Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 9 › Seite 134

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 23. April 1907, Seite 134

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht · Regiſter · Synodalverſammlung 3 · Synodalverſammlung 6

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Finsternis des Papsttums gläubige Seelen hatte, die ihm in
aufrichtiger Liebe anhingen, so auch mitten in der traurigen
Finsternis des Rationalismus. Hers Mutter scheint eine von
diesen treuen Seelen gewesen zu sein. Bis in sein hohes Alter
hinein hat er oft mit rührender Dankbarkeit seiner „lieben gott⸗
seligen Mutter“ gedacht, die ihm so früh vom lieben Heiland
erzählt, ja oft mit Tränen ihm vorgestellt habe, was es gekostet,
ihn von seinen Sünden zu erlösen. Wie unauslöschlich tief sich
dies dem Herzen des Sohnes eingeprägt hatte, weiß Schreiber
dieses aus mannigfachen Privatgesprächen, die er mit dem
seligen P. Her gehabt hat. Unvergeßlich bleibt ihm sonderlich
eine Gelegenheit. Schreiber dieses war bei P. Her zur

Visitation. Als alles längst zur Ruhe gegangen war, ließ der
ehrwürdige Greis seinen viel jüngeren Amtsbruder unter dem
sternenbesäten nächtlichen Himmel einen tiefen Blick in sein
Herz und in sein vergangenes Leben tun und schloß mit einem
Lobpreis der unverdienten Gnade Gottes, die ihm in so reichem
Maße zu teil geworden sei.

Diese freie Gnade Gottes in Christo blieb sein Ruhm, als
sein Lebenstag sich mehr und mehr zu Ende neigte; sie blieb
sein einiger, fester Trost, als das Sterbestündlein herannahte.
Nachdem er int Jahre 1896 sein Amt niedergelegt hatte, schenkte
Gott ihm noch etwas über neun Jahre Ruhe nach des Tages
Last und Hitze. Während dieser Zeit hatte er sein Heim bei
seinem Schwiegersohn, dem nun auch schon seligen P. C. Groß
in Fort Wayne, wo er von der liebenden Hand seiner Tochter
sorgfältig verpflegt wurde. „SErr, ich warte auf dein Heil“,
so hieß es auch bei diesem lebensmüden Greise. Er wartete
mit sehnlichem Verlangen, aber auch mit großer Geduld. Und
Geduld war ihni not. Er mußte die Gebrechen des Alters in
reichem Maße erfahren. Nachdem er schon einmal fünf Monate
bettlägerig gewesen war, legte ihn der HErr nach einiger Zeit
wieder auf das Krankenlager, wo er bei großer leiblicher
Schwäche noch dreizehn Monate auf den Ruf seines HErrn
warten mußte. Da wurde sein Glaubensgold noch recht bewährt
in dem Ofen der Trübsal. Aber wie Gott es mit ihm fügte, so
war es dem stillen Dulder recht. „Ich habe nur Ursache, Gott
zu danken“, pflegte er oft zu sagen. Einige Verslein, die ihm
von der Jugendzeit her noch fest im Gedächtnis hafteten, hörte
man oft aus seinem Munde:

Bald ist es überwunden,
Nur durch des Lammes Blut,
Das in den schwersten Stunden
Die größten Wunder tut.
Und:
Bald ist's ausgerungen,
Ja, dann bin ich da;
Droben wird gesungen
Ein Halleluja.

Als P. W. Moll am Abend vor seinem Tode mit ihm
gebetet hatte, fügte er selbst die Worte aus Offenb. 7, 12 hinzu:
„Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und
Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.“ Während der Nacht gefragt, ob er auf den Glauben,
den er andern gepredigt habe, fröhlich sterben wolle, antwortete
er mit einem lauten „Ja“. Am nächsten Morgen um 6 Uhr,
den 25. November 1905, ging endlich seine harrende Seele in
die himmlische Heimat ein, nachdem seine irdische Laufbahn
84 Jahre und 27 Tage gewährt hatte. Der nrüde Leib wurde
an 29. November als ein reifes Weizenkorn in Gottes Acker

gesät zur fröhlichen Auferstehung zum ewigen Leben. P. Moll
predigte dabei über Joh. 12, 26: „Wo ich bin, da soll mein
Diener auch sein.“

Von zwölf Kindern überleben den Vater nur fünf, nämlich

vier Töchter und ein Sohn, der dem SErrn auch, wie der Vater,
im heiligen Predigtanite dient. H. H. Walker.

— — —

Zur kirchlichen Chronink.

Amerika.
In der schwedisch-lutherischen Augustanasynode besteht die
Sitte, daß, wenn Synodalversammlung ist, in, allen Gemeinden

der Synode beim allgemeinen Kirchengebet der Versamtnlung ge⸗

dacht wird. Folgende Worte werden dem Kirchengebet eingefügt:

„Segne die, welche jetzt versammelt sind, das Wohl deiner Kirche

zu beraten, damit ihre Beschlüsse deine Ehre und den Bau deines
Reiches unter uns fördern!“ Man braucht es nicht gerade so zu

machen, aber es ist gewiß recht und wohlgetan, wenn die einzelnen 1

Gemeinden, etwa am Sonntag vor dem Zusammentritt der
Synode, aufgefordert werden, die Versammelten in ihre Fürbitte
einzuschließen, wie es ja auch in vielen unserer Gemeinden ge⸗
schieht. Jede Synodalversammlung ist ein so wichtiges Ereignis,

die Sachen, die auf diesen Versammlungen gehandelt werden, ö

haben so große Bedeutung für die Kirche, die Synodalen haben

zur rechten Ausrichtung ihrer Arbeit im ganzen und im einzelnen
so viel Weisheit, Kraft und Gnade von oben nötig, daß ernstliches, 1
brünstiges, anhaltendes Gebet erforderlich ist, damit alles, was

geredet und beschlossen wird, gexreiche dem HErrn zu Ehren „und
der Gemein' zu Nutz'“. Wollen wir darum solche Fürbitte öffent⸗

lich und privatim nicht unterlassen, sondern treulich üben!
L. F.
Die Wahl der Deputierten zur Synode macht öfters unsern
Gemeinden zu schaffen. Manche Gemeinden können nur mit Mühe
einen Mann finden, der die Wahl annimmt, weil viele ihrer Glie⸗
der die Zeit, die der Besuch einer Synodalversammlung in An-—
spruch ninunt, nicht drangeben können oder wollen, und manche

Glieder sich auch nicht für geeignet halten, ihre Gemeinde auf 3

der Synode zu vertreten. Und doch ist es so wichtig, daß jede

Gemeinde nicht nur durch ihren Pastor, sondern auch durch einen 4

Deputierten vertreten ist. Es schlägt der Gemeinde und dem
Deputierten selbst zum Nutzen und Segen aus.
es einerseits ist, wenn solche zu Deputierten gewählt werden, die
schon öfters bei einer Synode zugegen waren und den Gang der
Verhandlungen etwas kennen, so nützlich ist es doch auch anderer⸗

seits, wenn nicht nur der eine oder der andere, sondern eine größere 3

Anzahl in der Gemeinde mit den Angelegenheiten der Shynode
durch Teilnahme an ihren Verhandlungen recht bekannt werden.
Es ist nicht nötig, daß alle Deputierten auch redegewandt seien;
auf einer Synode können nicht alle reden, was wollte sonst werden?
Die Hauptsache ist, daß sie mit Interesse den Verhandlungen fol⸗
gen, verständnisvoll ihre Stimme abgeben und möglichst viel aus
den Verhandlungen für ihre eigene Person und für ihre Ge⸗
meinde, die sie vertreten, mit nach Hause nehmen. Wir wissen
mehr als einen Fall, da Deputierte, die erst mit Widerstreben
der Wahl gefolgt waren, es dann frei ausgesprochen haben, wie

Und so wertvoll 4

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V

nützlich, interessant und segensreich ihnen der Besuch der Synode 3

geworden sei. Und gewiß werden sie dann auch daheim in enge⸗
rem und weiterem Kreise Verständnis und Interesse für die
Synode und ihre Werke geweckt und gepflegt haben. L. F.

Die Lehrverhandlungen und die Erledigung der Synodal⸗
geschäfte sind selbstverständlich die Hauptsache auf der Synodal⸗
versammlung. Diesen soll aller Fleiß, alle Aufmerksamkeit und

die
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