Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 118

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-14, Seite 118

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jahresſchluß · Katechismus 3

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kaufen könnten; in keinem Fall aber sollten sie auf irgend eine Weise gedrückt oder gequält werden.“ Aber der Erzbischof ließ sich dadurch nicht im Geringsten anfechten; er that zu wissen: Die Leute, welche man in Schutz nehme, seien ja Rebellen, für solche gelten die Artikel des Westphälischen Friedens nicht.“ Mit diesem einen Vorwande hielt er die protestantischen Fürsten hin, daß sie mit allen ernsten und drohenden Vorstellungen nichts ausrichten konnten.

Jetzt wendeten sie sich an den deutschen Kaiser, Karl VI. selber, welcher bekanntlich damals noch das Haupt des ganzen deutschen Reiches war. Wiederholt gingen sie ihn ehrfurchtsvoll, aber auf das dringendste an, er möge doch mit seiner kaiserlichen Macht einschreiten und die Gesetze des Reichs aufrecht halten. Der Kaiser aber that nichts weiter, als daß er einige Schreiben und später auch seinen Vicekanzler nach Salzburg schickte, und den Erzbischof ermahnen ließ, „er möge fein in dieser Sache seine Pflichten als Reichsfürst nicht übertreten.“ Ob aber dieser Ermahnung Folge geleistet wurde, darum bekümmerte er sich nicht weiter. So konnten die protestantischen Fürsten auch beim Oberhaupte und Schutzherrn mit aller Arbeit und Mühe nichts erreichen.

Wie nun das plötzliche Auswanderungs-Mandat erschien und in der rauhen Winterszeit unbarmherzig in Vollzog gesetzt wurde, da erließen sie noch ein Bedenken nach Salzburg: „Nach dem Gesetz müßten den Auswanderern 3 Jahre Frist gegeben werden; geschähe dies nicht, so könnten sie für keine Folgen stehen.“ Aber die Antwort lautete: „Ein für allemal, die Leute wären Rebellen und für diese habe das Gesetz keinen Schutz. Indes wolle man aus besonderer Gnade den Angesessenen das Ziel bis Georgi verlängern, von den Unangesessenen aber alle 14 Tage immer zweihundert entsenden.“

Aber es war aller Orten bekannt, daß die Beschuldigung einer Empörung nur List und Trug sei. Darum begann man jetzt Evangelischerseits Gegengewalt zu gebrauchen. In den Niederlanden wurden mehrere katholische Kirchen zugeschlossen; in Preußen, Holstein, Hannover und Hessen kündigte man den Katholischen an, daß ihre Stifte und Pfarreien nächstens aufgehoben werden würden. Furcht und Zittern bemächtigte sich derselben, sie sendeten Vorstellungen und Bitten nach Salzburg, Wien und Rom. Umsonst, der Sinn des Erzbischofs wurde nicht gebeugt, und der Kaiser und der Pabst, — sie hatten auch ihre Ursache, warum sie ihre Ohren verschlossen.

Die einzige Wohlthat, die man den unglücklichen Glaubensgenossen noch erweisen konnte, war, ihnen ihr Leben außerhalb Salzburg zu sichern. Schon der Salzbund hatte den Peter Heldensteiner aus Werfen und den Nikolaus Forstreuter aus St. Johann abgeordnet, wo es sei, um neue Wohnplätze anzuhalten. Der ruhmwürdige König Friedrich Wilhelm von Preußen war es, welcher ihnen Aufnahme in seine Lande und Versorgung auf der Reise versprach. In seiner Provinz Lithauen waren große Strecken durch Krieg und Pest menschenleer geworden; diese wollte er mit ihnen wieder bevölkern. —

Das neue Jahr 1732 erneuerte unsern Duldern im Gebirge die alten Trübsale und Schrecknisse. Die Dörfer der Lutherischen waren wie ausgestorben, weil ihre Bewohner bang und scheu kaum aus ihren Mauern hervorzugehen sich getrauten. Und daheim durften sie nicht einen herzerhebenden Gesang anstimmen, nicht ein lutherisches Morgen- und Abendopfer laut beten, nicht sich aus dem heil. Bibelbuch vorlesen. Die Soldaten drohten Feuer in das Haus zu werfen, in welchem sich etwas Lutherisches hören ließe. Wer es im Geringsten versah, wurde in Ketten gelegt und nach der Residenz abgeführt. Dort läutete man die Glocken, sobald solche gefesselte Rebellen dem Weichbild der Stadt sich näherten, um das Volk von der Ankunft neuer Ungeheuer zu benachrichtigen. Diese wurden in blaue Mäntel gehüllt, mit verbundenen Augen, wie zum Richtplatz hereingeführt. Das Volk lief wüthend neben den Wägen her, und stieß schreckliche Verwünschungen gegen sie aus. Dann wurden sie in die Gewölbe Hohensalzburgs geworfen. Die Veste wurde ganz voll, wo dann ein und der andere von Hunger, Kälte und Gram verzehrt dahin gestorben.

Doch das unmenschliche Herz der papistischen Dränger konnte auch noch dabei allerlei Possen- und Narrenspiele mit diesen armen Bekennern Christi anstellen, um sie wankend zu machen. Auf der freien Höhe unter den Löchern der Gefängnisse zimmerten bestochene Gesellen ein Rad und flochten einen menschlichen Körper darauf. Es war aber nur eine ausgestopfte Kleidung. Die Wächter riefen sich abgeredetermaßen dabei so stark zu, daß es in die Ohren der Gefangenen tönte: „Der kann auch nicht in Frieden dahinfahren, er hat sich zu spät bekehrt, der Teufel läßt ihn nicht los.“ Der Festungs-Kommandant ließ Figuren von Holz verfertigen, in Armensündergewänder kleiden, und unter den Augen der Eingekerkerten köpfen. Wenn kaum der Morgen graute, ging der Todtengräber vorüber, sang mit hohler Stimme Lieder von Tod und Gericht und klagte den Wachen, daß er jetzt nicht genug Gräber machen könne. Durch solche abscheuliche Blendwerke sollten die Kreuzträger vollends mürbe gemacht und zum Abfall gebracht werden. Aber sie wendeten ihre Seelen im Gebet nach der himmlischen Quelle und wurden muthig, um des Evangeliums willen selber den Tod zu leiden, weil sie, durch dasselbe herrlich im Gericht zu bestehen, die gewisse Ueberzeugung hatten.

Unter diese grausamen Possenspiele gehört auch noch ein Auftritt, der zwar eigentlich erst mehrere Wochen später sich zugetragen hat, billig aber hier anzureihen ist. Da wurden nemlich 300 neu angekommene Auswanderer in einen ganz mit schwarzem Tuch ausgeschlagenen und häufig mit Blut besprengten Saal geführt. Auf dem Tische lag ein bloßes Schwert und zur einen Seite standen die Nachrichter, zur andern aber mehrere Priester. Letztere wendeten nun alle erdenkliche Ueberredung an, die Lutherischen zur Verleugnung ihres Glaubens zu bewegen und wiesen dabei drohend auf Schwert und Nachrichter hin. Aber auch diese schwere Prüfung wurde herrlich bestanden durch den Geist dessen, der den Müden Kraft und Stärke genug den Unvermögenden gibt.

Geradezu hinrichten ließ der Erzbischof keinen, da muß er sich doch, vor wem? gefürchtet haben. Aber seinen trotzigen Bescheid nach Regensburg ließ er vollziehen. Von 14 Tagen zu 14 Tagen wanderte ein Zug Unangesessener nach der Grenze. Sie schritten draußen im Kampf des Schnees und Sturmes, oder über knarrende Eisbahnen, und weil der Weg häufig verweht war, ist hie und da Einer an den Felsen hinabgeglitten und hat Freiheit und Frieden gefunden, noch ehe seine Füße über das Land der Drangsal hinaus waren.

Die Zurückbleibenden hatten dagegen von rohen Hauswirthen wegen der Miethe, von der Strenge des Winters in ungeheizten Stuben, von dem Mangel an Lebensmitteln ꝛc. noch unsäglich viel auszustehen; auch forderte man als Abzugsgebühren nicht selten das Letzte, was sich einer auf die Reise gesammelt hatte. Da fragten die Priester spottend, wie ihnen der lutherische Glaube bekäme? Sie zeigten ihnen im Fall der Umkehr eine lachende Zukunft und ließen dabei blinkende Geldstücke durch ihre Finger laufen. Aber es ist einmal ausgemachte Erfahrung, daß die, so um der Gerechtigkeit willen leiden, gewöhnlich nur im Anfang zaghaft und schwach sind; mit der wachsenden Noth werden sie vielmehr muthiger und stärker. So mußten auch hier wieder die Priester mit Staunen und Beschämung ihre Mühe vergeblich sehen.

Die Züge der Wanderer wurden trotz des Verbots immer größer, je weiter sie kamen. Aber wie viele der traurigsten und rührendsten Geschichten haben sich dabei zugetragen! Nur einige davon.

Eine lutherische Frau hatte ihren Reisebündel geschnürt. Sie nahm nun noch einmal ihr Kind von 21 Wochen in die Arme, und ging mit ihm hinaus, indem sie ihrem katholischen Manne den Reisebündel zum Aufbewahren übergab, bis sie wieder käme. Der Mann wartete lange, aber die Frau kam nicht wieder.

Einem Knaben von 14 Jahren schlugen seine Verwandten Pflöcke unter die Nägel und verstümmelten ihm einige Glieder, weil er ketzerische Gesinnungen hegte. Dann setzten sie ihm einen Degen auf die Brust und ließen ihm eine Vaterunserlänge die Wahl in der katholischen Kirche zu bleiben, oder durchstochen zu werden. Der Knabe aber that einen raschen Sprung durch die Thüre und verbarg sich unter dem eben vorüberziehenden Emigrantentrupp.

Als ein Zug an einem Hofe vorüberging stürzte ein Weib mit blutiger Hand hervor. Der Mann hatte ihr zu guter Letzt zwei Finger abgehauen.

Aus Hohensalzburg war ein Gefangener entlassen worden. Es trieb ihn noch einmal zurück in sein väterliches Haus, um von den

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sell; but in no case should they be oppressed or tormented in any way." But the Archbishop let himself not be moved by this in the least; he gave notice: "The people whom one takes under protection are indeed rebels, to such the articles of the Peace of Westphalia do not apply." With this one pretext he put the Protestant princes off, so that with all their earnest and threatening representations they could accomplish nothing.

Now they turned to the German Emperor, Charles VI himself, who as is well known was at that time still the head of the whole German Empire. Repeatedly they approached him reverently, but most urgently, that he might with his imperial power intervene and uphold the laws of the Empire. But the Emperor did nothing more than send some letters and later also his Vice-Chancellor to Salzburg, and have the Archbishop admonished, "that he should not, in this matter, transgress his duties as a prince of the Empire." Whether this admonition was obeyed, he troubled himself no further about. So the Protestant princes could achieve nothing, with all their labor and pains, even with the Head and Protector of the Empire.

When now the sudden Emigration Edict appeared and in the harsh winter season was put into execution without mercy, they sent yet another memorial to Salzburg: "According to the law the emigrants must be given 3 years' time; if this did not happen, they could not answer for any consequences." But the answer ran: "Once for all, the people are rebels, and for these the law has no protection. However, out of special grace one will extend the term for the landholders until St. George's Day, but of the landless send out every 14 days always two hundred."

But it was known everywhere that the accusation of insurrection was only cunning and deceit. Therefore on the evangelical side one began now to use counter-force. In the Netherlands several Catholic churches were closed; in Prussia, Holstein, Hanover and Hesse the Catholics were notified that their foundations and parishes would shortly be abolished. Fear and trembling seized them; they sent representations and petitions to Salzburg, Vienna and Rome. In vain; the mind of the Archbishop was not bent, and the Emperor and the Pope, — they also had their reason why they closed their ears.

The only kindness that could still be shown to the unhappy fellow-believers was to secure their lives outside of Salzburg. Already the Salt League had delegated Peter Heldensteiner of Werfen and Nikolaus Forstreuter of St. Johann, wherever it might be, to apply for new dwelling places. The praiseworthy King Frederick William of Prussia it was who promised them reception into his lands and provision on the journey. In his province of Lithuania large tracts had become empty of people through war and pestilence; these he wished to repopulate with them. —

The new year 1732 renewed for our sufferers in the mountains the old tribulations and terrors. The villages of the Lutherans were as if dead, because their inhabitants, anxious and timid, scarcely dared to venture out from their walls. And at home they were not allowed to strike up a heart-uplifting hymn, to pray aloud a Lutheran morning and evening sacrifice, nor to read to themselves from the holy Bible. The soldiers threatened to throw fire into the house in which anything Lutheran should be heard. Whoever gave the least offense was put in chains and led off to the Residence. There one rang the bells as soon as such fettered rebels approached the precincts of the city, to notify the people of the arrival of new monsters. These were wrapped in blue cloaks, with blindfolded eyes, as if to the place of execution, brought in. The people ran furiously beside the wagons, and uttered dreadful curses against them. Then they were thrown into the vaults of Hohensalzburg. The fortress became quite full, where then one and another died of hunger, cold and grief.

Yet the inhuman heart of the papistical oppressors could also practice all sorts of farces and mockeries on these poor confessors of Christ, to make them waver. On the open height beneath the holes of the prisons hired fellows built a wheel and wove a human body upon it. It was, however, only a stuffed suit of clothes. The guards called to one another, as agreed, so loudly that it sounded in the ears of the prisoners: "He also cannot depart in peace, he was converted too late, the devil does not let him go." The commandant of the fortress had wooden figures made, dressed in the garments of poor sinners, and beheaded before the eyes of the imprisoned. When the morning had scarcely dawned, the gravedigger went by, sang with hollow voice songs of death and judgment and complained to the guards that he now could not make graves enough. By such abominable delusions the cross-bearers were to be made quite soft and brought to apostasy. But they turned their souls in prayer to the heavenly fountain and became courageous, to suffer death itself for the sake of the Gospel, because they had the sure conviction that through it they would stand gloriously in the judgment.

Among these cruel farces belongs also an incident which indeed took place only several weeks later, but which may fitly be put here. There, namely, 300 newly arrived emigrants were led into a hall hung wholly with black cloth and frequently sprinkled with blood. On the table lay a bare sword, and on the one side stood the executioners, on the other, however, several priests. The latter now applied every imaginable persuasion to move the Lutherans to deny their faith, and pointed threateningly at the sword and the executioners. But also this severe trial was gloriously endured through the Spirit of Him who gives to the weary strength and power enough to the powerless.

Outright execution the Archbishop allowed of none; he must have feared, before whom? Yet his defiant answer to Regensburg he had carried out. Every 14 days a company of landless people marched toward the border. They walked outdoors in the struggle of snow and storm, or over creaking ice-paths, and because the way was often drifted over, here and there one slipped down the rocks and found freedom and peace, before his feet were out of the land of affliction.

Those who remained behind, on the other hand, had to endure from rude landlords on account of the rent, from the severity of winter in unheated rooms, from want of provisions etc. unspeakably much; also as exit fees one demanded not seldom the last thing that one had gathered for the journey. Then the priests asked mockingly how the Lutheran faith agreed with them? They showed them, in case of return, a laughing future and let glittering pieces of money run through their fingers. But it is once for all established experience that those who suffer for righteousness' sake are usually timid and weak only in the beginning; with growing distress they become rather more courageous and stronger. So here also the priests had again to see their pains in vain, with astonishment and shame.

The companies of wanderers became, in spite of the prohibition, ever larger the farther they went. But how many of the saddest and most touching stories took place on the way! Only a few of them.

A Lutheran woman had tied up her traveling bundle. She took once more her child of 21 weeks in her arms, and went out with it, while she gave her Catholic husband the traveling bundle to keep until she should come again. The man waited long, but the wife did not come back.

A boy of 14 years his relatives struck pegs under the nails and maimed some of his limbs, because he cherished heretical sentiments. Then they set a rapier on his breast and gave him the length of a Lord's Prayer to choose to remain in the Catholic church or to be run through. But the boy made a quick leap through the door and hid himself among the band of emigrants just passing by.

As a company was passing a farmstead a woman rushed out with a bloody hand. Her husband had, as a last act, chopped off two of her fingers.

From Hohensalzburg a prisoner had been released. It drove him once more back into his father's house, to take leave of the