Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 24, Nummer 22 › Seite 175
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1868, Seite 175
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Gottes auf. Während die Kirche sich füllte,
sang der Chor: „Zeuch ein zu deinen Thoren“ꝛc.
Pastor Bürger von Washington sprach das“
Weihgebet und versah den liturgischen Theil
des Gottesdienstes. Da Pastor Wyneken,
welcher bereits zugesagt hatte zu kommen und
zu predigen, leider nicht kommen konnte, so
hielt Pastor Stürken die Weihpredigt. Nach⸗
mittags hielt Pastor H. Hanser eine Einfüh⸗
rungspredigt, worauf der Unterzeichnete durch
den ehrw. Präses Keyl als Pastor an dieser
Kirche eingeführt wurde. Hierbei waren außer
den bereits Genannten die Pastoren Sommer,
Grätzel und Gottlieb zugegen. Letzterer pre—
digte des Abends in englischer Sprache. Am
folgenden Tage Vormittags hielt der Unter⸗
zeichnete seine Antrittspredigt, und Abends
wurde die ganze Festfeier mit einer Predigt
von Pastor Sommer beschlossen.
So danket denn mit uns dem lieben Gott,
theure Glaubensbrüder, daß Er uns hier in dem
Zeitraume von zwei Jahren drei neue, schöne
Kirchen geschenkt hat, und helft uns beten, daß
in denselbigen sein liebes Wort allezeit rein
un lauter erschalle und so dem HErrn JEsu
viele, viele Seelen gewonnen und bei Ihm
erhalten werden mögen. Amen.
Baltimore, Md,.den 8. Juni 1868.
C. Frincke, Pastor.
(Verspätet.)
Am ersten Sonntage nach Epiphanias
wurde das neuerbaute schöne Kirchlein meiner
Immanuels-Gemeinde zu Lost Prairie, Perry
Co., Illinois, eingeweiht. Das Kirchlein ist
ein Frame⸗Gebäude, 20 bei 36 Fuß, mit 6
Bogenfenstern, Kanzel, Altar und Sacrristei,
nach der Zeichnung des Herrn Past. Stephan
gemacht. Zur Einweihung war eine Anzahl
Glaubensgenossen aus meinen 2 Hauptgemein⸗
den und sogar aus Chester (eine Entfernung
von 27 Meilen, mit eigenem Fuhrwerk,) ge⸗
kommen, worunter auch ein Singehor war.
Past. Stephan hatte die Hauptpredigt über das
Kirchweihevangelium übernommen und Nach⸗
mittags predigte Schreiber dieses über die
Kirchweihepistel.
„Die Gemeinde freuete sich um so mehr, an
diesem Feste, weil sie schon viele Jahre bald hier
»bald da ihre Gottesdienste halten mußte, indem
sie kein eigenes Lokal hatte. Meistens versam⸗
melten wir uns in dem Kirchenlokal der amerika⸗
nischen Baptisten-Gemeinschaft, welches aber
fast gar keine kirchliche Einrichtung hatte, sogar
keinerlei Tisch; zudem gab es noch sehr oft Stö⸗
rungen.
Das Wort Gottes wird nehmlich an diesem
Orte von uns schon gegen 9 Jahre gepredigt.
Im Früjahr 1859 wurde Past. M. Eirich schon
235 15 und predigte ein paar Jahre alle
chs bis acht Wochen daselbst. Darnach hat
Past. Evers an anderthalb Jahre Wort und
Sacrament hier gespendet. Ueber 5 Jahre
geht der Unterzeichnete nun schon hin und pre⸗
vigt mindestens alle drei Wochen, aber nur zur
Hälfte an Sonntagen, die andere Hälfte ist an
einem Wochen-Tage Gottesdienst, wozu übri—
gens die Gemeinde-Glieder ganz regelmäßig
kemmen und sich nicht leicht durch irdische Ge⸗
schäfte abhalten lassen. Die Gemeinde ist aber
noch sehr klein und bedarf daher sehr noth—
wendig Zuwachs an neuen Gliedern. Sie
wird zwar in einem Jahre mit Gottes Hülfe
die fertige Kirche ganz bezahlt haben und hierin
zetwas das Licht ihres Glaubens leuchten lassen;
aber sie ist noch nicht im Stande, einen eigenen
Seelsorger zu erhalten. Von den Leuten aber,
die jetzt zier wohnen, ist auf nicht viel Zuwachs
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zu rechnen. Zwar giebt es schon sehr viele
Deutsche hier; aber der eine Theil sind Frei⸗
geister, vom deutschen Hügel aus St. Clair Co.
hierher gekommen, welche die gute Gelegenheit
und das gute Land hier für sich zu benützen
wissen; die zweite Sorte sind Reformirte, und
zum Theil auch schon in andere falsche amerika⸗
nische Kirchengemeinschaften übergegangene
Deutsche; und die dritte Sorte endlich sind
solche versunkene Unirte, die nur eine Aller⸗
weltskirche wünschen, in welcher man glauben
kann, was man will, die einfache biblische
Wahrheit, selbst ohne Polemik, aber nicht leiden,
sondern lieber unsere lutherische- Kirche und
Predigt meiden und somit auch mit der Welt
gehen wollen.
Darum habe ich noch eine herzliche Bitte an
diejenigen Glaubensbrüder, die den Ackerbau
betreiben und sich eigenes Land kaufen wollen.
Die möchten doch diese unsere Gegend und
Land besehen. Nach fast Aller Zeugniß, die
Kenntniß davon haben, ist das Land hier sehr
gut, es ist kein Mangel an gutem Wasser und
gutem Holz. Die Entfernung von St. Louis
ist nur 60 Meilen, und gleichwohl ist das Land
kaum halb so theuer als in St. Clair Co. Es
giebt hier billige Farmen zu verkaufen unter
den Amerikanern und deren nicht wenig. Die
also nicht gerne sehr weit von St. Louis weg
wollen, und einen guten Markt wünschen, die
mögen uns doch die Liebe beweisen und dazu
helfen, daß die Gemeinde sich so vermehrt, daß
sie ihren eigenen Seelsorger haben kann, da
ich bei meinen vielen Arbeiten, in meinen zwei
Gemeinden in Randolph Co., die 18 Meilen
hieher so oft zu machen, beim besten Willen in
die Länge nicht mehr im Stande wäre, auch die
Leufe so dringend wünschen, daß durch einen
in der Gemeinde ansässigen Prediger ihnen das
Brod des Lebens reichlicher gespendet, für die!
Seelen besser gesorgt werde und auch hier eine
blühende Gemeinde des HErrnentstehe. Man
besehe sich das Land hier und überlege, ob nicht
ein Ankauf in jeder Beziehung vortheilhaft
wäre. Die lieben luth. Glaubensbrüder wür⸗
den bei Denninger und bei Kraft in der Lost
Prairie, 10 Meilen von Sparta, eine gast⸗
freundliche Aufnahme und andere Liebesdienste,
die sie etwa bedürfen, reichlich finden. Auch
ich bin von Heieen Vereit, wenn ich Jemand
weiter hierin dienen kann.
Unser Gott, der so weit geholfen hat, der
schaffe ferner durch sein Wort in dieser Kirche
und in der weiten Umgegend viel Frucht zum
ewigen Leben. Amen.
Lost Prairie, Perry Co. Ills. im Juni 1868.
J. H. Dörmann, Pastor.
Füllsteine.
Es ist die Anschauungsweise des Christen,
daß er in der Sünde des Andern die eigne er—
kennt und vor Gott an schuldigt; dagegen ist
es die Anschauungsweise des Ungläubigen,
daß ei in der Sünde des Andern die eigene
entweder nicht erkennt oder doch ent schuldigt.
Wie dort die Demuth, so ist hier der Hoch—
muth die bewegende Ursache.
Es ist die Unart des weltlichen Ehrgeizes,
andere Mitläufer zu demselben Ziele zu
überholen und ihnen vorauszueilen; dagegen
ist es die Art des christlichen Wetteifers, hinter
keinem zurückzubleiben.
Außer Christo kein Heil; und außer dem
Bibelworte, wie es lautet, kein Christus.
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„ * *
Synodalanzeigen.
Die Synode von Missouri ꝛc., östlichen
Districts, hält ihre diesjährigen Sitzungen,
s. G. w., vom 26. August bis zum 2. September
1868, in Richmond, Va. Gegenstände der
Besprechung sind erstlich: Thesen von Prof.
C. F. W. Walther: „Die evangelisch⸗luthe⸗
rische Kirche die wahre sichtbare Kirche Got⸗
tes auf Erden.“ Zweitens ein Referat. von
Past. O. Hanser: „Wie können wir die Er⸗
mahnungen und Warnungen Dr. M. Luthers
in Betreff der Zukunft auch uns zu Nutze
machen?“
gessen. H. Hanser, Seer.
Die Brüder und Gäste welche den Verhand⸗
lungen beizuwohnen gedenken, sind gebeten, dieß
rechtzeiht g dem Pastor loci anzuzeigen.
L. Lochner.
— Bor 134 Richmond, Va.
Die diesjährigen Sitzungen des Mittleren
Districts der Ev.luth. Synode von Mis⸗—
souri, Ohio u. a. St. werden, so Gott will,
beginnen am Mittwoch den 12. Au gust
in der Gemeinde des Herrn Pastor Eirich zu
Zanesville, O. Sie enden den 18. dess. Ma
am 19. werden Pastoral-Conferenzen gehalten
werden und am 20. reis't man 'heim.
Hauptgegenstände der Berathung sind:
1. Die nach der Verhandlung des Vordk.
Diistricts übrig bleibenden Thesen Herrn
„Prof.-Walthers über die luth. Kirche
Ches. XVIII. B. S. 111);
2. Ein Aufsatz über christl. Familien⸗Leben.
Die Synodalglieder, auch Gäste, sind gebe—
ten, ihr Kommen ein paar. Wochen vorher
Herrn Past. Eirich anzuzeigen. Die Paro⸗
chial⸗Berichte sind auf der Synode einzureichen,
auch von den nicht stimmberechtigten Pastoren,
und nicht nachher an den Secretär zu schicken.
Th. Wichmann, Seer.
Conferenz⸗Anzeigen.
Die Wisconsin-Pastoral-Conferenz ver⸗
sammelt sich, so Gott will, vom 28. August bis
zum 1. September incl. in Sheboygan.
G. Reinsch, Seer.
Allen Betreffenden zur Erinnerung, daß, so
Gott will, die Springfield Conferenz vom
28. bis 30. Juli inelusive ihre Sitzungen in
Springfield und nicht, wie früher be⸗
stimmt, in Quincy hält.
B. Burfeind, Seer.
Die diesjährige allgemeine Lehrer-Conferenz
wird am 5. und 6. August d. J. im Seminar⸗
Gebäude zu Addison, Du Page Co., Ill., ab⸗
gehalten. Die Brüder, welche an dieser Con⸗
ferenz Theil nehmen wollen, werden freund⸗
lichst ersucht, solches den Herren Professoren
oder Lehrer Bartling anzuzeigen. Haupt⸗
gegenstand der Besprechung: Wie weit er⸗
streckt sich das Aufseher-Amt eines Pastors
über die Gemeindeschule? Herr Professor
Selle — RNeferent.
Im Auftrage
Chr. Lücke.
Die Parochial-Berichte sind nicht zu ver⸗
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