Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 11 › Seite 84

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-01-22, Seite 84

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheriſche Kirche

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Veränderungen in der Welt keinen höheren Zweck haben, als dem Evangelio und Reiche Christi allenthalbenhin Bahn zu machen. Da es nun aber auf diese Weise in unseren Tagen immer leichter geworden ist, Herolde des Evangeliums nach allen Zonen der Erde hin zu senden, so wächst nun auch mit jedem Tage die Schuld der Christen, das Werk der Bekehrung der Heiden mit allem Eifer zu betreiben. Da Gott in unseren Tagen sichtlich eilt, die Fülle der Heiden in sein Gnadenreich einzubringen, so sind denn auch die Christen jetzt doppelt verpflichtet, diese nun angebrochene Zeit einer großen Gnadenheimsuchung zur Einführung der verlorenen Schafe in Christi Schafstall immer treuer und sorgsamer zu benutzen. Und da insonderheit selbst mitten in dem Lande, das wir bewohnen, Heidenboten arbeiten, die allein dann, wenn wir unsere milden Hände aufthun, fortfahren können, wie wollten wir uns einst vor Gott entschuldigen, wenn wir zur Vollendung des wichtigsten und seligsten Werkes, das uns als Christen anvertraut ist und das diese Boten betreiben, nichts gethan hätten! O wie viele tausend Christen würden vor 300 Jahren Gott mit Freudenthränen gedankt haben, wenn ihnen eine so herrliche Gelegenheit dargeboten gewesen wäre, ein Scherflein zur Bekehrung der armen blinden Heiden beizutragen!

Doch, meine Lieben, es hat nicht nur Zeiten gegeben, wo die Christen keine Gelegenheit hatten, an diesem Werke Theil zu nehmen; es hat auch Zeiten gegeben und gibt noch jetzt, wo Tausende von eifrigen Christen keine Mittel dazu hatten. O wie viele Christen mag es gegenwärtig geben, die, von Eifer brennend, ihren verlorenen Brüdern nach dem Fleisch zu Hülfe zu kommen, von bitterer Armuth gedrückt, auch den kleinsten Beitrag dazu nicht entbehren können! O wie manchen Hausvater mag es insonderheit in unserem durch Krieg und Revolution und andere schwere Drangsale immer ausgesogenen alten deutschen Vaterlande geben, der heute sein kümmerliches Stücklein Brodes mit den Seinen unter Thränen ißt, ohne zu wissen, woher in diesen noch übrigen Wintermonaten für ihn und seine hungernden und halbnackten Kleinen Speise und Decke kommen solle! Wie gern opferte wohl mancher unter diesen leiblich Aermsten für seine an der Seele noch ärmeren Brüder und Schwestern etwas, aber hat nichts, als ein für sie seufzendes Herz. Mit uns steht es hier anders. Gott hat uns hier in ein gutes Land, in ein Land großen irdischen Segens geführt. Alle haben hier, was sie bedürfen; die meisten haben hier auch noch etwas mehr; und einige sehen sich mit Segen an zeitlichen Gütern wie überschüttet. O laßt uns bedenken, wozu uns dieser Segen gegeben ist! Laßt uns nicht vergessen: diesen Segen haben wir nicht dazu bekommen, ihn todt im Kasten liegen zu lassen; oder ihn auf Wucher auszuthun und davon Zinsen auf Zinsen zu ziehen; oder uns ein gutes, bequemes, weichliches, üppiges Leben zu verschaffen; oder unseren Leib mit elendem Flitterstaat zu behängen, und prächtige Paläste zu bauen und unsere Zimmer mit prunkenden Geräthschaften zu füllen und zu schmücken; oder unser Geschäft endlos zu erweitern; oder eine Landstrecke nach der andern uns anzukaufen, und dergleichen. Nein, was wir haben, ist nicht unser Eigenthum, womit wir nach Belieben schalten und walten könnten. Unsere Güter sind Gottes Güter, unsere Kasse Gottes Kasse; wir sollen nur Haushalter darüber sein und Gottes Wort ist das Buch, darin Gott aufgezeichnet hat, an wen wir aus Gottes Kasse Zahlungen zu leisten haben. Vor allem ist es das JEsus-Kindlein, das noch immer arm, in elende Windeln gewickelt, in der Krippe liegt, welchem wir mit den Weisen aus dem Morgenland unsere Schätze aufthun und vor dem wir nicht nur die Myrrhen unserer Buße und den Weihrauch unseres Gebetes, sondern auch etwas von dem Gold unserer zeitlichen Habe niederlegen sollen. Das Kindlein JEsus kommt nemlich zu uns in einzelnen seiner armen Glieder, in seiner armen Kirche und in seinen armen verlorenen Schafen aus der Heerde des Heidenthums, und begehrt von uns eine Spende aus der Almosenkasse Gottes, die uns die kurze Zeit unseres irdischen Lebens zu treuer Verwaltung anvertraut ist. Wie? sollte das Christkindlein von uns ein Almosen begehren und wir wollten es abweisen? Was thäten wir denn anderes, als die Bethlehemiten, die es hinauswiesen in den kalten finsteren Stall, während sie sich in lichten warmen Zimmern ergötzten? —

Doch noch Einen Grund muß ich euch nennen, warum wir das heilige Missionswerk als eine Schuld insonderheit für uns hier zu erkennen haben. Wir bewohnen nemlich hier ein Land, aus welchem die noch übrigen heidnischen Urbewohner theils einst verdrängt worden sind, theils immer weiter verdrängt werden. Wir wohnen hier unter Heiden, an deren Vätern einst kurz nach Entdeckung dieses Erdtheils vor etwas mehr als 350 Jahren Menschen, welche sich Christen nannten, die empörendsten Grausamkeiten, die je die Sonne beschienen, verübt haben. Unter andern sind in jener Zeit von den römisch-katholischen Spaniern binnen zehen Jahren gegen 15 Millionen Indianer wie Wild des Waldes grausam hingemordet worden. Daß ich nicht erwähne die furchtbaren Aergernisse, welche Namenchristen diesen Heiden zu allen Zeiten bis diese Stunde gegeben haben und noch geben und dadurch sie zu einem großen Theil die Verstockung derselben gegen den christlichen Glauben verschuldet haben. Haben nicht hiernach wir christliche Bewohner dieses Landes eine unermeßliche Schuld an jene Elenden abzutragen? Ach, wehe allen Bürgern dieser Staaten, die nichts thun wollen, daß den unglückseligen heidnischen Eingebornen dieses Abendlandes der Trost des Evangeliums und seine ewigen Güter gebracht werden! Wir wohnen auf ihren Bergen und in ihren Gründen, wir weiden unsere Heerden auf ihren Prairien, wir schlagen unser Holz in ihren Wäldern, wir fahren auf ihren Strömen: wie müßten wir nun einst erschrecken, wenn sie uns an jenem Tage bei Gott verklagen und wir, vor Gottes Richterstuhl ihnen gegenübergestellt, aus ihrem Munde hören würden: „Hier stehen sie, unsere Feinde; aus dem irdischen Vaterland, das wir besaßen, haben sie uns vertrieben, aber den Weg zu Deinem Vaterhaus, o Gott, den sie wußten, haben sie uns nicht gezeigt. Unsere zeitliche Habe haben sie uns genommen, unser Blut haben sie vergossen und unsere Seelen haben sie geärgert, und die ewigen Güter, die Du ihnen anvertraut hattest, haben sie nicht nur selbst mit Füßen getreten, sondern auch uns nicht gegönnt. HErr, räche, räche, was sie an uns verschuldet haben!"

O, meine Theuren, so laßt uns denn, ob auch noch so viele ihre Schuld vergessen, derselben eingedenk sein und Sorge tragen, daß unseren armen indianischen Brüdern der helle Stern des Wortes Gottes angezündet werde, der uns jetzt leuchtet. Laßt uns nicht härter sein, als selbst ein blutgieriger Herodes, der die heidnischen Weisen aus dem Morgenlande nach Bethlehem zu dem Christkindlein wies. Laßt uns bedenken, schon Eine Seele ist mehr werth, als die ganze Welt; denn die Welt wird vergehen mit aller ihrer Herrlichkeit, aber die Seelen der Menschen sind unvergänglich und eine zu Christo bekehrte Seele ist ewig selig im Anschauen Gottes. Gesetzt darum, daß durch alle Opfer, die wir der heiligen Missionssache bringen, nur Eine Seele gewonnen würde, welchen reichen Lohn hätten wir dann dafür eingeerntet! Ja, was wäre es, wenn wir auch alle all' unser Hab und Gut, ja, alle unser Blut und Leben zur Rettung auch nur Einer Seele hingegeben hätten? Es wäre nichts, nichts dagegen, daß Gott selbst eine jede durch sein eigenes Blut erworben hat. Apost. 20, 28. Drum wohlan! Gott wird nicht müde, uns Gutes zu thun, auch wir wollen nun nicht müde werden, unseren Brüdern Gutes zu thun. Mögen wir immerhin nicht zu den Reichen von dieser Welt, sondern mehr zu den Armen gehören, so gehören wir doch zu den Armen, denen das Evangelium gepredigt wird, denen also Gott mehr gegeben hat, als allen Reichen dieser Welt; darum laßt uns gern auch von unserer begnadigten und gesegneten Armuth ein Scherflein darlegen. Laßt uns aber auch unsere geringe Gabe, welche wie ein Tröpflein erscheint, damit man eine im Feuer stehende Welt löschen will, nicht verachten; es gilt Gott gleich, durch wenig oder viel helfen; je kleiner unsere irdische Gabe ist, desto mehr und desto inbrünstigere Gebete laßt uns zu ihr hinzuthun, und Gottes Segen wird überschwänglich sein.

Gelobt sei des HErrn herrlicher Name von den Zungen aller Völker immer und ewiglich. Amen.

Warum bekennen wir uns zur evangelisch-lutherischen Kirche?*)

*) Es ist dies der bereits versprochene Tractat der Straßburger ev.-lutherischen Tractatgesellschaft, welche Herr Pastor Horning gestiftet hat. D. R.

Diese Frage klingt engherzig, und mancher, der sie hört, ahnt eine Antwort, mit welcher er nicht einverstanden sein kann. Von einer „lutherischen Kirche" reden, und das in einer Zeit, wo man von nichts als von Fortschritt, vom Verlassen des Alten, vom Anbahnen neuer kirchlicher Zustände

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changes in the world have no higher purpose than to make way everywhere for the Gospel and the kingdom of Christ. Since, then, it has in this way become ever easier in our days to send heralds of the Gospel to all zones of the earth, so the debt of Christians to carry on the work of the conversion of the heathen with all zeal grows with every day. Since God in our days is visibly hastening to bring the fulness of the Gentiles into His kingdom of grace, Christians are now doubly bound to use this time, now broken in upon us, of a great visitation of grace, for the bringing of the lost sheep into Christ's sheepfold, ever more faithfully and carefully. And since, especially, even in the midst of the land which we inhabit, messengers to the heathen are laboring who can continue only if we open our liberal hands, how should we excuse ourselves one day before God if we had done nothing toward the completion of the most important and most blessed work that is entrusted to us as Christians, and which these messengers carry on! O how many thousand Christians would have thanked God with tears of joy three hundred years ago, if so glorious an opportunity had been offered them to contribute a mite toward the conversion of the poor blind heathen!

Yet, my beloved, there have been not only times when Christians had no opportunity to take part in this work; there have also been times, and there are still now, when thousands of zealous Christians had no means for it. O how many Christians there may be at present who, burning with zeal to come to the help of their lost brethren according to the flesh, being pressed by bitter poverty, cannot spare even the smallest contribution thereto! O how many a householder there may be, especially in our old German fatherland, ever drained by war and revolution and other grievous afflictions, who today eats his pitiful morsel of bread with his family in tears, without knowing whence, in these winter months still remaining, food and covering shall come for him and his hungering and half-naked little ones! How gladly would many of these, poorest in body, offer something for their brothers and sisters still poorer in soul, but has nothing save a heart that sighs for them. With us it stands otherwise here. God has led us here into a good land, into a land of great earthly blessing. All have here what they need; most have here even something more; and some see themselves as if overwhelmed with blessing in temporal goods. O let us consider to what end this blessing has been given us! Let us not forget: we have not received this blessing to let it lie dead in the chest; or to put it out at usury and draw interest upon interest from it; or to procure for ourselves a good, comfortable, soft, luxurious life; or to hang our body with wretched finery, and to build splendid palaces and to fill and adorn our rooms with ostentatious furnishings; or to extend our business endlessly; or to buy up one tract of land after another, and the like. No, what we have is not our property, with which we might do as we please. Our goods are God's goods, our purse God's purse; we are to be only stewards over them, and God's Word is the book wherein God has recorded to whom we have to make payments out of God's purse. Above all it is the Child JESUS, who still lies poor, wrapped in wretched swaddling-clothes, in the manger, to whom we, with the wise men from the East, are to open our treasures and before whom we are to lay down not only the myrrh of our repentance and the frankincense of our prayer, but also something of the gold of our temporal possessions. For the little Child JESUS comes to us in individual ones of His poor members, in His poor Church and in His poor lost sheep out of the flock of heathendom, and begs of us a gift out of the alms-chest of God, which is entrusted to us for the short time of our earthly life for faithful administration. What? should the Christ-child beg an alms of us, and we would refuse Him? What would we then do other than the Bethlehemites, who turned Him out into the cold dark stable, while they diverted themselves in bright warm rooms? —

Yet One more reason I must name to you why we are to recognize the holy work of missions as a debt especially for us here. For we inhabit here a land from which the heathen aboriginal inhabitants still remaining have partly been driven out in the past, and partly are driven ever farther. We live here among heathen, upon whose fathers, shortly after the discovery of this continent, a little more than 350 years ago, men who called themselves Christians committed the most revolting cruelties that ever the sun shone upon. Among other things, in that time some 15 million Indians were cruelly murdered like game of the forest within ten years by the Roman Catholic Spaniards. Not to mention the dreadful offences which nominal Christians have given these heathen at all times to this hour, and still give, and thereby have for the most part brought upon themselves the hardening of the same against the Christian faith. Have not we, therefore, Christian inhabitants of this land, an immeasurable debt to pay to those wretched ones? Ah, woe to all citizens of these States who will do nothing that the comfort of the Gospel and its eternal blessings may be brought to the unhappy heathen natives of this western land! We dwell upon their mountains and in their valleys, we feed our herds upon their prairies, we cut our timber in their forests, we travel upon their rivers: how we should be terrified one day, when they accuse us before God on that day, and we, set over against them before God's judgment seat, should hear from their mouth: "Here stand they, our enemies; from the earthly fatherland which we possessed they have driven us out, but the way to Thy Father's house, O God, which they knew, they have not shown us. Our temporal goods they have taken from us, our blood they have shed, and our souls they have offended, and the eternal blessings which Thou hadst entrusted to them they have not only themselves trodden under foot, but also begrudged to us. LORD, avenge, avenge what they have done to us!"

O my dear friends, let us then, though ever so many forget their debt, be mindful of the same and take care that for our poor Indian brethren the bright star of the Word of God be kindled which now shines upon us. Let us not be harder than even a bloodthirsty Herod, who directed the heathen wise men from the East to Bethlehem to the Christ-child. Let us consider that even One soul is worth more than the whole world; for the world will pass away with all its glory, but the souls of men are imperishable, and a soul converted to Christ is eternally blessed in the beholding of God. Suppose, then, that by all the sacrifices we bring to the holy cause of missions only One soul were won, what a rich reward should we then have reaped for it! Yea, what would it be if we had even given all our goods and possessions, yea, all our blood and life, for the rescue of even only One soul? It would be nothing, nothing in comparison with this, that God Himself has purchased each one with His own blood. Acts 20, 28. Come then! God grows not weary of doing us good; we also will not grow weary of doing good to our brethren. Though we may belong not to the rich of this world, but rather to the poor, yet we belong to the poor to whom the Gospel is preached, to whom, therefore, God has given more than to all the rich of this world; therefore let us gladly lay down a mite also from our graced and blessed poverty. But let us also not despise our small gift, which appears like a drop with which one would quench a world standing in fire; it is the same to God whether He helps by little or by much; the smaller our earthly gift is, so much the more and the more fervent prayers let us add to it, and God's blessing will be exceeding abundant.

Praised be the glorious name of the LORD from the tongues of all peoples, for ever and ever. Amen.

Why Do We Confess Ourselves to the Evangelical Lutheran Church?*)

*) This is the tract already promised, of the Strasburg Ev. Lutheran Tract Society, which Pastor Horning founded. Ed.

This question sounds narrow-hearted, and many a one who hears it suspects an answer with which he cannot agree. To speak of a "Lutheran Church," and that in a time when men talk of nothing but progress, of forsaking the old, of paving the way for new ecclesiastical conditions