Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 17 › Seite 265
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. August 1907, Seite 265
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geben 9 · Kirchenzucht · Miſſion 13
S Ver V„DutheraneeS
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eine Freude damit zu machen gedacht; einen Affen und etliche
Papageien hatte er so wie so schon für sie an Bord, damit wollte
er sie bei der Heimkehr überraschen. Aber während seiner Ab⸗
wesenheit war seine Frau ausgezogen — in das letzte kleine
Kämmerlein, in dem man eben nur Raum für sich allein hat.
Was sollte er nun mit all den Spielereien, vor allem mit. dem
Mohrenkinde machen?
In Hamburg lebte damals Philipp Nicolai, der Verfasser
der herrlichen Lieder: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“
(No. 261) und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (No 436).
Dieser nahm die kleine Mohrin zu sich, und als nach einiger Zeit
die fromme Herzogin Dorothea, die in Winsen an der Lühe lebte,
ihn besuchte, gewann sie das stille Kind lieb, und auf ihre Bitte
überließ der Pfarrer Nicolai ihr die Kleine, nachdem sie von ihm
getauft worden war und die Namen Christina Dorothea erhalten
hatte, nach der Herzogin, die es sich nicht hatte nehmen lassen,
Patenstelle bei ihr zu vertreten. So kam die Mohrin nach Winsen
und von da nach Bütlingen, wo das Amtshaus der Herzogin ge⸗
hörte, und blieb dort bis an ihr Lebensende als eine treue, demü⸗
tige Christin, ihrem Heiland dienend an den Armen und Kranken.
Auf ihrem Totenbette ließ sie sich noch das von ihrem ersten Wohl⸗
täter, dem Gottesmann Nicolai, verfaßte Lied „Wie schön leuchtet
der Morgenstern“ vorsingen und entschlief während des Gesanges
sanft und selig, wie in dem alten Kirchenbuche steht.
Gottes Wort ein Licht auf unserm Wege.
Ein Prediger erzählt: Jeder erfährt, daß die Ordnung für
Wunder Raum hat, und daß die Gewohnheit des Bibellesens dafür
sorgt, daß jeder seine Nahrung und Wahrung empfängt. Also
kein geistliches Lotteriespielen mit Bibelstellen! Der Gott der
Ordnung und der Gott der Treue im Kleinen schafft zu den Bil⸗
dern den Text und zu dem Text die Bilder. Von zwei Bibelstellen
will ich erzählen, die mir als Geschenk „zugefallen“ und doch kein
„Zufall“ gewesen sind.
Einst weckte mich in der Nacht um ½ 3 Uhr der Ruf „Feuer!“
Ich sah aus dem Nachbarzimmer meiner Schlafstube bereits das
Feuer herausschlagen. Was machte mich für den Augenblick still
und geistesgegenwärtig? Die Erinuerung, die mich überkam, daß
die letzte Stelle, die ich abends zuvor in der Reihenfolge bei Jesaia
im Kreis der Meinigen gelesen hatte, die Verheißung war Kap.
43, 2: „So du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die
Flamme soll dich nicht anzünden.“
Ein andermal begegnete mir folgendes: Ich war in Würt⸗
teinberg auf dem Lichtenstein, auch in der alten Höhle gewesen, die
von Geschichten und Sagen wie von Efeu umsponnen ist. Auf der
Rückfahrt den Berg hinunter vergaß mein Kutscher das Bremsen.
Das Pferd ging durch. Ich ergriff die Zügel. Sie zerrissen. Da,
als der Wagen in den Graben schleudern will — ein Ruck — und
er wird von einem Kirschbaum im Schleudern halb aufgehalten,
halb zerschmettert. Mein Begleiter wird samt dem Kutscher zum
Wagen hinausgeworfen, aber keiner ernstlich beschädigt. Nur
ich bekan einen Anprall durch den Baum, der eine Schwellung des
Beines zur Folge hatte. Der menschenfreundliche Apotheker in
Pfullendorf verband mich und ließ einen Wagen kommen, der uns
sicher über Reutlingen nach Tübingen brachte. Abends griff ich
nach meinem Psalter. Das erste Wort, auf das mein Blick ohne
Suchen fiel, war Ps. 116, 8: „Du hast meine Seele aus dem
Tode gerissen, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom
Gleiten.“ ö
In Summa: Lies die Bibel in guten Tagen, so hilft sie dir
in bösen. Gott hüllt seine Wunder in Ordnung, seinen Segen in
„Alltäglichkeit, seine Fügungen in Zufall ein.
Gaben für Gottes Reich.
Es gibt ungeheuer viel Geld in der Welt. Aber es wird
furchtbar viel Gott dem HErrn entzogen. Die Briten nennt man
mit Recht vor andern Völkern ein Mission treibendes Volk. Aber
England gibt ebensoviel für berauschende Getränke in zwei und
einem halben Tage aus wie für die Mission in einem ganzen
Jahre. In Deutschland wird für den Trunk jährlich mehr als
die Hälfte von dem angewendet, was die französische Kriegsent⸗
schädigung betrug, die in drei Jahren erst von dem reichen Frank⸗
reich aufgebracht werden konnte, mehr als zwei und eine halbe
Milliarde Mark. Das sind schreiende Anklagen für Zehntausende,
die mit ihrer Armut ihr Säumen entschuldigen. Oder meintest
du, auf deine kleine Gabe komme es nicht an? Du Wohlhabender,
warum reichst du nicht eine große dar? Du Armer, weißt du
nicht, was den HErrn staunen läßt? Nicht die großen Gaben
der Reichen — das Witwenscherflein, jene zwei Heller der Armen,
die ihr alles gab, finden das Urteil: Sie hat mehr gegeben, denn
sie alle, sie hat gegeben im Vertrauen auf den Gott, der ihr reich⸗
lich wiedervergelten könnte, und der seine Verheißung: Versorger
der Witwen, Vater der Waisen zu sein, auch an ihr erfüllen werde.
(Walther.)
Kleiderpracht.
Der kostbaren Kleidung, womit so viel Gut verschwendet und
doch nur der Welt und dem Fleisch gedient wird, ist zu wehren;
es ist erschrecklich zu denken, daß solcher Mißbrauch bei dem Volk
gefunden wird, das auf den gekreuzigten Christus getauft und
gezeichnet ist, das sein Kreuz mit ihm tragen und zum andern
Leben täglich durch Sterben sich bereiten soll. Wenn es durch
Unweisheit bei etlichen versehen würde, wäre es erträglicher, aber
daß es so frei, unverschämt und ungehindert getrieben, ja Lob
und Ruhm darin gesucht wird, das ist unchristlich. (Luther.)
Bloß ein Bild!
Ein junger Verbrecher erzählte im Gefängnis unter heißen
Tränen: „Ich war bis zur Konfirmation ein guter, unverdor⸗
bener Junge. In der Schule ging es gut, und mneine Eltern hatten
Freude an mir. Da bekam ich einmal ein schlechtes Bild zu sehen.
Das sah ich mir ein paar Minuten lang an. Von der Zeit an war
mein Herz vergiftet; es kamen oft schlechte Gedanken und ich
konnte sie nicht mehr los werden. Innner kam mir das Bild wieder
vor die Seele. Ich kann in große Sünden und Schanden und bin
jetzt im Zuchthaus — bloß durch ein Bild!“
Neue Drucksachen.
Dreiundvierzigster Synodalbericht des Michigan-⸗Distrikts der
Deutschen Ev.⸗Luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St.
St. Louis, Mo. Concordia Publishing House. 1907.
87 Seiten 5½8½. Preis: 18 Cts.
Die Lehrverhandlungen (Referent: P. P. Andres) enthalten zwei hoch⸗
wichtige Kapitel der Lehre. Es wird nämlich im Anschluß an die dem Kate⸗
chismus beigegebene „Haustafel“ erst gezeiat, was Gottes Wort den Bischö⸗
fen, Pfarrherren und Predigern sagt und gebietet; und sodann, was es von
den Zuhörern des göttlichen Wortes fordert. Das erstere Kapitel bietet
eine Pastoraltheologie im kleinen, in der sich die Antwort auf die verschie⸗
densten Fragen findet: zun Beispiel: woher das Amt der Bischöfe und
Pfarrherren stammt? wen man dazu brauchen und berufen kann, und wen
nicht? welches die vornehmsten Berufsgeschäfte eines Pastors sind? welche
Tugenden seinen christlichen Wandel besonders zieren und schmücken sollen?
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English translation
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