Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 116
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-14, Seite 116
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Anhang
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gänzlich übertönt wurde, ward er, gleich vielen Andern, die der Herr in der Stille sich erhielt, vor den schlimmsten Gefahren der Seele durch Gottes Gnade behütet. Kindlicher Glaube an seinen Gott und Heiland Jesum Christum und tägliches Gebet zu demselben, tief empfundene Erkenntniß, daß er „allein unter seines Heilandes starker und hoher Hand glücklich durch dieses Leben kommen könne“ und herzliche Zuversicht zu ihm lebten von früh an als die Frucht frommer Erziehung in seiner Seele. Anfänglich für den Kaufmannsstand bestimmt, in welchem er auch drei Jahre zubrachte, hatte ihn eine unbesiegbare Neigung zu den Studien der wissenschaftlichen Laufbahn zurückgeführt, und mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet, konnte er, nachdem er die Gelehrtenschulen zu Ratzeburg und später die zu Ilfeld besucht, im Jahre 1812 die Universität Göttingen beziehen. Doch ging seine erste Absicht keineswegs auf die Theologie. Natürliche Neigung und Begabung wies ihn vielmehr zum Studium der philologischen und Alterthumswissenschaften, während die Theologie bei dem damals in ihr herrschenden Rationalismus eher Abstoßendes als Anziehendes für ihn haben mußte und auch in den ersten Jahren seines Universitätsstudium ihm ganz fern blieb. Zufällig fiel ihm ein Band von Luthers Werken in die Hände und die Worte des deutschen Reformators, den er zuvor nicht gekannt, drangen tief in seine Seele, er konnte nicht von ihnen loskommen. Mächtig zog ihn das Bild des theuren deutschen Gottesmannes an, den er selbst beschrieben hat als „einen Mann von Eisen und Stahl im Kampfe, voll Demuth gegen Gott, voll Furcht vor Gott, unterwürfig aller göttlichen und menschlichen Ordnung, voll Liebe und Inbrunst, voll Treue und Güte, voll Hingebung und Aufopferung, ernst und doch fröhlich, eifrig und doch besonnen, thätig und nie verdrossen, männlich und doch kindlich in allen Verhältnissen seines Lebens.“ Jene Bewegung gab dem jungen Catenhusen Entscheidung für seinen Beruf und sein zukünftiges Leben, sie erweckte in ihm den Vorsatz, dem Gottes Gnade auch zur Ausführung geholfen hat, in gleicher Treue u. gleichem Gehorsam sein Leben dem Worte Gottes zum Dienste zu stellen; zugleich giebt sie die Erklärung dafür, in welchem Sinne er nun die Theologie studirte und wie er zu der theologischen Richtung kam, der er sein ganzes Leben hindurch consequent folgte. Sein Wahlspruch ward von vorn herein: „Ein Theologe muß Alles lernen, Alles wissen, doch nur, was den Prüfstein des göttlichen Worts aushält, glauben.“ Zwar blieb ihm auf der Universität nur noch kurze Zeit zum Studium der Theologie, denn er verließ dieselbe schon 1815, und bereits ein Jahr später, 1816, ward er als zweiter Prediger der Stadt Lauenburg in's Amt gerufen, aber um so mehr ist der Eifer und eiserne Fleiß zu bewundern, mit dem er die Theologie studirte und es bald zu bedeutender Gelehrsamkeit in derselben brachte (namentlich seine gründliche Kenntniß des Hebräischen hatte er sich erst im Amte erworben). Vor Allem wendete er seine ganze Kraft auf das Studium der heiligen Schrift in den Grundsprachen, sodann auf die alten Kirchenväter, die Schriften Luthers und des Reformationszeitalters. Denn es kam ihm, was auch die allgemeinen Meinungen seiner Zeit sein mochten, vor Allem darauf an, die über allen Zeitwechsel erhabene ewige Wahrheit zu erkennen und ein recht sicheres Wissen von dem zu erlangen, was der Glaube und die Lehre der h. Apostel und aller rechtgläubigen Christen, die je gelebt, gewesen ist; und da mußte er sich ja bald von der Theologie seiner Zeit, die sich so leicht als eine von Gottes Wort abweichende auswies, ganz auf die früheren Zeiten zurückgewiesen sehen; und so ist es nicht zu verwundern, daß er sich mit ganz entschiedener Vorliebe in die alten Väter und besonders Luther hineinzustudiren und hineinzuleben suchte. Mit großer Theilnahme sah er das neue Ringen und Arbeiten der Geister, welches in den letzten Jahrzehnten in der deutschen evangelischen Theologie erwachte, und mit so innigerer Freude begrüßte er das neu sich regende Leben, je mehr es sich dem alten ewigen Evangelium und dem Glauben der Väter wieder zuneigte; aber nie, auch nicht bei den neuesten Ereignissen und Wendungen in der Theologie verließ ihn die rechte Nüchternheit, mit der sein durch Gottes Wort geschärftes Auge auch bei der gläubigen und kirchlichen Theologie der Neuzeit das Irrthümliche vom Wahren zu scheiden wußte. Er erkannte es, daß wir lutherischen Christen in dieser Zeit namentlich auch der modernen Gläubigkeit gegen über für Haus und Altar zu kämpfen haben, daß es einen Streit nicht um einzelne Lehrsätze, sondern um Principien (Grundsätze) gilt. Darum wie seine schmerzlichste Klage war: „Gottes Wort und der Glaube ist aus unserm deutschen Vaterlande gewichen; Luther, obgleich dem Namen nach allen bekannt, ist doch seinem Geiste und seinem Wesen nach nur von Wenigen gekannt!“ — so war die Summa seiner theologischen Ueberzeugung die: „Wir müssen wieder zu Luther hinan!“
(Schluß folgt.)
(Eingesandt.)
Die Auswanderung
der evangelisch lutherischen Salzburger
in den Jahren 1731, 32 u. 33.
(Fortsetzung)
Bald nach der bereits erzählten Begebenheit, noch im Herbst 1731, kamen die vom Kaiser erbetenen Hilfstruppen. Sechstausend Mann Infanterie und Kavallerie strömten in das Land ein und drangen überall hin, selbst in die vergessensten Schlupfwinkel. Nun erreichte das Quälen u. Leiden eine ungeheure Höhe.
Die Soldaten quartirten sich in die lutherischen Häuser ein, wirthschafteten darin mit Fluchen und Toben, zehrten den Wohlhabenden ihre besten Stücke, den Armen ihr letztes Brot auf, erbrachen Kisten und Schränke und plünderten, spürten den etwa verborgenen Schätzen nach und raubten, und selber die Ehre der Frauen und Jungfrauen war nicht sicher vor ihrer Frechheit.
Bedenkt man nun, daß die Soldaten jener Zeit nicht nur viel rauher und gewaltthätiger waren, als heutzutage, sondern auch, daß diese hier in dem Wahne standen, Gott habe ein Wohlgefallen an dem Elend der von der katholischen Kirche Abgefallenen: so muß einem das Elend unserer armen Glaubensgenossen ja überaus groß erscheinen. Es läßt sich daher leicht denken, daß dieselben hierdurch meistens an den Bettelstab geriethen. Und dennoch sollten sie ihre Steuern und Abgaben entrichten. Fehlte es ihnen nun an den Mitteln, so kamen die Beamten und Schergen, zogen ihre Grundstücke ein, nahmen ihr Vieh, ihr Hausgeräthe weg; ja mehr als einmal wurde ein Alter, ein Kranker von seinem letzten irdischen Trost, aus seinem ärmlichen Bette geworfen, mit welchem die Obrigkeit sich bezahlt machte.
Doch „Gott ist getreu, der uns nicht läßt versuchen über unser Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wirs ertragen können“ (1 Cor. 10). Durch seine wunderbare Regierung fügte er es, daß den Seinen die Tage der Trübsal erleichtert, ja verkürzt wurden und das gerade durch einen Theil der als ihre Dränger und Quäler herbeigerufenen Soldaten. Gewis, der Leser wird davon nicht ohne Rührung hören können.
Unter den kaiserlichen Soldaten war nemlich das Dragonerregiment „Prinz Eugen“ mit eingerückt, das größtentheils in protestantischen Gegenden mußte angeworben worden sein, denn die Mehrzahl dieser Dragoner bestand aus Lutheranern. Daran hatten freilich die Wiener nicht gedacht, und die Soldaten hatte auch der Erzbischof nicht nach ihrem Glauben gefragt. Diese lutherischen Dragoner nun, so wild und schrecklich sie gegen bewaffnete Feinde sein mochten, hatten gar keine Lust, einem wehrlosen Volke wehe zu thun, um so weniger einem Volke, das ihren eigenen Glauben bekannte und um desselben willen ohnedem schon unbarmherzig genug mishandelt war. Vielmehr nahmen sie sich der Unglücklichen heimlich an, so gut sie konnten. Die Unterrichteten setzten sich sogar oft des Nachts mitten in die Familien, lasen ihnen ein Stück der heil. Schrift vor, wo noch eine solche gerettet war, und legten es mit herzlichem Eifer aus, oder hielten sonst mit ihnen erbauliche Gespräche, sie über die Wege Gottes zu belehren und ihr mattes Herz zu erquicken und aufzurichten. Ja mancher schreckhafte bärtige Reiter stellte da die Kinder um sich herum, nahm ein kleineres auf den Schooß und ging mit ihnen den lutherischen Katechismus durch. Und die Kleinen, welche anfangs scheu auf den Mann mit dem Schwerte und seinen furchtbaren Bart gesehen hatten, merkten bald, daß er ein milderes Herz haben müsse, als der schleichende Jesuit, schmiegten sich mit Vertrauen um seine Kniee und an seine Brust und ließen sich mit kindlicher Lust von ihm schulmeistern. Auch muß man es den katholischen Dragonern zum Ruhm nachsagen, daß sie nach dem Beispiele ihrer lutherischen Kameraden sich schämten, gegen Unbewaffnete Krieg zu führen und sich ebenfalls ordentlich betrugen.
English translation AI translation
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wholly drowned out, he was, like many others whom the Lord preserved for Himself in quietness, kept by God's grace from the worst dangers to the soul. Childlike faith in his God and Saviour Jesus Christ and daily prayer to Him, a deeply felt knowledge that he could "come happily through this life only under his Saviour's strong and high hand," and hearty confidence in Him lived in his soul from early on as the fruit of a pious upbringing. Originally destined for the merchant's calling, in which he also spent three years, he had been brought back by an unconquerable inclination to the studies of the scholarly career, and, equipped with solid knowledge, after he had attended the learned schools at Ratzeburg and afterward that at Ilfeld, he was able in the year 1812 to enter the University of Göttingen. Yet his first intention was by no means directed to theology. Natural inclination and endowment pointed him rather to the study of philology and the sciences of antiquity, while theology, with the Rationalism then prevailing in it, was bound to have for him something rather repellent than attractive, and also in the first years of his university study remained wholly remote from him. By chance a volume of Luther's works fell into his hands, and the words of the German Reformer, whom he had not known before, penetrated deep into his soul; he could not tear himself from them. The image of the dear German man of God drew him mightily, whom he himself has described as "a man of iron and steel in the struggle, full of humility toward God, full of fear before God, submissive to all divine and human order, full of love and fervor, full of fidelity and goodness, full of devotion and self-sacrifice, earnest and yet cheerful, zealous and yet sober-minded, active and never vexed, manly and yet childlike in all the circumstances of his life." That movement gave the young Catenhusen the decision for his calling and his future life; it awakened in him the resolve, to which God's grace also helped him to the accomplishment, to place his life in the same fidelity and the same obedience at the service of the Word of God; at the same time it gives the explanation of the sense in which he now studied theology and how he came to the theological direction which he consistently followed throughout his whole life. His motto from the first was: "A theologian must learn everything, know everything, but believe only what endures the touchstone of the divine Word." To be sure, there remained to him at the university only a short time for the study of theology, for he left it already in 1815, and already a year later, in 1816, he was called into office as second preacher of the town of Lauenburg; but all the more is the zeal and iron diligence to be admired with which he studied theology and soon attained to considerable learning in it (his thorough knowledge of Hebrew in particular he had acquired only in office). Above all he turned his whole strength upon the study of the Holy Scripture in the original languages, then upon the old Church Fathers, the writings of Luther and of the age of the Reformation. For it concerned him, whatever the general opinions of his time might be, above all to recognize the eternal truth, exalted above all change of times, and to attain a quite sure knowledge of that which the faith and doctrine of the holy Apostles and of all orthodox Christians who ever lived has been; and there he must soon see himself, away from the theology of his time, which so readily showed itself to be one departing from God's Word, referred wholly to the earlier times; and so it is not to be wondered at that he sought, with quite decided preference, to study and live himself into the old Fathers and especially Luther. With great sympathy he watched the new wrestling and working of the minds which had awakened in the last decades in German evangelical theology, and with all the more heartfelt joy he greeted the newly stirring life, the more it inclined again toward the old eternal Gospel and the faith of the Fathers; but never, not even amid the newest events and turns in theology, did the right sobriety forsake him, with which his eye, sharpened by God's Word, knew how to separate error from truth even in the believing and churchly theology of the modern age. He recognized that we Lutheran Christians in this time have to contend especially also against modern credulity for hearth and altar, and that the strife is not about single points of doctrine, but about principles (fundamentals). Therefore, as his most grievous lament was: "God's Word and faith have departed from our German fatherland; Luther, though known to all by name, is yet known by few according to his spirit and his nature!"—so the sum of his theological conviction was this: "We must go back up to Luther!"
(Conclusion to follow.)
(Communicated.)
The Emigration
of the Evangelical Lutheran Salzburgers
in the Years 1731, 32 and 33.
(Continuation)
Soon after the occurrence already related, still in the autumn of 1731, the auxiliary troops requested of the Emperor arrived. Six thousand men of infantry and cavalry streamed into the land and pressed in everywhere, even into the most forgotten hiding-places. Now the torment and suffering reached a monstrous height.
The soldiers quartered themselves in the Lutheran houses, kept house there with cursing and raging, ate up the best provisions of the well-to-do and the last bread of the poor, broke open chests and cupboards and plundered, tracked down any hidden treasures and robbed, and even the honor of wives and maidens was not safe from their insolence.
If one considers now that the soldiers of that time were not only much rougher and more violent than today, but also that these here were under the delusion that God took pleasure in the misery of those fallen away from the Catholic Church, then the misery of our poor fellow-believers must appear exceedingly great. It is therefore easily conceived that by this they were for the most part brought to beggary. And nevertheless they were to pay their taxes and dues. If they now lacked the means, the officials and bailiffs came, seized their lands, took away their cattle and their household goods; yea, more than once an old man, a sick man, was thrown out of his last earthly comfort, his poor bed, with which the authorities paid themselves.
But "God is faithful, who will not suffer you to be tempted above that ye are able, but will with the temptation also make a way to escape, that ye may be able to bear it" (1 Cor. 10). By His wonderful governance He ordained that to His own the days of tribulation were eased, yea shortened, and that just through a part of the soldiers summoned as their oppressors and tormentors. Surely the reader will not be able to hear of it without emotion.
For among the imperial soldiers the dragoon regiment "Prince Eugene" had marched in, which must have been recruited for the most part in Protestant regions, for the majority of these dragoons consisted of Lutherans. Of that, to be sure, the Viennese had not thought, and the Archbishop too had not asked the soldiers about their faith. These Lutheran dragoons now, however wild and terrible they might be against armed enemies, had no desire at all to do woe to a defenseless people, all the less to a people which confessed their own faith and for the sake of it was already treated mercilessly enough. Rather they took the part of the unfortunate secretly, as well as they could. Those who were instructed would even often sit down at night in the midst of the families, read to them a portion of the Holy Scripture, where one was still saved, and expounded it with hearty zeal, or otherwise held edifying conversations with them, to instruct them about the ways of God and to refresh and raise up their faint heart. Yea, many a fearsome, bearded rider would set the children around him there, take a smaller one upon his lap, and go through the Lutheran catechism with them. And the little ones, who at first had looked shyly at the man with the sword and his dreadful beard, soon perceived that he must have a milder heart than the sneaking Jesuit, nestled with confidence about his knees and against his breast, and let themselves be schoolmastered by him with childlike delight. It must also be said to the credit of the Catholic dragoons that, after the example of their Lutheran comrades, they were ashamed to wage war upon the unarmed and likewise behaved decently.