Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 8 › Seite 60

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-11, Seite 60

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeglied 15 · Lutheriſche Kirche

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Sünder für seine Person verkündigt werden, und wer sie im Glauben annimmt, der hat, was sie sagt. Wir sind weit entfernt, die Gewalt, zu absolviren, als eine einem gewissen Priesterstand anklebende Gewalt, wie die Römischen, anzusehen. Wir bekennen uns von Herzen zu dem Ausspruche Luthers in seiner Kirchenpostille: „Darum muß man es recht verstehen, wenn Christus spricht: „„Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen““ ꝛc., daß da nicht wird eingesetzt die Gewalt deß, der da spricht, sondern deren, die da gläuben.“ (S. Predigt über das Ev. am Sonntag Quasimod.)

(Eingesandt von Dr. Sihler.)

Merkwürdiges Zeugniß des Miethspredigers Hrn. W. Suhr in Cincinnati.

(Schluß.)

Der Herr Suhr behauptet zwar an einer andern Stelle, es sei unmöglich, daß Laien einen Prediger überführen könnten, er habe unrecht gepredigt wider die Bibel oder die Symbole der Kirche;*) aber diese Behauptung thut Herr Suhr wahrscheinlich nur aus der Erkenntniß von der Beschaffenheit seiner und ähnlicher Gemeinden; und man weiß kaum, wer mehr zu bedauern ist, der Herr Suhr oder seine Gemeinde; denn jeder ehrliebende kirchlich gesinnte Prediger, der Gottes Wort rein und lauter predigt, hat sicherlich mindestens einige rechtgläubige Gemeindeglieder, die mit ihrem Katechismus vergleichen, was er predigt, welche Prüfung ihm auch herzlich lieb ist, und wozu er gern alle heranzubilden sucht. Kläglich steht es aber da, wo die Gemeinde gar nicht „richten“ kann, was der Prediger sagt, und wo dieser am Ende ganz wohl damit zufrieden ist, daß sie nicht alles verstehen, was er sagt. — Da sind Lehrer und Hörer einander werth, zumal wenn diese sich einen aufgeladen haben, darnach ihnen die Ohren jücken, und jener ihnen die Fabeln und selbstklugen Einfälle des „gesunden Menschenverstandes“ auftischt, statt Gottes festes und gewisses Wort und die Wahrheit zur Seligkeit.

*) Welch ein kläglicher Rationalist, ja leichtfertiger Spötter besagter Herr Suhr übrigens, seiner innern Gesinnung nach, ist, wird aus diesen seinen Worten klar: „Ja wenn es auch einmal gelingen sollte, es ihm auf die Rechnung zu bringen, daß er nach dem Urtheil eures gesunden Menschenverstandes (dieser also, nicht die heilige Schrift, ist nach Herrn Suhr der Richter in geistlichen und göttlichen Dingen) Unsinn gepredigt habe — wird er euch nicht mit dem Bescheide nach Hause schicken, daß eben bei euch verständigen Leuten die Vernunft noch nicht unter den Glauben gefangen genommen sei und daß ihr deshalb nicht urtheilen könnet über Sinn oder Unsinn auf der Kanzel? Er müsse das wissen, wird er euch sagen, und euch zu eurer Beschämung und Besänftigung zugleich eine gläubige Fürbitte bei Gott versprechen (man höre den gottlosen Spötter), daß er euch doch erleuchtete Augen geben wolle, damit ihr in Zukunft nicht wieder unergründliche Offenbarungen des unbegreiflichen Gottesgeistes mit Unsinn verwechselt.“

Wie aber über die Lehre, so steht auch über das Leben und den Wandel des Predigers der Gemeinde eine gewisse Art der Ueberwachung zu; und es wäre in der That ein roher, gottloser Haufe, aber keine christliche Gemeinde, die nicht, obwohl ohne alles bösliche Mißtrauen, sorgfältig Acht hätte, ob ihr Prediger auch lebe, wie er lehre; denn selbst verwilderte Leute, die einerseits herzlich begehren und das Ihre dazu thun, daß ihr Pastor, ihr Mr. N. N., sich ihnen gleichstelle, mit ihnen saufe, spiele ꝛc., damit er sie nicht darüber strafen könne, selbst solche Leute verachten ihn deshalb in ihren Herzen und sprechen sich auch gelegentlich mißbilligend über seinen Wandel aus, da sie wohl wissen, daß ein Diener der Kirche sich nicht so lose und ungeistlich betragen solle.

Wir behaupten daher nach einer Seite noch viel mehr, als Herr Suhr, nemlich daß die Gemeinde nicht etwa nur alljährlich ihr Gefallen oder Mißfallen an ihrem Prediger an den Tag legen solle, sondern daß sie allezeit mit hellen und scharfen Augen auf seine Lehre und sein Leben merke und beides nach Gottes Wort beurtheile, was jedem rechtschaffenen Prediger nur lieb und erwünscht ist. Auch macht er keineswegs einen Anspruch, von der Ordnung Christi in den Stufen der brüderlichen Ermahnung nach Matth. 18, 15—17. ausgenommen zu werden. Denn natürlich auch auf jeden Prediger leiden dieselben ihre Anwendung, wenn er gegen Einzelne gesündigt hat; hat er aber öffentlich falsch gelehrt oder ein Aergerniß in seinem Wandel gegeben, so muß er billig, wie jeder andere, auch öffentlich widerrufen und öffentlich Abbitte thun, nöthigen Falls aber, d. i. wenn er beides nicht thut, von der Gemeinde seines Amtes entsetzt, für einen Heiden und Zöllner gehalten und wo möglich auch mit durch die Synode oder die Mitwirkung anderer glaubensverwandter Gemeinden in den Bann gethan, d. i. aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen werden. Dieses Verfahren aber geschieht durchaus nach der Regel und Ordnung Gottes in seinem Wort und deshalb wird sich jeder treue Prediger demselben gern unterwerfen und nicht auf gut papistisch wähnen, daß er als eine sogenannte geheiligte Person und wie eine Art Mittler zwischen Gott und der Gemeinde über deren Urtheil und Richtamt hoch erhaben und nur seinen geistlichen Obern unterworfen sei.

Ganz anders aber ist jenes Verfahren, das Herr Suhr wider Gottes Wort auf gut amerikanisch als eine Pflicht der Gemeinde vorgibt, nemlich: „durch Abstimmung alljährlich ihr Gefallen oder Mißfallen an ihrem Prediger an den Tag zu legen“. Hier ist zum Ersten kein Wörtlein gesagt, was denn eigentlich allein „das Gefallen oder Mißfallen der Gemeinde an ihrem Prediger“ bestimmen solle und dürfe? an welchen Maßstab das Urtheil über ihn zu halten sei? Herr Suhr hat dies nun entweder abermals nicht gewußt, oder er hat es wohlweislich nicht gesagt, damit es ihm nicht am Ende selber zum Nachtheil gereiche, und auf daß er zugleich seinen demokratischen Wählern wohlgefalle. Was kann aber allein dieser Maßstab sein? nichts anderes, als die reine Lehre des göttlichen Wortes und die Unsträflichkeit und Sittlichkeit des Wandels in dem Prediger. Findet die Gemeinde beides vor, so muß sie nothwendig ihr „Gefallen“, findet sie es nicht vor, so muß sie sicherlich ihr „Mißfallen“ an dem Prediger an den Tag legen, wenn sie nemlich eine wahrhaft christlich- und kirchlich-gesinnte Gemeinde ist. Ist sie aber dem Wesen nach keine, sondern ein weltlustiger, zuchtloser Haufen, so wird sie freilich, als „souveräne Gewalt“ und in ihrer „göttlichen Autorität“, da ihr allerhöchstes „Mißfallen“ an den Tag zu geben geruhen, wo ihr Prediger Gottes Wort, wie es lautet, predigt, und z. B. durch gründliche Auslegung der heiligen zehn Gebote ihre fleischliche Freiheit, ihre Hoffahrt, ihre Geldgier, ihren Geiz, ihre Augen- und Fleischeslust ernstlich straft, damit sie, ob Gott wollte, zuerst zur heilsamen Erkenntniß der Sünde gelangte. Dagegen wird sie umgekehrt ihr großes „Gefallen“ nicht verhalten, wenn ihr Prediger sie um ihr Seelenheil belügt und betrügt, wenn er ihr schmeichelt und schwanzwedelt, wenn er ihr freches, zügelloses Wesen Freiheit, ihre Hoffahrt edlen Stolz und Selbstgefühl, ihre Geldgier kluge Benützung der Umstände, ihren Geiz weise Sparsamkeit, ihr Fressen, Saufen, Spielen, Tanzen ꝛc. erlaubten Lebensgenuß, Summa ihren Unglauben Herrschaft des „gesunden Menschenverstandes“, ihre Zuchtlosigkeit, ja Gottlosigkeit, „Majestät und Souverainität (Oberherrlichkeit) des Volks“ nennt. Und dieses ihr Gefallen wird sich noch steigern, wenn ihr Zeit- und Miethprediger diese treffliche Lehre mit seinem Wandel und Exempel bestätigt und z. B. den erlaubten Lebensgenuß des Fressens, Saufens, Spielens und Tanzens mitmacht.

Zum Andern soll, nach Herrn Suhrs trefflicher Bestimmung, „durch Abstimmung“ das Gefallen oder Mißfallen der Gemeinde an ihrem Prediger an den Tag gelegt werden.

Angenommen also z. B., eine Gemeinde in C. habe einen Prediger des „gesunden Menschenverstandes“ und des erlaubten Lebensgenusses und neun Zehntheil seiner gleichgesinnten Gemeinde trage deßhalb großes „Gefallen“ an ihrem Seelenmörder, so wird sie natürlich sehr beflissen sein, ihn alljährlich von Neuem zu wählen. Und da sie die Mehrzahl ist, so wird das eine Zehntheil, das etwa noch einige Spuren von Gottesfurcht und Bibelglauben hat und deßhalb an der Lehre und dem Leben ihres bisherigen Predigers ein großes „Mißfallen“ trägt, überstimmt; und wenn diese Minderzahl, die nach Gottes Wort im Recht steht, noch nicht genug Entschiedenheit des Glaubens hat, nach vergeblichem Zeugniß wider den falschen Lehrer einen treuen für sich zu berufen, so ist sie genöthigt, den Wolf und Miethling auch mit zu behalten, da eben, nach Herrn Suhr, Gottes Wort und die Ueberzeugung daraus nicht entscheiden soll, sondern menschliches Gutdünken und die Zahl der Stimmen.

Abstimmung aber in Sachen des Kirchenregiments findet nur da Statt, wo nicht, wie hier, Gottes klares Wort die Entscheidung abgibt, sondern wo es sich um Fragen handelt, die nicht den

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sinner for his own person, and whoever receives it in faith has what it says. We are far from regarding the power to absolve as a power attached to a certain priestly order, like the Roman. We confess with all our heart the saying of Luther in his Kirchenpostille: "Therefore one must understand it rightly when Christ says: ''Whose soever sins ye remit, they are remitted unto them,'' etc., that there is not established thereby the power of him who speaks, but of those who believe." (See sermon on the Gospel for the Sunday Quasimodogeniti.)

(Contributed by Dr. Sihler.)

Remarkable Testimony of the Hireling Preacher Mr. W. Suhr in Cincinnati.

(Conclusion.)

Mr. Suhr asserts, to be sure, in another place, that it is impossible for laymen to convict a preacher of having preached wrongly against the Bible or the symbols of the Church;*) but Mr. Suhr makes this assertion probably only from his knowledge of the character of his own and similar congregations; and one hardly knows who is more to be pitied, Mr. Suhr or his congregation; for every honor-loving preacher of churchly mind who preaches God's Word purely and clearly has surely at least a few orthodox members of the congregation who compare with their Catechism what he preaches, which examination is also heartily welcome to him, and to which he gladly seeks to train them all. But it is pitiable where the congregation cannot at all "judge" what the preacher says, and where he in the end is quite well content that they do not understand everything he says. — There teachers and hearers are worthy of one another, especially when the latter have heaped to themselves a teacher, after whom their ears itch, and he serves them up the fables and self-wise conceits of "sound common sense," instead of God's firm and certain Word and the truth unto salvation.

*) What a pitiable rationalist, yea frivolous scoffer, the said Mr. Suhr is, by the way, according to his inner disposition, is made clear by these his words: "Yes, if it should once succeed in charging it to his account that according to the judgment of your sound common sense (this, therefore, not Holy Scripture, is according to Mr. Suhr the judge in spiritual and divine things) he has preached nonsense — will he not send you home with the answer that precisely among you sensible people reason has not yet been taken captive under faith, and that you therefore cannot judge about sense or nonsense in the pulpit? He must know that, he will tell you, and at the same time promise you, to your shame and soothing, a believing intercession with God (hear the godless scoffer) that he would give you enlightened eyes, so that in future you may not again confound unfathomable revelations of the incomprehensible Spirit of God with nonsense."

As, however, over the doctrine, so also over the life and conduct of the preacher a certain kind of oversight belongs to the congregation; and it would indeed be a rude, godless mob, but no Christian congregation, that would not, though without any malicious distrust, carefully take heed whether its preacher also lives as he teaches; for even dissolute people, who on the one hand heartily desire and do their part that their pastor, their Mr. N. N., should put himself on a level with them, carouse with them, gamble, etc., so that he may not be able to reprove them for it, even such people despise him on that account in their hearts and occasionally express themselves in disapproval of his conduct, since they well know that a servant of the Church ought not to behave so loosely and unspiritually.

We therefore maintain on one side much more than Mr. Suhr, namely that the congregation should not merely once a year show its pleasure or displeasure with its preacher, but that it should at all times with bright and sharp eyes observe his doctrine and his life and judge both by God's Word, which is only welcome and desirable to every upright preacher. Nor does he by any means make a claim to be exempted from the order of Christ in the steps of brotherly admonition according to Matth. 18:15-17. For naturally the same apply also to every preacher, when he has sinned against individuals; but if he has taught falsely in public or given offense in his conduct, he must in fairness, like everyone else, also publicly recant and publicly make apology, and if need be, that is, if he does neither, be deposed from his office by the congregation, be held as a heathen man and a publican, and where possible, also with the cooperation of the Synod or of other congregations of the same faith, be put under the ban, that is, be excluded from the communion of the Church. This procedure, however, takes place wholly according to the rule and order of God in His Word, and therefore every faithful preacher will gladly submit to it, and not, in good papistical fashion, imagine that as a so-called consecrated person and a kind of mediator between God and the congregation he is far exalted above its judgment and office of judging and subject only to his spiritual superiors.

Quite different, however, is that procedure which Mr. Suhr, contrary to God's Word, in good American fashion pretends to be a duty of the congregation, namely: "to show yearly by a vote its pleasure or displeasure with its preacher." Here, first, not a word is said as to what, then, alone is to and may determine "the pleasure or displeasure of the congregation with its preacher"? by what standard the judgment of him is to be held? Mr. Suhr has either again not known this, or he has prudently not said it, lest it should in the end redound to his own disadvantage, and in order that he may at the same time please his democratic electors. What, however, can this standard alone be? nothing else than the pure doctrine of the divine Word and the blamelessness and morality of conduct in the preacher. If the congregation finds both, it must of necessity show its "pleasure"; if it does not find it, it must surely show its "displeasure" with the preacher, if it is, namely, a truly Christian and churchly-minded congregation. But if it is such in nature none, but a worldly-minded, unruly mob, then it will indeed, as "sovereign power" and in its "divine authority," be pleased to show its most exalted "displeasure" where its preacher preaches God's Word as it reads, and, for example, by a thorough exposition of the holy Ten Commandments earnestly rebukes its fleshly liberty, its pride, its covetousness, its avarice, its lust of the eyes and of the flesh, in order that it might, if God so willed, first arrive at the wholesome knowledge of sin. On the other hand it will, conversely, not withhold its great "pleasure" when its preacher lies to and deceives it about its soul's salvation, when he flatters it and fawns upon it, when he its brazen, unbridled nature liberty, its pride noble pride and self-respect, its covetousness prudent use of circumstances, its avarice wise thrift, its gluttony, drinking, gambling, dancing, etc., permitted enjoyment of life, in sum its unbelief dominion of "sound common sense," its unruliness, yea godlessness, "majesty and sovereignty (supremacy) of the people," calls. And this its pleasure will increase still more if its time-serving hireling preacher confirms this excellent doctrine with his conduct and example and, for instance, takes part in the permitted enjoyment of gluttony, drinking, gambling and dancing.

In the second place, according to Mr. Suhr's excellent provision, the pleasure or displeasure of the congregation with its preacher is to be shown "by a vote."

Suppose, then, for example, that a congregation in C. has a preacher of "sound common sense" and of permitted enjoyment of life, and nine tenths of his like-minded congregation therefore bear great "pleasure" in their soul-murderer; then it will naturally be very zealous to elect him anew every year. And since it is the majority, the one tenth, which perhaps still has some traces of fear of God and Bible faith and therefore bears great "displeasure" at the doctrine and life of its present preacher, is outvoted; and if this minority, which according to God's Word is in the right, has not yet enough decision of faith, after fruitless testimony against the false teacher, to call a faithful one for itself, then it is compelled to keep the wolf and hireling also, since, according to Mr. Suhr, God's Word and the conviction drawn from it are not to decide, but human opinion and the number of votes.

A vote, however, in matters of church government takes place only where, as here, God's clear Word does not give the decision, but where it is a question of matters which do not the