Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 5 › Seite 71

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. März 1912, Seite 71

70 71 72 73 74 75 76 77 78 79

Scan: Internet Archive item DerLutheraner68_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Union 3

⤓ Download .txt · copy text

—. — ⏑

1 — —

— *

2

8Der „Tuthsraner 71

gebe. So werde die Wahrheit der Heiligen Schrift nach ver⸗

schiedenen Seiten hin recht zum Ausdruck gebracht. Wir glau⸗
ben doch, heißt es bei den Sekten, alle an denselben Gott und
wandeln auf demselben Wege und wollen alle in einen Him⸗
mel; warum sollen wir miteinander über die Lehre streiten?

Wir Lutheraner hingegen verweigern jegliche Kirchenge⸗
meinschaft mit solchen, die anders lehren, denn das Wort Gottes
lehrt, und nach Röm. 16, 17 weichen wir von denen, die etwas
lehren neben der Lehre, die wir aus der Heiligen Schrift ge—
lernt haben. In unserer Praxis halten wir fest an dem
biblischen Grundsatz: Lutherische Kanzeln nur für lutherische

Prediger, lutherische Altäre nur für lutherische Kommuni⸗

kanten! Trotz aller Einladung und Aufforderung willigen
wir nicht ein, mit Andersgläubigen zu amtieren oder zu kom⸗
munizieren. Mag man uns deswegen scheel ansehen, lästern
und schelten, daß wir rechthaberisch und hoffärtig oder zu
erklusiv und mit unserer Praxis hinter der Zeit wären, wir
wissen, daß wir nach dem Befehl und dem klar ausgesprochenen
Willen unsers Gottes sowie nach dem Vorbild aller rechten
Propheten und Prediger, ja der Apostel und Christi selbst
handeln. Wie ernstlich warnt der Heiland Matth. 7, 15:
„Sehet euch vor vor den falschen Propheten!“ oder Matth.
16, 6: „Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der
Pharisäer und Sadduzäer!“ das ist, wie V. 12 ausdrücklich
sagt, vor ihrer Lehre, nämlich ihrer falschen Lehre. Ängstlich
sollen wir uns vor jeglicher Irrlehre in acht nehmen. Daher
schärft der Apostel Paulus 1 Kor. 5, 6 und Gal. 5, 9 ein:
„Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig.“ So
schärfen wir inimer wieder unsern Christen öffentlich und son—
derlich das Gewissen, indem wir aus Gottes Wort dartun, daß
es Sünde ist und ihren Seelen zum Schaden und Verderben
gereicht, wenn sie an falschgläubigen Gottesdiensten teilnehmen
und sonstwie in kirchlichen Dingen mit Andersgläubigen Ge⸗
meinschaft haben. Wir warnen auch vor den Mischehen, weil
gerade sie meistens zur Förderung der Gleichgültigkeit in der
Lehre und zum Schaden der Kirche ausschlagen. Und weil
in gegenwärtiger Zeit Indifferentismus und Unionismus so
herrschend geworden sind, so ist es jetzt ganz besonders unsere
heilige Pflicht, immer wieder unsere warnende Stimme mit
aller Macht dagegen zu erheben, wider diesen Strom der Zeit
zu schwimmen. Das mag auch manchen unserer Leute nicht
gefallen. Aber das darf uns nicht beirren, auch in diesem
Stücke treulich unsere Pflicht auszuüben und den reißenden
Wölfen in Schafskleidern furchtlos mit Gottes Wehr und
Waffen entgegenzutreten und, wo immer wir dazu Beruf und
Gelegenheit haben, ihnen zu wehren in ihrem Zerstörungs⸗
werk, das sie durch falsche Lehre anrichten. Vor fleischlichem
Eifer und ungehörigem Schelten und Poltern sollen wir frei⸗
lich stets uns hüten. Aber ritterlich sollen und wollen wir
kämpfen für das herrliche Kleinod und den teuren Schatz, die
reine Lehre, und nicht aufhören, brünstig zu bitten:

Den stolzen Geistern wehre doch,

Die sich mit G'walt erheben hoch

Und bringen stets was Neues her,

Zu fälschen deine rechte Lehr'.

Dein Wort ist unsers Herzens Trutz
Und deiner Kirchen wahrer Schutz;
Dabei erhalt uns, lieber HErr,
Daß wir nichts ander's suchen mehr!

Ein herrliches Geschenk.

Unsere Mission in Südamerika, die wir in den Staaten
Brasilien und Argentinien betreiben, hat von dem gütigen
Gott ein herrliches Geschenk erhalten. Man hört und liest
jetzt häufig von Gaben, auch von großen Gaben der Reichen,
für gute Zwecke und auch gerade für die Mission. Da stand
in einem unserer Blätter: „Wohl das größte Vermächtnis, das
jenials für die Heidenmission gestiftet ist, hat kürzlich die Mis—
sionsbehörde der Presbyterianer aus dem Nachlasse von John
S. Kennedy erhalten — 52,300,000. Was für ein Beispiel
könnte dies sein auch für andere reiche Leute, denen die Weis⸗
heit fehlt, von ihrem vielen Geld den rechten Gebrauch zu
machen.“ Unserer Mission in Südamerika hat Gott mehr ge⸗
geben als felbst jene Millionen, nämlich sechs junge Männer,
ausgebildet auf unsern Lehranstalten, fünf in Springfield und
einer in Seward, fähig, das Evangelinm von Christo IEsu rein
und lauter zu verkündigen, und bereit, die Heimat zu ver—

lassen und Gaben und Kräfte ihres Geistes und Körpers in

den Dienst der Mission in jenem fremden Lande zu stellen.
Das ist fürwahr ein überaus herrliches Geschenk! Was wür⸗
den uns noch so viele Millionen Dollars helfen, wenn wir
keine Männer hätten, die tüchtig und bereit wären, das Evan⸗
gelium den Leuten in Südamerika zu predigen? Und kein noch
so reicher Millionär kann auch nur einen solchen jungen
Mann mit seinem Gelde schaffen. Jeder einzelne ist ein Werk
und eine Gabe Gottes. Das sollen wir erkennen und darüber
uns freuen. Darum spricht Gott durch den Propheten Joel,
Kap. 2, 23: „Ihr Kinder Zions, freuet euch und seid fröh—
lich in dem HErrn, eurem Gott, der euch Lehrer zur Gerech—
tigkeit gibt!“ Kinder Gottes freuen sich, wenn der Err ihnen
rechte Lehrer seines Wortes gibt und auch wenn er, der ihnen
den Befehl gegeben hat: „Gehet hin in alle Welt und prediget
das Evangelium aller Kreatur“, Mark. 16, 15, Männer be⸗
schert, die bereit sind, in ihrem Namen hinauszuziehen und den
Auftrag des HErrn IEsu auszuführen. Als im vorigen Jahre
um diese Zeit fünf junge Männer, vier von St. Louis und
einer von Springfield, nach Südamerika zogen, welch eine
freudige Bewegung ging da durch unsere ganze Synode! Wie
viele Kinder Gottes haben jene jungen Männer in ihren Herzen
gesegnet und brünstige Gebete für sie zum Throne Gottes ge⸗
sandt! Wie flossen da die Gelder von ganzen Gemeinden und
von einzelnen Gebern zur Bezahlung ihrer Reise und zur För⸗
derung des dortigen Missionswerkes so reichlich! Und Gebete
und Gaben sind nicht umsonst gewesen. Glücklich sind sie dort
angelangt und stehen nun schon ein Jahr lang in reichgesegneter
Wirksamkeit. Und welche Freude wurde durch diese unsere
Sendlinge in Südamerika erweckt! Wie bekamen unsere
dortigen Arbeiter neuen Mut und neue Freudigkeit! Ganze
Gemeinden, die mehrere Jahre hindurch auf einen Pastor ge⸗
wartet hatten, jauchzten auf, als nun ein solcher unter ihnen
erschien. Ein altes Mütterchen konnte sich der Freudentränen
nicht enthalten, als einer dieser jungen Männer vor sie trat
und sagte: „Ich bin ein evangelisch⸗lutherischer Pastor und
will nun immer kommen, Ihnen Gottes Wort zu predigen.“
Welchen Aufschwung nahm das ganze Missionswerk! Einer
von ihnen, der mit einem Predigtplatz anfing, hatte bald neun
und kann die Arbeit nicht mehr bewältigen. Wie mancher
Traurige ist durch sie getröstet, wie mancher Irrende zurück⸗

English translation

Not yet translated.