Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 10 › Seite 78

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-01-02, Seite 78

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gehalten werden und der ehrw. J. R. Moser zu unserm Delegaten an die westliche Abtheilung genannter Synode bei ihrer nächsten Versammlung ernannt ist.

Vorstehende Beschlüsse werden die lieben Leser und resp. die Glieder unserer Synode überzeugen, daß meine Sendung an die Tenessee-Synode nicht ohne glücklichen Erfolg gewesen ist. Die persönliche Bekanntschaft mit einem aus unserer Mitte hat wesentlich beigetragen, ein brüderliches Vertrauen bei den Gliedern dieser Synode zu begründen und etwaige Vorurtheile gegen uns aus dem Wege zu räumen. Die Tenessee-Synode, obgleich deutschen Ursprungs, hat dennoch im Laufe der Zeit ihr deutsches Element verloren und ist eine rein englische geworden. Die Herrschaft der englischen Sprache, wie auch ihre örtliche abgesonderte Lage, hat diese Synode bisher von den deutschen Lutheranern ziemlich fern gehalten. Um so mehr erscheint die Eröffnung eines brüderlichen Verkehrs mit ihr von unserer Seite von nicht geringer Wichtigkeit für sie und für uns. Eine ins einzelne gehende Relation unserer gegenseitigen Unterredungen, welche zum großen Theile nicht öffentlich waren, möchte nicht am Orte sein. Es genüge hier die Versicherung, daß ich bei den anwesenden Pastoren eine treue Anhänglichkeit an unsere gemeinsame Mutter-Kirche wahrgenommen habe, auch auf keine wesentliche Lehrdifferenz gestoßen bin. Es war mir überaus erfreulich zu sehen, wie diese Männer bei der großen Armuth der englisch-lutherischen Literatur das Bewußtsein lutherischer Rechtgläubigkeit und Entschiedenheit so lebendig bewahrt haben. Ihre Synodalconstitution, welche 1828 verfaßt worden ist, hat zwar blos die unveränderte Augsburgische Confession und den kleinen Catechismus als eigentliches Glaubensbekenntniß aufgenommen; aber aus glaubwürdigem Munde ist mir versichert worden, daß die Pastoren der Synode für ihre Person sämmtlich der ganzen Concordia zugethan sind. Die diesmalige Synode war nicht sehr zahlreich vertreten; um so rathsamer schien es, sich auf die gefaßten Beschlüsse zu beschränken. Ich behalte mirs für eine künftige Zeit vor, die Tenessee-Synode, welche unsere ernste Theilnahme in hohem Grade verdient, mit ihrer geschichtlichen Entstehung, ihrer Verfassung und sonstigen Eigenthümlichkeiten, in einem besonderen Artikel bei den Lesern des Lutheraner einzuführen.

Th. J. Brohm.

Etwas vom Türken.

Herr, Du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest Du und rächest nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen. (Off. 6, 10.)

Franzosen und Engländer mit dem Türken haben Siege erfochten gegen das russische Heer. In Paris hat man mit allen Glocken geläutet und ist einander im bachantischem Freudentaumel um den Hals gefallen, als die falsche Nachricht eintraf, als sei auch Sebastopol, die russische Festung, gewonnen. Und die allermeisten Zeitungen jauchzen über den Schaden, den das Heer des Kaisers von Rußland erlitten. Und der evangelische Bischof in Jerusalem betet für seinen „wohlwollenden Sultan“ und dessen Verbündete und wider Rußland. Und allgemein ist die Verwirrung in den Köpfen und in den Herzen der Christenheit, daß man kaum mehr weiß was recht oder was falsch ist. Dank, tausend Dank sei es dem Preuß. Volksblatt für Stadt und Land, aus dessen 76. Nummer nachstehende Thatsachen entlehnt sind, daß es wiederholt an das, was vergessen scheint, erinnert und mit wem mans zu thun hat zeigt, so daß Jedem die Augen auf- und übergehen müssen. Unbegreiflich ist die Gunst, in welcher die Türken stehn bei schier allem Volk der Christenheit. Hat man denn vergessen, schon vergessen was vor 10 Jahren durch alle Zeitungen ging? Denn daß man vergessen hat, was vor 34 Jahren geschehen ist, wäre vielleicht eher noch zu entschuldigen! daß man vergessen hat den griechischen Verzweiflungskampf und die haarsträubenden, mehr als viehischen Gräuel, welche die Türken dabei verübten; wie da am ersten heil. Ostertag 1820 das Signal zur allgemeinen Christenmetzelei in Constantinopel gegeben ward, alsbald die Pforten der Hauptkirche mit Aexten eingeschlagen, die zum Gottesdienst Versammelten erwürgt, der ehrw. siebzigjährige Patriarch sammt drei Erzbischöfen an der Kirchthür aufgehangen, die Kinder in Stücke zerhauen, auf Pfähle gespießt, zusammengeknebelt und ins Meer geworfen,—binnen vier Tagen mehr als 30,000 Christen in der Hauptstadt hingemordet, und von hier aus die wahnsinnige Ausrottungswuth über alle Provinzen ausgebreitet, in Stadt um Stadt, in Landschaft um Landschaft dieselben tigermäßigen höllischen Scheußlichkeiten, auf der Insel Cypern allein 10,000 schuld- und wehrlose Christen hingeschlachtet, in der Moldau und Wallachei gespießt, die Kinder an Steinen zerschmettert oder längs der Landstraße an den Beinen aufgeknüpft; in Chios Städte, Dörfer, Oelbaumwälder niedergebrannt, 41,000 Christen geschlachtet, 30,000 Weiber und Kinder in die Sclaverei geschleppt; die Janitscharen, (türkische Soldaten aus geraubten Christenkindern groß gezogen) dem türkischen Volk als heimliche Christen denuncirt, bei 8,000 in ihren Kasernen lebendig verbrannt, 18,000 hingerichtet und ins Meer geworfen — — daß man das Alles vergessen hat, weils schon 34 Jahre her ist, das wäre unserm Geschlecht vielleicht noch zu verzeihn. Aber daß man auch schon nicht mehr weiß, was vor 10 und weniger Jahren geschehen ist von den Türken — das ist nicht zu entschuldigen. Weiß man denn gar nicht mehr, daß vor 10 Jahren in Darmstadt ein „Hülfsverein zur Unterstützung der Christen im Orient“ sich gebildet, der einen Aufruf erließ mit diesen Worten: „Ein Schrei des Entsetzens und der Verzweiflung der unglücklichen Christen im Morgenlande dringt zu unseren Ohren und Herzen. — Gräßlich und herzzereißend sind die Nachrichten von den Verfolgungen und Ausschweifungen, welche die muselmännische Bevölkerung und Soldateska gegen die Christen in Adrianopel, Latakiah, Jerusalem, Aleppo, Diarbekir und an andern Orten sich hingegeben hat; schauderhaft sind die namenlosen Greuel des Mordes, des Brandes, der Frauen- und Mädchenschändung, welche diese Unmenschen gegen unsere Christenbrüder verüben, deren einzige Schuld der heilige Christenname ist, den sie gemeinschaftlich mit uns tragen. Völlig schutz- und hülfelos sind sie bei der Ohnmacht der türkischen Regierung ihren grausamen Peinigern preisgegeben und können (ein ganzes christliches Dorf in Albanien soll seine Rettung wirklich damit erkauft haben) nur durch Verleugnung ihres Christennamens, nur durch Abfall vom Christenthume gegen solche Gräuel sich schützen.“

Eine allgemeine Christenverfolgung mit allen ihren gewohnten Gräueln war ausgebrochen.— Amtliche Berichte der christlichen Bischöfe aus den verschiedensten Provinzen, Macedonien, Albanien, Bosnien, Bulgarien, in Europa und Asien, meldeten wie die Christenkinder von den Türken gespießt, die Eltern an Bäume gebunden und langsam gebraten, die Knaben geschändet, und Mord, Brand, Plünderung und unsägliche Satansgreuel von den Christenschindern verübt wurden — Monate lang! Und kein Einhalt geschah von der türkischen Obrigkeit. Erst als der Sultan fürchtete, daß die Mörderbanden, welche jetzt zur Christenverfolgung sich organisirt hatten, möchten Gelüst bekommen gegen seine eigene Herrschaft sich aufzulehnen, befahl er Stillstand. Das ist der wohlwollende Sultan“ jenes evangelischen Bischofs!

Diese empörenden Christenverfolgungen — so schrieb ein geachteter Schriftsteller zu jener Zeit — geben uns abermals einen Beweis von türkischer Bildung und Dankbarkeit . . Nicht der türkische Pöbel, sondern der türkische Volksgeist verübt diese Frevel; dieser Geist ist nicht nur immer derselbe geblieben, er ist schlechter geworden. Ursprünglich war er barbarisch grausam, aber dabei heldenmüthig; jetzt ist er meuchlerisch grausam. Weil türkische Diplomaten an den christlichen Höfen figuriren, weil türkische Offiziere in Europa in die Schule gegangen, glaubten manche Gutmüthige, die Türkei sei für die Humanität gewonnen, ihr Christenhaß sei verschwunden. Nun ist der schrecklichste blutigste Gegenbeweis geliefert. Und was die Türken jetzt an ihren christlichen Unterthanen verüben, das würden sie noch viel lieber und grausamer an uns allen verüben. Hätten sie die Macht, sie würden schlimmer mit uns verfahren als zur Zeit ihres Einfalls in Europa . . . Es gehört wahrlich ein sehr geringer Grad von Geschichts- und Menschenkenntniß dazu, um einzusehen, daß die türkischen Staatsmänner, so oft sie den Christenmächten eine unterthänige Schmeichelei sagen müssen, dabei zehn Flüche über die Christenhunde murmeln. . .

Hat mans denn schon vergessen, daß damals in Konstantinopel selbst das „Frankenviertel“ (der Stadttheil welchen die Christen bewohnen) von den Türken angezündet wurde und gegen 300 Häuser verbrannten, daß unter den Augen des Sultan eine allgemeine Christenjagd angestellt ward, — freilich mußten sie die Gefangenen wieder frei lassen. Hat man vergessen wie 1845 mehr als 80 christliche Dörfer und Flecken am Libanon in Asche gelegt wurden von den wüthenden Drusen; wie das Kloster zu Abey ge-

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and the Rev. J. R. Moser be appointed our delegate to the western division of said Synod at its next meeting.

The foregoing resolutions will convince the dear readers, and respectively the members of our Synod, that my mission to the Tennessee Synod was not without happy result. Personal acquaintance with one from our midst has contributed essentially to establishing a brotherly confidence among the members of this Synod and to removing any prejudices against us. The Tennessee Synod, though of German origin, has nevertheless in the course of time lost its German element and become purely English. The dominion of the English language, as well as its remote situation, has hitherto kept this Synod rather far from the German Lutherans. All the more does the opening of brotherly intercourse with it appear, on our side, of no small importance both for it and for us. A detailed relation of our mutual conversations, which for the greater part were not public, would not be in place. Let it suffice here to assure you that among the pastors present I perceived a faithful attachment to our common Mother Church, and also encountered no essential difference of doctrine. It was exceedingly gratifying to me to see how these men, amid the great poverty of English Lutheran literature, have preserved so vividly the consciousness of Lutheran orthodoxy and decision. Their synodical constitution, which was drawn up in 1828, has indeed adopted only the unaltered Augsburg Confession and the Small Catechism as its actual confession of faith; but I have been assured from credible lips that the pastors of the Synod are, each for his own person, all devoted to the whole Concordia. The Synod this time was not very numerously represented; it therefore seemed the more advisable to confine ourselves to the resolutions adopted. I reserve for a future time the introducing to the readers of the Lutheraner, in a special article, of the Tennessee Synod, which in a high degree deserves our earnest sympathy, with its historical origin, its constitution and other peculiarities.

Th. J. Brohm.

Something about the Turk.

Lord, thou Holy and True, how long dost thou not judge and avenge our blood on them that dwell on the earth. (Rev. 6:10.)

The French and English with the Turk have won victories over the Russian army. In Paris they rang all the bells and fell on one another's necks in bacchanalian frenzy of joy when the false report arrived that Sebastopol also, the Russian fortress, had been taken. And the great majority of the newspapers exult over the loss which the army of the Emperor of Russia has suffered. And the evangelical bishop in Jerusalem prays for his "well-disposed Sultan" and his allies and against Russia. And the confusion is general in the heads and in the hearts of Christendom, so that one hardly knows any more what is right or what is wrong. Thanks, a thousand thanks be to the Preuß. Volksblatt für Stadt und Land, from whose 76th number the following facts are borrowed, that it repeatedly recalls what seems forgotten and shows with whom we have to deal, so that the eyes of everyone must be opened and overflow. Incomprehensible is the favor in which the Turks stand with nearly all the people of Christendom. Have they then forgotten, already forgotten what went through all the newspapers 10 years ago? For that men have forgotten what happened 34 years ago would perhaps be rather more excusable! that they have forgotten the Greek struggle of despair and the hair-raising, more than bestial atrocities which the Turks committed in it; how on the first holy Easter Day of 1820 the signal for the general massacre of Christians was given in Constantinople, and straightway the doors of the chief church were broken in with axes, those assembled for divine service were strangled, the venerable seventy-year-old Patriarch with three archbishops hanged at the church door, the children cut to pieces, spitted on stakes, bound together and thrown into the sea,—within four days more than 30,000 Christians murdered in the capital, and from here the insane fury of extermination spread over all the provinces, in city after city, in province after province the same tigerish, hellish horrors, on the island of Cyprus alone 10,000 innocent and defenseless Christians slaughtered, in Moldavia and Wallachia impaled, the children dashed to pieces against stones or hung up by the legs along the highway; in Chios cities, villages, olive groves burned down, 41,000 Christians slaughtered, 30,000 women and children carried off into slavery; the Janissaries (Turkish soldiers brought up from stolen Christian children) denounced to the Turkish people as secret Christians, some 8,000 burned alive in their barracks, 18,000 executed and thrown into the sea — — that men have forgotten all this, because it is already 34 years ago, that might perhaps still be forgiven our generation. But that they also no longer know what happened 10 years ago and less from the Turks — that is not to be excused. Do they then no longer know at all that 10 years ago in Darmstadt a "Relief Society for the Support of the Christians in the Orient" was formed, which issued an appeal with these words: "A cry of horror and of despair from the unhappy Christians in the Orient resounds to our ears and hearts. — Dreadful and heartrending are the reports of the persecutions and excesses which the Mohammedan population and soldiery have committed against the Christians in Adrianople, Latakia, Jerusalem, Aleppo, Diarbekir and in other places; shuddering are the nameless horrors of murder, of fire, of the violation of women and girls, which these inhuman beings perpetrate against our Christian brethren, whose only guilt is the holy Christian name which they bear in common with us. Wholly without protection and help are they, owing to the impotence of the Turkish government, given up to their cruel tormentors, and can (an entire Christian village in Albania is said actually to have purchased its deliverance in this way) defend themselves against such atrocities only by renouncing their Christian name, only by apostasy from Christianity."

A general persecution of Christians with all its accustomed atrocities had broken out.— Official reports of the Christian bishops from the most various provinces, Macedonia, Albania, Bosnia, Bulgaria, in Europe and Asia, announced how the Christian children were impaled by the Turks, the parents bound to trees and slowly roasted, the boys dishonored, and murder, fire, plunder and unspeakable satanic atrocities were committed by the Christian-flayers — for months! And no check came from the Turkish authorities. Only when the Sultan feared that the bands of murderers, which had now organized themselves for the persecution of Christians, might get a desire to rise against his own rule, did he command a halt. That is the "well-disposed Sultan" of that evangelical bishop!

These outrageous persecutions of Christians — so wrote a respected author at that time — give us once more a proof of Turkish culture and gratitude . . It is not the Turkish rabble, but the Turkish national spirit that commits these outrages; this spirit has not only remained always the same, it has become worse. Originally it was barbarously cruel, but withal heroic; now it is treacherously cruel. Because Turkish diplomats figure at the Christian courts, because Turkish officers have gone to school in Europe, many good-natured people believed that Turkey had been won for humanity, that its hatred of Christians had vanished. Now the most terrible, bloodiest proof to the contrary has been furnished. And what the Turks now commit against their Christian subjects, that they would much rather and more cruelly commit against us all. Had they the power, they would deal worse with us than at the time of their invasion of Europe . . . It takes truly a very small degree of knowledge of history and of men to perceive that the Turkish statesmen, as often as they must say a subservient flattery to the Christian powers, murmur ten curses upon the Christian dogs besides. . .

Have they then already forgotten that at that time in Constantinople itself the "Frank quarter" (the part of the city which the Christians inhabit) was set on fire by the Turks and about 300 houses burned, that under the eyes of the Sultan a general hunt of Christians was organized, — to be sure they had to release the prisoners again. Have they forgotten how in 1845 more than 80 Christian villages and towns on Lebanon were laid in ashes by the raging Druses; how the monastery at Abey was