Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 8 › Seite 58

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-11, Seite 58

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 5

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sehen wissen wollen, und daß es allerdings in ihrem Sinne lag, mit derselben eine Schutzwehr gegen allerlei Leute aufzurichten, die etwa unter lutherischem Namen allerlei „neue“ Lehren in die Kirche würden einschmuggeln wollen. Man höre jedoch weiter auch die Apologie. In der Vorrede derselben heißt es nemlich u. A., es sei darin Lehre und Gegenlehre also gefasset, „daß bei hohen und niedern Ständen, bei den jetzigen und unsern Nachkommen, bei allen eingebornen Deutschen, auch sonst aller Welt, allen fremden Nationen ein klar Zeugniß vor Augen sei und ewig stehen bleibe, daß wir rein, göttlich, recht von dem Evangelio Christi gelehret haben“. Ferner schreibt Luther in der Vorrede zu den Schmalkaldischen Artikeln: „Ward mir befohlen“, nemlich von den evangelischen Ständen Augsburgischer Confession, „Artikel unserer Lehre zu stellen und zusammen zu bringen, ob's zur Handlung käme, was und wie ferne wir wollten oder könnten den Papisten weichen, und auf welchen wir gedächten endlich zu beharren und zu bleiben. Demnach habe ich diese Artikel zusammen gebracht und unserem Theil überantwortet, die sind auch von den Unsern angenommen und einträchtiglich bekennet, und beschlossen, daß man sie solle ... öffentlich überantworten und unser Glaubensbekenntniß fürbringen.“

Hieraus ist klar zu ersehen, daß sich schon unsere ersten zu Luthers Zeit aufgezeichneten Symbole allerdings als bindend für jedermann ankündigen, der für ein Glied, viel mehr der für einen Prediger der wahren rechtgläubigen christlichen oder damals schon so genannten lutherischen Kirche angesehen sein wollte.

Es ist aber jedem, welcher mit der Geschichte des Reformationszeitalters nur einigermaßen vertraut ist, auch aus der Geschichte bekannt, daß unsere öffentlichen Bekenntnisse in unserer Kirche von Anfang an ein normatives, bindendes Ansehen gehabt haben. Dies bezeugen jedermänniglich schon die Verfasser der Concordienformel: „Wir haben uns“, schreiben sie, „gegen einander mit Herzen und Mund erkläret, daß wir keine sonderliche oder neue Bekenntnisse unsers Glaubens machen oder annehmen wollen: sondern uns zu den öffentlichen allgemeinen Schriften bekennen, so für solche Symbole oder gemeine Bekenntnisse in allen Kirchen der Augsburgischen Confession je und allewege, ehe denn der Zwiespalt unter denen, so sich zur Augsburgischen Confession bekannt, entstanden“ (also gerade „bei Lebzeiten Luthers“) „und so lange man einhelliglich allenthalben in allen Artikeln bei der reinen Lehre göttlichen Worts (wie sie Dr. Luther seliger erkläret) geblieben, gehalten und gebraucht worden.“ Und hierauf werden eben alle bei Luthers Lebzeiten bereits existirenden Symbole, die ökumenischen Bekenntnisse, die Augsburgische Confession, deren Apologie, die Schmalkaldischen Artikel, und Luthers großer und kleiner Katechismus, namhaft gemacht. (S. Wiederholung. Von dem summar. Begriff, ꝛc. Seite 514 ff. New Yorker Ausg.)

Es ist aber auch geschichtliche Thatsache, daß bereits 1533 auf Veranstaltung Luthers, Justus Jonas' und Bugenhagens die Einrichtung zu Wittenberg bestand, daß alle, welche hier an der Universität oder sonst angestellt werden sollten, nicht nur die in der theologischen, sondern auch in den andern Facultäten Promovirenden, eidlich versprechen mußten, „daß sie die unverfälschte Lehre des Evangeliums annehmen, und zwar dieselbe so verstehen wollten, wie sie im Apostolischen, Nicänischen und Athanasianischen Symbol befaßt, und in dem Bekenntniß auseinandergelegt, welches dem Kaiser Karl V. auf dem Reichstage zu Augsburg 1530 übergeben; daß sie mit Gottes Hülfe bei dieser Meinung standhaft beharren, und ihr Amt in der Kirche treu verwalten, endlich daß sie, bei sich erhebenden neuen Lehrstreitigkeiten, worüber die klare Entscheidung der Kirche noch nicht vorlag, mit den Aeltesten in dieser und verbundenen Kirchen sich berathen wollten.“ (Siehe: Melanchthonis Oratio, in qua refutatur calumnia Osiandri.) Als daher im Jahre darauf Melanchthon die Statuten der theologischen Facultät zu Wittenberg entwarf, wurde diese Bestimmung von ihm in dieselben aufgenommen. Es sollte, berichtet Dr. Rudelbach in seiner historisch-kritischen Einleitung in die Augsburgische Confession, nach dem zweiten Gesetz dieser Constitution „die vornehmste Sorge dieses Collegii dahin gehen, die reine Lehre des Evangeliums vorzutragen und zu handhaben, welche in den Prophetischen und Apostolischen Schriften enthalten, mit welchen die ökumenischen Symbole übereinstimmen; diese allein wahre und unwandelbare Lehrart, welche der perpetuus Catholicae ecclesiae Dei consensus (der ununterbrochene Consens der allgemeinen Kirche Gottes) sei, wolle man gelehrt und vertheidigt wissen; es sei dieselbe, welche unsere Kirche in dem auf dem Reichstage zu Augsburg übergebenen Bekenntnisse befaßt habe; daher werde aufs strengste verboten, irgend welche Meinungen auszustreuen und zu behaupten, die mit jener Einhelligkeit und dem Augsburgischen Bekenntnisse streiten.“ Als daher der berüchtigte unruhige Kopf Andr. Osiander, Prediger und Professor zu Königsberg, die Kirche mit seiner falschen Lehre von der Rechtfertigung vergiften wollte, dieser Plan aber daran scheitern mußte, daß die lutherischen Prediger und Professoren auf die ungeänderte Augsburgische Confession eidlich verpflichtet waren, da schrieb jener unruhige und hochmüthige Mann gegen Melanchthon: „Der in Wittenberg gemachte Magister und Doctor ist ein armer gefangener Mann, mit Eidespflichten in seinem Gewissen verstrickt und verwirrt. Denn er hat Gottes Wort verschworen, hat ihm den Knebel lassen ins Maul binden, daß er in wichtigen Sachen des Glaubens nichts Schließliches reden wolle, er habe es denn zuvor mit den Aeltesten, so die Confession festhalten, berathschlagt, und mit denselben muß er bei seinem Eid bleiben, in der Einhelligkeit der Confession, wenn schon die heilige Schrift ein anderes sagt, oder muß sich eidbrüchig schelten lassen. Ist also ein heimlicher Bundesgenosse einer solchen Conspiration, die mehr auf Menschen, denn auf Gottes Wort sieht, und dieselbe der Christenheit nicht wenig schädlich ist.“*) (A. Osianders Widerlegung der ungegründeten Antwort Phil. Melanchthons wider sein Bekanntnuß. Königsberg, 1552.) Hierauf antwortete Melanchthon, wie uns wiederum Dr. Rudelbach a. a. O. mittheilt, „daß die Freiheit, welche Osiander in Anspruch nehme, ein Unding sei, während die heilige Schrift lehre, Gott sei nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, daß man keineswegs unüberlegt oder ohne Veranlassung zu jener Maßregel geschritten sei, sondern sie, theils um die auftauchenden Schwärmereien zu ersticken, theils um die unruhigen Köpfe zu zügeln, eingeführt habe, endlich daß man auch in diesem Stücke treu in den Spuren der alten Kirche gehe, die bekanntlich auch eine solche dokimasia (Prüfung der Reinheit im Glauben und Bekenntniß) nothwendig gefunden habe, und sich von der Uebereinstimmung der Lehrer mit ihrem Grundbekenntnisse überzeugt wissen wollte“. Hierauf erklärte Melanchthon noch von Osiander: „Er wich von unseren Kirchen nicht nur in dem Punkte der Gerechtigkeit (vor Gott), sondern auch in dem vom Opfer ab, und hat noch manche andere Träume gehabt, womit er noch nicht hervorzutreten wagte; darum suchte er die Augsburgische Confession zu untergraben.“

*) Ist's doch, als ob man aus dem Munde dieses alten Unruhstifters in der lutherischen Kirche einen amerikanisch-lutherischen Professor des erleuchteten und aufgeklärten neunzehnten Jahrhunderts reden hörte!

Daß übrigens dieser Religionseid auch später blieb, als unter anderen die Wittenberger Universität mit kryptocalvinistischen Lehrern überschwemmt war, bis zur Abfassung der Concordienformel, dies sehen wir aus der Geschichte des bekannten Conrad Schlüsselburg. Dieser hatte die Wittenberger Herren schon als Student öfters öffentlich entlarvt; als er sich daher zum Magisterwerden meldete und, befragt, es unumwunden den berüchtigten Kryptocalvinisten Peucer, Creuziger und Pezel ins Gesicht sagte, daß er sie dafür erkenne, bat sich nicht nur der sonst so fromm und heilig thuende Peucer, hochroth vor Zorn, unter Schimpfreden von dem Rector Magnificus aus, dem Schlüsselburg „eine Ohrfeige zu geben“, sondern die ganze, sonst immer Liebe und Duldung auf ihren Lippen tragende Sippschaft fertigte auch sogleich ein Relegationsschreiben aus, in welchem es heißt: „Nun thun wir ihn (Schlüsselburgen) hiermit in den Bann und verfluchen ihn als des Teufels lebendiges Werkzeug von ganzem Herzen.“ (S. Annalen der Universität Wittenberg von Grohmann. I, 145.) In einer Vertheidigungsschrift sagen hierauf diese heimlichen Calvinisten: „Da doch auch dieser Verleumder (Schlüsselburg) wohl weiß und es weltbekannt ist, daß alle, welche bei uns zu Magistris oder Doctoren irgend einer Profession creirt werden, vor dem ganzen Auditorio auf die Augsburgische Con-

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garded, and that it was certainly in their mind to erect with it a bulwark against all sorts of people who, under the Lutheran name, might wish to smuggle all sorts of "new" doctrines into the Church. But hear further also the Apology. In the preface of the same it says, namely, among other things, that doctrine and counter-doctrine are therein so set forth, "that among high and low estates, among those now living and our posterity, among all native-born Germans, and otherwise among all the world, all foreign nations, a clear testimony may be before the eyes and remain forever, that we have taught purely, divinely, rightly of the Gospel of Christ." Further, Luther writes in the preface to the Smalcald Articles: "It was commanded me," namely by the evangelical Estates of the Augsburg Confession, "to draw up and bring together articles of our doctrine, in case it should come to a negotiation, what and how far we were willing or able to yield to the Papists, and on which we purposed finally to persevere and abide. Accordingly I have brought together these articles and delivered them to our party, who have also been accepted by our people and unanimously confessed, and resolved that they should ... publicly be delivered and our confession of faith be brought forward."

From this it is clearly to be seen that already our first symbols, recorded in Luther's time, announce themselves as binding upon everyone who wished to be regarded as a member, much more as a preacher, of the true orthodox Christian or, as it was then already called, Lutheran Church.

But it is also known from history to everyone who is even moderately familiar with the history of the Reformation period, that our public confessions have had in our Church from the beginning a normative, binding authority. This is attested to everybody even by the authors of the Formula of Concord: "We have," they write, "declared to one another with heart and mouth that we will make or accept no singular or new confessions of our faith, but will confess ourselves to the public general writings which have been held for such symbols or common confessions in all the churches of the Augsburg Confession always and everywhere, before the dissension arose among those who professed the Augsburg Confession," (thus precisely "in Luther's lifetime") "and so long as men unanimously everywhere, in all articles, remained in the pure doctrine of the divine Word (as Dr. Luther of blessed memory explained it), and held and used it." And thereupon are named all the symbols that existed already in Luther's lifetime, the ecumenical confessions, the Augsburg Confession, its Apology, the Smalcald Articles, and Luther's Large and Small Catechism. (See the Repetition. Of the Summary Content, etc. Page 514 ff. New York ed.)

But it is also a historical fact that already in 1533, at the instance of Luther, Justus Jonas and Bugenhagen, the arrangement existed at Wittenberg that all who were to be employed here at the University or otherwise, not only those taking degrees in the theological but also in the other faculties, had to promise on oath "that they would accept the unadulterated doctrine of the Gospel, and indeed would understand the same as it is comprehended in the Apostles', Nicene and Athanasian Creeds, and set forth in the Confession which was delivered to the Emperor Charles V at the Diet at Augsburg in 1530; that with God's help they would steadfastly persevere in this opinion and faithfully administer their office in the Church; finally, that, if new doctrinal controversies should arise, concerning which the clear decision of the Church was not yet at hand, they would consult with the elders in this and in allied churches." (See: Melanchthonis Oratio, in qua refutatur calumnia Osiandri.) When therefore in the following year Melanchthon drew up the statutes of the theological faculty at Wittenberg, this provision was adopted by him into the same. According to the second law of this constitution, reports Dr. Rudelbach in his historico-critical Introduction to the Augsburg Confession, "the chief care of this college should be to set forth and maintain the pure doctrine of the Gospel, which is contained in the Prophetic and Apostolic Scriptures, with which the ecumenical symbols agree; this alone true and unchangeable manner of teaching, which is the perpetuus Catholicae ecclesiae Dei consensus (the unbroken consensus of the universal Church of God), they wished to see taught and defended; it is the same which our Church has comprehended in the Confession delivered at the Diet at Augsburg; therefore it is most strictly forbidden to spread abroad and maintain any opinions which conflict with that unanimity and with the Augsburg Confession." When therefore the notorious restless spirit Andreas Osiander, preacher and professor at Königsberg, wished to poison the Church with his false doctrine of justification, but this plan had to fail because the Lutheran preachers and professors were bound by oath to the Unaltered Augsburg Confession, that restless and haughty man wrote against Melanchthon: "The Magister and Doctor made in Wittenberg is a poor captive man, ensnared and entangled in his conscience with oaths. For he has forsworn God's Word, has let a gag be bound in his mouth, so that in important matters of faith he is to say nothing conclusive unless he has first consulted with the elders who hold fast the Confession, and with these he must by his oath abide in the unanimity of the Confession, even if Holy Scripture says otherwise, or must let himself be called perjured. He is therefore a secret confederate of such a conspiracy, which looks more to men than to God's Word, and which is not a little harmful to Christendom."*) (A. Osiander's Refutation of the Groundless Answer of Phil. Melanchthon against his Confession. Königsberg, 1552.) To this Melanchthon replied, as Dr. Rudelbach again informs us loc. cit., "that the liberty which Osiander claimed was an absurdity, while Holy Scripture teaches that God is not a God of confusion but of peace; that the measure had by no means been taken without consideration or without occasion, but that they had introduced it partly to stifle the heresies then arising, partly to curb the restless spirits; finally, that in this matter also they were walking faithfully in the footsteps of the ancient Church, which as is well known likewise found such a dokimasia (examination of purity in faith and confession) necessary, and wished to be assured of the agreement of its teachers with its fundamental confession." Thereupon Melanchthon further declared of Osiander: "He departed from our churches not only in the point of righteousness (before God) but also in that of the sacrifice, and has had many other dreams besides, with which he did not yet venture to come forward; therefore he sought to undermine the Augsburg Confession."

*) It is as if one heard, from the mouth of this old troubler of the Lutheran Church, an American-Lutheran professor of the enlightened and cultured nineteenth century speak!

That, moreover, this oath of religion remained also later, when among others the Wittenberg University was flooded with Crypto-Calvinist teachers, until the composition of the Formula of Concord, we see from the history of the well-known Conrad Schlüsselburg. He had already as a student often publicly exposed the Wittenberg gentlemen; when therefore he presented himself to become a Magister and, being questioned, told the notorious Crypto-Calvinists Peucer, Creuziger and Pezel to their faces without reserve that he recognized them as such, not only did Peucer, otherwise so pious and holy-seeming, crimson with anger, with abusive language ask the Rector Magnificus to give Schlüsselburg "a box on the ear," but the whole clique, otherwise always bearing love and forbearance on their lips, also forthwith issued a writ of relegation, in which it says: "Now we hereby put him (Schlüsselburg) under the ban and curse him with our whole heart as the devil's living instrument." (See Annals of the University of Wittenberg by Grohmann. I, 145.) In a defense these secret Calvinists thereupon say: "Since this slanderer (Schlüsselburg) also knows well, and it is known to all the world, that all who are created Magisters or Doctors of any profession among us, before the whole auditorium, upon the Augsburg Con-