Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 17 › Seite 266
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. August 1904, Seite 266
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibliſche Geſchichte · Bibliſche Geſchichte 7 · Gericht 6 · Religionsunterricht · Bibliſche Geſchichte 5
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Auf dein Wort will ich das Netz auswerfen.
Ein junger Prediger war eben ins Amt gekommen. Als Dia⸗
conus in einer Landgemeinde hatte er Nachmittags von ein bis zwei
Uhr die Predigt zu halten. Das war den Leuten keine gelegene Zeit;
sie hielten dann ihren Mittagsschlaf. So mußte man denn seine
suchenden Blicke über all die leeren Bänke schweifen lassen, um hie
und da einen Hörer und eine Hörerin zu entdecken. Oft war noch
kein einziger da, wenn der Herr Diaconus in die Kirche kam mit dem
vollen Herzen und der fleißig erbeteten und erarbeiteten Predigt. Da
pochte ihm das Blut bis in den Hals hinauf, ob wohl noch jemand
kommen werde oder nicht. Das legte sich wie eine schwere Last auf
seine Seele, und er richtete sein Amt nicht mit Freuden aus, sondern
mit Seufzen. Indeß, er hatte einen alten regelmäßigen Hörer unter
seiner Kanzel, einen weißhaarigen, der bisweilen einen leuchtenden
Blick nach der Kanzel hinaufschickte, und so oft das geschah, ward es
dem jungen Diaconus hell und warm im Herzen. Diesem Alten klagte
er einmal seinen Kummer über die leeren Nachmittagsgottesdienste.
Und was antwortete der Alte? „Lieber Herr Pastor, denken Sie nur
immer daran, daß für jede einzelne Seele unser HErr Christus sein
Blut vergossen hat!“
Das half. Hinfort ließ der junge Diaconus getrost Gottes Brünn⸗
lein fließen und ließ es sich nicht kümmern, daß so viele Tröpflein im
Sande verrannen.
Die Sünde ist der Leute Verderben.
„Vor nicht allzulanger Zeit“, erzählt die „Wiener Morgen⸗
zeitung“, „verschwand die junge Baronesse Marie Balduin am Abend
des Tages ihrer Hochzeit mit dem Grafen Stettinhausen. Ihr Ent⸗
führer war der Circusreiter Zigora. Die Familie der jungen Gräfin
wandte sich darauf gänzlich von ihr ab. Nachdem das Paar in Wien,
Lemberg und Kaschau geweilt hatte, kam es zuletzt nach Pest. Eine
furchtbare Demüthigung harrte hier der jungen Gräfin. Zigora, der
sich bereits nach den ersten Tagen des Zusammenlebens als ungebil⸗
deter, roher und gewaltthätiger Mensch erwiesen hatte, mißhandelte
die Entführte auf das abscheulichste und ließ sie schließlich ganz im
Stiche. Die Lage der unglücklichen Frau wurde immer rrostloser,
und in der letzten Zeit war sie gezwungen, als Fabrikarbeiterin ihren
kümmerlichen Lebensunterhalt zu verdienen und für die Pflege ihres
Kindes zu bezahlen. Vor einiger Zeit erkrankte die Gräfin schwer
und mußte ein Pester Spital aufsuchen. Als jedoch die Frau, die
das Kind der Unglücklichen verpflegte, auf Bezahlung drängte und
erklärte, das Kind nicht länger behalten zu wollen, verließ die Todt⸗
kranke das Spital. Sie nahm das Kind zu sich, und Mutter und
Kind verschwanden aus der ungarischen Hauptstadt. Vor ein paar
Tagen fand man die Leiche des Kindes in einem Gestrüpp nahe bei
der Stadt Waitzen auf; die Mutter blieb verschwunden. Einige
Tage später meldete sich im Pester Rochus⸗Spital eine dem Tode
nahe, herabgekommene Frauensperson, die sich Amanda Weber nannte,
zur Aufnahme. Freitag⸗Abend ist sie ihrem Leiden erlegen. Wenige
Stunden vor ihrem Tode nannte sie ihren wahren Namen: Gräfin
Marie Stettinhausen.“
Gott läßt sich nicht spotten.
In einer vornehmen Gesellschaft, zu der auch ein Prediger des
Evangeliums eingeladen war, kam man bei dem Erzählen auch auf
Himmel und Hölle zu reden. Einer aus der Gesellschaft bestritt, daß
es eine Hölle gebe, worauf ihm der Prediger die Stellen der heiligen
Schrift anführte, wo vom „Heulen und Zähneklappen“ die Rede ist.
Der Mann erwiderte, Gott solle einmal an ihm die Freude nicht haben;
ehe er sterbe, werde er sich alle seine Zähne ausziehen lassen.
Nachdem die Gesellschaft auseinandergegangen war, ließ er auch
seinen Kutscher anspannen, um zu dem nächsten geschickten Arzt zu fah⸗
ren und seinen Vorsatz sofort auszuführen. Als der Kutscher an der
bezeichneten Stelle hielt und seinen Herrn aufforderte, auszusteigen,
erschrak er sehr, denn sein Herr lag todt im Wagen.
Im Jahre 1899 ließ ein vornehmer Mann auf seinem neuen
Hause einen Blitzableiter anbringen, weil das vorige vom Blitz an⸗
gezündet und ein Raub der Flammen geworden war. Der Prediger
des Orts fragte ihn: „Was lassen Sie denn dort machen?“ Der vor⸗
nehme Herr antwortete: „Ei, da lasse ich dem lieben Gott die Hände
binden, daß er mein Haus nicht wieder anzündet.“ Warnend sagte
der Prediger: „Der HErr achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules
Holz“, Hiob 41, 18. Im nächsten Jahre schon legte ein Blitzstrahl das
neue Haus in Asche.
Neue Drucksachen.
Der Biblische Geschichtsunterricht der Unterstufe. Zwanzig Prä⸗
parationen von G. Just und Th. Färber. St. Louis, Mo.
Concordia Publishing House.
Preis: Gebunden 50 Cts.
Dieses Büchlein ist in erster Linie für unsere Lehrer und Pastoren be⸗
stimmt und von den letzteren vor allen für solche, die neben ihrem Amte auch
in der Schule zu unterrichten haben. Es will hauptsächlich Anleitung geben,
wie der Unterricht in der biblischen Geschichte auf der Unterstufe, das heißt,
bei den Kleinen, bei den Anfängern, zu ertheilen ist. Zu dem Zweck sind
20 biblische Geschichten hier bearbeitet. Diesen Präparationen ist eine „Ein⸗
leitung“ vorausgeschickt, in der die Verfasser sich über das Lehrverfahren aus⸗
sprechen, das nach ihrer Ansicht bei diesem Unterricht in der Unterklasse ein⸗
zuhalten ist. Wir erlauben uns, aus dieser „Einleitung“ einiges mitzutheilen,
weil dadurch die charakteristische Eigenart dieses Büchleins am besten klar⸗
gestellt wird. Es heißt (S. 1): „Die Stoffe, deren sich der Religionsunter⸗
richt bei Lösung seiner hohen und herrlichen Aufgabe zu bedienen hat, sind
biblische Geschichte, Katechismus, Spruch und Lied. Von einer getrennten
Behandlung dieser Zweige wird in den ersten Schuljahren abgesehen und mit
dem größten Fleiß eine Verbindung zu einem einheitlichen Lehrgang an⸗
gestrebt. In solchem bildet die biblische Geschichte den Centralstoff und die
übrigen Zweige die Begleitstoffe.“ Das ist nach unserer Meinung ein voll⸗
ständig richtiger Grundsatz. Die biblische Geschichte muß bei unsern Kleinen
im Vordergrund stehen, aber an sie müssen sich auch schon die wichtigsten
Stücke des Katechismus, leichte Sprüche und Liederverse anschließen und mit
ihr in engste Verbindung gebracht werden. Soll diese Concentration des
Unterrichtsstoffes durchgeführt werden, so ist natürlich die Zahl der biblischen
Geschichten zu beschränken. Die Verfasser sagen darüber: „Hat man früher
30 bis 40 biblische Geschichten im ersten Schuljahr durchnehmen können, so
wird man heutzutage mit etwa 15 bis 20 vollauf zufrieden sein. Mit dem
einfachen Vor⸗ und Nacherzählen, dem gedankenlosen Einlernen von so und
so viel Geschichten ist doch wohl die Aufgabe des Religionsunterrichts keines⸗
wegs gelöst. Das von uns geforderte lebendige Anschauen und das erbau⸗
1904. 96 Seiten 548.
liche Betrachten der göttlichen Thatsachen erfordert Zeit, und zwar viel Zeit.
Zum Liebgewinnen gehört Umgang, Theilnahme an den Wegen und Füh⸗
rungen der Gottesmänner. Nur so wird das Angeschaute einen tiefen Ein⸗
druck auf Gemüth und Gewissen des Schülers machen, nur so wird es zum
Wachsthum seines Glaubenslebens die rechte Nahrung abgeben.“ (S. 3.)
Man mag und wird ja über die Zahl und die Auswahl der durchzunehmenden
biblischen Geschichten verschiedener Meinung sein, diesen hier ausgesprochenen
Grundsätzen aber wird jeder Pädagoge beipflichten müssen. Weiter wird in
der „Einleitung“ die Art und Weise, die Methode ausführlicher dargelegt,
nach der eine jede biblische Geschichte zu behandeln ist. Wir theilen daraus
das Wichtigste mit: „Der Unterricht in der biblischen Geschichte beginnt mit
der Angabe des Ziels.“ „Im Anschluß an das gestellte Ziel suchen wir durch
eine passende Einleitung der nachfolgenden Erzählung den Boden zu bereiten,
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