Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 24, Nummer 22 › Seite 172

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Juli 1868, Seite 172

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche und Staat 14 · Sabbath · Sabbath 8

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und ihn heiligte. Das ist also, genau betrach⸗
tet, nichts anders als ein Bericht von dem Wir—
ken Gottes und von seiner Ruhe darnach; oder
es ist ein Exempel, das uns die Schrift da von
Gott, von seinem Wirken, und von seiner
Ruhe darnach, anführt. Exempel aber haben
nie solche Beweiskraft, daß man Gebote, die
die Gewissen verbinden sollen, oder Glaubens⸗
artikel darauf gründen oder davon ab- und her⸗
leiten könnte. Ist sonst ein klares Gebot Got—
tes vorhanden, so mögen es Exempel wohl be—
leuchten und bekräftigen, aber damit hört ihre
Beweiskraft auch auf. Gott hat z. B. sonst
viele Dinge gethan, die uns darum noch nicht
geboten sind. So hatte er z. B. gerade zuvor
in den sechs Tagen die ganze Welt, Himmel
und Erde, erschaffen und Du wirst doch gewiß
damit nicht beweisen wollen, daß wir nun in
den sechs Wochentagen verbunden seien, ein
Gleiches zu thun? Aber mit demselben Rechte,
als Du mein Gewissen deßhalb zwingen und
beschweren willst, am siebenten Tage zu ruhen,
weil Gott an demselben geruhet habe, mit dem⸗
selben Rechte könnte ich das Deinige beschwe—
ren wollen, daß Du dieselben Werke thun soll—
test, die Gott in den sechs Tagen vor der Ruhe
gethan hat, was Dir doch gewiß nicht bloß
wunderlich, sondern wohl gar närrisch vor⸗
kommen würde. Der Unterschied aber liegt
bloß darin, daß ich von Dir etwas Unmögliches
zerlangte, während Du von mir etwas forderst,
das ich wohl leisten könnte, wenn es nicht mein
Gewissen beschwerte. Jenes Exempel und Vor—
bild wird allerdings bei dem dritten Gebot an—
geführt; dasselbe hat auch die äußere Ruhe,
die jenes Gebot forderte, abgebildet. Es ist aber
auch ein Vorbild von dem ewigen Sabbath ge⸗
wesen, der in Christo, in welchem das Wesen der
zukünftigen Güter war, erschienen ist; denn aus
dem 4. Kapitel des Briefes an die Hebräer
sehen wir deutlich, daß jene Ruhe, da Gott am
siebenten Tage von allen seinen Werken ruhete,
allerdings etwas Verbindliches hatte, und etwas
abgeschattet hat; nämlich die Ruhe in Gott
durch IEsum Christum. Der heil. Apostel redet
in diesem Kapitel von zwei verschiedenen Ta⸗
gen, nämlich von dem siebenten Tage, da Gott
ruhete von allen seinen Werken, und dann von
einem andern, den er hernach bestimmte. Von
diesem letzteren spricht der heil. Apostel also:
„Nachdem es nun noch vorhanden ist, daß
Etliche sollen zu derselben kommen, und die,
denen es zuerst verkündigt ist, sind nicht dazu
gekommen, um ihres Unglaubens willen: be⸗
stimmte er abermal einen Tag nach solcher lan⸗
gen Zeit, und sagte durch David: Heute, wie
gesagt ist, heute, so ihr seine Stimme höͤren wer⸗
det, so verstocket eure Herzen nicht.“ Du siehst
also, daß der siebente Tag oder der alttesta—
mentliche Sabbath nicht den Zweck hatte, die
Ruhe in Goit selbst zu geben; oder, wenn er
denselben gehabt hätte, daß er sich als ungenü⸗
gend erwiesen haben müßte. Der Mensch soll
ruhen in seinem Gotte, dem höchsten Gute, durch
den Glauben, und Gott will sein Reich in ihm
haben und in ihm durch sein Wort und durch
seinen Geist wirken und herrschen; denn das
fordert Gott allerdings von ihm nach dem

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dritten Gebot, und das hat sowohl jene gött⸗

liche Ruhe als auch die alttestamentliche äu⸗
ßere Ruhe angezeigt. Es wird dieses aber
nicht dadurch erreicht, wenn der Mensch an
einem bestimmten Tage äußerlich ruhet, denn
wenn dieser Zweck durch jene äußerliche Ruhe
erreicht würde, so hätte Gott nachher, nachdem
der Sabbath oder siebente Tag schon lange
zuvor eingesetzt war, nicht noch einen andern
Tag bestimmen dürfen. Jener andere Tag
aber, den Gott nachher bestimmte, ist daher
auch, wie wir aus der angezogenen Stelle
sehen, kein anderer, als das Heute, da man
Gottes Stimme hört, d. i., da man das
liebe, theure Evangelium hört und im Glauben
auf⸗ und annimmt; denn dadurch allein kommt
man zur Ruhe Gottes in Christo IJEsu.
Darum hat denn auch gewiß unser lieber, alter
Vater Luther hier wieder bei der Auslegung
des dritten Gebots das Rechte getroffen, wenn
er dabei kein Wörtlein von der äußerlichen
Ruhe sagt, sondern es also auslegt: Wir sollen
Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt
und sein Wort nicht verachten, sondernzdasselbe
heilig halten, gerne hören und lernen.“

P. Moses redet aber von dem Sabbath als
von einer Sache, die schon vorhanden war und
bekannt sein mußte; deßhalb muß der Sabbath
schon früher gefeiert worden sein und daraus
sieht man klar, das derselbe zum Naturgesetze
gehöre.

H. Selbst wenn ich das zugeben würde, so
folgte doch daraus noch nicht, daß der alttesta—
mentliche Sabbath zum Naturgesetze gehörte;
denn nicht alle gottesdienstlichen Handlungen,
die Moses vor der Gesetzgebung auf dem Berge
Sinai vorfand und welche unter den Patriar⸗
chen üblich waren, gehören darum zum Natur⸗
gesetze. So wird uns z. B. berichtet, daß
Adams Söhne dem HErrn Opfer von den
Früchten der Heerde und von den Früchten des
Feldes darbrachten; von andern Vätern wird
uns Aehnliches berichtet. Gott selbst hatte auch
schon lange zuvor die Beschneidung angeordnet
und durch Mosen bestätigen lassen, und Moses
konnte davon, als von einer ganz allgemein
bekannten Sache, reden: folgt aber daraus, daß,
weil Moses diese Dinge vorfand, und sie lange
zuvor üblich waren, daß sie darum zum Natur⸗
gesetze gehören; oder daß wir Christen Gott
nun noch Opfer von der Heerde und den
Früchten des Feldes darbringen, oder daß wir
uns beschneiden lassen müssen?

P. Nun freilich, da mußt Du wohl in diesem
Stücke Recht haben; denn, wenn dem nicht so
wäre, so müßten wir auch, genau geuommen,
noch den Sonnabend als Sabbath feiern, was
ich freilich damit nicht sagen wollte, wenn ich
äußerte, daß uns Christen das dritte Gebotnoch
in derselben Weise verbinde, wie die Juden im
alten Testamente. ‚

H. Siehst Du das mal endlich ein? Ich muß
gestehen, daß es mich vorhin schon ordentlich
gewundert hat, wie Du, als Christ, noch solche
alttestamentliche Gedanken vom Sabbath haben
konntest; denn die ganze erste Christenheit
wäre ja mit Blindheit geschlagen gewesen, wenn
sich die Sache so verhielte, daß uns jenes Ge—

bot noch in derselben Weise verbände, wie die

Juden im alten Testamente. Wer das be⸗
hauptet, und sich mit Ernst nach seiner Ueber⸗
zeugung halten will, der muß den Sabbath auch
an dem Tage feiern, wie Gott dieses den Kin⸗
dern Israel befohlen hatte.

P. Dafür wolle mich Gott bewahren, je in
solchen Irrthum zu gerathen; denn dadurch
müßte ich ja meinen lieben HErrn Christum
und meinen Christenglauben verleugnen.

H. Ja, anders ist es nicht.

(Fortsetzung folgt.)

Zur kirchlichen Chronik.

Wie die römische Kirche in den
Vereinigten Staaten immer weiter um sich
greift, so daß sie auch schon die Staats-Ver⸗
waltung und Regierung an sich reißt und zu
ihren Zwecken ausbeutet, dazu kann der Staat
und die Stadt New Rork einen Beweis liefern.

Der „Christliche Botschafter“ berichtet: Fast

die ganze Stadtverwaltung New Horks ist in
den Händen der Katholiken. Es ist kein ein⸗

flußreiches und fettes Amt in der ganzen.

Stadt, das nicht von Männern con⸗
trollirt wird, die unter dem Einfluß Roms
stehen. Ungeheure Schenkungen von liegen⸗
dem Eigenthum wurden schon gemacht, unter
dem Vorwand, es geschehe für Unterrichts⸗
und Wohlthätigkeitszwecke.
Kinder von den protestantischen Sonntags⸗
schulen und den verschiedenen Missionen weg⸗
zuhalten, organisirte man römischerseits eine
„Catholie Protective Society“, zu deren Unter⸗
haltung die Stadt jährlich Tausende von
Dollars beizutragen hat. In dieser Weise
zwingt Rom die protestantischen Christen
New Yorks, jährlich Tausende von Dollars
zur Unterstützung und Förderung seiner In⸗
stitutionen beizutragen.

In einer in der Gesetzgebung von New Nork
eingereichten Bill stehen 17 Verwilligungen
von 81000—-5000 jede und im Gesammibetrag
von etlichen und sechzig tausend Dollars für
namhaft gemachte katholische Institu⸗
tionen. Und ein ähnliches Verhältniß findet

Um katholische

außerdem bei den Verwilligungen für katho⸗

lische Schul- und Wohlthätigkeitsanstalten in
Brooklyn, Newburg, Albany, Troy, Syracuse
und anderen Orten des Staates New York
statt. In Betracht dieser Thatsachen braucht
man sich nicht zu verwundern, wenn die italie⸗
nische Zeitung — der „Esaminatore“ — ver—
kündigt, daß Rom bald die Controlle über die
amerikanische Republik in der Hand haben
werde, und namentlich mit Zuversicht schreiben

konnte: „Die volkreiche Stadt New Nork wird

„thatsächlich bereits jetzt von der römischen
„Curie beherrscht, vermöge der Schlauheit der
„römischen Hierarchie und ihrer allgemeinen
„Unterordnung der religiösen Interessen unter
„die politisch-⸗kirchlichen.“

Es gibt vielt Politiker in unserm Lande, die
ohne alle Grundsätze sind, die sich wenig drum
kümmern, wo ein Theil des öffentlichen Ein⸗
kommens hingeht, so nur sie ihre Geldgierde
und Habsucht befriedigen können. An den

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