Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 9 › Seite 136
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. April 1907, Seite 136
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bücher 2 · Frau 5 · Kirchenzucht · Anhang
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8 Der „„TutheranesS
„JEsusreligion“ für ein gutes Mittel, um Reformen in dem sehr
zurückgebliebenen Lande einzuführen und durchzusetzen. Die große
amerikanische Mifsionszeitschrift TNe Nissionary) Revieu sagt:
„Seit dem Boxeraufstande, in welchem Tausende getötet wurden,
ist eine solche Veränderung in der öffentlichen Meinung vorge⸗
gangen, daß das Christentum vielerorts populär geworden ist.
Dies geht aus folgenden Tatsachen hervor: 1. In den letzten fünf
Jahren haben mehr Heidentaufen stattgefunden als in den ersten
achtzig Jahren protestantischer Missionsarbeit in China; 2. im
Norden, wie im Zentrum und im Süden, sind christliche Colleges
mit Söhnen aus höheren Ständen überfüllt; 3. mehrere gebildete
Christen, die gute Kirchenglieder sind, sind von der heidnischen
Regierung an einflußreiche Stellen berufen worden; 4. mehrere
der höchsten Amter des Reiches wurden Männern übertragen, die
auf christlichen Anstalten ausgebildet wurden.“ So sind die Aus⸗
sichten im großen chinesischen Reich nicht ungünstig, sondern viel⸗
mehr hoffnungsvoll. L. F.
über einen Abfall vom Namenchristentum zun nackten Hei⸗
dentum berichtet das in Lodz, Russisch⸗Polen, erscheinende „Ev.⸗
Luth. Kirchenblatt“ folgendes: „Im Gouvernement Wjatka woh⸗
nen die Tscheremissen, ein alter finnisch⸗ugrischer Stamm. Sie
sind zwar äußerlich schon lange zum Christentum der griechisch⸗
katholischen Kirche übergetreten, in Wahrheit aber sind sie immer
ihren heidnischen Gebräuchen treu geblieben. Sie gingen zwar
in die orthodoxe, das heißt, griechisch⸗katholische, Kirche, setzten
aber gleichzeitig ihren Götzendienst nächtlich in den Wäldern fort.
Da erschien das Edikt vom 17. April 1905 über die Glaubens⸗
freiheit. Die Tscheremissen stellten sofort den Kirchenbesuch ein.
Vier Ortschaften beschlossen, bei der Regierung um Genehmigung
zur Rückkehr zu ihrem alten Glauben einzukommen. In einem
Einzelfalle hat die Regierung die Genehmigung bereits erteilt;
es steht deshalb außer Zweifel, daß sie auch eine allgemeine Rück⸗
kehr nicht hindern wird.“ L. F.
Aus Welt und Zeit.
„Von 87 ausgewählten Novellen, die ich gegenwärtig habe,
und die in den letzten 3½ Jahren veröffentlicht wurden, alles
Bücher, die in bedeutendem Ansehen standen und in den Leih⸗
bibliotheken zu haben waren, betrachten 17 die Verspottung der
Ehe als ausgemachte Sache, 11 stellen eine wirkliche Zuneigung
als bloße Einbildung dar, 22 reden der offenen Untreue des ver⸗
heirateten Mannes das Wort, 7 machen die Treue der Gattin
lächerlich, und 22 beschreiben die Verführung so offen, wie es in
einem Buche sein kann, das von den Buchhändlern nicht in den
Bann getan wird.“ Derjenige, der dieses Urteil über die heu⸗
tigen Romane und Novellen fällt, ist nicht ein Prediger des Wortes
Gottes, fondern einer, der sich mit der Literatur der Gegenwart
beschäftigt, und das Blatt, in dem dieses Urteil steht, ist nicht eine
kirchliche Zeitschrift, sondern eine vielgelesene englische Monats⸗
schrift. Welche Mahnung liegt in diesem Tatbestande für alle
Eltern, sorgfältig über das zu wachen, was ihre Kinder lesen, und
Erzählungen und Zeitschriften, die die Gemüter vergiften und die
Seelen verderben, von ihnen fernzuhalten. Wir nennen mit Ab⸗
sicht auch die Zeitschriften. Denn die tägliche und wöchentliche
Presse, auch die sonst für weltlich anständig geltende, sinkt durch
die ausführliche Berichterstattung über Skandalprozesse, Mord⸗
taten, Lynchgerichte, Betrügereien, Selbstmorde, Theaterstücke und
dergleichen immer tiefer, so daß selbst die Welt ihre Stimme da⸗
gegen erhebt. Und um so wirksamer werden christliche Eltern und
Erzieher der verderblichen Literatur entgegenarbeiten, wenn sie
ihren Kindern saubere, christliche Unterhaltungsliteratur zugäng⸗
lich machen. L. F.
Rechte Fraueurechte. Gegenüber der heutigen Fraueneman⸗
zipation, dem Trachten der Frauen nach Stimmrecht, nach Teil⸗
nahme am öffentlichen, politischen Leben, nach Gleichberechtigung
mit den Männern, legt ein französisches Blatt den Frauen unserer
Zeit die folgenden „Rechte“ ans Herz und bittet sie, über diese 1
Das Blatt sagt: „Die Frau hat das
mit Sorgfalt zu wachen.
Recht, zu arbeiten, zu lieben und zu beten. Sie hat das Recht,
Tränen zu wrocknen, Traurige zu trösten, finstere Stirnen auf⸗
zuheitern und Sorgenwolken von den Angesichtern zu vertreiben.
Sie hat das Recht, bei dem Kranken zu wachen, ihn zu lehren,
seine Schmerzen mit Geduld zu ertragen und, wenn alle irdischen
Hoffnungen vernichtet sind, in ihm eine ewige, himmlische Hoff⸗
nung zu erwecken. Sie hat das Recht, diejenigen auf den Pfad
der Tugend zurückzuführen, die sich davon verirrt haben. Sie
hat das Recht, die zarte Jugend zu erziehen und sie zum kindlichen
Glauben an den zu führen, der aus Liebe zur Menschheit am
Kreuze starb. Sie hat das Recht, in ihrer Umgebung Licht und
Frieden zu verbreiten. Bist du dieser Rechte dir bewußt?“
L. F.
Die Steine schreien und bestätigen auf das genaueste und
merkwürdigste die Wahrheit der Heiligen Schrift, die in unserer
Zeit von so vielen Menschen angegriffen und geleugnet wird.
Das trifft auch bei den neueren Ausgrabungen zu, die man in
Palästina und andern morgenländischen Gegenden ins Werk ge⸗
setzt hat. Die Schrift sagt von den Städten der Amoriter, daß
sie „groß seien und bis an den Himmel vermauert“, 5 Mos. 1, 28.
Diese biblische Aussage wird bestätigt durch Grabungen im alten
Megiddo, in Taanah und in Lachis. In der letztgenannten Stadt
hat man Reste der Stadtmauer bloßgelegt, die eine Dicke von
28 Fuß haben. Nach der Heiligen Schrift sollten die Kanaaniter
wegen ihrer Greuel bertrieben und ausgerottet werden. Daß
aber unter ihnen wirklich entsetzliche Greuel geherrscht haben, ist
auch durch die Ausgrabungen erwiesen worden. Unter den Fun⸗
damenten jedes Hauses fand mian die Gebeine des unglücklichen
Kindes, das als Bauopfer lebendig begraben wurde, meist Kinder
von wenigen Lebenswochen, doch auch Gebeine von mehr als sechs⸗
jährigen Kindern samt den ihren Geistern geopferten Speisen.
Der „Freimund“ sagt: „So müssen Steine und alte überreste die
Wahrheit des göttlichen Wortes bezeugen. Aber wie wenige achten
auf solche gewaltige Predigt!“ ‚ L. F.
Das älteste christliche Kirchengebet.
Aus dem ersten Jahrhundert.
Laßt uns anhalten mit Bitten und Flehen, daß der Schöpfer
des Alls die zuvor bestimmte Zahl seiner Auserwählten in der
ganzen Welt unverletzt erhalte durch seinen lieben Sohn IEsum
Christum, durch den er uns berufen hat von der Finsternis zum
Licht, von der Unwissenheit zur Erkenntnis der Herrlichkeit seines
Namens! Denn auf deinen Namen, der vor aller Kreatur ge⸗
wesen ist, hoffen wir, der du die Augen unsers Herzens aufgetan
hast, damit wir dich erkennen, den allein Höchsten, der in der Höhe,
den Heiligen, der unter den Heiligen thront. Dich, der du beugst
den übermut der Stolzen und die Gedanken der Heiden vereitelst,
die Niedrigen erhöhst und die Hohen erniedrigst, der du reich machst
und arm machst, tötest und Leben schaffst! Dich, den alleinigen
Wohltäter der Geister und den Gott alles Fleisches, der du in 1
die Tiefen schaust und auf die Werke der Menschen blickest! Dich,
den Helfer der Gefährdeten, den Retter der Verzweifelten, den
Schöpfer und Aufseher jedes Geistes, der du die Völker auf Erden
mehrest und dir aus allen auserwählt hast, die dich lieben durch
IEsum Christum, deinen lieben Sohn, durch den du uns erzogen,
geheiligt und zu Ehren gebracht hast!
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