Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 27 › Seite 420
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Dezember 1907, Seite 420
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420 Der 2. Tutßeranes
sie später zu einer Gemeinde, welche hernach einen eigenen Pastor
berief. Ihre Erklärung schickten die Leute dem missourischen Pa⸗
stor durch Herrn W. zu.
Hier merke man sich: In Lang war noch keine organisierte
Gemeinde; berufen hatten die Leute nicht. In stärkster Weise
sträubten die Leute sich gegen Missouri. Nur auf dringende Vor⸗
stellung und öffentliche Erklärung hin, von Ohio bedient werden
zu wollen, geht unser Missionar an die Versorgung der Leute.
Wo liegt da ein Unrecht? Will Missouri Leute, die nicht missou⸗
risch werden wollen, vergewaltigen? Oder meint man in Missouri,
daß, wenn ein missourischer Pastor einmal in eine Stadt oder Pro⸗
vinz hineinguckt, nun das ganze Gebiet Missouri gehöre, ob die
Leute ja dazu sagen oder nicht? Auch diese zweite Anklage hat
keinen Grund.
Dazu wäre zunächst zu bemerken, daß ich anstatt „Gemeinde
in Lang“ „Predigtplatz“ hätte schreiben sollen. Der Beruf von
Lang, Sask., ist unterzeichnet von den Herren Chas. Dreyer,
Theodor Wilde, Gottlieb Altwasser, Aug. Dröger, Rob. A.
Höser, Aug. G. Dröger und Ludwig Wilde. Ausgestellt ist der
Beruf im Mai 1906. Diese Leute „sträubten sich also nicht in
stärkster Weise gegen Missouri“, sonst hätten sie P. Weber nicht
berufen. — Wenn Ohio nicht gewußt hätte, daß die Leute in
Lang von uns bedient wurden, so wäre auch die feierliche Er⸗
klärung der Leute, sich von Ohio bedienen zu lassen, nicht nötig
gewesen. —
Die „Kirchenzeitung“ schreibt weiter:
Die dritte (Anklage) lautet:
„Ebenso hat Ohio in Gleichen, Alberta, sich eingeschlichen und
den Predigtplatz, der von uns noch bedient wurde, gestohlen..
Doch will ich noch einige Beispiele, wie ohiosche Missionare sich in
Felder einschleichen, anführen. Ein solcher kommt nach Leavings,
Alta., wo wir schon seit Jahren die Leute bedient haben, und be⸗
sucht die Glieder P. Wehmeyers. Von da geht er nach Clares⸗
holm. Alla., und sucht, obwohl er weiß, daß dort eine Gemeinde
P. Wehmeyers ist, dessen Glieder auf. Dann schreibt er — der
Brief liegt vor — an ein Glied P. Wehmehers also: Hielt in
Claresholm an. Es hat mir dort sehr gut gefallen. War in
Herrn Schnells Hause (ein Glied P. Wehmehers) und habe dort
angenehme Stunden berlebt. Ich habe den Eindruck, daß die Leute
bei Claresholm lieber einen Pastor von unserer Synode hätten.
Was die Zukunft jedoch noch bringen wird, ist ja noch ungewiß.
Dem HErrn, dem wir dienen, sei alles befohlen.““
Dazu bemerkt die „Kirchenzeitung“:
Das Resultat unserer amtlichen Untersuchung ist folgendes:
In Claresholm bediente P. W. zeitweilig eine Anzahl Lutheraner,
von welchen manche aus Ohio⸗ und Jowa⸗Gemeinden stammten.
Den Antrag, einen missourischen Pastor zu berufen, wiesen diese
Leute ab, weil sie nicht mit Missouri übereinstimmten. Herr
Schnell war früher Glied einer Jowaer Gemeinde. Als unser
Missionar ihn besuchte, erklärte er ihm, daß, falls die Leute, die
nicht missourisch sein und werden wollten, einen Pastor der Ohio⸗
synode begehren würden, er ihnen behilflich sein würde. In C.
hat unser Missionar nur den früheren Jowaer besucht. Sein Be⸗
such und seine Erklärung sind in keiner Weise zu beanstanden.
Ich bemerke dazu folgendes: In Claresholm bedient
P. Wehmeyer alle Lutheraner, auch einige, die aus ohioschen
und iowaschen Gemeinden stammen, seit drei Jahren. Die
„Kirchenzeitung“ mag dies „zeitweilig“ nennen, ob mit Recht,
ist eine andere Frage. Zweimal, 1906 und 1907, haben die
Leute einen Pastor aus unserer Synode einstimmig berufen.
Die „Kirchenzeitung“ verleumdet die Leute, wenn sie sagt, daß
1) Der ohiosche Missionar war in Claresholm, wie er schreibt, nur bei
Herrn S. Er hat also auch keine Lutheraner gefunden, die nicht von uns
bedient werden, sonst hätte er sie doch aufgesucht.
sie nicht mit Missouri übereinstimmten, denn sie sind treue Glie⸗
der unserer Gemeinde. Und nun bedenke man: ein ohioscher
Pastor erklärt Gliedern unserer Genieinde: „Falls sie nicht
missourisch sein und werden wollten“, würde er ihnen behilflich
sein, einen Pastor der Ohiosynode zu erlangen. Dann schreibt
er an ein Glied unserer Gemeinde: „Ich habe den Eindruck,
daß die Leute bei Claresholm lieber einen Pastor unserer
(Ohio⸗). Synode hätten.“ Wenn die Ohioer eine solche Praxis
nicht „schleichen“ nennen, so wissen sie eben nicht, was „schlei⸗
chen“ ist. —
Die „Kirchenzeitung“ schreibt weiter:
Gleichen wurde zuerst von einem Pastor der Manitobasynode
bedient; weil der aber zu weit entfernt war, wandte man sich an
einen Pastor der Missourisynode, der aber auch nur äußerst selten
kam. Damit unzufrieden, wenigstens alle vier Wochen einen Got⸗
tesdienst wünschend, ließen diese Leute sich von einem Missionar
unserer Synode bedienen. Daß der Missourier die Leute in Glei⸗
chen nicht befriedigen konnte, ist nicht unsere, sondern seine eigene
Schuld.
Dazu bemerke ich: Unser Pastor von Calgary, der eine
größere selbständige Gemeinde hat, bediente Gleichen, so gut er
konnte. Er hatte auch bereits von seiner Gemeinde Erlaubnis
bekommen, die Leute öfter zu bedienen. Die Ohioer haben sich
den Leuten in Gleichen angeboten. Deswegen schreibt auch
die „Kirchenzeitung“: „Die Leute ließen sich von einem Mis⸗
sionar unserer Synode bedienen.“ Wenn die Leute in Gleichen
die Ohioer gerufen hätten, so hätte die „Kirchenzeitung“ es ganz
sicher erwähnt. Die Ohioer mögen nun eine solche Praxis Mis⸗
sion nennen, mögen sich freuen, wenn sie auf diese Weise einen
Predigtplatz erhaschen, und die Männer, die so handeln, loben;
wir nennen das „stehlen“.
Nun mag der Leser urteilen, ob ich den Wunsch der
„Kirchenzeitung“ vom 21. Juli 1906: „Man wolle nur einen
einzigen Fall anführen und den Beweis liefern, daß wir in
Kanada missionieren, indem wir uns in Felder einschleichen, die
von andern noch bedient werden, indem wir Gemeinden stehlen“,
erfüllt habe. — Ich kann noch mehr Beispiele anführen, wo
Ohio solche Praxis geübt hat.
Die „Kirchenzeitung“ schreibt weiter auf unsere Anklage
hin, daß einer ihrer Missionare in Leavings Glieder unsers
Pastors Wehmeyer besucht habe, folgendes:
Unser Missionar hat in Leavings nur Herrn K. besucht, dessen
ehemaliger Pastor ein Studiengenosse des Missionars war. Der
Besuch war ein ehrenhafter. Herr K. wollle gerue wiffen, ob an
gewissem Orte noch Heimstätten zu haben seien, was unser Missio⸗
nar auf seinen Reisen leicht erfahren konnte. Unser Missionar
tat Herrn K. den Gefallen und schrieb ihm über die Heimstätten
Bescheid und fügte die Bemerkung hinzu, die jetzt zur Anklage ge⸗
macht wird. Der missourische Pastor eignete sich ungerechterweise
diesen Brief an, machte auch Herrn K. Vorwürfe, daß er einen
Ohioer in sein Haus aufgenommen habe.
Dazu bemerke ich: Herr K. hat freiwillig auf P. Weh⸗
meyers Bitte hin diesem den Brief übergeben, damit P. Weh⸗
meyer durch denselben der Missionskommission beweisen könnte,
wie nötig es sei, daß Leavings und Claresholm einen eigenen
Pastor bekämen.
Die „Kirchenzeitung“ schreibt noch:
Um ehrenhaft, offen und christlich zu verfahren, hat eine amt⸗
liche Untersuchung der missourischen Anklagen stattgefunden. Sehr
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