Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 114
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-14, Seite 114
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Schöpfung 10
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Die heil. Schrift sagt 1. Mos 2, 19. 20.: „Er brachte sie (die Thiere) zu ihm, daß er sähe, wie er sie nennete; denn wie er sie nennen würde, so sollten sie heißen.
Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Thier auf dem Felde seinen Namen.“
Der hannöv. Kat. sagt (Kurze Rel. Geschichte S. 161.):
„Seine Weisheit und Liebe sorgte dafür, daß sie bald zu einiger Sprache und durch diese zu den allernöthigsten Begriffen gelangen möchten.“
und ferner (ebendaselbst):
„Er setzte sie in eine Gegend, wo sie—an verschiedenen Thieren die Fähigkeiten ihrer Vernunft und Sprache allmählig entwickeln konnten.“
Die heil. Schrift eignet den ersten Menschen nicht bloß Sprache überhaupt zu, sondern einen solchen Gebrauch derselben, daß Adam — und zwar noch vor der Schöpfung des Weibes — im Stande war, einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Thier auf dem Felde seinen Namen zu geben.
Die heil. Schrift legt darauf ein besonderes Gewicht, indem sie sagt, Gott habe die Thiere zu Adam gebracht, nicht bloß, daß Adam sie nennete, sondern, daß er (Gott) sähe, wie er (Adam) sie nennete d. i. daß er sorgfältig und mit Wohlgefallen darauf Acht hätte, wie trefflich Adam diese große Aufgabe lösen würde.
Wie groß diese Aufgabe war, läßt sich einigermaaßen erkennen, wenn wir bedenken, daß Gott nach der Schöpfung der Thiere in den Schöpfungstagen nicht eine zweite Thierschöpfung vorgenommen hat. Demnach sind gleich von Anfang so viel Thierpaare erschaffen worden, als Arten sein sollten und so viel Arten, als deren hernachmals sein sollten unter allen Himmelsstrichen auf Erden; denn, wie viel ihrer auch sind, so haben sie doch alle ihren Ursprung aus der Schöpfung und in der Wiege der Schöpfung, dem Paradiese. Denn da die Thiere anfänglich alle gut waren, so bedurfte es keiner besonderen Auswahl, als hätte der Mensch von irgend einer Thiergattung etwas zu fürchten gehabt für Leib und Leben. Auch ziemte es sich, daß dem Menschen, der zum Herrn gesetzt war über alle Thiere, die ganze Thierwelt in ihrem paradiesischen Umrisse und Umfange vorgestellt würde.
Wenn wir nun auch die Zahl derselben nicht anzugeben vermögen, so müssen wir uns doch ihre Zahl viel größer vorstellen, als etwa die der Hausthiere, und wenigstens nicht geringer, als die Zahl der Thierarten, die hernachmals Noah in seiner Arche versorgen sollte. Auch dürfen wir ihre Mannichfaltigkeit nicht messen nach einigen der größeren Thiere, sondern müssen die kleineren auch mit hineinzählen. Wenn man nun nur an ein einziges Thierreich gedenkt, z. E. an das der Vögel—welch eine Mannichfaltigkeit und Verschiedenheit findet sich da! Und für das Alles sollte Adam einen Namen wissen, den ihm noch Niemand gesagt hatte.
Die Fähigkeit, Worte zu sprechen, war dabei das Allergeringste, Adam mußte die Worte erst erfinden, und welch ein Maaß der Erfindungs- und Unterscheidungsgabe gehörte dazu, wenn ihm die Namen nicht gleich bei'm ersten Dutzend ausgehen sollten.
Adam sollte auch diese Aufgabe nicht stümperhaft und ungeschickt lösen, sondern das Rechte treffen, denn „wie er sie nennen würde, so sollten sie heißen.“ Und er hat diese Aufgabe gelöst, so meisterlich, daß ihm die Schrift das Zeugniß giebt: „Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Thier auf dem Felde seinen Namen.“
So war denn diese Benennung der Thiere nicht ein Kinderspiel, sondern ein würdiges Schauspiel für das Auge Gottes und nicht bloß eine Ehre für Adam, sondern für Gott den Herrn, der Adams Schöpfer ist und der auch in diesem Stücke von uns geehrt sein will. Denn um deßwillen ist dieser anscheinend geringfügige Zug aus der Geschichte Adams in der heil. Schrift aufgezeichnet und in diesem Sinne sollte er dargestellt werden, ist auch von gottesfürchtigen und erleuchteten Männern so dargestellt worden.
Hören wir darüber unsern Vater Luther. Derselbe sagt in seiner Auslegung des ersten Buchs Mose, die er selbst für sein Meisterwerk erklärt (Ausg. v. Walch B. I. S. 216 und 217.):
„Hier werden wir abermal erinnert, zu bedenken den trefflichen Verstand und Weisheit, die in Adam gewesen ist, welcher, nachdem er in Unschuld und Gerechtigkeit geschaffen war, alle Thiere ansiehet und weiß, ohne alle sonderliche Eingebung und neue Erleuchtung oder Offenbarung, allein durch die Fürtrefflichkeit seiner Natur, eines jeglichen Natur und Eigenschaft, davon er einem jeden einen Namen, seiner Natur gemäß und bequem, giebet.“
und ferner ebendaselbst:
„Man hat wohl mancherlei Bücher, so der Bäume und Thiere Art und Eigenschaft beschreiben; aber wie viel Zeit und wie lange Aufmerksamkeit hat wohl dazu gehöret, ehe man durch Erfahrung dahinter gekommen ist? In Adam aber ist ein ander Licht und Erkenntniß gewesen, der, sobald er ein Thier angesehen, seine ganze Natur und Kraft verstanden hat, viel besser denn wir, wenn wir auch durch unser ganzes Leben solchen Dingen nachsuchen und nachforschen.“
Und weiter ebendaselbst:
„Wie ist doch in dem einigen Adam so ein trefflich reiches Erkenntniß und Weisheit gewesen. Wiewohl er aber davon auch sehr viel durch den Fall verloren hat, so halte ich doch dafür, daß Alles, was noch in aller weisen Leute Büchern ist, die so viel hundert Jahr, sint der Zeit an, da die Künste seyn erfunden worden, geschrieben haben, zusammengenommen—dieser Weisheit nicht hat können gleich seyn, die dennoch nach der Sünde in Adam geblieben, aber darnach immer mählich bei seinen Nachkommen verdunkelt worden ist und nun schier gar erloschen.“
So weit Luther.
Ach wie ein ärmlicher, dürftiger, geistloser Geist nun ist es, der aus dem hannöv. Kat. redet!
Er sagt zwar, daß der Mensch bald, also etwas früher, als etwa unsere Kinder zur Sprache gekommen, aber nur zu einiger Sprache, d. i. zu einer äußerst nothdürftigen, die den Namen Sprache kaum verdient und nur zu den allernöthigsten Begriffen. Es wäre sehr wenig gesagt, wenn es hieße „zu den nöthigsten Begriffen;“ dem Verfasser aber ist auch das noch zu viel, darum sagt er zu den allernöthigsten. Welche sind das? Es sind die, ohne welche auch der dümmste Mensch nicht bestehen kann, die Begriffe von Essen, Trinken, Schlafen u. dergl.
Und das Alles ist dem Verfasser noch nicht genug. Er kann es nicht über's Herz bringen, die Lehre zu unterlassen, das Alles sei nur in einer allmähligen Entwickelung vor sich gegangen.
Wir fragen nun: Welcher Grund war vorhanden, die Sprache der ersten Menschen sich so allmählig und so unvollkommen vorzustellen, da doch die heil. Schrift die Benennung der Thiere der Schöpfung des Weibes vorangehen läßt, und Adam nicht lange in seiner Einsamkeit wird einhergegangen sein, weil Gott davon sagt: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei?“
Welcher Grund war vorhanden zu einer Vorstellung, die wohl dem Geiste der heidnischen Weltweisen ähnlich sieht, aber nicht dem Geiste der heiligen Schriftsteller, da die Schrift lehrt, daß die ersten Menschen das Ebenbild Gottes in einer solchen Maaße an sich getragen, daß es vor dem Falle keiner Erlösung bedurfte, denn sie waren von der Sünde so weit entfernt, daß sie nicht einmal wußten, was Sünde wäre?—
ein Ebenbild, welchem zufolge die geistigen und geistlichen Kräfte im vollkommensten Ebenmaaße standen mit einem Leibe, der der Sterblichkeit nicht sollte unterworfen sein und in Uebereinstimmung mit Gott selbst, zu dessen Ebenbilde der Mensch in Adam und Eva erschaffen war—
ein Ebenbild, das eben so wie es wohl getroffen war, also auch erkennbar sein sollte?
Davon ist nun die Sprache der ersten Menschen ein Exempel, von welchem zu wissen nicht gleichgültig ist, weil es dazu dient, die Größe des Verlustes zu erkennen, welchen das menschliche Geschlecht durch den Fall Adams erlitten hat.
Darum wäre es ein geringer Vorwurf, wenn die Erzählung des hannov. Kat. nur an Dürftigkeit litte; sie leidet aber auch an geschichtlicher Untreue, an Unglauben, und an Schmälerung der Ehre Gottes und der Heilswahrheiten,—
an geschichtlicher Untreue, denn die heil. Schrift lehrt ein solches Vorhandensein aller Kräfte in Adam, wie selbige nöthig waren, um vor der Schöpfung des Weibes ein Werk zu vollbringen, wie die Benennung der Thiere war,—wozu noch kommt, daß der Verfasser des hannöv. Kat. die Verpflichtung nicht bloß eines Geschichtschreibers im Allgemeinen, sondern eines christlichen Lehrers auf sich hatte,—
English translation AI translation
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The Holy Scripture says, Gen. 2:19, 20: "He brought them (the beasts) unto him, to see what he would call them; for whatsoever he would call them, that was to be their name.
And Adam gave names to every cattle and fowl of the air and beast of the field."
The Hanoverian Cat. says (Short Religious History, p. 161):
"His wisdom and love provided that they might soon attain to some speech and through it to the most necessary concepts."
and further (ibid.):
"He set them in a region where they could gradually develop the faculties of their reason and speech upon various animals."
The Holy Scripture ascribes to the first men not merely speech in general, but such a use of it that Adam—and indeed before the creation of the woman—was able to give to every cattle and fowl of the air and beast of the field its name.
The Holy Scripture lays a special weight upon this, in saying that God brought the animals to Adam, not merely that Adam should name them, but that He (God) should see what he (Adam) would call them, that is, that He should observe carefully and with pleasure how excellently Adam would solve this great task.
How great this task was can be recognized to some degree if we consider that God, after the creation of the animals in the days of creation, did not undertake a second creation of animals. Accordingly, from the very beginning as many pairs of animals were created as there were to be kinds, and as many kinds as there were afterward to be under all the climes of the earth; for however many they are, they all have their origin from the creation and in the cradle of creation, Paradise. For since the animals were all good at first, there was need of no particular selection, as though man had had anything to fear from any kind of animal for body and life. It was also fitting that the whole animal world in its paradisal outline and compass should be presented to man, who was set as lord over all animals.
Now although we are not able to state their number, we must yet imagine their number to be much greater than, say, that of the domestic animals, and at least not smaller than the number of the kinds of animals which Noah afterward was to provide for in his ark. Nor may we measure their variety by some of the larger animals, but must count the smaller ones in as well. If one but thinks of a single realm of animals, for example that of the birds—what a variety and diversity is found there! And for all this Adam was to know a name, which no one had yet told him.
The ability to speak words was in this the very least; Adam had first to invent the words, and what a measure of inventive and discriminating gift was required, if the names were not to give out on him at the first dozen.
Adam was also to solve this task not bunglingly and clumsily, but to hit the right thing, for "whatsoever he would call them, that was to be their name." And he solved this task so masterfully that the Scripture bears him witness: "And Adam gave names to every cattle and fowl of the air and beast of the field."
This naming of the animals was therefore not child's play, but a worthy spectacle for the eye of God, and not merely an honor for Adam, but for God the Lord, who is Adam's Creator and who also in this particular wills to be honored by us. For it is for this reason that this seemingly trifling feature from the history of Adam is recorded in the Holy Scripture, and in this sense it ought to be presented, and has also been so presented by God-fearing and enlightened men.
Let us hear our Father Luther on this. He says in his exposition of the first Book of Moses, which he himself declares to be his masterpiece (Walch edition, vol. I, pp. 216 and 217):
"Here we are again reminded to consider the excellent understanding and wisdom that was in Adam, who, after he was created in innocence and righteousness, looks upon all the animals and knows, without any special inspiration and new illumination or revelation, solely by the excellence of his nature, the nature and property of each one, whereof he gives to each one a name suited and fitting to its nature."
and further in the same place:
"There are indeed many kinds of books which describe the kind and property of trees and animals; but how much time and how long attention has been required before one has come upon it by experience? But in Adam there was another light and knowledge, who, as soon as he had looked upon an animal, understood its whole nature and power, much better than we, even if we search and inquire into such things through our whole life."
And further in the same place:
"What an excellently rich knowledge and wisdom there was in the one Adam! Although he lost very much of it also through the Fall, yet I hold that all that is still in the books of all wise men, who for so many hundred years, since the time that the arts were invented, have written, taken together—could not be equal to this wisdom, which nevertheless remained in Adam after the sin, but afterward was by degrees obscured in his descendants and is now almost wholly extinguished."
So far Luther.
Ah, what a poor, meagre, spiritless spirit it is that speaks out of the Hanoverian Cat.!
It says, to be sure, that man came to speech soon, that is, somewhat earlier than, say, our children, but only to some speech, that is, to an extremely scanty one, which hardly deserves the name of speech, and only to the most necessary concepts. It would be saying very little if it said "to the necessary concepts"; but even that is still too much for the author, therefore he says to the most necessary ones. Which are these? They are those without which even the dullest man cannot subsist, the concepts of eating, drinking, sleeping, and the like.
And all this is not yet enough for the author. He cannot bring himself to omit the doctrine that all this proceeded only in a gradual development.
We ask now: What ground was there for imagining the speech of the first men so gradual and so imperfect, since the Holy Scripture has the naming of the animals precede the creation of the woman, and Adam will not have gone about long in his solitude, because God says of it: "It is not good that the man should be alone"?
What ground was there for a notion which indeed resembles the spirit of the heathen sages, but not the spirit of the holy writers, since the Scripture teaches that the first men bore the image of God upon them in such a measure that before the Fall they needed no redemption, for they were so far removed from sin that they did not even know what sin was?—
an image of God according to which the mental and spiritual powers stood in the most perfect proportion with a body that was not to be subject to mortality, and in conformity with God Himself, in whose image man was created in Adam and Eve—
an image which, as it was well struck, was also to be recognizable?
Of this the speech of the first men is now an example, of which to know is not a matter of indifference, since it serves to recognize the greatness of the loss which the human race suffered through the Fall of Adam.
It would therefore be a slight reproach if the account of the Hanov. Cat. merely suffered from poverty; but it suffers also from historical unfaithfulness, from unbelief, and from the derogation of the honor of God and of the saving truths,—
from historical unfaithfulness, for the Holy Scripture teaches such a presence of all powers in Adam as were necessary to accomplish, before the creation of the woman, a work such as the naming of the animals was,—to which it must be added that the author of the Hanöv. Cat. had upon him the obligation not merely of a historian in general, but of a Christian teacher,—