Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 11 › Seite 81

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-01-22, Seite 81

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Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr."
Herausgegeben von der deutschen evangelisch-lutherischen Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrgang 6.  St. Louis, Mo., den 22. Januar 1850.  No. 11.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche denselben vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, sind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geschäftliches, Bestellungen, Abbestellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adresse: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu senden.

Missionspredigt, gehalten am Feste der Erscheinung Christi 1850 zu St. Louis, Mo.*)

*) Wenn wir die Aufforderung unserer lieben Zuhörer, diese Predigt auch den Lesern des „Lutheraner" mitzutheilen, nicht wie andere dergleichen Aufforderungen zurückwiesen, so geschah dies keineswegs, weil wir diese Predigt vor anderen einer weiteren Verbreitung durch den Druck würdig achteten, sondern weil unsere lieben Zuhörer davon eine Förderung der Sache der Mission hofften und wir, wenn diese Predigt zu einem Scherflein dafür dienen könnte, dasselbe diesem heiligen Werke nicht zu entziehen wagten.

J. N. J.

HErr JEsu Christe, wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, daß Du, da unsere Väter, außer der Bürgerschaft Israels und fremd von den Testamenten der Verheißung, ohne Gott und ohne Hoffnung in Finsterniß und Schatten des Todes saßen, über ihnen aufgegangen bist als ein heller Morgenstern, der noch immer uns, ihren Kindeskindern, leuchtet.

Aber siehe! noch immer deckt Finsterniß einen großen Theil des Erdreichs und Dunkel viele Völker: o so brich bald auch über diese hervor, als die Sonne der Gnade und Wahrheit, daß auch sie in Deinem Lichte wandeln und ihre Könige in Deinem Glanze. Segne dazu die Arbeit Deiner Knechte in allen Landen und erwecke immer mehr, die zu Dir sprechen: „HErr, hier bin ich, sende mich." Laß auch am heutigen Tage viele Herzen erweckt werden, Theil zu nehmen an dem seligen Werke der Bekehrung Deiner erlösten und von Dir noch fernen Welt. HErr JEsu, dem die Heiden zum Erbe und der Welt Ende zum Eigenthum gegeben ist, erhöre uns um Deines herrlichen Namens willen. Amen! Amen!

Geliebte Brüder und Schwestern in Christo JEsu!

Betrachtet man die Regierung Gottes in Betreff der Austheilung seiner Gnadenmittel unter die Völker bloß oberflächlich, so kann man leicht auf die Gedanken kommen, als ob Gott von jeher nur einzelnen Völkern seine Gnade habe zu Theil werden lassen wollen. Dieser Gedanke beherrschte auch einst und beherrscht bis diese Stunde das jüdische Volk mit wenigen Ausnahmen. Dasselbe meinte nemlich allein von Gott zur Seligkeit bestimmt zu sein, während es die ganze Heidenwelt für von Gott auf immer verworfen achtete. Dies war aber ein arger, wider Gottes Ehre gänzlich streitender Irrthum.

Das Gegentheil versichert uns die göttliche Offenbarung in der heiligen Schrift, Alten und Neuen Testamentes, erstlich schon dadurch, daß sie uns die Gnade Gottes als eine allgemeine darstellt, die sich über alle Menschen erstrecke. Im zweiten Buch der Chronica, im 19. Kapitel, wird uns bezeugt, „bei dem HErrn, unserm Gotte, ist kein Ansehen der Person", und Petrus und Paulus wiederholen diesen Ausspruch im Neuen Testamente mit denselben Worten. Es heißt aber auch noch deutlicher unter anderen im Propheten Hesekiel, im 33. Kapitel: „So wahr als Ich lebe, spricht der HErr HErr, Ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe." Dasselbe spricht Paulus 1 Tim. 2. mit den Worten aus: „(Gott) will, daß allen Menschen geholfen werde, und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen"; und Petrus in seinem 2. Briefe Kap. 3.: „(Gott) hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre." Hieraus ist offenbar, daß Gott den Tod auch keines Heiden will; daß er nicht will, daß auch nur Ein Heide verloren gehe, sondern vielmehr, daß einem jeden auch unter ihnen geholfen werde und jeder auch unter ihnen zur Erkenntniß der Wahrheit komme, die da selig macht.

Doch Gott hat es auch nicht mit solchen Zeugnissen von der Allgemeinheit seiner Gnade bewenden lassen; er hat auch von Anfang an mit ausdrücklichen Worten geoffenbaret, daß der im Paradiese verheißene Erlöser alle Völker, also auch alle Heiden angehe. Es heißt schon in der ersten Verheißung desselben, er werde, als des Weibes Same, der Schlange den Kopf zertreten; durch welche erste Beschreibung des Erlösungswerkes schon jeder Zweifel abgeschnitten ist, ob es Menschen gebe, die an der Erlösung keinen Theil haben sollen, denn ist durch Christum dem selbst, in dessen Gewalt die Menschen gekommen waren, die Macht genommen, so kann nicht mehr die Frage sein, ob der und jener auch aus seiner Gewalt erlös't sei oder nicht. Gerade zu Abraham, Isaak und Jakob, von denen das auserwählte Volk Gottes abstammte, sprach daher der HErr, daß durch den Einen ihrer Nachkommen nicht nur ihr Volk und Geschlecht, sondern alle Völker und Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten. Daher denn nicht nur Jakob den zu erwartenden Erlöser noch auf seinem Sterbebette „den Held" nennt, dem „die Völker anhangen" würden (Gen. 49, 10.), sondern der ganze lange Zug der heiligen Propheten von Moses an bis zu Maleachi, dem letzten derselben, fordern wie mit Einem Munde auch alle Heiden auf, auf den Messias, als auf „aller Heiden Trost" (Hagg. 2, 8.), zu warten, zu hoffen, und seiner sich zu trösten und zu freuen. Und sobald der Vorläufer des Heilandes geboren war, da that Gott dem Zacharias den Mund auf, daß er laut jubelte, das jüdische Volk habe besucht der Aufgang aus der Höhe: „auf daß er erscheine denen, die da sitzen im Finsterniß und Schatten des Todes".

Doch wie Gott den Erlöser nicht allein für das jüdische Volk, sondern für alle Menschen, auch für alle Heiden verheißen und in die Welt gesendet hat, so hat er auch zu drei wiederholten Malen und zu verschiedenen Zeiten allen Menschen ohne Ausnahme diesen seinen Gnadenrathschluß verkündigen und sie alle in sein Gnadenreich berufen lassen. Das erste Mal nemlich wurde das Evangelium allen Menschen verkündigt im Paradiese durch Adam, die Wurzel und das Haupt des ganzen menschlichen Geschlechtes; das zweite Mal durch Noah, den zweiten Stammvater der ganzen nach ihm lebenden Menschheit; und das dritte Mal durch die heiligen Apostel, welche den Auftrag hatten und erfüllten, auszugehen in alle Welt, zu lehren alle Heiden, das Evangelium zu predigen aller Creatur. Das sind die drei verschiedenen Zeitpunkte, wo Gott seinen Gnadenruf an alle Völker und Geschlechter der Erde, auch an alle Heiden hat ergehen lassen.

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Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's doctrine shall never pass away."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio and Other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 6.  St. Louis, Mo., January 22, 1850.  No. 11.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks at the yearly subscription price of One Dollar for out-of-town subscribers, who are to pay it in advance and bear the postage. — In St. Louis each single number is sold for 5 Cents. Only those letters which contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

Mission Sermon, Delivered on the Feast of the Epiphany of Christ, 1850, at St. Louis, Mo.*)

*) If we did not decline, as we have declined other such requests, the request of our dear hearers that this sermon also be communicated to the readers of the "Lutheraner," it was by no means because we considered this sermon worthy, above others, of wider circulation through print, but because our dear hearers hoped from it a furtherance of the cause of missions, and, if this sermon could serve as a widow's mite for that cause, we did not dare to withhold it from this holy work.

J. N. J.

LORD JESUS Christ, we praise Thee, we extol Thee, we worship Thee, that when our fathers, aliens from the commonwealth of Israel and strangers from the covenants of promise, having no hope and without God, sat in darkness and in the shadow of death, Thou didst arise upon them as a bright morning star, which still shines upon us, their children's children.

But behold! darkness still covers a great part of the earth, and gross darkness many peoples: O break forth soon upon these also, as the Sun of grace and truth, that they too may walk in Thy light, and their kings in the brightness of Thy rising. Bless to this end the labor of Thy servants in all lands, and raise up ever more who say to Thee: "Lord, here am I; send me." Grant also that on this day many hearts may be awakened to take part in the blessed work of the conversion of Thy redeemed world, still far from Thee. LORD JESUS, to whom the heathen are given for an inheritance and the ends of the earth for a possession, hear us for Thy glorious name's sake. Amen! Amen!

Beloved brethren and sisters in Christ JESUS!

If one considers the government of God, with respect to the distribution of His means of grace among the nations, only superficially, one may easily come to the thought that God, from of old, has been willing to let His grace come to the portion of individual nations only. This thought once dominated, and to this hour dominates, the Jewish people, with few exceptions. For they imagined that they alone were appointed by God unto salvation, while they accounted the whole heathen world as forever rejected by God. But this was a grievous error, wholly contrary to the honor of God.

The contrary is assured to us by the divine revelation in the Holy Scriptures, of the Old and New Testament, in the first place already by this, that it presents to us the grace of God as a universal grace, extending over all men. In the second book of the Chronicles, in the 19th chapter, it is testified to us, "there is no respect of persons with the LORD our God," and Peter and Paul repeat this saying in the New Testament in the same words. But it is said still more plainly, among other places, in the prophet Ezekiel, in the 33rd chapter: "As I live, saith the Lord GOD, I have no pleasure in the death of the wicked; but that the wicked turn from his way and live." Paul declares the same, 1 Tim. 2, in the words: "(God) will have all men to be saved, and to come unto the knowledge of the truth"; and Peter in his 2nd Epistle, chap. 3: "(God) is longsuffering to us-ward, not willing that any should perish, but that all should come to repentance." From this it is manifest that God wills the death of no heathen either; that He wills not that even one heathen should be lost, but rather that every one among them also should be saved, and every one among them also should come to the knowledge of the truth, which maketh blessed.

But God has not let it rest with such testimonies of the universality of His grace; He has also from the beginning declared in express words that the Redeemer promised in Paradise concerns all peoples, and therefore all the heathen. It is said already in the first promise of Him that He, as the seed of the woman, should bruise the serpent's head; by which first description of the work of redemption every doubt is cut off whether there be men who are to have no part in the redemption; for if the power has been taken by Christ from him himself, into whose power men had fallen, there can no longer be any question whether this one and that one also has been redeemed from his power or not. Precisely to Abraham, Isaac and Jacob, from whom the chosen people of God descended, the LORD therefore spoke, that through the One of their descendants not only their people and race, but all the nations and families of the earth should be blessed. Hence not only does Jacob, upon his deathbed, call the Redeemer who was to be expected "the hero," to whom "the peoples would cleave" (Gen. 49, 10.), but the whole long line of the holy prophets, from Moses down to Malachi, the last of them, call as with one mouth upon all the heathen also to wait for the Messiah, as for "the Desire of all nations" (Hagg. 2, 8.), to hope, and to comfort and rejoice themselves in Him. And as soon as the forerunner of the Saviour was born, God opened the mouth of Zacharias, that he rejoiced aloud that the dayspring from on high had visited the Jewish people: "to give light to them that sit in darkness and in the shadow of death."

But as God promised the Redeemer not for the Jewish people alone, but for all men, for all the heathen also, and sent Him into the world, so He has also, at three repeated times and at different seasons, caused this His counsel of grace to be proclaimed to all men without exception, and all of them to be called into His kingdom of grace. The first time, namely, the Gospel was proclaimed to all men in Paradise through Adam, the root and head of the whole human race; the second time through Noah, the second forefather of all mankind living after him; and the third time through the holy Apostles, who had the commission, and fulfilled it, to go forth into all the world, to teach all nations, to preach the Gospel to every creature. These are the three different points of time at which God has let His call of grace go forth to all peoples and families of the earth, to all the heathen also.