe ist ein Framegebäude, 22 F. breit,
40 F. lang, 18 F. hoch, mit Emporkirche, Altar,
Kanzel und Sakristei. Viele Gäste aus meinen
Gemeinden zu Olean und Alleghany erhöhten
unsere Festfreude; dagegen that es uns sehr leid,
daß keiner von den Herren Pastoren anwesend
sein konute, welche zu kommen versprochen hatten.
Am Vormittag predigte der Unterzeichnete über
Ps. 26, 6 —8. und Nachmittags über das Kirch⸗
weihevangelium Luc. 19, 1—10.
Der HErr wolle auch dieses Kirchlein fort und
fort eine Pflaͤnzstaͤtte seines Himmels sein lassen.
Olean, den 24. Juli 1865.
G. C. Engelder.
Am ersten Mittwoch nach Pfingsten feierte die
ev.⸗luth. Immanuels-Gemeinde zu Dundee, Ill.,
den freudigen Tag der Einweihung ihres neuen
Kirchengebändes.
Da einige Worte über Ort und Entwickelung
der Gemeinde den Lesern interessanter sein dürften,
als eine genaue und so oft gelesene Beschreibung
der üblichen Festlichkeiten mit allen Nebenum⸗
ständen, so mag ersteres hier vorgezogen werden.
Dundee ist wie verborgen in dem fruchtbaren
Forriver-Thale angebaut, etwa 50 Meilen in
nordwestlicher Richtung von Chicago per Eisen⸗
bahn entfernt. Der schon erwähnte seichte Fluß
theilt das Städtchen von etwa 3000 Einwohnern
in zwei fast gleich große Theile; der westliche
erhebt sich allmälig, der östliche wird von einer
hohen wellenförmigen Bergkette eingeschlossen.
Von diesen Höhen herabsehend, liegen die Häuser ⸗
gruppen tief unter uns. Diese Seite wird meist
von Deutschen bewohnt.
Die Gemeinde hier stammt aus der Zeit,
da die geistlichen Landstreicher noch in voller
Macht hausten. Eine Reihe von Jahren fanden
sie hier einen bequemen Anhaltepunkt, und wie
mancherlei und verschieden sie von einander wa⸗
ren, so hatten sie doch alle gemein, erstlich sich
vermittelst des Namens „Lutheraner“ einzunisten
und zweitens auf ein Jahr lang die Gemeinde
systematisch auszuplündern. Es war demnach
den lauernden Schwärmern eine leichte Aufgabe,
einen großen Theil dieser zerrissenen und verödeten
Gemeinde an sich zu ziehen, die bis neulich noch
ihre Diebsnatur nicht in Schranken halten konn⸗
ten. Dem thätigen Missionseifer unserer Chica;·
goer Prediger gelang es vor einigen Jahren, hier
Fuß zu fassen, und Hr. Pr. G. Löber, damals
Hilfsprediger, bediente sie.
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