Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 9 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. April 1907, Seite 133

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht

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und Geldsendungen nach allen Teilen der Welt unter
Zusicherung vollständiger Sicherheit und zu, den niedrigsten
Preisen besorgt. Die Bedienung ist prompt und zuverlässig.
Solche, die eine Besuchsreise nach Deutschland unternehmen
wollen, finden im Pilgerhaus ein christliches Heim und gutes
Quartier während ihres Aufenthaltes in der großen Weltstadt
und allen erwünschten Rat und Beistand. Benutzt darum die
Dienste des Pilgerhauses, ihr lieben Christen, und macht eure
Freunde darauf aufmerksam! Aller Gewinn komnit ja der
Synode zugute, deren Sache dies Werk ist.
Die Stationen in Hamburg und Bremen werden vom
E Pilgerhaus aus unterhalten. Die beiden Missionare, Herr
W. Vopel in Hamburg und Herr F. Gillhoff in Bremen, haben
auch im vergangenen Jahre treulich im Dienste unserer Mis⸗
sion gearbeitet, soviel sie konnten.
Der Missionar der mit uns verbundenen Norwegischen

Synode, P. E. Petersen, nimmt sich sonderlich der skandinavi⸗

schen Einwanderer an, tut aber auch uns manche gute Dienste.
Seine Gattin, die zwanzig Jahre lang dem Hause als Haus⸗
verwalterin gedient hat, hat sich leider genötigt gesehen, ihr
Amt im Laufe des Jahres niederzulegen. Gott segne sie für
ihre langjährigen, treuen Dienste! Die Lücke ist dadurch aus⸗
gefüllt worden, daß unser Missionar ins Haus zog, und seine
Gattin die Führung der Wirtschaft übernahm.
Der SErr, unser Gott, aber sei uns auch ferner freund—
lich und fördere das Werk unserer Hände bei uns!
Im Namen und Auftrag der Kommission
J. C. Borth, Sekretär.

4 P. Johannes Her. 1

2

Wir haben in der vorigen Nummer das Leben des seligen
P. Her bis zum Jahre 1845 verfolgt.

Nachdem nun seine Eltern gestorben waren, wanderte er
im Mai des Jahres 1852 mit seiner Familie, aus Frau und
drei Kindern bestehend, nach Amerika aus. Er war schon längst
von vielen Seiten dazu ermuntert worden, auch von Amerika
aus, sonderlich von einem Manne, der ihm geschrieben hatte,
in Amerika könne er sich vom Evangelio nähren und vielen
Seelen nützlich werden. Sein Reiseziel war Monroe Co., O.,
wo dieser Mann wohnte. Auf seiner Reise dorthin mußte er
in Mansfield, O., über Sonntag warten. Er fragte nach einer
deutschen Kirche und erfuhr von dem Pastor, daß der Mann,
von dem Her den Brief bekommen hatte, Methodist geworden
sei. Sowenig Her damals in der Lehre, sonderlich in den
Unterscheidungslehren, gegründet war, Methodist wollte er doch
nicht werden. So blieb er auf Rat des deutschen Pastors vor⸗
läufig in Mansfield. Dieser ließ ihn für sich in seinen drei
Gemeinden predigen und brachte ihn dann in eine Landge⸗
meinde bei Liverpool, O. Dort wurde er vorläufig auf ein
Jahr „gedingt“. Im September wurde er examiniert und
am 24. Oktober 1852 in seiner Gemeinde ordiniert von dem
Präses eines sogenannten Ohio-Vereins. Bald nachher be⸗
suchte ihnP. St., der ein Glied der Missourisynode war. Von
diesen erfuhr Her, daß die Leute, die er bediente, ein rottiere⸗
rischer Haufe seien, die den P. R., ebenfalls Glied der Missouri⸗
synode, vertrieben hätten, und daß der Ohio-Verein eine unierte

Gemeinschaft sei. Nun erhielt Her von P. St. seine erste
Belehrung über Union und wurde ermahnt, sich das Konkor⸗
dienbuch anzuschaffen und darin fleißig zu studieren. Her tat
das; er schreibt darüber: „Je mehr ich in dem Konkordien—
buche las, je mehr wollte ich lesen und fand, daß dasselbe rein
und klar Gottes Wort bekennt, wie es lautet.“ Er fühlte sich
nun nicht mehr wohl bei seinen Leuten. Als er im nächsten
Jahre nach Mansfield berufen wurde, nahm er den Beruf an.
Bald jedoch fand er, daß in seiner neuen Gemeinde große
übelstände herrschten. Er fragte bei seinem Präses um Rat
und brachte die Sache vor die Synode. Der Rat aber, den er
erhielt, „stimmte nicht mit meinem Konkordienbuche“, wie er
schreibt. Er hielt sich in seinem Gewissen verpflichtet, nach
Matth. 18 zu handeln, und tat es. Die Gemeinde aber nahm
die offenbaren Sünder in Schutz, und Her erklärte, daß er unter
solchen Umständen sein Amt niederlegen müsse. Er wurde
nun an eine andere Gemeinde in Monroe County empfohlen,
die freilich auch uniert war, und ging hin. Aber er fühlte sich
je länger je weniger befriedigt in dem unierten Verein, da er
niehr und mehr erkannte, wie wenig genau die Leute es im
Grunde mit Gottes Wort nahmen. Er war nach Erkenntnis
und Gesinnung schon ein zu guter Lutheraner geworden, um
sich in einer Gemeinschaft wohl zu fühlen, die tatsächlich Wahr⸗
heit und Irrtum für gleichberechtigt erklärt. Er forderte seine
Entlassung aus der unierten Gemeinschaft und schloß sich der
Ohiosynode an. Er bediente Gemeinden in verschiedenen Coun⸗
ties von Ohio und Indiana und kam im Jahre 1866 nach Lan⸗
sing, Mich. In der Erkenntnis war er aber immer weiter ge⸗
kommen, so daß er nun zum Beispiel Logenleuten die Aufnahme
in die Gemeinde verweigerte. Damit erntete er freilich kein
Lob, wohl aber viel Haß und Widerstand.

Schon seit Jahren war P. Her mit Pastoren der Missouri⸗
synode bekannt und befreundet geworden. In ihnen erkannte
er seine vollsten Glaubensbrüder. Mit Freuden nahm er daher
zu Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen
Beruf von einer Gemeinde der Missourisynode an, deren Glied
er nun wurde. An drei Gemeinden unserer Synode hat er noch
dem HErrn treu gedient mit den ihm verliehenen Gaben und
Kräften, nämlich in Martinsville und Cohocton, N. Y., und
zuletzt in Kingsville, Baltimore Co., Md., wo er seit 1879
wirkte, bis er endlich wegen Altersschwäche im Jahre 1896 sein
Amt niederlegte, nachdem er 44 Jahre lang seinem Heiland im
heiligen Predigtamt gedient hatte.

Seit 1879 war Schreiber dieses mit P. Her Glied derselben
Konferenz, und wir kamen fast jeden Monat zusammen. Her
war ein fleißiger Besucher der Konferenzen, trotzdem er einen
ziemlich beschwerlichen Weg hatte. Bei allen, die ihn näher
kennen lernten, stand er in hoher Achtung wegen seiner herz⸗
lichen, aufrichtigen Demut und Bescheidenheit, noch mehr aber
wegen seines festen, kindlichen Glaubens und wegen seiner
innigen, treuen Liebe zu seinem Heilande. Er hatte selten
etwas zu sagen, war vielmehr immer bereit zu hören und zu
lernen. Wenn aber die Rede kan auf den HErrn JEsum und
seine große Heilandsliebe zu den Sündern, dann wurde sein
Herz warm und sein sonst stiller Mund beredt. Gerade hierin
ist er für seine jüngeren Amtsbrüder ein großer Segen gewesen.

Die innige Liebe zum Heiland, die während seines ganzen
Lebens ein hervorragender Zug in seinem Wesen war, hat er
sichtlich von Jugend auf gehabt. Wie der HErr mitten in der

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