Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 8 › Seite 57
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-11, Seite 57
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verennmieſchriſten 7 · Berenntnisſchriften 3
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 6. St. Louis, Mo., den 11. December 1849. No. 8.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
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Die Inauguralrede Herrn Dr. Sprechers.
In der Nummer des „Lutheran Observer“ vom 26. October d. J. finden wir einen Extract aus einer von Dr. S. Sprecher, Präsidenten des Wittenberg-College zu Springfield in Ohio, jüngst gehaltenen Inauguralrede. Darin heißt es u. A. folgendermaßen:
„Unser Standpunkt ist dieser, daß, indem wir als Lutheraner unsere eignen Symbole vorziehen, wir dieselben als einen Auszug und gewissermaßen als eine geschichtliche Nachricht von unseren Lehren verehren und nach der Form, in welcher sie die Wahrheit vortragen, lehren, um ein gutes Verständniß unter uns zu bewirken, die wir Arbeiter in demselben Theile des Weinbergs des HErrn sind; daß wir es ferner nicht für nöthig ansehen, unsere Gewissen zu mehr zu verbinden, als was nun auch von allen (andern) evangelischen Christen als Fundamentallehre der Bibel betrachtet wird. Wir sind allein verbunden zu glauben, daß der erhabene Plan des Evangeliums in der Augsburgischen Confession gelehrt wird. Dies ist der Standpunkt, welchen die Generalsynode und die amerikanisch-lutherische Kirche im Allgemeinen eingenommen hat, und derselbe scheint der der Kirche in den früheren und reineren Tagen der Reformation gewesen zu sein. Bei Lebzeiten Luthers wurden die damals existirenden Symbole der Kirche von ihren Verfassern und Andern nicht als in aller Rücksicht mit verpflichtendem Ansehen bekleidet oder als für die Nachkommen bindend, sondern als ihr Glaubensbekenntniß und als ihr Zeugniß von der Wahrheit betrachtet. Sie wurden daher für solche Bekenntnisse angesehen, welche noch Abänderungen und Verbesserungen zulassen.“
Mit nicht geringer Verwunderung haben wir diesen Passus gelesen. Das befremdet uns freilich nicht, daß der methodistische Apologet von der ganzen Rede schreibt: „Dieselbe sollte als Tractat in deutscher Sprache gedruckt und jedem Gliede einer deutschen lutherischen Gemeinde übergeben werden.“ Denn allerdings wäre diese Rede ein geeignetes Mittel, unseren Lutheranern den lutherischen Glauben, wo er noch ist, aus dem Herzen zu reißen und sie den Methodisten oder irgend einer andern Secte zuzutreiben. Heißt es doch darin deutlich, daß die hiesigen lutherischen Lehrer sich so auf die lutherischen Symbole verpflichtet ansehen, daß sie nichts zu glauben hätten als was von allen sogenannten evangelischen Christen für ihre Fundamentallehren anerkannt würde! Was sollen wir aber dazu sagen, daß Obiges aus der Feder des Präsidenten eines lutherisch sich nennenden Collegiums geflossen ist? Abgesehen davon, daß, aus Obigem zu schließen, Herr Dr. Sprecher jedenfalls nur satyrischer Weise sich selbst einen Lutheraner nennt, wußten wir auch bei Durchlesung der aufgeführten Behauptungen nicht, wie ein nur einigermaßen gebildeter Mann dergleichen aufstellen könne. Wir dachten: erstlich muß der gelehrte Mann, was er hiermit niederschrieb, jedenfalls nicht bedacht haben, wenn er behauptet, unsere Väter haben die Symbole als ihr Glaubensbekenntniß und als ihr Zeugniß von der Wahrheit betrachtet, und dieselben dennoch für änderungs- und verbesserungsfähig angesehen, denn damit widerspricht der Herr Präsident offenbar sich selbst. Oder sollte er unsere Väter wirklich für Leute ansehen, welche einen ungewissen „Glauben“ (was geradezu ein Unding ist, Ebr. 11, 1.) gehabt, Ansichten, Probleme als ihren Glauben bekannt, selbst die „Wahrheit“ für ein schillerndes Chamäleon gehalten und auf solche Phantome von Glauben und Wahrheit jeden Augenblick zu sterben sich bereit erklärt haben? — Bei Durchlesung des Obigen wollte es uns aber auch ferner zweifelhaft werden, ob, wenn nicht die ganze Rede eine Ironie ist, der Herr Doctor die ersten Symbole unserer Kirche wohl je einer aufmerksamen Durchlesung, noch mehr aber, ob er den betreffenden Theil der Kirchengeschichte seines Studiums gewürdigt habe; denn beides hätte ihn bewahren müssen, mit Obigem im Ernste vor das Publikum zu treten.
Unsere Bekenntnisse erklären sich keineswegs für bloße „geschichtliche Nachrichten und Zeugnisse“ des Glaubens, den man eben zur Zeit ihrer Abfassung von Seiten der sogenannten Lutheraner gehabt habe, der eben so wohl falsch, als wahr sein könne und daher einer Abänderung oder Verbesserung fähig sei, sondern, obwohl nicht für Quellen und Regeln des Glaubens, doch für Zeugnisse, wie und daß man damals die ewige unveränderliche Wahrheit gehabt und festgehalten und den einen unveränderlichen Glauben der Einen allgemeinen christlichen Kirche bekannt habe. So heißt es daher am Schlusse der „Artikel des Glaubens und der Lehre“ in der ungeänderten Augsburgischen Confession: „Dieß ist fast die Summa der Lehre, welche in unsern Kirchen zu rechtem christlichen Unterricht und Trost der Gewissen, auch zur Besserung der Gläubigen geprediget und gelehret ist; wie wir denn unsere eigenen Seelen und Gewissen je nicht gerne wollten vor Gott mit Mißbrauch göttlichen Namens oder Wortes in die höchste und größte Gefahr setzen, oder auf unsere Kinder und Nachkommen eine andere Lehre, denn so dem reinen göttlichen Wort und christlicher Wahrheit gemäß, fällen oder erben. So denn dieselbige in heiliger Schrift klar gegründet, und dazu auch gemeiner christlicher, ja römischer Kirchen, so viel aus der Väter Schrift zu vermerken, nicht zuwider, noch entgegen ist, so achten wir, auch unsere Widersacher können in obangezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein.“ Hätten nun die ersten lutherischen Confessoren gemeint, die Augsburgische Confession sei dennoch änderungs- und verbesserungsfähig, so hätten sie nach obiger Erklärung gotteslästerlicher Weise das heilige Wort Gottes und die christliche Wahrheit selbst ändern und verbessern zu können geglaubt. So heißt es aber auch ferner nach Aufzählung der „Mißbräuche“ am Schlusse des Ganzen, daß alle diese Artikel darum so gestellt seien, „damit ja keine neue und gottlose Lehre sich in unseren Kirchen einflechte, einreiße und überhandnehme“. Nach diesen Worten ist es sonnenklar, daß die Urheber der Confession selbige allerdings für maaßgebend und bindend für alle Glieder der wahren Kirche haben ange-
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine pure shall to eternity endure."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 6. St. Louis, Mo., December 11, 1849. No. 8.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for subscribers living out of town, who are to pay it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.
Only those letters which contain communications for the paper are to be addressed to the editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent hither under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
The Inaugural Address of Dr. Sprecher.
In the number of the "Lutheran Observer" of the 26th of October of this year we find an extract from an inaugural address recently delivered by Dr. S. Sprecher, President of Wittenberg College at Springfield in Ohio. Therein it says, among other things, as follows:
"Our position is this, that while as Lutherans we prefer our own symbols, we revere them as an abstract and in a certain measure as a historical record of our doctrines, and teach according to the form in which they present the truth, in order to effect a good understanding among us, who are laborers in the same part of the vineyard of the LORD; that we furthermore do not regard it as necessary to bind our consciences to more than what is now also regarded by all (other) evangelical Christians as the fundamental doctrine of the Bible. We are bound only to believe that the sublime plan of the Gospel is taught in the Augsburg Confession. This is the position which the General Synod and the American Lutheran Church in general have taken, and the same appears to have been that of the Church in the earlier and purer days of the Reformation. In Luther's lifetime the symbols of the Church then existing were regarded by their authors and others not as clothed in every respect with obligatory authority or as binding upon posterity, but as their confession of faith and as their testimony to the truth. They were therefore regarded as confessions which still admit of alterations and improvements."
We have read this passage with no small astonishment. It does indeed not surprise us that the Methodist Apologist writes of the whole address: "The same ought to be printed as a tract in the German language and given to every member of a German Lutheran congregation." For this address would indeed be a suitable means of tearing the Lutheran faith, where it still exists, out of the heart of our Lutherans and driving them to the Methodists or to some other sect. For it says plainly therein that the Lutheran teachers in this country regard themselves as so bound to the Lutheran symbols that they would have to believe nothing but what is acknowledged by all so-called evangelical Christians as their fundamental doctrines! But what shall we say to the fact that the above has flowed from the pen of the president of a college calling itself Lutheran? Apart from the fact that, to judge from the above, Dr. Sprecher at any rate calls himself a Lutheran only in a satirical manner, we did not know, in reading through the assertions cited, how a man of even moderate education could put forward the like. We thought: first, the learned man must at any rate not have considered what he here wrote down, when he asserts that our fathers regarded the symbols as their confession of faith and as their testimony to the truth, and yet held them to be capable of alteration and improvement; for thereby the Herr President plainly contradicts himself. Or should he really regard our fathers as people who had an uncertain "faith" (which is simply an absurdity, Heb. 11:1), who professed opinions and problems as their faith, who held even the "truth" to be a shimmering chameleon, and who declared themselves ready at any moment to die for such phantoms of faith and truth? — In reading through the above it also grew doubtful to us, if the whole address is not an irony, whether the Herr Doctor has ever given the first symbols of our Church an attentive perusal, but still more whether he has deemed the relevant part of church history worthy of his study; for both would have had to keep him from stepping before the public in earnest with the above.
Our Confessions by no means declare themselves to be mere "historical records and testimonies" of the faith which the so-called Lutherans just happened to have at the time of their composition, which might just as well be false as true and therefore be capable of alteration or improvement, but, although not sources and rules of faith, yet testimonies of how and that men at that time had and held fast the eternal unchangeable truth and confessed the one unchangeable faith of the One universal Christian Church. Thus it says at the close of the "Articles of Faith and Doctrine" in the Unaltered Augsburg Confession: "This is nearly the sum of the doctrine which in our churches has been preached and taught for proper Christian instruction and comfort of consciences, also for the betterment of believers; as indeed we would not willingly put our own souls and consciences in the highest and greatest danger before God by misuse of the divine name or Word, or bequeath to our children and posterity any other doctrine than such as is in accordance with the pure divine Word and Christian truth. Since then the same is clearly grounded in Holy Scripture, and moreover is not contrary or opposed to the universal Christian, yea, Roman Church, so far as can be gathered from the writings of the Fathers, we think that our adversaries also cannot be at variance with us in the articles above set forth." Had the first Lutheran confessors now meant that the Augsburg Confession was nevertheless capable of alteration and improvement, they would, according to the above declaration, have believed in a blasphemous manner that they could alter and improve the holy Word of God and the Christian truth itself. But thus it also says further, after the enumeration of the "abuses," at the close of the whole, that all these articles were so framed "in order that no new and ungodly doctrine might creep into our churches, break in, and gain the upper hand." After these words it is as clear as the sun that the authors of the Confession certainly held it authoritative and binding for all members of the true Church, and wished it to be re-