Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 27 › Seite 422

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Dezember 1907, Seite 422

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: m · Geben 11

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Ner utheranen

gute Erfolge damit erzielt. Jedes Glied der Gemeinde, nicht
bloß die stimmberechtigten, auch nicht bloß die männlichen Glie⸗
der, hat für jeden Sonntag ein kleines Couvert und legt für jeden
Sonntag eine Gabe ein, auch wenn es vom Kirchenbesuch abge⸗
halten ist. Andere Gemeinden haben eine größere Anzahl von
Kollektoren, die monatlich oder vierteljährlich unter den Gliedern
herumgehen und die Gaben in Empfang nehmen, nicht bloß für
den Gemeindehaushalt, sondern auch für Synodalkasse, Mission,
arme Studenten, Waisenhaus ꝛc. Wieder andere haben eine sotg⸗
fältig ausgearbeitete Kollektenordnung, die in der Kirche hängt
und an die häufig und fleißig erinnert wird. Welchen Weg man
aber auch einschlagen möge — die Verhältnisse der einzelnen Ge—
meinden sind ja sehr verschieden, namentlich bei Stadt- und Land⸗
gemeinden —, immer achte man darauf, daß regelmäßig und
von allen gegeben werde. Das ist auch die uralte christliche Weise.
die der Apostel den Korinthern empfiehlt, als sie eine Kollekte für
die auswärtigen armen Glaubensgenossen in Judäa sammeln
sollten: „Auf je der Sabbater einen“ (das heißt, an jedem ersten
Wochentage, an jedem Sonntage) „lege bei sich selbst“ (das heißt,
daheim in seinem Hause) „ein jeglicher unter euch und sammle—
was ihn gut dünkt., auf daß nicht, wenn ich komme, dann allererst
die Steuer zu sammeln sei“, 1 Kor. 16, 2. L. F.

Mit dem Artikel „Zur Abwehr“, der sich an anderer Stelle
der heutigen Nummer findet, schließen wir die Verhandlungen
über die darin berührte Sache ab. Wir hätten zwar noch manches
zu sagen, denn die „Luth. Kirchenzeitung“ greift in ihrer bekann⸗
ten Weise auch die Redaktion des „Lutheraner“ an, ermahnt sie
zur Buße ꝛc., aber wir übergehen dies, wie die vielen ähnlichen
Auslassungen und Angriffe der „Kirchenzeitung“ in den letzten
Jahren. Nur das wollen wir noch bemerken, daß auch das
Generalkonzil seit Jahr und Tag ähnliche Klagen über die
ohiosche Praxis in Kanada erhebt. L. F.

Die Steine schreien. Deutschländische Blätter berichten, daß
Brugsch Bey, der bekannte Erforscher ägyptischer Altertümer,
vor kurzem eine ebenso interessante wie wertvolle Entdeckung
gemacht hat. Es handelt sich um eine uralte, mit seltsamen
Zeichen geschriebene Inschrift, deren Entzifferung dem genannten
Gelehrten gelungen ist. Diese Inschrift besagt, daß die regel⸗
mäßigen überschwemmungen des ägyyptischen Flusses Nil, die für
die Fruchtbarkeit des dortigen Bodens durchaus nötig sind, wäh⸗
rend eines Zeitraumes von sieben Jahren nicht eintraten. In⸗
folgedessen wurde Aghpten durch eine lange andauernde, schreck⸗
liche Hungersnot heimgesucht. Die Inschrift stammt aus der
Zeit, in der Joseph in Agypten lebte, und was sie von der Hun⸗
gersnot sagt, paßt genau zu dem, was 1 Mos. 41, 54 ff. von
den sieben mageren Jahren erzählt wird. Bibelgläubige Christen
glauben diese wie andere Berichte der Heiligen Schrift, eben weil
sie in der Bibel stehen, die nicht lügt und trügt, und glauben
solche Berichte, auch wenn sie in menschlichen, weltlichen Büchern
und Schriften nicht erwähnt werden, oder ihnen dort gar wider⸗
sprochen wird. Aber es ist immer erfreulich und nützlich, wenn
auch alte menschliche Schriften für die Wahrheit der Heiligen
Schrift Zeugnis ablegen und damit vielen ungläubigen Gelehrten
unserer Tage, die Gottes Wort des Irrtums und der Lüge be⸗
schuldigen, den Mund stopfen. Wenn die Menschen nicht mehr
dem Worte Gottes glauben, dann müssen auch Steine schreien
und zeugen. L. F.

Es wird die Posaune erschallen. 1 Kor. 15, 52.

Johann Matthäus Meyfart, der Verfasser des köstlichen Lie⸗
des „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“, No. 443, schreibt von
der Posaune Gottes, die am Jüngsten Tage erschallen wird, fol⸗
gendes:

Diese Posaune wird erschallen in allen Städten, auf allen
Gassen, in allen Ländern, auf allen Feldern, in allen Häusern,
durch alle Winkel, in allen Sinnen, durch alle Gedanken. Diese
Posaune wird erschallen, wenn die weisen Männer sitzen in den
geheimen Kammern, wenn sie von Regierung und Bezwingung
der Völker, von Ausfertigung und Abforderung der Legaten und
Gesandten, von Einsetzung und Abschaffung der Gesetze, von Auf⸗
richtung und Ablündigung der Bündnisse sich unterreden. und
dann alle Ratschlüsse verwirren und aufheben. Diese Posaune
wird erschallen, wenn die blutdürstigen Kriegsleute, die siegbe⸗
gierigen Hauptleute sich aus ihren Lagern in die weite Aue be—
geben, gegeneinander mit feindseliger Rachgier ziehen und durch—
einander mit barbarischer Grimmigkeit streiten, und alsdann alle
Ordnung zertreunen und widerlegen. Diese Posaune wird er—
schallen, wenn die Professoren in den Schulen lesen, die Prediger
in den Kirchen predigen, die Kauflente auf den Plätzen handeln,
die Boten durch die Provinzen laufen, und alsdann alle mensch⸗
lichen Geschäfte aufheben. Diese Posaune wird erschallen, wenn
die Mutwilligen spielen, die Leichtfertigen tanzen, die Wollüstigen
saufen, die Unzüchtigen buhlen, die Geizigen wuchern, die Lästerer
fluchen, die Faulen schlafen, und alsdann allen menschlichen Un⸗
taten ein Ende machen. Diese Posaune wird dem Donner ge⸗
bieten, und die Sturmwellen müssen sich erheben. Diese Posaune
wird erregen den Erdboden, daß seine Grundfesten vor Furcht er⸗
zittern und die Felsen vor Angst erbeben; sie wird erregen das
ozeanische Meer, daß es vor Furcht aus seinen Ufern sich schwingen
und vor Angst in den Fluten sich muß beschaumen.

Ich kann mir's nicht genugsam einbilden, wie es sein werde,
wenn in der Luft der Donner erschallt, die Winde sausen, die
Regen braufen, auf Erden die Berge erbeben, die Menschen heulen,
in dem Wasser die Fluten toben, die Ströme wüten, die Schiffe
brechen, die Fische verschmachten, wenn die Tiere in den Wäldern
schreien, die Vögel unter den Bäumen girren; wenn aus den
Wolken die Posaunen erklingen und die Stimmen rufen; wenn
über den Wolken die Sphären der Himmel zergehen und erkrachen;
wenn unter den Wolken die Elemente erhitzen und verbrennen.

Erschrecken müssen die Gottlosen, wenn sie anschauen das
zornige und feurige Angesicht des Richters, das vor Gerechtigkeit.
funkelt und vor Eifer blitzet. Christus IEsus ist vorhanden als
der Feind der Gottlosen, der sich an ihnen rächen will als ein
Richter, der sie verdammen will als ein HErr, der sie strafen will,
und darob. müssen sie erschrecken. Es ist auch kein Moses vor⸗
handen, zu welchem sie mit den Israeliten sagen könnten: „Rede
du mit uns und laß Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst
sterben“, 2 Mos. 20, 19. Sie erheben vielmehr das Klage⸗
geschrei aus Offenb. 6, 16: Ihr Berge, fallet auf uns, und ihr
Hügel, decket uns vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhl
sitzet, und vor dem Zorn des Lammes; denn es ist gekommen der
große Tag seines Zornes, und wer kann bestehen? Die Gott⸗
losen sind es, um welcher willen der Richter alles Fleisches mit so

schrecklicher Majestät erscheint; sie müssen nunmehr büßen, was

nicht auszubüßen ist, leiden, was nicht zu erleiden ist, tragen, was
nicht zu ertragen ist. Kurz, in dem geschwinden Augenblick ver⸗
liert aus dem Gedächtnis ein Kaiser seine Krone, ein König seinen
Thron, ein Fürst seine Länder, ein Doktor seine Kunst, ein Bürger
seine Nahrung, ein Arbeiter seine Belohnung, ein Bettler seine
Unterhaltung. Ja, auch die großen Potentaten, welche verboten,
und es mußte unterbleiben, welche geboten, und es mußte ge⸗
schehen, werden ihre Brüste entblößen und in ihrem Herzen ver⸗
zagen.

Wie wird doch diese erschreckende Stimme erschallen zwischen
Bergen und Tälern! Wie wird sie doch erklingen in den Ohren
der Gottlosen! Des werden sie inne werden, wenn herfür müssen
die Könige und Völker, die Fürsten und Untertanen, die Herren

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