Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 25 › Seite 394

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. Dezember 1912, Seite 394

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Daß sie lehren, daß die Götter viele Weiber haben, und
daß das ein Stück ihrer göttlichen Seligkeit ist, haben wir ge⸗
hört. Auch von Christo behaupten sie, er habe auch auf Erden
viele Weiber gehabt. „Die Evangelisten sagen es nicht gerade⸗
heraus, daß JEsus verheiratet war.“ „Eins ist gewiß, es
waren mehrere heilige Frauen, die IEsum sehr liebten, wie
Maria und Martha, ihre Schwester, und Maria Magdalena,
und JEsus liebte sie und verkehrte viel mit ihnen.“ „Wenn
alles über das Leben IEsu geschrieben wäre, dann würden wir
ohne Zweifel erfahren, daß diese geliebten Frauen seine Wei⸗
ber waren.“ (The Seer, Bd. IJ, S. 158. 159.)

Sie halten die Vielweiberei für göttliche Offenbarung, ja
für ein göttliches Gebot. Sie ist mit ihrer ganzen Lehre von
den Göttern und der Seligkeit so verwoben, daß es kaum denk⸗
bar ist, daß sie dieselbe wirklich aufgeben. Was einer für Got⸗
tes Gebot ansieht, davon läßt er sich durch Menschengebot
nicht abhalten. In solchen Fällen werden alle, denen Gottes
Gebot Gewissenssache ist, handeln nach dem Grundsatz: „Man
muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“

So haben wir uns in den Hauptzügen die greuliche Lehre
der Mormonen oder, wie sie sich gewöhnlich nennen, der „Hei⸗
ligen der letzten Tage“ vorgeführt. Wir haben uns auf Wider⸗
legung kaum eingelassen, weil das nicht nötig war. Jeder

Christ, der auch nur die geringste Erkenntnis hat, wird uns

recht geben, wenn wir sagten: Es ist pures, und zwar grobes
Heidentum; in ihrer ganzen Lehre ist kaum ein Satz, der
richtige göttliche Wahrheit enthielte. E. P.

Die zweite Allgemeine Konferenz unserer Missionare
in Indien.

Vom 5. bis zum 9. Oktober war die zweite Allgemeine
Konferenz unserer Missionare in Indien in Nagercoil, Travan—
core, Südindien, versammelt. Alle unsere Missionare, die
gegenwärtig in Indien weilen, waren zugegen, nämlich aus
dem nördlichen Gebiete die Missionare Mohn, Freche, Keller—
bauer, Küchle und Stallmann, aus dem südlichen Gebiete die
Missionare A. Hübener, G. Hübener, Nau, Gutknecht und
Zucker. Der Unterzeichnete durfte der Konferenz als Gast bei⸗
wohnen. Eröffnet wurde sie durch einen feierlichen deutschen
Abendmahlsgottesdienst, in dem Missionar A. Hübener die
Predigt hielt über die Epistel für den 18. Sonntag nach Trini⸗
tatis. Die lieben Missionare, ihre Frauen und der Unterzeich⸗
nete, im ganzen 16 Personen, nahmen am heiligen Abendmahl
teil. Es war das eine erhebende und erquickliche Stunde für
unsere teuren Brüder, die hier, fern von der Heimat, in ein⸗
samer Abgeschlossenheit arbeiten.

Zweck dieser außerordentlichen Konferenz war sonderlich
der, mit dem Unterzeichneten über das Wohl und Weh unserer
lieben Heidenmission zu beraten und ihm einen Einblick zu
geben in ihre gegenwärtige Lage, da auf diese Weise die von
der Synode beschlossene Visitation ganz bedeutend erleichtert
und beschleunigt werden konnte.

Trotz der indischen Hitze hat die Konferenz fleißig gear⸗—
beitet und unter Gottes gnädigem Beistand gar viele für unsere
Mission wichtige Fragen beraten. Lehrverhandlung wurde ge⸗
pflogen auf Grund einer Arbeit Missionar Kellerbauers über

1 Joh. 5, 5—12. Leider konnte diese Arbeit wegen Mangels
an Zeit nicht vollendet werden.

Der liebe Gott hat unsere Gebete und Gaben und die treue
Arbeit unserer Missionare dahier sichtlich gesegnet. Unser
Arbeitsfeld wird immer größer, neue Stationen werden ge—
gründet, die Zahl der Arbeiter vermehrt sich von Jahr zu Jahr,
die Predigt von Christo bringt immer mehr Früchte, unser
Schulwesen wächst erfreulich. Da ist's denn ganz natürlich,
daß immer neue, und zwar wichtige Fragen an die Missionare
und die Missionskommission herantreten. Und die richtige Be⸗
antwortung mancher dieser Fragen ist durchaus nicht leicht.
Unsere Mission ist noch verhältnismäßig jung, und dabei arbei—
ten wir in einem fremden Lande unter einem heidnischen Volke,
dessen Sprache, Sitten und Denkweise uns fremd sind. Dazu
kommt noch, daß in Indien die politischen, gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Verhältnisse grundverschieden sind von denen
in der Heimat. Es ist daher kein Wunder, wenn wir immer
wieder vor neue Fragen und Probleme gestellt werden, die mit
großer Vorsicht erwogen und mit Gottes Hilfe richtig gelöst
werden müssen, soll das Werk des SErrn hier einen fröhlichen
Fortgang nehmen. Und solche Fragen waren es, die insonder⸗
heit die Konferenz beschäftigten.

Eins der stärksten Bollwerke unserer Kirche ist und bleibt
die Kinderschule. Das gilt auch von unserer Heidenmis⸗
sion. Und so haben denn unsere lieben Missionare darüber
beraten, wie unsere Schulen hier gehoben und gefördert werden
können. Man hat darüber beraten, wie unsere eingeborenen
Christen auch durch Lesestoff in der Erkenntnis gefördert wer⸗
den könnten, etwa durch Herausgabe einer tamulischen Postille
und eines kleinen Kirchenblattes. Der treue Gott hat uns
durch die Opferfreudigkeit unserer lieben Frauen, Jungfrauen
und Kinder das schon so lange erwünschte und erflehte Berg⸗
heim geschenkt. Der Ankauf und die richtige Verwaltung
desselben machten eingehende Beratung nötig. Da unsere Mis⸗
sion größeren Umfang angenommen hat, so waren mancherlei
Ordnungen zu entwerfen und der Ehrw. Kommission zur Er—
wägung zu unterbreiten. Kurz, es lagen der Konferenz so
viele Gegenstände zur Besprechung vor, daß nur die wichtig⸗
sten erledigt werden konnten. Die andern wurden zurückgelegt
bis zur dritten Allgemeinen Konferenz, die, will's Gott, etwa
Ende Januar im nördlichen Gebiete gehalten werden soll.

Ja, die Konferenz hat sehr fleißig gearbeitet. Was den
Unterzeichneten aber sonderlich erfreut und mit Lob und Dank
gegen Gott erfüllt hat, war der Umstand, daß alle diese Be⸗
ratungen, in denen die Ansichten ja oft weit auseinander⸗
gingen, in herzlichster, christbrüderlicher Einigkeit geführt
wurden. Man merkte es den lieben Missionaren an: die Ehre
Gottes und die Förderung des heiligen Missionswerkes liegt
ihnen vor allen Dingen am Herzen. Auf diesen Endzweck
zielten alle ihre Beratungen, Vorschläge und Pläne ab. Und
was ist das Band, das unsere lieben Missionare so innig ver⸗
bindet? Nichts anderes als unser allerheiligster Glaube. Das
ist es, was die Einigkeit im Geist unter ihnen bewahrt und
fördert. Das ist es auch, was sie anspornt zum Eifer und zur
Treue in der Erfüllung ihres schweren Berufs. Und so schloß
die Konferenz denn ihre Beratungen mit dem Liede Nr. 165:
„Ach, bleib bei uns, HErr IEsu Christ“, dem gemeinsamen

Bekenntnis des Apostolischen Symbolums und dem heiligen

Vaterunser.

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