Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 10 › Seite 79

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-01-02, Seite 79

73 74 75 76 77 78 79 80

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

⤓ Download .txt · copy text

79

stürmt, die wehrlosen Mönche gemordet, und der blutdürstige Haß sich namentlich gegen die Priester und Missionare richtete? wie die Verfolgung auch in der Ebene von Beirut losbrach, und die christlichen Familien flüchtig, brodlos, obdachlos im Land umherirrten und aus einer Räuber- und Würgerhand in die die andre fielen? Und die türkischen Beamten? sie steuerten den Greueln nicht, sondern machten sich zu Mitschuldigen und die türkischen Truppen unterstützten die Verfolgung. Damals — vor neun Jahren — bemühten Agenten der französischen Regierung sich, Einhalt zu thun, aber wer wirkte ihnen entgegen? wer war ihnen hinderlich? die englischen Agenten!!

Endlich auf Andringen der Gesandten christlicher Mächte schickte die türkische Regierung ihren Minister des Auswärtigen nach Syrien um Ruhe zu stiften. Wie machte der's? Hat man denn Alles Alles vergessen? Er befahl allgemeine Entwaffnung! das heißt: den Christen, welche kaum ihres Lebens sich wehren konnten, wurden die Waffen abgenommen; man versprach, sie zu schützen, und sie lieferten 15,000 Gewehre aus! Ihre Verfolger aber durften die Gewehre behalten, der Häuptling dieser Christenschinder ward frei gesprochen, dagegen die Vornehmsten unter den Verfolgten ins Gefängniß geworfen, und die Verfolgung brach nun erst recht aus! die Türken prügelten zu Tod wen sie wollten, unter dem Vorwand als seien noch nicht alle Waffen ausgeliefert; sie überfielen die Klöster, mißhandelten die wehrlosen Bewohner aufs entsetzlichste, hingen die Mönche an den Füßen auf, und schlugen sie mit den Köpfen gegen den Boden, plunderten weit und breit umher, brandschatzten, folterten die Frauen mit ganz ausgesuchten satanischen Martern um von ihnen zu erfahren, wo ihre Männer sich etwa verborgen hielten, oder wo Schätze zu finden seien. Zu Gazir wurden Bischof, Priester und andere Christen geprügelt, geknebelt, in eine Höhle geworfen, in welche man dann Wasser leitete ꝛc. Das thaten die türkischen Commissarien und Truppen, welche nach Syrien geschikt waren, den Frieden zu stiften.

Was die türkischen Friedenscommissarien in Syrien handhabten, war ein System fortgesetzter Bedrückung, eine plan- und regelmäßige Christenverfolgung, eine Kettenreihe von Demüthigungen, Erniedrigungen und schmachvollen Qualen, die unsern dortigen Glaubensbrüdern jeden Schatten einer Erinnerung an ihre Menschenwürde aus dem Kopfe treiben sollten, und die ihnen absichtlich nur deshalb zugefügt wurden, um sie das Verbrechen des Antheils, welchen Europa an ihnen zu nehmen schien, möglichst hart büßen zu lassen, um sie murbe zu foltern.

Und die Gesandten der christlichen Mächte schrieben hin und her und her und hin, und der Türke lachte ihnen in den Bart. Ja jener Minister des Aeußern der Anstifter des schrecklichen „Friedenswerkes“ wurde zum Gesandten in London ernannt. Und Sir Carl Napier sagte damals (also vor noch nicht zehn Jahren) öffentlich im englischen Landtag: die türkische Regierung ist die schmachvollste, die unter der Sonne existirt. Das sagte derselbe Karl Napier, welcher jetzt mit den Türken im Bunde die Flotte in der Ostsee commandirt. Aber in zehn Jahren kann man viel vergessen, viel Ehrgefühl verlieren, und eine Hand und beide Hände an den Teufel einbüßen, nachdem man ihm zuerst einen Finger gegeben.

In Smyrna ging zu derselben Zeit fast das ganze Stadtviertel, welches die armenischen und griechischen Christen bewohnten, in Feuer auf, mehr denn 4000 Häuser lagen in Asche, und als an den noch übrigen Häusern immer die Brandstiftung sich erneuerte — wer wurde da endlich auf frischer That ergriffen? die Polizeisoldaten des türkischen Pascha! Zugleich bedrohte der türkische Pöbel die Christen mit neuer Brandlegung und allgemeiner Metzelei. Im Jahre darnach hörten die Verfolgungen noch immer nicht auf. In Bosnien wurden die Christen bis über die östreichische Grenze verfolgt und auch östreichische Unterthanen gemißhandelt und ermordet, und ihre Köpfe an der Grenze auf Stangen gesteckt. Oberst Jellachich mit acht Compagnieen unternahm einen Streifzug zur Züchtigung des Türkengesindels, fiel aber beinahe selbst ihnen in die Hände, und neue abgeschnittene Köpfe zierten die Grenze. Erst einer größeren Heeresabtheilung gelang es, den Türken Ruhe abzuzwingen.

Das waren die Türken bis zum Jahr 1845, und das sind sie noch 1854. Aber wir erleben das schauerliche Schauspiel, daß 1854 christliche Könige um die Wette sich beeifern, den christenschinderischen Türken aufzunehmen in die Mitte der europäischen Herrscher!!

Es giebt in der Geschichte der gefallenen Menschheit unendlich viel des Frevels und der Schandthaten; aber es giebt in der ganzen Weltgeschichte kein Volk, daß so riesig-massenhaft und so durch Jahrhunderte systematisch ununterbrochen Gräuel auf Gräuel der ungeheuersten Art gehäuft hat, wie das der Türken! Die reine Wollust der Grausamkeit, die vollendete Entmenschung aller menschlichen Beziehungen, die nackte absolute Bestialität, verbunden mit absoluter Treulosigkeit und mit dem absoluten, bis zum Wahnwitz gesteigerten Hochmuth — mit einem Worte: Die vollkommene Offenbarung des Teufels ist das Türkenthum, und in drei Welttheilen die Verwandlung der blühendsten Länder der Erde in schauerliche Wüsten, in Stätten des Jammers und Elends ist dieses Teufelthumes Werk und Frucht! (Pilger a. Sachsen.)

Rabot, Herzog der Friesen.

Karl Martell, Heerführer der Franken, hatte Anno 734 die Friesen sammt ihrem Herzog überwunden und unter sich gebracht. Er ließ also die heidnischen Götzenbilder niederreißen und sie durch Bischof Wolfram und andere christliche Lehrer zum Glauben unterrichten und bekehren. Als nun dieser Rabot schon vor dem Taufstein stund und getauft werden sollte, fragte er, wo denn seine Vorfahren hinkommen, ob sie im Himmel oder in der Hölle wären. Als ihm der Bischof geantwortet: Alle, die Christum nicht erkennen, fahren in die Hölle, gieng Rabot wieder zurück und sagte: So ist es besser, ich fahre mit Vielen als Wenigen und komme dahin, wo meine Vorältern auch hingekommen. — War das nicht thöricht geredet? Aber, du Weltkind, der du dich nach dem großen Haufen richtest, machst du's besser?

Dr. H. Göde stirbt unvorbereitet.

Zu Wittenberg war ein Jurist und Domherr, Henning Göde, ein epikureischer Mann. Als der krank war, kam Dr. Luther zu ihm, ihn zu trösten. Als er nun sah, daß er sehr schwach war, sprach er: O Herr G., ihr seid ein schwacher Mann, ihr solltet euch mit Gott versöhnen, beichten, die Absolution und das Nachtmahl empfangen, auf daß ihr bereit wäret, wenn Gott euch abforderte, selig auf Christum zu sterben. Der epikureische Mann gab ihm die Antwort: Es hat noch keine Noth, Gott wird nicht so schweizerisch mit mir handeln und mich also überraschen; aber bald entfiel ihm die Sprache und starb des andern Tages ohne Beicht, Gebet und Sacrament. Darum heißt es: Heute, heute, weil ihr die Stimme des Herrn noch höret, so verstocket eure Herzen nicht, sondern bekehret euch zu Gott.

Die sieben Sacramente.

Wir haben schon einmal im Lutheraner gehört, daß ein papistischer Prediger daraus erwiesen hat, daß es gerade sieben Sacramente gibt, weil die Landesknechte nie bei zwei, sondern immer bei sieben Sacramenten fluchten und weil zu Cana sechs (!) Wasserkrüge im Hochzeitshause waren. Ein anderer scharfsinniger römischer Theolog, Santius Porta, sagt in einer vor Papst Benedikt XIII. gehaltenen Predigt, um welcher willen jener zum Magister s. Palatii erwählt wurde: überaus klar erhelle, daß es sieben Sacramente gebe, weil das in dem Ave Maria vorkommende Wort „Dominus“ (HErr) aus sieben Buchstaben bestehe, von denen D (Dimissio peccatorum, Vergebung der Sünden) das Sacrament der Buße; O (Ordo, geistlicher Stand) das Sacrament der Priesterweihe; M (Matrimonium, Ehe) das Sakr. der Ehe; I (Initium, Anfang des Christenthums) das Sacr. der Taufe; N (Nexus, Verbindung) das Sacr. der Firmelung; U (Unctio, Salbung) das Sacr. der letzten Oelung; S (Sanctum, das Heilige) das Sacr. des Nachtmahls bedeute. — Wer mag nun leugnen, daß es nicht mehr und nicht weniger Sacramente gibt? — Hieraus sieht man auch, wie es ein Mensch anfangen muß, um in der römischen Kirche zu Ehrenstellen zu kommen.

Die Glockentaufe.

Bekanntlich gehen die Römisch-Katholischen im Mißbrauch der heiligen Taufe so weit, daß sie selbst Glocken zu taufen und denselben einen Taufnamen zu geben pflegen. Montanus hat in seiner historischen Nachricht von Glocken“ aus der Zeit kurz vor der Reformation selbst einen Pathenbrief mitgetheilt, in welchem mehrere Adelige den Rath zu Tennstädt bitten, bei der bevorstehenden Taufe mehrerer neuer Glocken

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

79

stormed, the defenseless monks murdered, and the bloodthirsty hatred turned especially against the priests and missionaries? how the persecution also broke out in the plain of Beirut, and the Christian families, fugitive, breadless, homeless, wandered about the land and fell from one robber's and murderer's hand into the other? And the Turkish officials? they did not check the atrocities, but made themselves accomplices, and the Turkish troops supported the persecution. At that time — nine years ago — agents of the French government endeavored to put a stop to it, but who worked against them? who hindered them? the English agents!!

At last, at the urging of the envoys of Christian powers, the Turkish government sent its Minister of Foreign Affairs to Syria to establish quiet. How did he go about it? Have they then forgotten everything, everything? He ordered a general disarmament! that is: from the Christians, who could hardly defend their lives, the weapons were taken; it was promised to protect them, and they delivered up 15,000 guns! Their persecutors, however, were allowed to keep their guns, the chieftain of these Christian-flayers was acquitted, while the foremost among the persecuted were cast into prison, and the persecution now first broke out in earnest! the Turks beat to death whom they pleased, on the pretext that not all the weapons had yet been delivered up; they fell upon the monasteries, maltreated the defenseless inhabitants in the most dreadful manner, hung the monks up by the feet and dashed them with their heads against the ground, plundered far and wide, levied contributions, tortured the women with quite choice satanic torments in order to learn from them where their husbands might be hiding, or where treasures were to be found. At Gazir a bishop, priests and other Christians were beaten, gagged, thrown into a cave, into which water was then let, etc. This is what the Turkish commissioners and troops did, who had been sent to Syria to establish peace.

What the Turkish peace commissioners practised in Syria was a system of continued oppression, a planned and regular persecution of Christians, a chain of humiliations, abasements and shameful torments, which were to drive out of the heads of our fellow-believers there every shadow of a recollection of their human dignity, and which were inflicted on them intentionally only in order to make them atone as severely as possible for the offense of the sympathy which Europe seemed to take in them, in order to torture them into submission.

And the envoys of the Christian powers wrote back and forth and forth and back, and the Turk laughed in their beards. Yes, that Minister of Foreign Affairs, the author of the dreadful "work of peace," was appointed envoy in London. And Sir Charles Napier said at that time (thus not yet ten years ago) publicly in the English Parliament: the Turkish government is the most disgraceful that exists under the sun. That same Charles Napier said this who is now in alliance with the Turks commanding the fleet in the Baltic. But in ten years one can forget much, lose much sense of honor, and forfeit a hand and both hands to the devil, after one has first given him a finger.

In Smyrna at the same time almost the whole quarter of the city which the Armenian and Greek Christians inhabited went up in fire, more than 4000 houses lay in ashes, and when the incendiarism renewed itself in the remaining houses — who was then caught at last in the act? the police soldiers of the Turkish pasha! At the same time the Turkish rabble threatened the Christians with new arson and general massacre. In the year after, the persecutions still did not cease. In Bosnia the Christians were pursued across the Austrian frontier, and Austrian subjects also were maltreated and murdered, and their heads stuck on poles on the frontier. Colonel Jellachich with eight companies undertook an expedition for the chastisement of the Turkish rabble, but almost fell into their hands himself, and new severed heads adorned the frontier. Only a larger division of the army succeeded in forcing quiet upon the Turks.

Such were the Turks up to the year 1845, and such they still are in 1854. But we witness the appalling spectacle that in 1854 Christian kings vie with one another in zeal to receive the Christian-flaying Turk into the circle of the European sovereigns!!

There is in the history of fallen mankind infinitely much of crime and outrage; but there is in the whole history of the world no people that has so gigantically, massively, and so systematically through centuries without interruption, heaped atrocity upon atrocity of the most monstrous kind, as that of the Turks! The pure voluptuousness of cruelty, the consummate dehumanizing of all human relations, the naked, absolute bestiality, combined with absolute faithlessness and with absolute pride carried to madness — in a word: the complete revelation of the devil is Turkdom, and in three continents the transformation of the most flourishing countries of the earth into dreadful deserts, into places of misery and woe, is this devilry's work and fruit! (Pilger a. Sachsen.)

Rabot, Duke of the Frisians.

Charles Martel, leader of the Franks, had in the year 734 overcome the Frisians together with their duke and brought them under his sway. He therefore had the heathen idols torn down and had them instructed and converted to the faith by Bishop Wolfram and other Christian teachers. When now this Rabot already stood before the baptismal font and was about to be baptized, he asked where his forefathers had gone, whether they were in heaven or in hell. When the bishop answered him: All who do not know Christ go to hell, Rabot went back again and said: Then it is better that I go with many than with few, and come where my forefathers also have come. — Was that not foolishly said? But you, child of the world, who follow the great crowd, do you do better?

Dr. H. Göde Dies Unprepared.

At Wittenberg there was a jurist and canon, Henning Göde, an Epicurean man. When he was sick, Dr. Luther came to him to comfort him. When he now saw that he was very weak, he said: O Mr. G., you are a weak man, you ought to be reconciled with God, confess, receive the absolution and the Lord's Supper, that you may be ready, when God calls you away, to die blessedly in Christ. The Epicurean man gave him the answer: There is no need yet, God will not deal so Swiss-like with me and surprise me thus; but soon speech failed him, and he died the next day without confession, prayer and sacrament. Therefore it is said: To-day, to-day, if ye will hear his voice, harden not your hearts, but turn to God.

The Seven Sacraments.

We have already once heard in the Lutheraner that a popish preacher proved from this that there are precisely seven sacraments, because the lansquenets never swore by two, but always by seven sacraments, and because at Cana there were six (!) water-pots in the wedding house. Another acute Roman theologian, Santius Porta, says in a sermon delivered before Pope Benedict XIII., for the sake of which he was elected Magister s. Palatii: it is exceedingly clear that there are seven sacraments, because the word "Dominus" (LORD) occurring in the Ave Maria consists of seven letters, of which D (Dimissio peccatorum, forgiveness of sins) signifies the sacrament of penance; O (Ordo, clerical state) the sacrament of ordination; M (Matrimonium, marriage) the sacrament of marriage; I (Initium, beginning of Christianity) the sacrament of baptism; N (Nexus, bond) the sacrament of confirmation; U (Unctio, anointing) the sacrament of extreme unction; S (Sanctum, the holy) the sacrament of the Lord's Supper. — Who can now deny that there are no more and no fewer sacraments? — From this one also sees how a man must set about it in order to attain places of honor in the Roman church.

The Baptism of Bells.

As is well known, the Roman Catholics go so far in the abuse of holy Baptism that they are accustomed to baptize bells themselves and to give them a baptismal name. Montanus, in his "historical account of bells," has himself communicated, from the time shortly before the Reformation, a letter of sponsorship in which several nobles ask the council at Tennstädt, at the forthcoming baptism of several new bells