Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 25 › Seite 392

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Dezember 1912, Seite 392

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99

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r TutheraneESe

.

stischen Bewegung. Man merkte aber, daß sich die Schaustel⸗
lung zu einer allgemeinen Verherrlichung des Papsttums
verwenden lasse. Als der vierte Kongreß im September 1885
zu Freiburg in der Schweiz abgehalten wurde, saßen durch den
Einfluß eines hohen papistischen „Würdenträgers“ (Mermillod)
auf der Plattform Glieder der Kantonalregierung und des
Stadtregiments, Offiziere der Armee, Richter usw. Alles war
voll Begeisterung. Man merkte, daß durch die eucharistischen
Kongresse ein großes Schauspiel zur Verherrlichung Roms in
Szene gesetzt werden könne. In Antwerpen, wo der siebente
Kongreß tagte, soll der Erzbischof von Mecheln über 150,000
Leute den papistischen „Segen“ gesprochen haben. Der Papst
fing an, seine Legaten zu den Kongressen zu entsenden. Im
Jahre 1905 war auf besonderen Wunsch des gegenwärtigen
Papstes der Kongreß in Rom versammelt. Zur Verherrlichung
der Versammlung diente Pius X. selbst als Meßpfaffe. Der
Papst — wie es in dem uns vorliegenden papistischen Bericht
heißt — added to the solemnity of the occasion by celebrating
mass at the opening of the sessions“. Im Jahre 1908 war der
eucharistische Kongreß in London. Hier fiel ein Tropfen Wer⸗
mut in den papistischen Freudenkelch. Es war beabsichtigt
worden, „das heilige“ (papistische) „Sakrament durch die
Straßen von London zu tragen“. Dagegen wurde von Prote—
stanten Englands Einsprache erhoben, und der britische Pre—
mierminister ersuchte die römischen Würdenträger, sie möchten
ihr Sakrament nicht durch die Straßen von London tragen,
weil Unruhen zu befürchten seien. Man gab nach, faßte aber
Beschlüsse, wodurch man dem „heiligen Stuhl“ „unwandelbare
Treue“ zusicherte und den Kongreß in London für „den größten
religiösen Triumph“ der Papstkirche erklärte. Im September
1910 tagte der Kongreß zu Montreal in Canada. Darüber
wurde in unserer „Lehre und Wehre“ S. 564 berichtet: „An
Prachtaufwand hat es Rom diesmal nicht fehlen lassen, um den
verblendeten Massen Sand in die Augen zu streuen. Drei
Kardinäle, unter ihnen der Kardinal Vanutelli als spezieller
Vertreter des Papstes, waren erschienen, mehr als 120.Bischöfe,
Erzbischöfe und Ordensvorsteher aus Europa, Südanierika und
Asien waren anwesend. Die Zahl der fremden Priester belief
sich auf Tausende. Der Bürgermeister der Stadt Montreal be⸗
grüßte die glänzende Festversammlung im „‚Rom der Neuen
Welt' mit begeisterten Worten, ebenso der General Havernend
der Provinz Quebec. Der Jesuit Vaughan, ein ehemaliger Pro⸗—
testant, ließ es nicht an taktlosen Ausfällen gegen den Protestan⸗
tismus in einer Predigt, die er am ersten Sonntag des Kon⸗
gresses in der irländischen Kirche hielt, fehlen. Er beehrte uns
Häretiker mit mehr oder weniger schönen Ehrentiteln. Vor der
großen St. James⸗Kathedrale fand die Segnung von 25,000
Schulkindern statt. Unter einem Baldachin saß im roten Kardi⸗
nalsgewand Vanutelli, neben ihm der irländische Kardinal und
der Erzbischof von Montreal. Wie Soldaten wurden die Kinder
an den kirchlichen Würdenträgern vorübergetrieben. Als die
Zeremonie zu Ende war, stürzten die gläubigen Katholiken nach
den Stühlen, auf denen die Kardinäle gesessen hatten, und
— unglaublich mag es heutzutage klingen — in Ermangelung
des Hirtenringes küßten einige in tiefster Verehrung die Stühle,
auf denen die Kardinäle Logue und Vanutelli gesessen hatten.
Am letzten Sonntag fand dann die große Prozession statt. Um
12.30 begann dieselbe und dauerte bis abends um 7 Uhr.“ Ein
Augenzeuge aus einer unserer Gemeinden in Cleveland hat

uns noch mehr widerliche, götzendienerische Vorkommnisse be—
richtet.

Das sind die papistischen „eucharistischen Kongresse“. Ein
Christ, der nach Gottes Wort urteilt, kann sie nur für götzen—
dienerische Orgien erklären, deren sich die Christenheit schämen
muß, weil sie unter dem Schein und Namen der christlichen
Kirche in Vollzug gesetzt werden. F. P.

Die Lehre der Mormonen.

(Schlu ß.)

Die Lehre und Einrichtung, un derentwillen die Mor—
monen an meisten mit den Staaten und Regierungen in Kon⸗—
flikt kommen, ist ihre Vielweiberei. In den letzten Jahren hat
man den Regierungen versprochen, die Vielweiberei nicht zu
praktizieren. Aber man traut ihnen nicht; und wenn man
sieht, wie die Vielweiberei mit ihrer ganzen Lehre verwachsen
ist, dann wird man dieses Mißtrauen für begründet halten.
Führen wir uns also noch ihre Lehre von der Ehe und der
Vielehe vor. ö

Die Ehe gilt ihnen als eine Art Sakrament, das nur die
zuständigen Beamten ihrer Kirche verwalten können. Ohne
Ehe kann einer wohl zur Not selig werden, aber nicht die höchste
Stufe der Seligkeit erlangen. „Kein Mann oder Weib, das
alleinstehend und unverheiratet ist, kann die Fülle der himm—
lischen Herrlichkeit erlangen. Vollkommenheit im Leben,
Frende, Herrlichkeit oder Herrschaft ist für eins der beiden
Geschlechter allein unerreichbar.“ (Morm. Doctr., S. 62.)
„Der Mann ist des Weibes Haupt, und es steht von ihm ge⸗
schrieben, daß er seines Leibes Heiland ist. Aber der Mann
ist nicht ohne das Weib, und das Weib nicht ohne den Mann.“
„Mann und Weib können einzeln und allein wohl selig wer⸗
den, aber sie können nicht zur höchsten Fülle himmlischer Herr⸗
lichkeit erhoben werden, ohne in hinunlischer Ehe vereinigt zu
sein; denn das ist ein Zustand der Vollkommenheit und faßt
in sich die Gabe der fortgesetzten Vermehrung.“ (S. 66.)
Gerade darin besteht ihre göttliche Herrlichkeit. (S. 67.)

Die Ehe ist nicht nur für dieses Leben, sondern auch für
die Ewigkeit. „Die erste Ehe, von der in der Schrift berichtet
wird, war eine Verbindung von Unsterblichen. Mann und
Weib wurden eins als ewige Wesen.“ (Morm. Doctr., S. 63.)
In der Auferstehung finden sie sich wieder zufammen als Ehe—

leute. (S. 64.) „Hier ist also eine vorbildliche Ehe. Sie
war nicht nur für die Zeit, sondern für die Ewigkeit. . .. Alle

andern Ehen, die in ähnlicher Weise und unter derselben Auto⸗
rität geschlossen werden, haben dieselbe Kraft und Wirkung.
Da gilt: Was ihr auf Erden bindet, soll auch in Himmel
gebunden sein.“ (S. 64.) Nun sagt aber Christus ganz deut⸗
lich, daß die Ehe nur für diese Zeit ist. „In der Auferstehung
werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind
gleich wie die Engel Gottes im Himmel“, Matth. 22, 30. Da
helfen sie sich so. Man muß nur richtig betonen: Sie, die
Leute, von denen die Rede war, Leute, die nicht nach Mormonen⸗
art durch das Priestertum Melchisedeks für Zeit und Ewigkeit
verbunden sind in wirklicher Ehe, sondern nur einen Kon⸗
trakt gemacht haben für dieses Leben, sie werden nicht
freien. Das ist ihre Strafe. Und die andere Strafe steht auch
dabei: sie werden nur Engel und müssen denen dienen, die

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