Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 117
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-14, Seite 117
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
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So war den Leidenden die Dragonerrüstung ein frohes Zeichen, ein Stern des Trostes, ein Arm der Zuflucht.
Freilich dauerte es nicht lange. Der Erzbischof erfuhr die Sache und wurde gewaltig darüber erzürnt. Schleunigst sandte er Couriere nach Wien und unsere wackern Dragoner wurden abgelöst. Wie ungerne sieht man diese Männer des Kriegs mit dem Frieden und der Liebe Christi unter dem Waffenkleide von den Salzburgern scheiden! doch was thut es, — der rechte Lehrmeister, Tröster und Hüter ist nicht mit ihnen abgelöst worden! —
Das Jahr begann sich zu neigen, und der Winter sandte bereits seine rauhen Vorboten, da kam etwas, was die Lutheraner eigentlich selber nicht anders wollten, was aber doch jetzt, da es kam und wie es kam, die Gemüther aufs heftigste ergriff.
Im Anfang des Novembers ließ der Erzbischof plötzlich im ganzen Lande einen Auswanderungs-Befehl anschlagen. Darin wurden die Lutheraner Rebellen und der Salzbund eine Hochverrätherei genannt. Und es hieß: „Alle Einwohner ohne bewegliches Eigenthum, Beisassen, Tagelöhner, Dienstboten beiderlei Geschlechts sollen binnen 8 Tagen mit Sack und Pack über die Grenze ziehen; alle Arbeiter bei den erzbischöflichen Berg- und Salzwerken, auf Holztriften und Schmelzhütten sind sogleich ihres Dienstes entlassen, des etwaigen Gnadengeldes verlustig, und haben binnen 8 Tagen das Land zu meiden; die Bürger und Handwerker sollen als Meineidige ihre Bürger- und Meisterrechte verwirkt haben, und müssen, wenn sie nicht Haus oder Gründe haben, binnen 8 Tagen fortwandern. Alle Einwohner mit unbeweglichen Gütern sollen je, nach dem Bestande ihres Vermögens, eine Frist von 1, 2 oder 3 Monaten genießen, um ihr Eigenthum zu verkaufen, aber nicht mehr im Dienste behalten, als einen Menschen von gleicher Confession. Alle aber, diese, wie jene, sollen bei Verlust ihres Besitzthums, ihrer Freiheit und ihres Lebens, die Befehle der Regierung achten. Uebrigens behält man sich vor, die Rädelsführer besonders zur Verantwortung zu ziehen und von der Gnade der Auswanderung auszuschließen.“
Unsere guten Glaubensbrüder waren ja wohl mit dem Gedanken vertraut, nach einer Wohnstätte in der Fremde auszugehen. Als aber jetzt der Befehl dazu von ihrer seitherigen Regierung erschien, fühlten sie es erst recht in der Tiefe ihres Gemüths, was es heiße, dem heimathlichen Boden, dem Lande der Väter, für immer Abschied zu geben. Auch hatten sie ihre zeitlichen Angelegenheiten noch nicht in Ordnung gebracht, und sie sollten den Wanderstab so schnell ergreifen. Und es war der Winter vor der Thüre; in Regenschauern, im Schneegestöber, im Sturm und Frost sollten sie über die öden Fluren mit ihren alten, Kranken und Kindern hinziehen. Und wohin? Nach welchem sichern Ziele, wo die müden Pilger wieder Ruhe und Erquickung fänden? Sie waren als Empörer in dem Mandate bezeichnet und überall dafür ausgeschrieen, wenn dem geglaubt wurde, welcher protestantische Fürst würde Rebellen aufnehmen?
So hat denn das plötzliche Auswanderungsmandat allgemeine Bestürzung und Betäubung hervorgebracht. Sie ließen die Arbeit ruhen, liefen eilfertig zu einander, faßten sich zitternd bei den Händen und sahen sich mit verstörten Blicken an. Sie rannten in ihren Wohnungen umher, suchten von dem Ihrigen noch zu retten, was zu retten war und griffen häufig nach unbedeutenden Dingen, während sie die werthvollen außer Acht ließen. Allenthalben herrschte Angst und Verwirrung. So verstrichen mehrere Tage über die erste Frist. Die höhern Berge überzogen sich weit herab mit ihrem weißen Winterkleide und der Schnee wehte von ihnen schon in die Thäler hinein. Da wird es plötzlich stille, die Widersacher ziehen sich zurück, die Peinigungen hören auf. Die beklommenen Herzen erholen sich wieder; sie wagen es, eine inständige Bitte vor den Erzbischof zu bringen, er möge barmherzig sein und die Frist allen bis zur Wiederkehr des Frühlings verlängern. Sie vertrauen auf Erhörung und gehen wieder an ihre gewöhnlichen Beschäftigungen.
So kommt der 24. November heran und mit ihm erscheint die erzbischöfliche Antwort. Aber was für eine! Unter wildem Geschrei sprengen auf einmal die kaiserlichen Reiter in das Gericht St. Johann ein, die Säumenden aufzujagen. Das war das Zeichen zu einem allgemeinen Angriff im Gebirge. Von allen Seiten her hörte man Angstruf und Wehklagen, nach allen Seiten hin sah man die treibenden Schwerter der Soldaten blinken. Vom Pfluge weg wurden Knechte getrieben und Mägde von ihrem Vieh, ohne ihre Herrschaft noch begrüßen, ihren Lohn einfordern, ihr Eigenthum zusammenpacken und mitnehmen zu können. Väter, Mütter riß man von ihren schreienden Kindern weg, wo der andere Gatte katholisch war und zurückblieb. Mit lautem Weinen fielen sich Herr und Diener in die Arme, umschlossen sich Bruder und Schwester, selber oft da, wo der Glaube sie trennte, und vorher feindselig gemacht hatte.
Doch als nun einmal der Aufbruch begonnen hatte, da durchdrang sie das Wehen einer höheren Kraft, eine heilige Begeisterung durchdrang ihre Seelen, daß sie Märtyrer des Evangeliums seien. Selber Katholiken schauten mit Verwunderung auf den Glanz ihrer Angesichte und Manche schloßen sich von einem unwiderstehlichen Drange getrieben, an ihren Zug an. Ganze Dörfer standen auf, um in die Verbannung zu gehen, und bald hatten die Soldaten nur abzuwehren, damit die Hauptstadt nicht auf einmal zu sehr überschwemmt würde.
Hierbei muß ich euch, meine l. Leser, doch auch einen wunderbaren Vorfall berichten. Es war bereits finstere Nacht, da schritten bei Radstadt einige hundert Flüchtlinge durch den Schnee. Sie hatten den Weg verloren und suchten mit den Füßen, um nicht in Abgründe zu stürzen. Hinter ihnen her ritten die Soldaten, um sie zurückzutreiben. Da zeigte sich plötzlich über ihnen eine glänzende Lufterscheinung, so daß sie die nahe Brücke über den Ensfluß erblickten; die Verfolger aber wurden in dichte Finsternis gehüllt. Erschrocken standen die Soldaten still und riefen: „Mit diesen ist Gott oder der Teufel, wir wollen nichts mit ihnen zu schaffen haben.“ Wir wissen es wohl, wer mit ihnen gewesen ist!
Wir begleiten nun die ersten Auswanderer nach der Stadt Salzburg. Hier ging es ihnen aber gar zu jammervoll. Man hatte den Bürgern, Gott weiß, was alles von ihnen erzählt; sie wurden für wahre Ungeheuer gehalten, mit Abscheu betrachtet und mit dem bittersten Hohne behandelt. Scheunen und Ställe wies man ihnen zur Wohnung an; und ohne eigene Mittel, mußten die Meisten mit kärglichem Brode vorlieb nehmen, Viele einer wärmenden Hülle für ihre Blöße entbehren. Und in diesem Zustande wurden sie noch mehrere Tage mit Ausstellung ihrer Pässe hingehalten. Während dieser Tage wendeten die Priester alles Mögliche an, Redekünste und andere schändliche Mittel, um die Abtrünnigen in den Schooß der römischen Kirche zurückzubringen. Mit gebrochenem Herzen fielen 36 ab; aber an 1000 beharrten treulich in allen Versuchungen.
Endlich gegen dem Anfang des Dezembers kam die ersehnte Stunde, wo sie sich auf der Salzach einschiffen konnten. Sie drängten sich, um am ersten in den Schiffen zu sein. Ein lautes Lebewohl riefen sie noch ihrer, ach! in doppelten Sinne unvergeßlichen Heimath zu, — und schwammen hinab gen Bayerland. —
Doch schon lange möchte der Leser gerne wissen, was denn die protestantischen Fürsten und der Kaiser thaten, der Tyrannei des Erzbischofs Einhalt zu thun. Die versprochene Auskunft soll ihm hier werden.
Schon im Anfang der Verfolgung, 1730, waren die zuerst ins Gefängnis geworfenen und über die Grenze gejagten Männer, Hans Lerchner und Veit Breme, und später noch mehrere Andere, als eigentliche Abgeordnete der lutherischen Partei, nach Regensburg gegangen, hatten die Auftritte im Salzburgischen treulich berichtet, und um Hilfe für die Glaubensgenossen sehnlich gefleht. In Regensburg befanden sich nämlich Gesandte von allen protestantischen Fürsten Deutschlands, die für die Sicherheit der protestantischen Kirche im gesammten Reiche genaue Sorge tragen und namentlich ihrer Glaubensgenossen in den katholischen Ländern sich annehmen mußten. Es befanden sich in Regensburg auch die Gesandten der katholischen Fürsten Deutschlands.
Evangelischerseits nahm man sich, gleich auf die erste Botschaft und Bitte der armen Salzburger auf das angelegentlichste an. Man wendete sich sehr ernst an den Erzbischof und wies ihn auf die Artikel des Westphälischen Religionsfriedens hin, da es heißt: „In allen katholischen Ländern Deutschlands sollten die zur evangelischen Kirche Uebertretenden entweder Freiheit ihres Glaubens genießen, oder eine Frist von drei Jahren zur Auswanderung bekommen, in welcher Zeit sie ihre Güter ohne Schaden ver-
English translation AI translation
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Thus the dragoons' armor was to the sufferers a joyful sign, a star of comfort, an arm of refuge.
Truly it did not last long. The Archbishop learned of the matter and was exceedingly enraged at it. In all haste he sent couriers to Vienna, and our brave dragoons were relieved. How unwillingly one sees these men of war, with the peace and the love of Christ under their soldier's dress, depart from the Salzburgers! Yet what matter is it, — the true Teacher, Comforter and Keeper has not been relieved together with them! —
The year began to decline, and winter was already sending its rough forerunners, when there came something which the Lutherans themselves really did not want otherwise, but which nevertheless, now that it came and as it came, seized their minds most violently.
At the beginning of November the Archbishop suddenly had an Emigration Edict posted throughout the whole land. In it the Lutherans were called rebels and the Salt League an act of high treason. And it said: "All inhabitants without movable property, lodgers, day laborers, servants of both sexes shall within 8 days, with bag and baggage, cross the border; all workmen at the archiepiscopal mines and salt works, at the timber floats and smelting huts are forthwith dismissed from their service, forfeit any gratuity, and are to avoid the land within 8 days; the citizens and tradesmen, as perjurers, shall have forfeited their rights as citizens and as masters of their trades, and must, if they have no house or land, depart within 8 days. All inhabitants with immovable goods shall, according to the extent of their property, enjoy a period of 1, 2 or 3 months to sell their property, but not to keep in service more than one person of the same confession. All, however, these as well as those, shall, on pain of the loss of their possessions, their liberty and their life, obey the orders of the government. Moreover, it is reserved to call the ringleaders especially to account and to exclude them from the grace of emigration."
Our good fellow-believers had indeed been familiar with the thought of going out to a dwelling-place in a foreign land. But when now the order for it appeared from their former government, they felt only then in the depth of their hearts what it means to take leave forever of the soil of home, the land of the fathers. Also they had not yet put their temporal affairs in order, and they were to take up the pilgrim's staff so quickly. And the winter was at the door; in showers of rain, in snow-storms, in tempest and frost they were to journey over the desolate fields with their old, their sick and their children. And whither? To what safe goal, where the weary pilgrims might again find rest and refreshment? They were designated as insurgents in the edict and everywhere decried as such, if this was believed, what Protestant prince would receive rebels?
So the sudden emigration edict produced general dismay and stupefaction. They let their work rest, ran hastily to one another, trembling took each other by the hands and looked at one another with distracted glances. They ran about in their dwellings, sought to save of their possessions what could still be saved, and often seized upon insignificant things while they neglected the valuable. Everywhere anxiety and confusion reigned. So several days passed beyond the first term. The higher mountains covered themselves far down with their white winter garment, and the snow was already blowing from them into the valleys. Then suddenly it grows still, the adversaries withdraw, the torments cease. The oppressed hearts recover again; they venture to bring an urgent petition before the Archbishop, that he might be merciful and extend the term for all until the return of spring. They trust in a hearing and go again to their usual occupations.
So the 24th of November draws near, and with it appears the archiepiscopal answer. But what an answer! With wild shouting the imperial horsemen suddenly burst into the jurisdiction of St. Johann, to rouse up the laggards. That was the signal for a general attack in the mountains. From all sides one heard cries of anguish and lamentation, on all sides one saw the driving swords of the soldiers gleam. From the plow farmhands were driven, and maidservants from their cattle, without being able to greet their masters, to demand their wages, to pack up their property and take it along. Fathers and mothers were torn from their screaming children, where the other spouse was Catholic and remained behind. With loud weeping master and servant fell into each other's arms, brother and sister embraced, often even where faith had separated them and had made them hostile before.
But when once the departure had begun, then the breath of a higher power pervaded them, a holy enthusiasm pervaded their souls, that they were martyrs of the Gospel. Even Catholics looked with astonishment at the radiance of their countenances, and many, driven by an irresistible impulse, joined their company. Whole villages arose to go into banishment, and soon the soldiers had only to hold them back, lest the capital be flooded all at once too greatly.
Here I must, dear readers, report to you also a wonderful occurrence. It was already dark night when near Radstadt some hundred fugitives were walking through the snow. They had lost the way and felt about with their feet, in order not to fall into chasms. Behind them rode the soldiers to drive them back. Then suddenly there appeared above them a shining appearance in the air, so that they saw the near bridge over the river Ens; but the pursuers were wrapped in thick darkness. Terrified, the soldiers stood still and cried: "With these is God or the devil, we will have nothing to do with them." We know well who was with them!
We now accompany the first emigrants to the city of Salzburg. Here it went with them far too wretchedly. The citizens had been told, God knows what, about them; they were held to be veritable monsters, looked upon with abhorrence and treated with the bitterest scorn. Barns and stables were assigned to them for lodging; and without means of their own, most had to be content with scanty bread, many to go without a warm covering for their nakedness. And in this condition they were kept waiting several days more for the issuing of their passports. During these days the priests applied everything possible, arts of persuasion and other shameful means, to bring the apostates back into the bosom of the Roman church. With broken hearts 36 fell away; but about 1000 remained faithful in all temptations.
At last, toward the beginning of December, the longed-for hour came when they could embark on the Salzach. They pressed forward to be first in the boats. A loud farewell they still called to their native land, unforgettable, alas! in a double sense, — and floated down toward Bavaria. —
But the reader has long wished to know what the Protestant princes and the Emperor did to put a stop to the tyranny of the Archbishop. The promised account shall be given him here.
Already at the beginning of the persecution, 1730, the men who had first been thrown into prison and driven over the border, Hans Lerchner and Veit Breme, and later still several others, as actual deputies of the Lutheran party, had gone to Regensburg, had faithfully reported the events in the Salzburg territory, and had earnestly implored help for their fellow-believers. In Regensburg, namely, were envoys of all the Protestant princes of Germany, who were to take exact care for the security of the Protestant church in the whole Empire and especially to look after their fellow-believers in the Catholic lands. There were in Regensburg also the envoys of the Catholic princes of Germany.
On the evangelical side they took up, immediately upon the first message and petition of the poor Salzburgers, their cause most earnestly. They addressed the Archbishop very seriously and pointed him to the articles of the Peace of Westphalia, where it says: "In all Catholic lands of Germany those going over to the evangelical church should either enjoy freedom of their faith, or receive a term of three years for emigration, in which time they might sell their goods without loss