Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 17 › Seite 262
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. August 1907, Seite 262
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht
262 Der Tutheraner
Bur kirchlichen Chronik.
Amerika.
In unsern Gemeindeschulen nimmt nun der Unterricht nach
vollendeten Sommerferien bald wieder seinen Anfang. Mancher⸗
orts beginnt mit September ein neues Schuljahr, wie in den uns
umgebenden öffentlichen Schulen, anderwärts hat das neue Schul⸗
jahr schon zu Ostern begonnen, doch können auch jetzt neue Schüler
in unsere Gemeindeschulen eintreten. Da sollte wieder allen
christlichen Eltern ans Herz gelegt werden, daß die Gemeinde⸗
schule der rechte Ort für ihre Kinder ist, weil Gottes Wort da
regiert, weil da nicht nur täglicher Unterricht in Gottes Wort er⸗
teilt wird, sondern auch die Erziehung und Zucht nach Gottes
Wort geführt wird. Die Staatsschulen sind eben nicht bloß reli⸗
gionslos, wie sie es nach dem Landesgesetz sein müssen, sondern
häufig geradezu religionsfeindlich. Es ist kein vereinzelter Fall,
der vor einiger Zeit in einer kleineren Stadt des Westens sich
zutrug. Da sagte eine Lehrerin der Staatsschule ihren Kindern,
daß die Geschichte von Adam und Eva, von der Sündflut, von
Abraham, dem Durchzug der Kinder Israel durchs Rote Meer,
wie die Schrift sie berichtet, Fabeln seien; Taufe, Konfirmation,
Abendmahl seien leere Zeremonien ohne Nutzen und Zweck. Aus
Chicago wurde vor einiger Zeit berichtet, daß Lehrerinnen ihre
Stellung dazu mißbraucht hatten, ihre Schüler der heillosen
»Ohristian Science“ zuzuführen. In beiden Fällen hat man
protestiert, und die Proteste haben geholfen; den Lehrern wurde
das Handwerk gelegt. Aber was nützt dies, wenn einmal der
Same des Unglaubens in die Herzen der Kinder ausgestreut ist?
Und in wie vielen Fällen wird es überhaupt nicht bekannt, daß
die Wahrheiten des Christentums von ungläubigen oder falsch⸗
gläubigen Lehrern geleugnet und verspottet werden! Wie wollen
es christliche Eltern verantworten, ihre Kinder solchen Gefahren
auszusetzen, wenn ihnen doch eine christliche Schule offen steht?
L. F.
über die Größe unserer Synode in Chicago hat der von un⸗
sern dortigen Pastoren herausgegebene treffliche kleine „Stadt⸗
missionar“ folgende Zahlen zusammengestellt. Sie zeigen, wie
Gott unsere Kirche in dieser Großstadt gesegnet und gemehrt hat.
Es heißt in dem Bericht: „Im Weichbilde der Stadt Chicago be⸗
stehen jetzt 36 selbständige deutsch- lutherische Gemeinden
unserer Synode. An diesen 36 Gemeinden sind 41 Pastoren tätig.
5 als Hilfspastoren. Zu diesen Gemeinden gehören 56,846
Seelen; davon sind 36,391 kommunizierende und 6415 stimm⸗
berechtigte Glieder. Diese Gemeinden unterhalten 46 Schulen,
in denen 107 Lehrer und 12 Lehrerinnen 8351 Kinder unter⸗
richten. Im Jahre 1906 wurden von den deutsch⸗lutherischen
Pastoren unserer Synode in Chicago getauft: 2871; konfirmiert:
1948; begraben: 1241, getraut: 945 Paare, und 67,691 Per⸗
sonen nahmen am heiligen Abendmahl teil. Von den Zeng⸗
lisch⸗lutherischen Gemeinden gehört eine zu unserer englischen
Schwestersynode, und deren Statistik ist augenblicklich nicht zur
Hand; die beiden andern Gemeinden, deren Pastoren zur deut⸗
schen Missourisynode gehören, zählen 1124 Seelen, 702 kom⸗
munizierende und 95 stimmberechtigte Glieder, und von ihren
Pastoren sind 76 Personen getauft, 87 konfirmiert, 23 begraben
und 30 Paare getraut worden, und 1062 Personen sind zum hei⸗
ligen Abendmahl gegangen. Auch der Pastor der polnisch⸗
lutherischen Gemeinde, die 110 Seelen, 85 kommunizierende und
42 stimmberechtigte Glieder zählt, gehört zur deutschen Missouri⸗
synode. Er hat 8 Personen getauft, 4 begraben und 2 Paare
getraut; 191 Personen haben kommuniziert. Die ebenfalls von
einem Pastor der deutschen Missourisynode bediente Taubst um⸗
mengemeinde zählt 89 Seelen, 61 kommunizierende und 22
stimmberechtigte Glieder. In ihr wurden 4 Personen getauft,
10 konfirmiert, 1 begraben. 1 Paar wurde getraut, und 132 ö
Personen empfingen das heilige Abendmahl. Endlich stehen unter
der Seelsorge unsers ebenfalls zur deutschen Missourisynode ge⸗
hörenden Stadtmissionars an 5 Predigtplätzen 2800 Seelen, von
denen 260 kommunizieren. Er hat während des Jahres 1906
getauft: 22, konfirmiert: 5, begraben: 26. Getraut worden sind
von ihm 3 Paare, und 683 Personen hat er das heilige Abend⸗
mahl gereicht. Außer den obengenannten Gemeinden gibt es
noch 1 lettische und 2 slowakische Gemeinden, die samt
ihren Pastoren mit uns in Glaubensgemeinschaft stehen.“
Eine ganze Reihe kirchlicher Versammlungen hat in den
letzten Monaten stattgefunden, über die wir keinen ausführlicheren
Bericht bringen können, von denen wir aber einige Einzelheiten
nachtragen wollen. Die alte Michigansynode war im Mai
zu ihrer 48. Jahresversammlung in Kalamazoo, Mich., versam⸗
melt. Die Lehre von der Heiligung wurde besprochen. Auf dem
Missionsfelde sind zwar keine großen Erfolge zu verzeichnen, aber
es ist doch vorwärts gegangen. Die Kassen sind in gutem
Stande; anders aber steht es mit dem Seminar in Saginaw,
Mich. Es heißt darüber in dem Bericht im „Synodalfreund“:
„Die trüben Zustände im Seminar es waren nur sieben Schü⸗
ler in der Anstalt — forderten eine eingehende Besprechung. Fast
einen ganzen Tag wurde darüber verhandelt, jedoch kam die
Synode zu keinem endgültigen Resultat, sondern übergab die
Sache der Aufsichtsbehörde zur Regelung und Erledigung.“
P. F. Krauß wurde zum Präses gewählt. — Die General⸗—
synode war ebenfalls im Mai in Sunbury, Pa., versanmelt.
Aus ihren Verhandlungen ist besonders beachtenswert, wie in
diesem größtenteils englischen Körper die deutsche Arbeit wächst
und gefördert wird. Schon seit Jahren hat die Generalsynode
deutsche Pastoren von dem von P. Jensen geleiteten Prediger⸗
seminar in Breklum, Deutschland, erhalten. In den beiden deut⸗
schen Synoden dieses Gesamtkörpers, der Nebraska⸗ und der
Wartburgsynode, befinden sich 49 in Breklum ausgebildete Pa⸗
storen. Obwohl nun die Generalsynode ihr eigenes deulsches
Seminar in Atchison, Kans., hat, das in den letzten Jahren be⸗
ständig gewachsen ist und vielleicht als ganz selbständige Anstalt
nach Lincoln, Nebr., verlegt werden wird, so hat sie doch auch
beschlossen, mit dem Breklumer Seminar in ganz enge und direkte
Verbindung zu treten. Sie wird es jährlich mit 52000.00 unter⸗
stützen, deshalb aber auch eine gewisse Kontrolle über die Anstalt
haben. Die Heidenmission der Generalsynode in Indien befindet
sich in gutem Zustande. In den beiden letzten Jahren sind
§148,342 dafür eingegangen; §39,893 haben allein die Frauen⸗
missionsvereine aufgebracht. 10 weiße Missionare mit 39 Ge⸗
hilfen stehen in der Missionsarbeit und werden dabei von 270
eingeborenen Gehilfen unterstützt. Die Zahl der Seelen beträgt
36,009, die der kommunizierenden Glieder 12,625. Für die
Innere Mission der Generalsynode wurden in demselben Zeit⸗
raum §144,094 aufgebracht; diese soll jetzt auch nach Kanada
und Argentinien ausgedehnt werden. über Ehe und Ehescheidung
wurde des längeren verhandelt; der große unionistische Kirchen⸗
bund, der vor längerer Zeit in New Nork ins Leben getreten ist,
wourde gutgeheißen; zivar will man die Gemeinschaften, die die
Lehre von der heiligen Dreieinigkeit leugnen, nicht dabei haben,
sonst aber mit allen evangelisch sich nennenden Sekten Brüder⸗
schaft pflegen. Werm es darum in einem Berichte im „Luth.
Zionsboten“, dem Blatte der Deutschen in der Generalsynode,
heißt: „Das enge Gewissen und das weite Herz charakterisierten
auch diese Generalsynode“, so muß gesagt werden, daß in bezug
auf Kirchengemeinschaft mit Falschgläubigen und Treue gegen das
lutherische Bekenntnis die Generalsynode bis auf diese Stunde
kein enges, sondern ein sehr weites Gewissen hat. Wurde doch
auch beschlossen, daß ein neugegründetes Seminar an der Paeific⸗
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