Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 21 › Seite 165
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-06-11, Seite 165
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Glaube 29 · Rechtfertigung 26
165
sich dabei lange aufhalten zu wollen. Nur sollen doch einige davon kurz angedeutet werden. Der Missionsbote leugnet, daß wir „mit dem Munde den Leib Christi empfahen“, wir bitten ihn daher, uns doch gütigst sagen zu wollen, ob man auch mit dem Geiste den Leib Christi wirklich und eigentlich essen könne; denn zum essen hat ihn uns der HErr gegeben. — Der Missionsbote läßt sich ein Bekenntniß gefallen, welches „nach Form und Inhalt den Glauben der Kirche bekennt“; in der „Glaubenslehre“ fordert er jedoch Freiheit, damit sich „die Lehre der Kirche aus der Schrift fortentwickeln“ könne. Solche Freiheit in der „Glaubenslehre“ gibt es unter andern in der unirten Kirche Preußens, darum sich auch aus so vielen Kirchen der Glaube „fort“, d. i. hinweg entwickelt hat. — Der Missionsbote meint, die Concordienformel enthalte „die Erklärung einzelner Glaubensartikel, wie sie einzelne gläubige Männer auffaßten und erklärten“. — Wir bitten ihn, sich doch mit der Geschichte der Concordienformel erst bekannt machen zu wollen und die 8- bis 9000 Unterschriften nicht zu vergessen, bevor er dergleichen behauptet. Endlich entblödet sich der Missionsbote nicht, nach Art der alten „Sacramentsschwärmer“, unsere reine Lehre zu verdrehen und uns der Irrlehre von einer chemischen Vereinigung der beiden Naturen in Christo zu zeihen. Dieses und daß er wider die Wahrheit und wider sein eigen besser Wissen (oder sollte er es nicht wissen? dann hätte er freilich schweigen sollen) in die Welt hineinschreibt: „Der lutherische Prediger glaubt ein besseres Abendmahl zu bereiten, als der Reformirte“, das schieben wir ihm in sein Gewissen und befehlen es Gott.
Und hiemit wollen wir für diesmal von dem Missionsboten scheiden, indem wir ihn noch einmal herzlich bitten, die Symbole unserer Kirche und namentlich auch die Concordienformel zu studiren, ihre Beweise zu prüfen und mit Gottes Wort zu vergleichen. Wird er das mit aufrichtigem Herzen thun, so wird ihm Gott neben andern auch die tröstliche Wahrheit, die in der Lehre von der communicatio idiomatum liegt, erkennen lassen, denn den Aufrichtigen läßt es Gott gelingen. Er aber, unser Gott, gebe, daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei in dem Maße des vollkommenen Alters Christi. Auf daß wir nicht mehr Kinder sein und uns wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen.
B.
(Eingesandt.)
Sie stimmt nicht.
Damian (trottelt mit einer Bibel unterm Arm zur Thüre herein): Nachbarin, es ist nichts mit der Schrift, sie stimmt nicht.
Bäuerin (verschüttet vor Schrecken die Milch, die sie auf den Tisch setzen will): Das wird nicht sein!
D. Schaut selber. Römer am 3, der 28. steht: „So halten wir es nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werk allein durch den Glauben.“ Und wiederum aber Jacobi am 2, der 13. lesen wir: „Was hilft's, lieben Brüder, so Jemand sagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn selig machen?“ Und da drunten der 24. erst, der sagt doch ganz conträri mit den Römern: „So sehet ihr nun, daß der Mensch durch die Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein.“
B. (nimmt mit zitternder Hand die Bibel): Ach, du lieber Gott, freilich muß es der Glaube thun; wir sind ja alle arme Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an Gott haben sollten.
D. Der Jacobus weiß es anders (er klopft auf den Tisch), der sagt: Die Werke müssen's thun. Schaut ihn nur recht an! das gilt mir aber gleich, wer's thut; ich red' davon, daß sich die Schrift widerspricht und daß sie darum nicht verlässig ist.
B. Schweigt still, Nachbar, es muß einen Ausweg geben.
D. Nein, nein! Es gibt da keinen Ausweg. Schaut die Sprüche noch einmal an! — Was macht ihr euch also so viel Müh' und Plag', daß ihr ganze Stunden weis in der Schrift hockt?
B. O, Nachbar, es ist keine Müh' und Plag', es ist meines Herzens Freud und Trost.
D. Ist ein falscher Trost, denn sie stimmt nicht.
B. (weint): Von euch laß ich mir Gottes Wort noch nicht verhohnecken. Der Herr Pfarrer wird euch schon zu berichten wissen.
Der Bruder der Bäuerin (kommt aus dem Ofensessel hervor): Da könnt' vielleicht mein geringer Verstand auslangen. Also, Damian, was ist deine Sache?
D. (wird ganz verlegen, wie er den Bruder der Bäuerin sieht): So, du bist auch da! — — Davon sag' ich, daß die Schrift nicht stimmt. Da steht's einmal, was kann ich dafür? (er lies't obige drei Sprüche von neuem.)
Bruder. Wir müssen halt einen Unterscheid machen zwischen Glauben und Glauben; nachher werden sich die Sprüche bald ausgleichen.
D. Einen Unterschied, so!
Br. Paulus meint in seinem Briefe an die Römer einen lebendigen Glauben. Da hat sich das Herz des Menschen mit Christo vereinigt und empfäht Saft und Kraft vom HErrn, wie die Rebe von dem Weinstock. Da fehlt sich's nicht, es wirkt und schafft im Herzen und treibt von Innen heraus gute Früchte. Und das ist denn der wahre, gerechtmachende Glaube, ein solcher, der durch die Liebe thätig ist. Dennoch, ist die Meinung des Apostels, wird der Einlaß in den Himmel gar nicht durch die guten Früchte selber erworben, und überhaupt durch unser Thun des Gesetzes nicht; sondern der Einlaß in's Vaterhaus ist einmal ein Gnadengeschenk Gottes, das man sich mit dem puren Glauben zueignet.
D. Deine Auslegung wär' nicht zu verachten. Aber was sagt der Jacobus?
Br. Nichts Widerwärtiges, wenn man's im Grund betrachtet. Jacobus redet von einem todten Glauben, wo man den HErrn wohl im Kopf und meinethalben auf der Zunge, aber nicht im Herzen hat, wo man von seiner Kraft und seinem Leben nicht durchdrungen wird, und darum auch keine guten Früchte bringt. Ein solcher falscher heilloser Glaube kann freilich nicht selig machen; das mag alleinig durch den geschehen, der seine Rechtschaffenheit in guten Werken erweis't. Und so weit stimmt Jacobus noch immer mit Paulo, und weiter will er auch nichts. Sein 24. Vers da, wenn man das vorausgeschickte Exempel von Abraham andächtig betrachtet, sagt accurat soviel: „So sehet ihr nun, daß der Mensch durch einen lebendigen folgsamen Glauben gerecht wird, und nicht durchs Wissen und Reden allein.“ Daß aber der liebe Jacobus den Werken sollt als Werken die Gerechtigkeit vor Gott zuschreiben, das wär' viel daneben getappt; denn gegentheils schlägt er die Werkgerechtigkeit gewaltiger zusammen, als alle die andern. Da betracht, was er im 10. Vers sagt: „So Jemand das ganze Gesetz hält und sündigt an Einem, der ist es ganz schuldig.“ Gib Achtung, Damian! Wenn also ein Mensch von Kindesbeinen an bis in sein 70. Jahr alle Stücke des Gesetzes im groben und subtilen Verstand aufs Tüpfelein gehalten hätte, und endlich thät er sich noch z. B. durch eine einige Lüge vergehen, hätt' er vor der strengen Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes die Verdammniß verschuldet wie der, so am Galgen stirbt. Merk wohl, Damian, das sagt unser Jacobus. Jetzt muß er aber selber da im 3. Capitel bekennen: „wir fehlen alle mannigfaltig“; — ei, wie wollen wir arme Sünder denn selig werden? Es geht nicht anders als aus Gnaden, durch den Glauben an JEsum Christum, der sein Blut vergossen hat zur Vergebung unsrer Sünden.
D. Wenn man's so hört, hast schier du recht. — Aber so sollten sie auch gleichförmig reden, wenn sie doch einerlei Gesinnung haben. Das wär' viel gescheidter, so wüßt' man gleich, wie man dran wäre.
Br. Damian! Der Heilige Geist, der es ihnen eingegeben hat, was jeder schreiben soll, der ist gescheidter als du und ich, und der wird seine Ursach gehabt haben, warum er sie so hat reden lassen und nicht anders. Etwas können wir uns gleich denken. Versteh, die göttliche Weisheit will, daß ein jedweder in der Schrift finden soll, was ihm justement besonders nöthig und zuträglich ist. Da gibt's jetzt Leute, die mit ihren erstaunlichen guten Werken den Himmel schon zwanzigmal verdient zu haben vermeinen; — denen muß der werthe Paulus zur Ader lassen und sagen: „So halten wir nun, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke allein durch
English translation AI translation
165
to dwell upon them long. Yet a few of them shall be briefly indicated. The Missionsbote denies that we “receive the body of Christ with the mouth”; we therefore beg him to be so kind as to tell us whether one can also eat the body of Christ truly and actually with the spirit; for the LORD has given it to us to eat. — The Missionsbote is willing to put up with a confession which “in form and content confesses the faith of the Church”; but in the “doctrine of faith” he demands freedom, so that “the doctrine of the Church may develop forth out of the Scripture.” Such freedom in the “doctrine of faith” exists, among other places, in the united Church of Prussia, wherefore the faith has also “developed forth,” that is, developed away, out of so many churches. — The Missionsbote thinks that the Formula of Concord contains “the explanation of individual articles of faith, as individual believing men conceived and explained them.” — We beg him first to make himself acquainted with the history of the Formula of Concord, and not to forget the eight or nine thousand signatures, before he asserts such a thing. Finally, the Missionsbote is not ashamed, after the manner of the old “sacramentarian enthusiasts,” to distort our pure doctrine and to accuse us of the heresy of a chemical union of the two natures in Christ. This, and the fact that, against the truth and against his own better knowledge (or should he not know it? then he certainly ought to have kept silent), he writes into the world: “The Lutheran preacher believes that he prepares a better Lord's Supper than the Reformed one” — this we lay upon his conscience and commend it to God.
And herewith we would for this time take leave of the Missionsbote, begging him once more most heartily to study the Symbols of our Church, and in particular also the Formula of Concord, to examine their proofs and compare them with God's Word. If he does this with an upright heart, God will let him recognize, among other things, also the comforting truth that lies in the doctrine of the communicatio idiomatum, for God lets the upright prosper. But may He, our God, grant that we all come in the unity of the faith and of the knowledge of the Son of God, unto a perfect man, unto the measure of the stature of the fulness of Christ; that we henceforth be no more children, tossed to and fro, and carried about with every wind of doctrine, by the sleight of men, and cunning craftiness, whereby they lie in wait to deceive.
B.
(Communicated.)
It does not agree.
Damian (shambles in at the door with a Bible under his arm): Neighbor, there is nothing to the Scripture; it does not agree.
Farmer's Wife (spills the milk in her fright, which she was about to set on the table): That cannot be!
D. See for yourselves. Romans, chapter 3, verse 28, it says: “Therefore we conclude that a man is justified without the deeds of the law, by faith alone.” And again, in James, chapter 2, verse 13, we read: “What doth it profit, my beloved brethren, though a man say he hath faith, and have not works? Can faith save him?” And then down there verse 24, that says quite the contrary to the Romans: “Ye see then how that by works a man is justified, and not by faith only.”
F. (takes the Bible in a trembling hand): Ah, dear God, to be sure it must be faith that does it; we are all poor sinners and lack the glory which we should have with God.
D. James knows it differently (he knocks on the table); he says: The works must do it. Just look at him properly! It is all one to me who does it; I am talking about this, that the Scripture contradicts itself and that it is therefore not reliable.
F. Be quiet, neighbor, there must be a way out.
D. No, no! There is no way out there. Look at the texts once more! — Why do you give yourselves so much trouble and toil, that you sit whole hours poring over the Scripture?
F. Oh, neighbor, it is no trouble and toil, it is my heart's joy and comfort.
D. It is a false comfort, for it does not agree.
F. (weeps): I will not let you mock God's Word in my hearing. The Herr Pfarrer will know well enough how to set you right.
The Farmer's Wife's Brother (comes out from behind the stove-seat): Perhaps my small understanding might serve here. Well then, Damian, what is your trouble?
D. (becomes quite embarrassed when he sees the Farmer's Wife's brother): So, you are here too! — — I say that the Scripture does not agree. There it stands, what can I do about it? (he reads the above three texts over again.)
Brother. We must just make a distinction between faith and faith; afterwards the texts will soon come into agreement.
D. A distinction, indeed!
Br. Paul, in his Epistle to the Romans, means a living faith. There the heart of man has united itself with Christ and receives sap and strength from the LORD, like the vine-branch from the vine. There nothing is lacking; it works and acts in the heart and drives forth good fruits from within. And that is then the true, justifying faith, one that is active through love. Nevertheless, it is the Apostle's meaning that entrance into heaven is not at all earned by the good fruits themselves, nor at all by our doing of the law; but entrance into the Father's house is a gift of God's grace, which one appropriates by pure faith.
D. Your exposition is not to be despised. But what does James say?
Br. Nothing contrary, if one considers it at bottom. James speaks of a dead faith, where one has the LORD indeed in the head, and for aught I care on the tongue, but not in the heart, where one is not penetrated by His power and His life, and therefore also bears no good fruits. Such a false, ruinous faith cannot indeed save; that may be done only by the faith that proves its uprightness in good works. And so far James agrees still with Paul, and further he will have nothing. His 24th verse, when one devoutly considers the example of Abraham put before it, says exactly as much: “Ye see then how that a man is justified by a living, obedient faith, and not by knowing and talking alone.” But that dear James should ascribe righteousness before God to works as works, that would be wide of the mark; for on the contrary he beats down righteousness by works more mightily than all the others. Consider what he says in the 10th verse: “Whosoever shall keep the whole law, and yet offend in one point, he is guilty of all.” Mark well, Damian! If, then, a man from his childhood up to his 70th year had kept all the parts of the law in the coarse and the subtle sense down to the last dot, and at last he were to transgress, say, by a single lie, he would before the strict righteousness and holiness of God have incurred damnation just like him who dies on the gallows. Mark that well, Damian, our James says it. Now, however, he must himself confess there in the 3rd chapter: “in many things we offend all”; — well, how shall we poor sinners be saved then? It cannot be otherwise than by grace, through faith in JEsus Christ, who shed His blood for the forgiveness of our sins.
D. When one hears it so, you are almost right. — But they ought also to speak uniformly, if they are of one mind. That would be much wiser, then one would know at once where one stands.
Br. Damian! The Holy Ghost, who inspired them as to what each should write, is wiser than you and I, and He will have had His reason why He had them speak so and not otherwise. Something we can guess at once. Understand, the divine wisdom wills that everyone should find in the Scripture just what is especially needful and profitable to him. There are now people who suppose that with their astonishing good works they have already earned heaven twenty times; — to them the worthy Paul must let blood, and say: “Therefore we conclude that a man is justified without the deeds of the law, alone by