Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 27 › Seite 419
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Dezember 1907, Seite 419
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——. —
R V„Tutheranes
419
und zu gelegener Zeit gepredigt, zunächst die so nötige Sams-
tags⸗ und Sonntagsschule gehalten und Wohnung für den
»Missionar beschafft werden könnte.
Diese kurze Schilderung zeigt gewiß, daß solch ein Gebiet
unmöglich von einer Manneskraft genügend bedient werden
kann, wie denn P. Brustat im vergangenen Sommer fast ganz
zusammengebrochen ist. Und Ferien gibt es nicht, selbst nicht
am Synodalsonntag, wie der Missionar schreibt. Er sagt
weiter: „Doch, wenn man an die Missionskasse denkt, die be⸗
ständig mit einem Defizit zu kämpfen hat, wer will dann noch
etwas sagen? Ja, wenn die Zeit konmt, an den Kassierer den
monatlichen Bericht zu senden, dann wird es einem schwer ums
Herz. Man denkt: Ach, könnte ich nur durchkommen ohne
Forderungen an die Kasse!“
Nun, der Missionar soll nur ruhig das Seine hinnehnien.
Er, wie alle andern Missionare, ist nicht gelaufen, wohin er
nicht gesandt worden war. Er ist von uns berufen worden,
und wir wollen und sollen unserer Pflicht eingedenk sein. Wir
wollen und sollen den Missionaren die so wie so schwierige
Arbeit nicht durch ein Defizit in der Kasse erschweren. Es
werden nicht große Gaben erbeten, sondern nur einige Brocken.
Helft, damit das Wort Gottes auch unter diesen armen dank—
baren Glaubensbrüdern laufe und wachse, aber auch von unsern
Missionaren nicht mit Seufzen, sondern mit freudigem Auftun
ihres Mundes verkündigt werden kann.
J. Holthusen,
Vorsitzer der Kommission für Litauermission.
Zur Abwehr.
Mis⸗
Auf meinen Artikel in No. 19 des „Lutheraner“: „
sionspraxis der Ohiosynode in Kanada“, hin hat die Missions—
behörde der Ohiosynode, wie die ohiosche „Kirchenzeitung“ vom
2. November schreibt, eine amtliche Untersuchung meiner Au—
klagen angestellt. Das Ergebnis dieser „amtlichen“ Unter—
suchung sei hiermit den Lesern mitgeteilt. Ich füge nur einige
sachliche Bemerkungen bei. Die Leser mögen selbst urteilen.
Die „Kirchenzeitung“ schreibt:
Die erste missourische Anklage lautet:
„Die Gemeinde Earl Grey in Saskatchewan hatte mit an—
dern Gemeinden letztes Jahr den Kandidaten Schmidt aus unserer
Simode berufen. Ehe dieser hinkommen konnte, ist dex ohiosche
Pastor von Straßburg. Sask., gekommen und hat die Gemeinde
gestohlen.“ — Ferner: „P. Schmidt bediente bei Southey, Sask.,
einen Predigtplatz. Der ohiosche Pastor von Straßburg schlich sich
dort ein und sagte den Leuten, P. Schmnidt hätte ihm gesagt, er
würde nicht mehr kommen, daher würde er sie bedienen. Ganz er—
staunt waren die Leute, als P. Schmidt wiederkam, und sie sahen,
daß der andere einfach gelogen hatte.“
Dazu bemerkt die „Kirchenzeitung“:
Die Distriktsbeamten sowie die Missionsbehörde der Ohio⸗
synode finden nach genauer Untersuchung folgenden Tatbestand:
Am 6. Juli übernahm unser Missionar die Gemeinde in Straß⸗
burg, Sask., an welche er ordentlich berufen war. Zu dieser Ge—
meinde gehörten Glieder, die in Earl Grey wohnten. Unser Mis⸗
sionar fand, daß diese Glieder an Ort und Stelle bedient werden
wollten, und organisierte deshalb in Earl Grey eine Filiale. Ganz
aus freien Stücken, ohne jegliche überredung, schlossen sich dieser
Filiale Leute an, die von Missouri kamen.
Ahnlich war es in Southey. Dort wohnte ein Glied der
Straßburger Gemeinde. Mit Leuten, die zu keiner Gemeinde ge—
*
—
hörten, organisierte unser Missionar hier eine weitere Filiale.
Nachher schlossen sich, ebenfalls unaufgefordert, ehemalige Missou—
rier dieser Filiale an.
Was die schmähliche Lüge anlangt, so bezeugt unser Missio⸗—
nar, daß er kein Wort derart geredet habe. So offenbar wäre auch
besagte Lüge, daß die Leute sich von einem solchen Menschen sofort
abgewandt hätten. Die Gemeinde in S. blüht hingegen.
Hier merke man sich: 1. Unser Missionar geht nach Earl
Grey, um Glieder, die zu seiner eigenen Gemeinde ge⸗
hören, zu bedienen und als Filiale zu organisieren. Hat er nicht
offenbar ein Recht dazu? Hat er damit „gestohlen“? Wer das
behauptet, weiß entweder nicht, was er redet, oder erhebt wissent⸗
lich eine falsche Anklage. 2. Unser Missionar geht nach Southey
zu seinem Gemeindeglied und fängt mit Leuten, die zu kei⸗
ner Gemeinde gehören, eine Filiale an. Hat er sich da
„eingeschlichen“?? Jeder rechtdenkende Mensch wird die misson⸗
rische Anklage als eine böswillige und falsche abweisen.
Ich erwidere darauf: Schon lange ehe ein ohioscher Pastor
in Straßburg, Sask., war, hatte einer unserer Studenten in
Earl Grey eine Gemeinde organisiert. Die Vorsteher Johann
Wagner und Wilhelm Hubig hatten dann im Mai 1906 den
Beruf an Kandidat Schmidt unterschrieben. Nachdem der
Student weg war und ehe der Kandidat hinkommen konnte,
hat der ohiosche Pastor dieselbe Gemeinde, die den Kandidaten
Schmidt durch ihren Beruf als Pastor anerkannt batte. ge⸗
stohlen.
Ferner schreibt die „Kirchenzeitung“, „daß die Leute von
einem solchen Menschen“, der mit Lügen umgeht, „sich sofort
abgewandt hätten“. Das stimmt. Die Leute haben es getan,
sie werden heute noch von '. Schmidt bedient und wohnen
T. 24, R. 19, Sask. Es sind die Herren C. Welne, C. Schäfer,
Janz und andere. — ‚
Die „Kirchenzeitung“ schreibt weiter:
Die zweite Anklage lautet:
„Die Gemeinde in Lang, Sask., hatte Kandidat Weber be⸗
rufen; als dieser aber nach Lang kam, fand er einen ohioschen
Pastor vor, und trotzdem er diesem zeigte, daß die Gemeinde zu
Lang ihn berufen hatte, weigerte dieser sich, die Gemeinde auf—
zugeben.“
Bezüglich dieser Anklage ergibt die amtliche Untersuchung
folgendes Resultat: Von einer Berufung des missourischen Kan⸗
didaten Weber wissen weder unser Missionar noch die Leute in
Lang etwas. Enttweder ist dem „Lutheraner“ falsch berichtet wor—
den, oder der Beruf ist von sonst jemand ausgestellt worden, viel⸗
leicht von den Familien, die bei Milestone wohnen und noch heute
von Missouri bedient werden.
Was die Leute in Lang selbst anlangt, so wurden sie eine
Zeitlang von einem missourischen Pastor bedient, erklärten diesem
aber unzweideutig, es sei nicht daran zu denken, daß sie missourisch
würden. So fest standen die Leute in diesem Entschluß, daß sie
ihre Kinder zu einem Pastor der Manitobasynode zur Taufe brach—
ten, um sie ja nicht von dem Missourier taufen zu lassen. Ferner
scheiterte das Bauen einer Kirche, zu deren Fundament schon
Steine gefahren waren, an dem Anerbieten des missourischen Pa⸗
stors, den Leuten Geld aus der Synodalkasse zum Bau zu be⸗
sorgen, weil die Leute fürchteten, durch die Annahme dieses Geldes
sich an Missouri zu binden, was sie auf keinen Fall wollten. An⸗
statt auf eine Berufung eines Missouriers einzugehen, erklärten die
Leute dem missourischen Pastor vielmehr, er brauche sich nicht mehr
zu bemühen.
Nur auf dringende Vorstellung und förmliche Erklärung hin,
sich ferner nur von der Ohiosynode bedienen lassen zu wollen, über—
nahm unser Missionar die Versorgung dieser Leute, organisierte
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