Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 24, Nummer 22 › Seite 170
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1868, Seite 170
Scan: Internet Archive item DerLutheraner24.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 3. Gebot · Luther 5 · Sonntag 10
Hause festsetzt, mich beraubt, in Ketten legt
und viele Jahre gefangen hält, und ich, durch
einen Stärkeren frei gemacht, mit meinem
besten Kleinod fliehe, ob auch der Räuber be⸗
hauptet, seine Herrschaft und meine Gefangen⸗
schaft sei ein verjährtes Recht und meine
Flucht ein Aufruhr.
Was hat Dr. Luther endlich gethan, Auf⸗
ruhr gegen weltliche Ordnung und Obrigkeit
anzurichten? Als 1522 die Wiedertäufer in
Wittenberg Aufruhr angerichtet hatten, eilte er
auf eigne Verantwortung von der Wartburg
dahin, predigte eine Woche lang Tag für Tag
dagegen, und slellte die Ruhe wieder her. Als
der Bauernkrieg in Thüringen wüthete, eilte
er mit zweimaliger Lebensgefahr dahin, den⸗
selben zu dämpfen. Außerdem schrieb er noch
eine Schrift „wider die räuberischen und mör⸗
derischen Bauern“, und später noch einen
„Sendbrief“ zur Vertheidigung dieser Schrift.
In ersterer schreibt Luther: „Aufruhr ist nicht
ein schlechter Mord, sondern wie ein groß
Feuer, das ein Land anzündet und verwüstet.
— Darum soll hier zuschmeißen, würgen und
stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann,
und gedenken, daß nichts giftigeres, schäd⸗
licheres und teuflischeres sein kann, denn ein
aufrührerischer Mensch. Gleich als wenn
man einen tollen Hund todtschlagen muß;
schlägst Du nicht, so schlägt er Dich und ein
ganzes Land mit Dir.“ Im Sendbrief sagt
er ferner: „Ich halte, es sei besser, daß alle
Bauern erschlagen werden, als die Fürsten
und Obrigkeiten, darum weil die Bauern das
Schwert ohne Gottes Befehl führen.“
Herr Dr. Westermeyer selbst wird bekennen
müssen, daß ein Mensch, der sich also in Wort
und That zum Aufruhr gestellt hat, selbst kein
Aufrührer sein kann. Damit geben wir ihn
aber noch nicht los, denn er hat mit seiner Be⸗
hauptung, Luther sei ein Aufrührer, das
Schwert bei der Schneide ergriffen und die
lutherischen Prediger gereizt, ihm den unwider—
sprechlichen Beweis zu liefern, daß der Pabst
ein rechter Erzaufrührer und der Vater vieler
Empörungen ist. Christus, dessen Stellver⸗
treter der Pabst sein will, war seinem Vater
gehorsam bis zum Tode am Kreuz; der Pabst
erhebt sich über Alles, was Gott und Gottes⸗
dienst heißt. — Christus spricht: „Gebt dem
Kaiser, was des Kaisers ist“, läßt sich schätzen,
zahlt den Zinsgroschen; Petrus schreibt:
1 Pet. 2, 17.: „Ehret den König“; Paulns
schreibt Röm. 13, 2.: „Wer sich wider die
Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ord-—
nung“; der Pabst dagegen will keinen Kaiser
oder König über sich leiden, erklärt sich zum
Lehns herren aller Fürsten, setzt Fürsten ab und
ein, setzt seinen Fuß auf gekrönter Häupter
Nacken, will keinem Fürsten zinspflichtig sein,
saugt dagegen aber die Länder aus. — Chri—-—
stus läßt sich vom ungerechten Richter einer
heidnischen Obrigkeit zum Tode verdammen;
der Pabst entbindetechristliche Unterthanen von
Eid und Gehorsam gegen ihre christliche
Obrigkeit (in der päbstlichen Bannbulle gegen
die Königin Elisabeth von England heißt es:
„Die Großen, die Unterthanen und Völker des
—
17⁰
genannken Reiches und alle Uebrige, welche
ihr, wie immer, eidlich gehuldigt haben, sollen
von diesem Eidschwur und aller Pflicht der An⸗
hänglichkeit und Treue für immer absolvirt
sein.“), hetzt Fürsten gegen Fürsten in den
Krieg, hat bei großen Revolutionen die Hand
mit im Spiele und wechselt seine Politik nach
Maßgabe des ihm gebotenen Vortheils, und
während der HErr zu Petro sagt: „Stecke
dein Schwert in die Scheide“, hat der Pabst
das Blut der Bekenner IEsu stromweise ver⸗
gossen. Dazu vergleiche man die protestan⸗
tischen mit den rein römischen Ländern. Wo
ist mehr Aufruhr, Revolution und Umsturz
der Regierung als in Frankreich, Spanien,
Italien, Irland, Polen, Südamerika und
Merico? Und wie steht es in Rom, wo trotz
dem Pabste, Cardinälen, Bischöfen und Tau⸗
senden von Priestern und Mönchen, der Pabst
sein Leben gegen seine eignen katholischen
Unterthanen mit protestantischen Schweizer⸗
Söldlingen beschützen läßt? Ist das alles
nicht Beweis genug, daß der Pabst ein Erz—
aufrührer und Vater vieler Empörungen ist?
Es ist das überhaupt ein unheimlich grauen⸗
haftes Verhängniß des Pabstthums, ein Ver⸗
hängniß, das wohl einen Dr. W. zum Nach⸗
denken reizen und von dem antichristischen
Wesen des Pabstthums überzeugen könnte, daß
dasselbe, im Laufe der Jahrhunderte, je mehr
und mehr die Gebrechen, Tücke und Ver⸗
irrungen des Simon, Jonas Sohn, nach seinem
alten Adam, sich angeeignet und bis zu ihren
satanischen Consequenzen entwickelt und aus⸗
gebildet, dagegen die gründliche Bußede
tiefe Demuth, den bekenntnißmuthigen Glau—
ben, die Einfalt, herzliche Bruder- und Hirten⸗
liebe des Petrus nach seinem neuen Menschen,
verleugnet, mit Füßen getreten, und so viel an
ihm liegt, ausgerottet hat.
(Fortsetzung solgt.)
(Eingesandt von Past. Dicke.)
Gespräch zwischen Peter und Heinrich
über das 3. Gebot und seine Verbindlichkeit zur
Zeit des alten und neuen Testaments.
Peter. Guten Abend, Heinrich!
Heinrich. Guten Abend, Peter, sei herzlich
willkommen!
P. Ich sehe, daß Du gerade in der Zeitung
gelesen hast. Schreibt denn Deine Zeitung
auch so viel über Temperance und Sonntags-⸗
muckerei?
H. Das kann ich gerade nicht sagen; ich
halte keine solche Zeitung.
P. Ich kann Dir sagen, daß meine Zeitung
da in der letzten Zeit in ihrer Weise etwas
Nechtschaffenes geleistet hat. Sie schimpfte
beständig über Puritaner, Sonntagsmuckerei
und dergleichen, daß es ordentlich eine Art
hatte. Ich hatte mir schon lange vorge⸗
nommen, Dich einmal in dieser Sache um
Deine Meinung zu fragen, und da wir heute
Abend uns eine Stunde unterhalten können, so
würde es mir lieb sein, wenn Du Dich einmal
über diesen Gegenstand aussprechen möchtest;
denn recht klar bin ich in der Sache nicht.
H. Wenn Du meine Meinung darüber hören
willst, so bin ich bereit, sie Dir offen zu sagen.
Nach meinem Dafürhalten liegt auch hier das
Rechte in der Mitte. Ein nüchterner Christ,
der die rechte Erkenntniß hat, kann weder den
sogenannten Puritanern beistimmen, noch jener
Partei, die besonders ihre Vertreter unter den
Zeitungsschreibern findet. Denn obwohl diex
Puritaner, insofern sie etwa weltliche Gesetz- 3
geber sind, ein Recht haben, vom Standpunkte
des öffentlichen Wohls betrachtet, derartige
Gesetze zu erlassen und strenge über dieselben
zu halten, so lange sie die Gewissen nicht dk
durch bedrücken, so läßt sich doch nicht leugnen,
daß sie diese Gesetze oft mit ganz falschen
Gründen zu erweisen suchen; denn' ihre Sonn⸗
tagsgesetze suchen sie sehr häufig auf das gött⸗
liche Gesetz vom Sabbath zu gründen und zu⸗
rückzuführen, was, wie wir sehen werden, falsch
ist. Auch mag die Besorgniß nicht ganz un⸗
begründet sein, daß sie nach und nach suchen
mögen, Andern ihre gesetzlichen kirchlichen un⸗
sichten aufzudrängen. Die Röcke dieser Leute
aber riechen sehr stark nach der jüdischen Syna⸗
goge und ihre Grundsätze sind die der alten
Pharisäer. Ein Christ aber, der die rechte Er—
kenntniß in dieser Sache hat, kann ebenso we⸗
nig mit jenen andern übereinstimmen; denn
ihre Röcke riechen sehr nach Bierhallen. Ihre
Grundsätze sind die der alten Sadducäer und
Epikuräer, deren Wahlspruch war: Lasset uns
essen und trinken und fröhlich sein; denn mor⸗
gen sind wir todt.
P. Was Deine letzte Aeußerung von der⸗
artigen Leuten anbetrifft, so bin ich da mit dir
ganz einverstanden; aber nicht so mit der an⸗
dern; denn ich halte dafür, daß ein Christ ver⸗
bunden st, das⸗3. Gebot noch so zu halten, wie
es im alten Testamente gehalten werden mußte,
und daß die Obrigkeit nicht nur Macht habe, deræ
artige Gesetze zu erlassen, insofern sie das öffen⸗
liche Wohl und gute Zucht und Sitte befördern,
sondern als Diener Gottes, um seine Befehle,
die er auch in Bezug auf das 3. Gebot allen
Menschen gegeben hat, ausführen zu helfen,
damit Jedermann an diesem Tage auch äußer⸗
lich ruhe. Ich meine also, daß die Obrigkeii
dieses auch darum gebieten soll, weil Gott es
gebietet und fordert.
H. Da muß ich Dir sagen, daß Du da noch
ganz verkehrte Ansichten hast. Da Du Dich
aber durch meine bloße Behauptung noch nicht
überzeugen lassen willst, so wird es nöthig sein,
daß wir auf die Lehre vom 3. Gebot selbst ein⸗
gehen, indem Du da noch einen ganz alttesta⸗ 4
mentlichen Standpunkt einnimmst. 4
P. Es wundert mich, wie Du da von eineme
alttestamentlichen Standpunkte reden kannst
denn das 3. Gebot gehört so gut zu den heil.—
zehn Geboten wie das erste. Ich habe guh“
immer gehört, daß die heil. zehn Gebote für,
alle Menschen gegeben und daß sie für alle E
ten verbindlich seien. 2
H. Wenn man das 3. Gebot, wie es „Moß
20. geschrieben steht, mit andern Schriftssülen
besonders mit Stellen des neuen Testamen
vergleicht, so sieht man deutlich, daß im⸗3, He.
bote etwas enthalten ist, welches die Gehfen⸗,
86.
27.* 2
English translation
Not yet translated.