Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 10 › Seite 76

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-01-02, Seite 76

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Traktats von Kaiser Carl V. und König Ferdinand verlangte, indem er erklärte, daß selbst die Versiegelung des Bündnisses durch gegenseitige Eidesleistungen die Sache keineswegs gültig mache, und daß er alle, welche den Eid geschworen, hiermit aus päpstlicher Machtvollkommenheit davon quitt und losspreche. Merkwürdig endlich ist in dieser Beziehung auch dies, daß der Kaiser, nachdem er sich gezwungen gesehen hatte, die Friedensschluß-Urkunde zu unterzeichnen, darauf voll Unmuth und Verdruß die Feder zerstampfte, womit er dies gethan hatte. Gott zeigte damit, daß der sonst so unbeugsame Mann auch wider Willen hatte thun müssen, was Gott der HErr für Seine schon so lange unter furchtbarem Drucke seufzende Kirche für gut fand. Vergl. 1 Mos. 31, 24., Spr. 16, 7., Luc. 2, 1.

Die Wirkungen und die Nothwendigkeit der h. Taufe.

Der „Apologete,“

den wir längere Zeit unberücksichtigt gelassen haben, fährt leider noch immer fort, in seiner bekannten Weise gegen die lutherische Kirche zu streiten. In einer der letzteren Nummern dieses Methodistenblattes wird unserer Kirche wieder ein Irrthum aufgebürdet, den dieselbe, wie Herr Nast, der Herausgeber, wohl weiß oder doch als solcher wissen sollte, immer entschieden verworfen und verdammt hat. In der Nummer vom 9. November schreibt nehmlich Herr Nast: „Daß Taufe und Wiedergeburt unzertrennlich mit einander verbunden seien, ist stets ein Fundamentalartikel und Hauptpfeiler in der römisch-katholischen Kirche gewesen. Aber leider hat sich diese Lehre auch, als ein gefährlicher Sauerteig, in die protestantischen Staatskirchen, vorzüglich in die lutherische und in die bischöfliche Hochkirche eingeschlichen, und wurde in neuester Zeit durch die sogenannte Alt- oder Streng-Lutherische Parthei in Deutschland und durch die Puseyiten in England, als die zur Seligkeit wesentlichste, nothwendigste Glaubenslehre, als der eigentliche Kern und Stern des Evangeliums aufgestellt, und wer ihr widerspricht, wird von diesen verkappten Papisten als ein profaner Sektirer und Ketzer verdammt.“ Weiter unten heißt es nun weiter: „Es wird behauptet, daß die Herzensveränderung, welche Wiedergeburt genannt wird, unfehlbar in und durch die Taufe statt findet. Ist daher diese Behauptung wahr, so muß die Herzensveränderung ohne Ausnahme in jedem Erwachsenen in dem Augenblick des Taufaktes stattfinden, das heißt: in dem Augenblick, in welchem die Hand des Priesters den Leib mit dem Taufwasser berührt, muß sein Verstand erleuchtet, sein Wille verändert und seine Neigungen geheiliget werden. Bis zu diesem Augenblick liegt er in dem dem Tod ähnlichen Schlaf der Sünde und Uebertretung, aber in diesem Augenblick wacht er auf von dem geistlichen Tode, indem ihm Christus das Leben gibt; er ist jetzt in Christo und darum eine neue Creatur.“ — Gegen diesen angeblichen Irrthum der lutherischen Kirche zieht den nun Herr Nast mit Hülfe einer englischen Schrift lustig und siegesmuthig zu Felde; er zeigt z. B., daß ja viele getaufte Erwachsene durch ihren Wandel bewiesen, wie ihnen jene göttliche Veränderung noch abgehe; ferner, daß nach dieser Lehre jeder Ungetaufte verloren gehen müsse ꝛc.—

Solche Angriffe dienen uns Lutheranern zu großem Trost. Sie zeigen, daß, wenn man uns mit Hoffnung des Sieges angreifen will, man sich genöthigt sieht, theils uns Irrthümer, die wir selbst verabscheuen, anzudichten, theils die Wahrheiten, die wir wirklich bekennen und festhalten, zu verdrehen.

Es ist nehmlich nicht wahr, daß ein „strenger“ Lutheraner, d. h., ein Lutheraner, der diesen Namen in der Wahrheit trägt, glaube, daß die Taufe „unfehlbar“ in „jedem Erwachsenen“ die Wiedergeburt wirke und daß niemand wiedergeboren sein könne, der nicht getauft worden ist. Die lutherische Kirche lehrt vielmehr 1., daß nur der die Taufe zu seiner Seligkeit empfange, welcher dieselbe im wahren Glauben empfängt, und daß ein Mensch so wenig durch das bloße Sich taufen lassen wiedergeboren werde, so wenig das bloße Hören des Wortes Gottes, welches neben dem Wasser das Hauptstück auch des Sacramentes der heiligen Taufe ist, wiedergebiert und selig macht. Die lutherische Kirche lehrt aber auch vielmehr 2., daß ein Erwachsener schon vor seiner Taufe wiedergeboren, erleuchtet, begnadigt, ein Kind Gottes, eine neue Creatur sein kann, ja daß er dies sein soll und daß die Taufe ihn in dieser Gnade nur bestätigen, versiegeln und bestärken soll.

Daß dies die Lehre unserer Kirche sei, sollte Herr Nast, als ein vormaliger, wenn auch leider abgefallener, Lutheraner, billig schon aus dem kleinen Katechismus Lutheri wissen. Denn darin heißt es mit klaren Worten: „Wasser thut’s freilich nicht; sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser trauet.“

Damit aber Herr Nast nicht meine, diese reine Lehre Luthers sei später von unsern Dogmatikern aufgegeben und die schändliche Lehre der Papisten, daß das bloße opus operatum (das bloße gethane Werk) rechtfertige und jeden wie ein Zaubermittel wiedergebäre, so mögen hier einige Zeugnisse unserer berühmtesten Lehrer über jene Punkte folgen.

So schreibt Johann Gerhard: „Die Sacramente sind das sichtbare Wort und darum darf das, was dem Wort zugeschrieben wird, den Sacramenten freilich nicht abgesprochen werden. Das Wort Gottes ist eine Kraft, selig zu machen alle, die daran glauben, Röm. 1, 16., es ist das wirksame Mittel und Werkzeug, durch welches Gott den Glauben zur Seligkeit in den Herzen wirkt, Röm. 10, 17. 1 Tim. 4, 16.; so ist auch die Taufe nicht ein bloßes Zeichen, sondern ein Werkzeug und Mittel, durch das uns Gnade und Heil angeboten wird. Keineswegs aber hegen wir den Wahn von dem opus operatum (d. h. daß das bloße Thun des Werkes etwas helfe), sondern fordern allerdings den Glauben zu einem heilsamen Gebrauche der Taufe und bekennen mit ausdrücklichen Worten, daß die Taufe Niemanden etwas nütze ohne Glauben. Diesen Glauben und die damit verbundene Wiedergeburt wirkt der heilige Geist eben durch die Taufe in den Herzen der Kinder, wie wir oben gezeigt haben; wie daher das Wort nicht hilft, wenn es nicht mit dem Glauben vermischt wird, Ebr. 4, 2., und nichts desto weniger das heilsame Mittel ist und bleibt, durch das der Glaube in den Herzen der Menschen angezündet wird Röm. 10, 7., so nützt auch das Sacrament der Taufe ohne Glauben nicht, und ist nichts desto weniger das heilsame Mittel, durch welches der heilige Geist in denen, welche seiner Wirkung nicht widerstehen und widerstreiten, den Glauben (in den Kindern) anzuzünden, (in den Erwachsenen) vermehren und bestätigen will. Unsere Meinung ist daher himmelweit von dem Wahn des opus operatum entfernt. Denn etwas anderes ist es, von der Wirksamkeit der (Gnaden-) Mittel von Seiten des anbietenden Gottes an und für sich selbst handeln; etwas anderes ist es, sagen, was jene Mittel ohne ein aufnehmendes Mittel (den Glauben) von Seiten der Menschen nützen; es ist daher eine verkehrte Sache, daß man, so oft von der Wirksamkeit der göttlichen Ordnungen und der von Gott eingesetzten Mittel zur Seligkeit gehandelt wird, sogleich den Wahn des opus operatum daraus hervor holt. So legen wir auch dem Wasser der Taufe keine heimlich in demselben liegende Kraft bei, sondern schreiben jene göttlichen Wirkungen, wiederzugebären, zu reinigen, seligzumachen, dem heiligen Geiste, als der ursprünglichen Ursache, ganz allein zu; indeß halten wir, der Schrift folgend, doch dafür, daß jene Wohlthaten durch das mit Gottes Wort geheiligte, begabte und darin verfaßte Wasser der Taufe ausgetheilt werden. Wir setzen aber bei diesem Punkte von der Wirksamkeit der Taufe hinzu, daß man zwischen Kindern und Erwachsenen einen Unterschied machen müsse. Kinder widerstreben dem heiligen Geiste und seiner Wirkung nicht, und daher wird ihnen durch die Taufe Glaube und Seligkeit unzweifelhaft mitgetheilt; Erwachsene hingegen können die heilsame Wirkung des h. Geistes durch thatsächliche Unbußfertigkeit und halsstarriges Widerstreben hindern, in welchem Falle ihnen das bloße gethane Werk der Taufe keineswegs Nutzen bringt, sondern ihnen vielmehr zum Gerichte gereicht und eine größere Verdammniß zuzieht. Dieses ist vollkommen wahr, daß die Gnade der Wiedergeburt nicht so an der Taufe haftet, daß Gott nicht im Nothfalle Kinder ohne das Sakrament der Taufe wiedergebären könnte; indessen kann doch daraus nicht der Einwurf gemacht werden, daß die Taufe nicht das ordentliche Mittel der Wiedergeburt sei, an dessen Gebrauch wir gebunden sind. Dies läßt sich durch ein ähnliches Beispiel erklären. Es hat Gott gefallen, die Menschen durch das Wort zu bekehren, Röm.

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treaty demanded of Emperor Charles V and King Ferdinand, declaring that even the sealing of the alliance by mutual oaths by no means made the matter valid, and that he hereby, by papal plenitude of power, acquitted and released all who had sworn the oath. Remarkable, finally, in this connection is this also, that the Emperor, after he had seen himself compelled to sign the instrument of the peace, thereupon in full ill-humor and vexation stamped to pieces the pen with which he had done it. God showed thereby that the man, otherwise so unbending, had been obliged to do even against his will what God the LORD found good for His Church, sighing so long already under terrible pressure. Compare Gen. 31, 24., Prov. 16, 7., Luke 2, 1.

The Effects and the Necessity of Holy Baptism.

The "Apologete,"

which we have for a considerable time left unnoticed, unfortunately still continues in its well-known manner to contend against the Lutheran Church. In one of the recent numbers of this Methodist paper an error is again charged upon our Church, which she, as Mr. Nast, the editor, knows well or at least as such ought to know, has always decidedly rejected and condemned. In the number of the 9th of November Mr. Nast namely writes: "That baptism and regeneration are inseparably bound together has always been a fundamental article and chief pillar in the Roman Catholic Church. But unfortunately this doctrine has also, as a dangerous leaven, crept into the Protestant state churches, especially into the Lutheran and into the Episcopal High Church, and was in the most recent time set up by the so-called Old or Strict Lutheran party in Germany and by the Puseyites in England, as the most essential and necessary doctrine of faith for salvation, as the real kernel and core of the Gospel, and whoever contradicts it is condemned by these disguised papists as a profane sectarian and heretic." Further below it says then further: "It is asserted that the change of heart which is called regeneration takes place infallibly in and through baptism. If, therefore, this assertion is true, the change of heart must take place without exception in every adult at the moment of the act of baptism, that is: at the moment in which the hand of the priest touches the body with the baptismal water, his understanding must be enlightened, his will changed and his inclinations sanctified. Until this moment he lies in the sleep of sin and transgression, like unto death, but at this moment he awakes from spiritual death, in that Christ gives him life; he is now in Christ and therefore a new creature." — Against this alleged error of the Lutheran Church Mr. Nast now takes the field merrily and victoriously with the help of an English writing; he shows, for example, that many baptized adults prove by their walk that that divine change is still lacking in them; further, that according to this doctrine every unbaptized person must be lost, etc. —

Such attacks serve us Lutherans for great comfort. They show that, when one wishes to attack us with hope of victory, one sees oneself compelled partly to impute to us errors which we ourselves abhor, partly to distort the truths which we truly confess and hold fast.

For it is not true that a "strict" Lutheran, that is, a Lutheran who bears this name in truth, believes that baptism "infallibly" works regeneration in "every adult" and that no one can be regenerate who has not been baptized. The Lutheran Church teaches rather 1., that only he receives baptism for his salvation who receives it in true faith, and that a man is as little regenerated by the mere having himself baptized, as little as the mere hearing of the Word of God, which beside the water is the chief part also of the Sacrament of holy Baptism, regenerates and makes blessed. The Lutheran Church teaches also rather 2., that an adult may already before his baptism be regenerate, enlightened, graced, a child of God, a new creature, yea, that he ought to be this, and that baptism is only to confirm, seal and strengthen him in this grace.

That this is the doctrine of our Church Mr. Nast, as a former, though unhappily apostate, Lutheran, should fairly know already from Luther's Small Catechism. For therein it says in clear words: "Water doth not do it, indeed; but the Word of God, which is with and in the water, and faith, which trusts such Word of God in the water."

But lest Mr. Nast suppose that this pure doctrine of Luther was afterwards given up by our dogmaticians, and the shameful doctrine of the papists, that the mere opus operatum (the mere work performed) justifies and regenerates everyone like a charm, a few testimonies of our most renowned teachers on those points may here follow.

Thus writes Johann Gerhard: "The Sacraments are the visible Word, and therefore what is ascribed to the Word may not indeed be denied to the Sacraments. The Word of God is a power to save all who believe in it, Rom. 1, 16., it is the effectual means and instrument by which God works faith to salvation in the hearts, Rom. 10, 17. 1 Tim. 4, 16.; so also baptism is not a mere sign, but an instrument and means by which grace and salvation are offered to us. By no means, however, do we cherish the delusion of the opus operatum (that is, that the mere doing of the work helps in any way), but we do require faith for a salutary use of baptism and confess in express words that baptism profits no one without faith. This faith and the regeneration bound up with it the Holy Ghost works precisely through baptism in the hearts of children, as we have shown above; as therefore the Word does not profit if it be not mixed with faith, Heb. 4, 2., and none the less is and remains the salutary means by which faith is kindled in the hearts of men, Rom. 10, 7., so also the Sacrament of baptism profits not without faith, and is none the less the salutary means by which the Holy Ghost, in those who do not resist and strive against his working, will kindle faith (in the children), increase and confirm it (in the adults). Our meaning is therefore as wide as heaven from the delusion of the opus operatum. For it is one thing to treat of the efficacy of the (means of grace) of themselves on the part of the offering God in and for itself; it is another thing to say what those means profit without a receiving means (faith) on the part of men; it is therefore a perverse thing that, as often as the efficacy of the divine ordinances and of the means of salvation instituted by God is spoken of, one immediately fetches out of it the delusion of the opus operatum. So we also ascribe to the water of baptism no hidden power lying in it, but ascribe those divine effects, to regenerate, to cleanse, to make blessed, to the Holy Spirit alone, as the original cause; meanwhile we hold, following the Scripture, nevertheless that those benefits are dispensed through the water of baptism, hallowed, endowed and comprehended with God's Word. We add, however, on this point concerning the efficacy of baptism, that one must make a distinction between children and adults. Children do not resist the Holy Spirit and his working, and therefore faith and salvation are undoubtedly imparted to them through baptism; adults, on the contrary, can hinder the salutary working of the Holy Spirit by actual impenitence and stubborn resistance, in which case the mere work done of baptism brings them no profit whatever, but rather turns to them for judgment and draws upon them a greater condemnation. This is perfectly true, that the grace of regeneration is not so bound to baptism that God could not in case of necessity regenerate children without the Sacrament of baptism; yet it can nevertheless not be objected from this that baptism is not the ordinary means of regeneration, to the use of which we are bound. This may be explained by a like example. It has pleased God to convert men through the Word, Rom.