Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 9 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. April 1907, Seite 138
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erziehung 1 · Fleiſch 3 · Kirchenzucht · Zeugnis des Geiſtes 6
138 Der utherane
der alte Spötter sich mit giftiger, boshafter Gebärde die dünnen
Arme und Beine rieb und schabte und seiner Wonne über den
aufgerührten Schmutz kein Ende fand.
„Wie ein Blitz“, so schreibt Ludwig Richter, „schlugen diese
Lästerworte in meine Seele. Es war mir, als bräche der ganze
Himmel zusammen, als bedeckten seine Splitter und Scherben die
schöne grüne Erde, und nun könne gar nichts mehr aufblühen und
gedeihen. Ein Zweifeln an diesen heiligen Geschichten, ja, einen
mit solcher Frechheit ausgesprochenen Spott hatte ich gar nicht für
möglich gehalten. Ich sah, daß mein Vater dem nicht entgegen⸗
trat, und daher schien es mir, als wenn unter älteren Leuten all
das für Lug und Trug oder Faselei angesehen würde, was ich in
der Schule als Wahrheit gehört hatte. Ich hatte das Gefühl, daß
mir etwas Unentbehrliches genommen sei, das mit anderm nicht
ersetzt werden könne. Ich konnte mit niemand davon reden und
war recht unglücklich.“
Solchen Schaden richtet manchmal ein Lästerwort an. Dar⸗
um: Nimm deine Worte in acht und hüte deine Kinder!
Der Unglaube und der Arzt.
Ein hervorragender Arzt kam einmal mit dem englischen
Prediger Kavanagh zusammen, der das Gespräch bald auf Fragen
der Religion brachte.
„Ich begreife nicht“, sagte der Arzt, „daß ein so vielseitig
gebildeter Mann wie Sie noch an so alte Fabeln glauben kann.“
„Herr Doktor“, war die Antwort, „stellen Sie sich einmal
vor, Sie machten die Erfahrung, daß ein gewisses Heilmittel eine
bestimmte Krankheit regelmäßig heilt. Stellen Sie sich vor, daß
Sie selbst durch dies Mittel vom Tode gerettet worden sind, und
daß Sie bei hundert Perfonen, die Sie zu behandeln haben —
bei allen ohne Ausnahme —, denselben günstigen Erfolg beobach⸗
ten, würden Sie nicht Vertrauen zu der Arznei haben?“
„Selbstverständlich!“
„So ist es auch mit dem Christentum; mein Glaube beruht
auf Erfahrung. Mögen andere von Fabeln reden, ich weiß, was
ich an mir und tausend andern erlebt habe. Mein Herz war
früher voll Unruhe und Unfrieden. Ich wußte nicht, wozu ich in
der Welt war. Ich hatte keine Antwort auf die wichtigsten Fragen.
Da hat sich Gott über mich erbarmt und mich zum Glauben ge⸗
führt. Seitdem bin ich ein anderer Mensch und habe nun Frie⸗
den und Trost und alles, was ich bedarf. Und was ich erlebt
habe, das haben seit Jahrhunderten viele Tausende von Menschen
erlebt.“
Der Doktor wurde nachdenklich, und es kam kein Wort der
Verachtung mehr über seine Lippen.
„Das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das
Fleisch; dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht tut,
was ihr wollet.“ Gal. 5, 17.
Der Geist oder die Seele sagt: Ich bin der Sünde tot und
will nicht mehr sündigen; das Fleisch sagt: Ich bin nicht tot, ich
will meines Lebens brauchen, weil ich's habe. Der Geist sagt:
Ich glaube, daß mir Gott meine Sünden vergeben und von mir
genommen hat durch Christum; dagegen sagt das Fleisch: Was
weiß ich von Gott und seinem Willen? Die Seele sagt: Ich muß
milde, züchtig, keusch, demütig, geduldig sein und nach dem künf⸗
ligen Leben trachten; das Fleisch belfert dawider: Ei, wwas Him⸗
mel? Hätte ich hier Brot und Mehl, Geld und Gutes genug! Also
tut allezeit das Fleisch, solange es hier lebet, dehnet und zeucht
die Sünde nach sich, wehret sich und will nicht sterben; darum
muß es Gott zuletzt auch hinrichten, daß es auch seinen Tod habe
von den Sünden, und ist doch dieses auch ein feiner, sanfter Tod
und wahrhaftig nichts anderes denn ein Schlaf; denn es soll nicht
im Tod bleiben, weil die Seele und Geist nicht mehr im Tode ist;
der Leib kommt wieder herfür zur Seele, ausgereinigt und ge⸗ 1
läutert am Jüngsten Tag, da es wird ein feiner, reiner, gehor⸗
samer Leib sein, ohne alle Sünde und böse Lust. Es ist nicht des
Sterbens und Begrabens Schuld, daß du so übel dafür erschrickest.
sondern deines Fleisches und Blutes, das da nicht verstehen kann,
daß sein Tod und Grab nichts anderes ist, denn daß dich Gott
säuberlich, als ein Kind in die Wiegen, oder sanft Bettlein legt,
darin du süßiglich schlafest bis an den Jüngsten Tag.
(Luther.)
Drei Arten des Sauerteigs.
1. Luk. 12, 1: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Phari⸗
säer, welches ist die Heuchelei!“ Das ist eine sehr gewöhnliche
Art, sie findet sich in den meisten Häusern, hier mehr, dort weniger.
Wer will nicht besser scheinen, als er ist?
2. Matth. 16, 6: „Sehet zu und hütet euch vor dem Sauer⸗
teig der Pharisäer und Sadduzäer!“ Dieser Sauerteig ist der4
Unglaube. Die Sadduzäer glaubten keine Auferstehung, noch
Engel, noch Seele, noch Geist. Wieviel von diesem Sauerteig
gibt es heutzutage in Stadt und Land! Die „Natur“ oder die
„Weltordnung“ ist für viele an die Stelle Gottes getreten.
3. Mark. 8, 15: „Schauet zu und sehet euch vor vor dem
Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig Herodis!“ Hero⸗
des war ein gottloser Mann, aber er hörte gern eine gute Predigt. 4
Es gibt in unserer Zeit viele Hörer des Wortes Gottes, aber wenig
Gehorsam. Wie vielen bringt dieser Sauerteig den Tod!
sie.í
Todesanzeige.
Am 2. März, nachmittags um 5 Uhr, entschlief Martin
T. Ulrich, Lehrer der St. Petrigemeinde zu Detroit, Mich.
Er war am 3. November 1852 in St. Louis, Mo., geboren, wo
sein Vater, Kaspar Ulrich, Lehrer an der Immanuelsgemeinde 2
war. Nachdem er sich in unserm Seminar zu Addison für den
Lehrerberuf vorbereitet hatte, wurde er im Jahre 1872 als Lehrer
der Gemeinde zu Kingston, N. Y., eingeführt. Im Jahre 1876
nahm er einen Beruf nach Albany, N. Y., an. Nach nur zwei⸗
jähriger Amtswirksamkeit daselbst kehrte er zurück an seine erste
Stelle. Im Jahre 1884 folgte er einem Rufe nach Pittsburg, Pa.
Im Jahre 1892 berief ihn die St. Petrigemeinde zu Detroit,
Mich., der er fünfzehn Jahre lang in aller Treue gedient hat
bis zum 27. Februar dieses Jahres. Am 6. März haben wir
unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde und seiner Kollegen
seine entseelte Hülle in die Erde gebettet. Er hinterläßt seine
tiefgebeugte Witwe, mit welcher er in dreißigjähriger, glücklicher
Ehe gelebt hat, 6 Söhne und 2 Töchter. — Dan. 12, 13.
A. Werfelmann.
—(—
Ueẽne Drucksachen. ö
Kommentar über den Brief Pauli an die Römer. Von D. G.
Stöckhardt. St. Louis, Mo. Concordia Publishing
House. VIund 649 Seiten 9*6 in Halbfranz mit Gold⸗
titel gebunden. Preis: 82.25.
D. Luther sagt in seiner berühmten, hochbedeutsamen Vorrede über den
Brief St. Pauli an die Römer: „Diese Epistel ist das rechte Hauptstück des
Nenen Testaments und das allerlauterste Evangelium, welche wohl würdig
und wert ist, daß sie ein Christenmensch nicht allein von Wort zu Wort aus—
wendig wisse, sondern täglich damit umgehe, als mit täglichem Brot der⸗
HneS en
—
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