Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 27 › Seite 424
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 31. Dezember 1907, Seite 424
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Neujahr
24 Der „TutheraneS
velt und Zeit, zeigt uns aber zugleich auch den, der der Ewig⸗
eiten Vater ist, IEsum Christum, „gestern und heute und der⸗
elbe auch in Ewigkeit“, Hebr. 13, 8. Er weist uns als Anfang
zin auf das Ende, ja, auf das Ende aller Dinge; zugleich ent⸗
züllt er auch den, der Anfang und Ende, A und O, der Erste und
eer Letzte ist. In der Beschneidung IEsu stellt er uns das Gesetz,
m Namen JEsu das Evangelium vor das geistige Auge. End⸗
ich verkündet uns der Neujahrstag ein neues Jahr des Heils.
Zum neuen Jahre neuen Segen,
Das alte Heil zu neuen Wegen,
Vorm alten Bösen neues Grauen,
Zum alten Gott ein neu Vertrauen!
Er hat uns wunderbar erhalten —
Wer nur den lieben Gott läßt walten.
Wir sorgen — Gott versorgt.
Schwerer noch als die Plage, die heute getragen werden muß,
ist die Furcht vor morgen. Neujahr sieht viele glänzende, aber
auch viele trübe Augen. Wieder die Bürde und Mühsal eines
ganzen Jahres! Wie soll es enden? Du sprichst vielleicht: „Gott
kümmert sich wohl um andere, aber nicht um mich. Alles ist
mir entgegen. Es ist, als ob ein Fluch auf mir läge. Was ich
auch tue, ich werde nur zu schanden. Mein Leiden dauert so lange,
und noch nimmt es kein Ende. Meine Not drückt mich wund, und
keine Arznei will anschlagen. Mein Sehnen ist ungestillt, und
noch sehe ich keine Anderung und Besserung. Grauen kann mir
jetzt, wo ich in einen neuen Abschnitt der Zeit hinein muß.“
So sorgst du — aber Gott versorgt. Unter dem Druck gibt
es nur den Rat: halte dich an die alten Glaubenswahrheiten und
Gnadenverheißungen. In ihnen bist du geborgen. Du Sorgen⸗
kind, dem die Einbildungskraft allerlei mögliche und unmögliche
Unfälle vorspiegelt, dem die Furcht hundert unlösbare Rätsel auf⸗
gibt: vergeude deine kleine Kraft nicht mit unnützer Angst. Wie
sagte Luther? Christus regiert, darum will ich mich nicht fürchten,
ob auch die Berge in die Tiefe des Meeres versenkt würden. Laß
dir die Züchtigung zum Nutzen dienen! Halte dich an die Ver⸗
heißungen, die nicht gebrochen werden können! Wieviel Dunkel
deine Geheimnisse über dich ausbreiten es gibt andere Geheim⸗
nisse, die alles licht und hell machen: die Krippe Christi, das Kreuz
Christi und das leere Grab Christi. Du Kleingläubiger, warum
zweifelst du? Laß dein Sorgen, Gott versorgt. (Friedensbote.)
— — ——
Todesanzeigen.
Wieder hat der HErr der Kirche einen unserer Väter heim⸗
geholt, der seit dem Jahre 1848, also fast von Anfang an, unserer
Synode angehörte, und obwohl er die letzten 19 Jahre seines
Lebens im Ruhestand zugebracht, zuvor 40 Jahre lang im hei⸗
ligen Predigtamt gestanden hat, weiland P. Klaus Stürken.
Er wurde am 9. Oktober 1820 in Köhlen, Hannover, geboren
und besuchte in der Folge die Dorfschule in Delbstedt, wohin seine
Eltern verzogen waren. Da diese urm waren, so mußle er von
früher Jugend an das tägliche Brot miterwerben helfen. „Im
achtzehnten Jahre“, so schreibt er selbst, „lernte ich mich als einen
armen Sünder und den HErrn IEsum als meinen Heiland
kennen.“ Später erwachte in ihm das Verlangen, den Heiden
das Evangelium zu predigen, und durch Vermittlung gläubiger
Pastoren trat er im Jahre 1844 in das Dresdener Missionshaus
ein. Vier Jahre danach wurde er zusammen mit dem Predigt⸗
anitskandidaten Bernreuther nach Amerika gesandt, wo sie im Juli
1848 ankamen und von Dr. Sihler in Fort Wayne, Ind., gast⸗
freundlich aufgenommen wurden. Bald erhielt Stürken einen
Beruf von der lutherischen Gemneinde in Logansport, Ind., wo er
im Oktober desselben Jahres eingeführt wurde. Dort verheiratete
er sich im Juli 1849 mit Frl. Margarete Hättasch und wurde von
Prof. Walther getraut. In Logansport arbeitete er 16 Jahre
lang mit Geschick und großer Treue, bis er im November 1864
einem Rufe der damals neugebildeten Immanuelsgemeinde zu
Baltimore, Md., folgte. Er hielt da erst Gottesdienste in einem
alten Spritzenhause, machte sich aber unverdrossen ans Kollektieren
und erlebte bald die große Freude, daß eine schöne, große Kirche
gebaut wurde. Mit demselben Fleiß und derselben Sorgfalt und
Treue wie in Logansport arbeitete er auch in Baltimore in seinem
Pfarramt 24 Jahre lang und sah auch die Frucht seiner Arbeit,
ein schönes Wachstum und Aufblühen seiner Gemeinde. Anhal⸗
tender Kränklichkeit halben (Rheumatismus) legte er Ende 1888
sein Amt nieder und lebte nach dem 1891 erfolgten Tode seiner
zweiten Gattin — die erste war 1874 durch einen Sturz die Kel⸗
lertreppe hinab zu einem jähen Tode gekommen — die letzten
sechzehn Jahre bei seinein Schwiegersohn inmitten der St. Pauls⸗
gemeinde. Solange ihn seine Füße trugen, wär er ein ebenso
regelmäßiger wie aufmerksamer Zuhörer im Gottesdienst des
Morgens wie des Abends. Als die sich mehrende Gebrechlichkeit
des Alters ihn zwang, erst am Abend und dann allmählich auch
am Morgen häufiger zu fehlen und endlich ganz wegzubleiben,
war ihm dies ein bitteres Leid. Im übrigen verlebte er einen
ruhigen, glücklichen Lebensabend bei seinen ihn kindlich liebenden
und sorgsam pflegenden Kindern, behielt ein reges, warmes Inter⸗
esse für unfere Synode und deren Wohl und Weh, betete fleißig
für sie, las nicht nur den „Lutheraner“, die „Lehre und Wehre“
und andere Blätter, sondern auch alle Shynodalberichte und in
Luthers Schriften; denn so gebrechlich sein Körper war, so frisch
war sein Geist geblieben; nur das Gedächtnis ließ ihn etwas im
Stich. In seinem letzten Jahre war er so gebrechlich, daß er den
ganzen Tag von früh bis spät auf seinem Stuhle sitzen und alle
Mahlzeiten ihm auf seine Stube gebracht werden mußten. Aber
lesen konnte er zu seiner Freude noch immer. Er war ein wahr⸗
haft frommer, gottseliger Greis; sein Mund floß über von Lob
und Preis seines Gottes und von brünstiger Liebe zu ihm und
zu seinem Wort. Fein sanft war sein Ende; unter dem Zuspruch
und den Gebeten seines eilig herbeigerufenen Pastors schlief er
in einem Anfall großer Schwachheit ein fast ohne allen sichtbaren
Todeskampf oder Todesangst. Ein Lächeln ging über seine Züge,
als ihm gesagt wurde, sein HErr IEsus werde ihn nicht verlassen.
— Sein Todestag war der 17. Oktober, sein Alter 87 Jahre und
8 Tage, und am 20. Oktober wurde er von der St. Paulskirche
aus beerdigt. Auch viele seiner ehemaligen Kirchkinder aus der
Immanuelsgemeinde nahmen an der Leichenfeier teil, und sein
Nachfolger an dieser Gemeinde, P. Stiemke, hielt eine Gedächt⸗
nisrede über Hebr. 13, 7. Der Unterzeichnete hielt die Leichen⸗
rede über den von dem Entschlafenen selbst gewählten Text, 1 Tim.
1, 15. 16. Noch auf seinem Sterbebett sagte er mit brechender
Stinime: „Nicht viel Rühmens — von mir machen, — aber das
ist je gewißlich wahr, — daß Christus JEsus — ist kommen in die
Welt, — die Sünder selig zu machen, — unter welchen ich — der
vornehmste bin. Aber darum — ist mir Barmherzigkeit mider⸗
fahren —.“ Sein Leib ist auf dem Gottesacker der Immanuels⸗
gemeinde neben seinen beiden Gattinnen gebettet und ruht nun
dort, ein Saatkorn zur fröhlichen Auferstehung.
Chr. Kühn.
Dem Allinächtigen hat es gefallen, einen treuen Diener, dem
er reiche Gaben verliehen hatte, und der, nach Menschemneinung,
noch lange und segensvoll hätte arbeiten können, aus der streiten⸗
den in die triumphierende Kirche zu versetzen, nämlich P. Julius
Traugott Leberecht Bittner. Der Entschlafene wurde
geboren zu Brown Deer bei Milwaukee, Wis., am 4. Juli 1868.
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