Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 27 › Seite 423

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Dezember 1907, Seite 423

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jüngſtes Gericht 7 · Unzucht · Regiſter

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er „Turhsranes

423

und Knechte, die Jünglinge und Jungfrauen, die Gelehrten und

Laien, die Prediger und die Zuhörer; wenn herfür müssen die Er⸗

tränkten im Meer, die Verbrannten im Feuer, die Begrabenen in
der Erde, in Summa, alle Menschen, und unausbleiblich erscheinen.

O HeErr JeEsu, regiere mich durch deinen Heiligen Geist, daß
ich allezeit mit andächtigem Gebet zur Ruhe gehe und unter den
inbrünstigen Seufzern einschlafe; daß ich auch immerdar aufstehe
mit heißer Danksagung und mich stets übe in heiliger Betrachtung.
Denn vielleicht möchtest du kommen in der Nacht, wenn niemand
daran gedenket. Vielleicht möchtest du kommen am hellen Tage,
wenn niemand darauf hoffet; wenn die Welt junbilieret und
pranget, wenn sie handelt und freiet, wie sie in den schändlichen
Wollüsten lieget. Wehe deren, welche sich mit wahrem Glauben
nicht bereiten und in gottloser Sicherheit gefunden werden! Hilf,
daß ich die Sünde beweine, welche mit Petro muß beweinet wer—
den, daß ich die Sünde erkenne, welche mit dem Schächer . be⸗
kennet werden.

Silvester — Neujahr.

Die Welt feiert den Anfang des bürgerlichen Jahres gar
stattlich und prächtig. Da geht es hoch her, und man läßt es sich
etwas kosten. Da gibt es Lust und Lärm, da macht man viel
Wesen und Aufwand. Umgekehrt vollzieht sich die Neujahrsfeier
der Christen in der Stille und in andächtiger Sammilung. Man
ist ja wohl auch beieinander und erwartet vielleicht miteinander
den Eintritt des neuen Jahres, aber es weht ein anderer Geist,
es herrscht eine andere Stimmung, die Herzen sind mit andern
Gedanken erfüllt.

Silvester hat seinen Namen von Silvester I., der von 314
bis 335 Bischof von Rom war. Es wird von ihm erzählt, daß
es ihn sehr betrübte, wenn er mit ansehen mußte, wie die Heiden
den letzten Abend des Jahres mit allerlei Fleischeslust, mit
Schmausereien und Zechgelagen feierten. Im Gegensatze dazu
und zum Zeugnis dagegen richtete er für die Christen an dem
Abend besondere Gottesdienste ein. Man versammelte sich in
den Kirchen und beschloß das Jahr mit ernster Buße und demü⸗
tigem Dank, mit fröhlichem Lobgesang und mit herzlicher Bitte.
So ist es geblieben bis auf den heutigen Tag — derselbe Unter⸗
schied wie damals in Rom, nur jetzt nicht mehr zwischen Heiden
und Christen, sondern zwischen Christen und solchen, die sich Chri⸗
sten nennen. Wer mit lustigem Gläserklang und nach dem Takte
rauschender Tanzmusik das alte Jahr beschließt und das neue be—
ginnt, der ist am Neujahrsmorgen nicht in der Stimmung und
Verfassung, zum Gottesdienste zu kommen, uni den leuchtenden
IEsusnamen über der Pforte des neuen Jahres zu lesen und in
diesem Namen einen gesegneten Anfang zu machen. Welch ein
Hohn auf die Absicht des Bischofs, daß er sogar seinen Namen zu
allerlei Dingen hergeben muß, denen er gerade entgegentreten
wollte: Silbesterpunsch, Silvesterbowle, Silvesterball! überall
sammeln sich dazu die Menschenkinder in hellen Haufen und großen
Scharen — ein verhältnismäßig kleines Häuflein nur findet sich
andächtig zusammen im Silvestergottesdienst. Noch kleiner ist
in der Regel die Versanunlung der Gläubigen am Neujahrs⸗
morgen. Auf den Anfang kommt aber doch so viel an! Wohl mag
ja trotz eines guten Anfangs der Fortgang nicht gut sein, wohl
klagt der Apostel: „Ihr liefet fein; wer hat euch aufgehalten?“
Gal. 5, 7; wohl warnt das bekannte Lied:

Nicht der Anfang, nur das Ende

Krönt des Christen Glaubensstreit —
dennoch wird mit Recht aller Nachdruck auf einen guten, richtigen
Anfang gelegt. Denn wenn es auch der Anfang allein nicht tut,
so kann man doch, wenn der schon verkehrt ist, schwerlich einen
guten Fortgang und ein befriedigendes Ende erwarten. „Mit Gott

fang an“, heißt es darum. Im Namen JEsu, mit einem Gottes⸗
dienst fangen wir darum auch das neue Jahr an. Das kann gar
nicht anders sein. Wir haben so viel Vergebung nötig, so viel
Dank zu sagen, so viel Gnade und Hilfe zu erbitten für uns,
für unsere Lieben, für unsere Gemeinde, für unsere Kirche, für
unser Land. Liegt nicht auf jedem Herzen, auf jedem Hause ein
Kreuz; findet sich nicht in jedem Berufe Bürde, in jedem Stande
Last? SeErr, hilf tragen; gib Geduld und Trost, Mut und Kraft,
Zuversicht und Hoffnung! „Weg' hast du allerwegen.“ Vor

allem:
Führe mich, o HErr, und leite
Meinen Gang nach deinem Wort!
Führe mich — nur selig, wenn auch wunderlich!

Führ mich an der Hand

Bis ins Vaterland!
Das ist ein guter, gesegneter Wunsch zum neuen Jahre; ein
seliges Begehren, wobei wir uns wohlbefinden und gut fahren
werden unter allen Umständen. (Luth. Herold.)

Neujahr.

Nicht inmier ist der Neujahrstag am 1. Januar gefeiert
worden. Die alten Agypter ließen das religiöse Jahr beginnen,
wenn der Stern Sirius zuerst in der Morgendämmerung sichtbar
ward, das bürgerliche Jahr mit der Anschwellung des Nilflusses,
um die Zeit der Sonnenwende. In dem alten griechischen Staat
Attika fing das Jahr mit dem ersten Neumond nach der Sonuner⸗
sonnenwende an, in dem griechischen Staat Sparta mit der Herbst⸗
Tag⸗- und Nachtgleiche. Die Römer zählten, seitdem Julius Cäsar
den Kalender hatte verbessern lassen, vom 1. Januar an. Bei den
Juden begann das bürgerliche Jahr am 1. Tischri (September—
Oktober) mit dem Eintritt des Neumonds zur Zeit der Herbst—
Tag⸗ und Nachtgleiche, während das kirchliche Jahr zur Zeit der
Frühlings⸗Tag⸗ und Nachtgleiche am 1. Nisan (März —April) be⸗
gann. Erst vom 11. Jahrhundert an wurde der Neujahrstag
mehr allgemein auf den 1. Januar verlegt. Karl IX. von Frank⸗
reich verlegte ihn dorthin 1564; seinem Beispiel folgten nach und
nach die verschiedenen christlichen Regierungen in Europa, Holland

1575, Schottland 1600, England 1756, Peter der Große von
Rußland 1706.

Nicht immer ist der Neujahrstag von der Kirche als Festtag
begangen worden; vielmehr feierte die Kirche ihn Jahrhunderte
hindurch als Trauer- und Bußtag. Die alten Römer hatten näm⸗
lich am Neujahrstag ihr Januarfest gefeiert und ihn als Haupttag
ihrer ausgelassenen Feste, der sogenannten Saturnalien, verherr⸗
licht. Am genannten Tage traten nun nicht nur die fürs neue
Jahr bestimmten Konsuln ihr Amt an und ritten auf weißen
Rossen auf das Kapitol, um Jupiter, dem Gott der Götter, das
herkömmliche Opfer eines weißen Stieres zum Andenken an seinen
Sieg über die Riesen darzubringen, sondern das Volk suchte diesen
Tag durch die lärmendsten Lustbarkeiten und Ausschweifungen fest⸗
lich zu begehen. Mummereien, Gast⸗ und Trinkgelage, Tanz und
Völlerei waren an der Tagesordnung. Ini Gegensatz zu diesen
wilden, heidnischen Ausschweifungen feierte die Kirche den. 1. Ja⸗
nuar als Bußtag.

Seit dem 7. Jahrhundert hat der 1. Januar für die Christen⸗
heit noch eine besondere Bedeutung erhalten. Dem bürgerlichen
Feste wurde ein wahrhaft kirchlicher Charakter aufgeprägt, indem
dem Neujahrstage, als dem achten Tage nach dem Weihnachts⸗
feste, das Fest der Beschneidung IEsu und des Namenstages JEsu
beigelegt wurde.

So ist denn der Neujahrstag ein schöner, reicher Festtag ge⸗
worden. Er mahnt uns an die Flucht und Vergänglichkeit der

—

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