Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 25 › Seite 395
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Dezember 1912, Seite 395
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Es ist oben gesagt worden, daß die Predigt von Christo Zur kirchlichen Chronik.
auch hier immer mehr Früchte bringe. Dafür zum Schluß nur ö
ein Beispiel. Am Sonntag, den 13. Oktober, durfte der Unter⸗ Warum unsere Synode nicht den Zehnten einführt. Schon
zeichnete Zeuge sein, wie Missionar Gutknecht auf der Station
Taddiarkulam 22 Heiden taufte. Gerade in diesem Dorfe haben
unsere Missionare die bitterste Feindschaft und den härtesten
Widerstand erfahren müssen. Ist das nicht ein herrlicher Sieg
des Gekreuzigten über die finsteren Mächte des Heidentums?
Jul. A. Friedrich.
Nagercoil, Indien, 19. Oktober 1912.
Allerlei aus den fremdsprachigen Missionen.
Mission unter den Italienern in New York und
Philadelphia wird gegenwärtig getrieben von den Presbyteria⸗
nern, dem Generalkonzil und andern Gemeinschaften. In
Philadelphia sollen 200,000, in New York nicht weniger als
400,000 Italiener wohnen. Da sich unter ihnen eine Los-von⸗
Rom⸗Bewegung Geltung verschafft, so scheinen die Missionen
der Protestanten die beste Aussicht auf Erfolg zu haben. So—
wohl in Philadelphia als auch in New Nork hätte unsere Syn—
ode eine gute Gelegenheit, in den dem Italienerviertel sehr
nahe liegenden lutherischen Kirchen unserer dortigen deutschen
Gemeinden Italienermission zu treiben. Auch dürfte es nicht
schwer sein, in unserer Synode einen Pastor zu finden, der
der italienischen Sprache mächtig ist. Nur an Geld fehlt es.
Die Kasse für fremdsprachige Missionen ist leer und hat sogar
Schulden.
Die Polen gemeinde bei Russell in der canadischen Pro⸗
vinz Manitoba, die im Herbst 1911 ihren ersten Pastor bekam,
hat schon im September dieses Jahres ihre neuerbaute Kirche
eingeweiht. Unser dortiger Missionar bedient neben dieser noch
eine andere polnische Gemeinde in Brewer, Sask., und predigt
auch regelmäßig deutsch. Die Visitation hat ergeben, daß der
Missionar eine erfolg- und segensreiche Wirksamkeit entfaltet.
— Unsere lutherische Polengemeinde bei Trenton, N. J., ist
gegenwärtig beim Kirchbau begriffen. Der Missionar bedient
eine ganze Reihe von Plätzen.
Unser Fin nenmissionar in Arizona durfte vor einigen
Monaten die erste lutherische Finnenkirche in unserer Synode
einweihen. Die Glieder der Gemeinde legten für ihren Kirch⸗
bau großes Interesse an den Tag, indem sie teils nach Kräften
Geld, teils „Arbeitsstunden“ unterschrieben. Der Missionar
befindet sich zurzeit auf einer langen Missionsreise, die sich bis
zur atlantischen Küste erstreckt. In Boston, New York, Phila⸗
delphia und an andern Plätzen predigt er den estnischen
Gemeinden, die seit des seligen Missionar H. Rebanes Tod
nicht mehr bedient werden konnten. Die dortigen Christen
möchten den Missionar behalten. Aber was soll dann aus der
Finnenmission in Arizona werden? üÜberall ist das Feld reif
zur Ernte, doch es fehlt an Arbeitern.
Die Lettenmission in Boston macht gute Fortschritte.
Es sind häufig etliche hundert Zuhörer in der Kirche.
In Detroit bestehen eine Polen⸗ und eine Slowaken⸗
gemeinde, die beide von unsern Missionaren bedient werden.
Beide Gemeinden sammeln fleißig für einen Kirchbau.
J. D. Matthius.
seit längerer Zeit sucht jemand, der nicht zur lutherischen Kirche
gehört, durch Zuschriften darauf hinzuwirken, daß auch wir Luthe⸗
raner den Zehnten von unserm Einkommen für kirchliche Zwecke
geben. Von den angeführten Gründen setzen wir einige hierher.
Erstlich sei es sicherlich nicht zu viel, wenn ein Christ den zehnten
Teil seines Einkommens für die Dinge gibt, die ihm doch ann
höchsten in der Welt stehen, nämlich das Evangelium und Christi
Reich. Sodann wird darauf hingewiesen, daß Gott die Leute,
die ihm den Zehnten für sein Reich gegeben haben, wunderbar im
Irdischen gesegnet hat. Das wird sogar in Zahlen nachgewiesen,
denn der Betreffende hat bei sich und andern darüber Buch ge⸗
führt. Hingewiesen wird auch auf die Mormonen und Siebenten⸗
tags⸗Adventisten, die den Zehnten von ihren Gliedern erheben
und infolgedessen stets überfluß an Geldnritteln haben, während
alle andern Kirchengemeinschaften fast unaufhörlich in großer
Geldverlegenheit sich befinden. — Hierzu bemerken wir kurz fol⸗
gendes: Sicherlich ist es nicht zu viel, wenn die Christen den
Zehnten ihres Einkommens für Christi Reich geben. Womit die
Juden aufgehört haben, damit könnten sehr wohl die schwächsten
Christen anfangen und dann danach trachten, wie sie nach und nach
höher kommen. Wir kennen auch in unserer Synode Leute, die
seit Jahren den Zehnten und mehr als den Zehnten für kirchliche
Zwecke geben. Es sind dies freilich nur Ausnahmen. Zum
andern wissen wir auch, daß Gott die Christen, welche aus Dank⸗
barkeit für die in Christo erzeigte Barmherzigkeit ihm reichlich für
sein Reich geben, auch im Irdischen wunderbar segnet. Zum
Beweis brauchen wir gar keine Zahlen aus dem Kassenbuch, son⸗
dern das wissen wir aus Gottes Wort und Verheißung: „Gebet,
so wird euch gegeben.“ Deshalb bemerkt Luther immer wieder
(auch in einem Briefe an Frau Käthe): wenn man reich werden
wolle, müsse man viel geben. Freilich muß das Geben, wodurch
man reich wird, im Glauben geschehen. Wenn es aus Lohn⸗
sucht geschieht, so ist es verloren. Aber das Geben im Glauben
hat nach der Schrift die göttliche Verheißung nicht nur der ewigen,
sondern auch der zeitlichen Vergeltung. Daß so viele Christen,
durch ihr Fleisch verführt, die Ordnung Christi umkehren und
durch Sparen am Evangelium sich in dieser Welt Schätze sam⸗
meln wollen, ist einer von den Gründen, weshalb viele Chri⸗
sten an irdischen Gütern arm bleiben. Sie suchen nach möglichst
kleinen Gaben für Christi Reich. So wird auch ihnen nur wenig
gegeben. Endlich haben wir es auch längst bemerkt, daß die
Mormonen und Siebententags-Adventisten Geldes die Fülle für
ihre sogenannten kirchlichen Zwecke haben, während es bei uns oft
an den nötigen Mitteln fehlt und wir zum großen Ärgernis
für die Welt — „Notschreie“ sogar in unsern öffentlichen Blättern
laut werden lassen. Trotz allem und allem sehen wir davon ab,
unter uns den Zehnten als Gesetz einzuführen, weil Gottes
Wort nicht den Christen des Neuen Testaments den Zehnten
gebietet. Die rechte Kirche gebietet nie mehr, als Gottes Wort
gebietet. Wir lassen es daher, was das Geben betrifft, dabei
bleiben, wobei es Gottes Wort bleiben läßt. Gottes Wort aber
läßt es dabei bleiben, daß es die Christen ermahnt, nach Ver⸗
mögen nicht möglichst wenig, sondern möglichst reichlich, und
nicht möglichst selten, sondern möglichst oft — stets, wenn man
ihrer Gaben bedarf — zu geben. Mit dieser Ermahnung muß
die christliche Kirche auskommen. Sie darf nicht die Freiheit
antasten, mit der Christus seine Kirche befreit hat. Mit dieser
Freiheit ist aber eine ungeheure Verantwortung verbunden.
Luther erinnert unaufhörlich daran: Wenn die Christen ihre
christliche Freiheit mißbrauchen, das heißt, dazu gebrauchen, mög⸗
lichst wenig und möglichst selten zu geben, so nimmt Gott ihnen
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