Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 10 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-01-02, Seite 77
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1, 16., es gefiel ihm wohl, durch thörichte Predigt selig zu machen, so daran glauben, 1. Cor. 1, 21. Ordentlicher Weise erweckt er daher durch das Hören und Bedenken des Wortes den Glauben in den Herzen der Menschen; indessen ist doch diese Handlung Gottes nicht schlechterdings an das Gehör des Wortes gebunden, weil er den mit Drohen und Morden schnaubenden Saulus (ohne dergleichen Predigt) bekehrt hat. Apstg. 9. Auch sagen wir nicht, daß an dem Wasser die Kraft wiederzugebären als an seinem Subject natürlicherweise hafte oder daß die Gnade des heiligen Geistes an dasselbe auf irgend eine natürliche Weise und durch ein unzertrennliches Band angeheftet sei; sondern wir sagen, daß jene Kraft mit diesem Sacrament vermöge des sacramentlichen Mysteriums aus göttlicher Ordnung als mit einem Werkzeuge und übernatürlicher Weise zur Seligkeit derer, welche glauben, verbunden sei. Eine andere Bewandniß hat es daher mit den Kindern, eine andere mit den Erwachsenen. Wir sagen, daß in der Taufe die Kinder alle und jede wiedergeboren werden, da sie der Wirkung des h. Geistes, der den wahren Glauben anzündet, keinen Widerstand entgegensetzen, noch durch thätliche Unbußfertigkeit und Unglauben ihm widerstreben, noch der Gefahr der Heuchelei unterworfen sind. Und dieses beweisen wir aus den allgemeinen Aussprüchen der Schrift von der seligen Wirksamkeit der Taufe, Röm. 6, 3.: „Alle, die wir in JEsum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft.“ Gal. 3, 27.: „Wie viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen“; sowie auch aus dem gnädigen Willen Gottes gegen Alle; aus der Allgemeinheit des Verdienstes Christi, dessen Zuwendung durch die Taufe geschieht; aus der Wahrheit und Vollständigkeit der Taufe, die bei allen getauften Kindern gleich ist ꝛc. Wenn nicht alle Kinder durch die Taufe wiedergeboren würden, so würde dies entweder aus Schuld der Kinder der Fall sein, was nicht statt hat, weil sie gleich sind in Absicht auf die Befleckung mit dem Erbübel; oder aus Schuld der Taufe, was ebenfalls nicht statt hat, weil ihnen vorausgesetztermaßen die wahre und dieselbe Taufe ertheilt wird; oder aus Schuld Gottes, was auch nicht gesagt werden kann, weil es des Vaters Wille nicht ist, daß jemand von diesen Kleinen verloren werde, Matth. 18, 14. Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, 1 Tim. 2, 4.; der da verheißt, ist treu, Ebr. 10, 23. Daß aber manche Erwachsene sich durch thatsächliche Unbußfertigkeit, sowie Heuchelei und durch muthwilliges Widerstreben um die heilsame Wirksamkeit der Taufe selbst betrügen, gestehen wir willig zu; aber daraus ist keinesweges die Entgegnung zu machen, daß die Taufe also nicht in und durch sich selbst das heilsame Mittel der Wiedergeburt sei! Das Wort Gottes ist nicht in Allen zum Glauben und zur Seligkeit wirksam, aber wird es darum nicht das heilsame Mittel sein, durch welches Gott Glauben und Seligkeit wirkt? Das Beil hört nicht auf ein Werkzeug zum spalten zu sein, obgleich es Steine nicht spaltet: so ist und bleibt die Taufe ein Bad der Wiedergeburt, auch wenn sie Heuchlern ertheilt wird; nicht rücksichtlich dessen, der sie empfängt, weil die Heuchler des Glaubens ermangeln und die Wirkung des heiligen Geistes verhindern, sondern rücksichtlich ihres Wesens oder vielmehr der göttlichen Einsetzung dazu. Man wendet auch ein: „Viele, die im Kindesalter getauft wurden, leben, wenn sie erwachsen, überaus übel. Durch die Taufe sind sie also nicht wiedergeboren worden, denn wer aus Gott geboren ist, der thut nicht Sünde. 1 Joh. 3, 9.“ Ich antworte: Jene lasterhaften Menschen zeigen auf diese Weise, nicht daß sie nie wiedergeboren gewesen, sondern daß sie aus der Gnade und Wohlthat der Wiedergeburt wiederherausgefallen seien. Die Wiedergeburt und Erneuerung, welche in der Taufe vor sich geht, ist von solcher Beschaffenheit, daß die böse Lust und die Sünde nicht völlig aus dem Fleische ausgetilgt und ausgereutet, sondern daß sie vergeben und getödtet wird; und zu diesem Zweck wird eben der h. Geist durch die Taufe gegeben, daß die Wiedergebornenen die Geschäfte des Fleisches durch den Geist tödten und wider die noch im Fleisch übrige Sünde männlich kämpfen. Wenn nun der durch die Taufe wiedergeborene und erneuerte Mensch den Lüsten des Fleisches in Sicherheit fröhnt und nach dem Fleische lebt, so verliert er die Gnade Gottes, die Einwohnung des h. Geistes und die ewige Seligkeit. Wir werden zwar dem geistlichen Weinstock als Reben eingepflanzt, indeß welche nicht in ihm bleiben, werden abgebrochen und ins Feuer geworfen, Joh. 15, 6. Daher schreibt Prosper: „Wer da leugnet, daß derjenige von der angeerbten Sünde gereinigt gewesen sei, welcher nach der Taufe in Unglauben und gottloses Leben zurückgefallen ist, irrt ebenso sehr, als der, welcher behauptet, daß ein solcher nicht zum ewigen Tode zu verdammen sei“! (Loc. theol. l. de bapt. § 119. 120. 121. 124. 125.)
(Schluß folgt.)
Papistischer Aberglaube.
Viele meinen, wenn sie in Luthers Schriften lesen, welch schändlicher Aberglaube vom Volke im Papstthum getrieben und von der Geistlichkeit auf alle Weise, um dem armen Volke sein Geld abzulocken, befördert worden ist, jetzt sei es anders, jetzt herrsche solch' offenbar heidnisches Wesen wohl nicht mehr in der römischen Kirche. Dem ist aber leider! nicht so. Zur Schmach des Christennamens wird vielmehr gerade jetzt fast ein noch tollerer Aberglaube in jener Kirche getrieben, als vor der Reformation. Wie könnte es auch anders sein, nachdem die Papisten die Gnadenheimsuchung, die sie vor 300 Jahren erfuhren, verachtet und sich dagegen verstockt haben! Es mußte ihnen gehen wie den Heiden, die „Gott dahin gegeben hat in ihrer Herzen Gelüste und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bild, gleich dem vergänglichen Menschen“ ꝛc. (Röm. 1, 23. 24.). Ja, ist es doch gerade von den Anhängern des Antichrists vorausgesagt, daß ihnen Gott, weil sie die Liebe der Wahrheit nicht annehmen“ würden, „kräftige Irrthümer senden werde, daß sie glauben der Lüge“, und daß der Antichrist sie „mit allerlei lügenhaftigen Kräften und Zeichen und Wundern“ verführen werde. (2 Thess. 2, 7–12.) Unter tausend Beispielen aus unserer Zeit nur eins. So heißt es z. B. in der Oertelschen Kirchen-Zeitung in der Nummer vom 7. Dechr. v. J.: „Im Rione Regola liegt ein Kirchlein Santa Maria in Monticelli genannt, wo im Junius ein Christusbild die Augen bewegt haben soll. Doch das Generalvicariat ließ es alsbald aus der Kapelle ins Innere des anliegenden Klosters bringen, um zu prüfen, ob sich das Gerücht bewährte, und dieß ist laut eines Erlasses der obersten geistlichen Behörde der Fall gewesen; denn—nicht weniger als vierundfünfzig Zeugen haben es durch Eidschwur betheuert. Das Bild ist jetzt wieder in dem Kirchlein an der früheren Stelle, und Tausende sind zu jeder Zeit des Tages auf dem Wege zu ihm.“ Ja der Berichterstatter aus Rom (vom 28. Oktbr.) bezeugt: „Ich erinnere mich nicht, bei irgend einem Anlaß das Volk in solcher religiösen Aufregung gesehen zu haben, als eben jetzt.“
Daß die römischen Priester mit Anstellung solcher abgöttischen Verehrungen dem Volk sein Geld abnehmen, denn darauf ist es natürlich zuletzt hierbei abgesehen, das möchte man allenfalls ruhig mit ansehen: aber daß sie damit ganze Schaaren mit sich zur Hölle hinabreißen, das ist es was man hierbei nicht genug beklagen kann. Und nicht genug, daß dieß in Italien geschieht, so muß die Betrügerei auch hier als ein Heiligthum ausposaunet werden, um damit auch hier Seelen von Gott loszureißen und zu Götzendienst anzuleiten.
Beschlüsse der evang.-luther. Synode von Tenessee, in Bezug auf die Synode von Missouri, O. u. a. St.
Da der ehrw. Th. Brohm aus der Stadt New-York als Delegat von der ev. luth. Synode von Missouri, O. u. a. St. unter uns erschienen ist, und wir sowohl durch persönliche Unterredung mit ihm, als auch durch anderweite Nachrichten versichert sind, daß die Synode, welche er repräsentirt, den Lehren der ev. luth. Kirche, wie sie in ihren Glaubensbekenntnissen dargestellt sind, streng anhängt und eifrig beschäftigt ist, die Angelegenheiten des Reichs unseres Erlösers zu fördern, so sei deshalb
1. beschlossen, daß wir hocherfreut sind, den Bruder Brohm in unserer Mitte zu sehen,
2. beschlossen, daß wir mit Freuden die freundliche und brüderliche Gesinnung erwidern, welche die Synode von Missouri gegen uns an den Tag gelegt hat;
3. beschlossen, daß wir uns bestreben, eine vertrautere Bekanntschaft und engere Vereinigung mit der Missouri-Synode anzubauen;
4. beschlossen, daß zu diesem Ende der ehrw. Socrates Henkel zum Delegaten von dieser Körperschaft an die östliche Abtheilung der Missouri-Synode, welche in Baltimore wird
English translation AI translation
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1:16, it pleased him by foolish preaching to save those who believe, 1 Cor. 1:21. In the ordinary way, therefore, he works faith in the hearts of men through the hearing and consideration of the Word; nevertheless this act of God is not absolutely bound to the hearing of the Word, since he converted Saul, who was breathing out threatenings and slaughter, (without any such preaching). Acts 9. Nor do we say that the power of regeneration inheres in the water as in its subject by natural means, or that the grace of the Holy Spirit is attached to it in any natural manner and by an inseparable bond; but we say that that power is joined to this Sacrament by virtue of the sacramental mystery, from divine ordinance, as with an instrument and in a supernatural manner, for the salvation of those who believe. The case is therefore different with children, different with adults. We say that in Baptism all and every one of the children are regenerated, since they offer no resistance to the working of the Holy Spirit, who kindles true faith, nor resist him by actual impenitence and unbelief, nor are they subject to the danger of hypocrisy. And this we prove from the general declarations of Scripture concerning the blessed efficacy of Baptism, Rom. 6:3: "All we who are baptized into Jesus Christ are baptized into his death." Gal. 3:27: "As many of you as have been baptized have put on Christ"; likewise from the gracious will of God toward all; from the universality of Christ's merit, the application of which takes place through Baptism; from the truth and completeness of Baptism, which is the same in all baptized children, etc. If not all children were regenerated through Baptism, this would be either the fault of the children, which is not the case, since they are alike with respect to the stain of original sin; or the fault of Baptism, which likewise is not the case, since the true and the same Baptism is, as presupposed, administered to them; or the fault of God, which also cannot be said, because it is not the Father's will that one of these little ones should perish, Matt. 18:14. God will have all men to be saved, 1 Tim. 2:4; he is faithful that promised, Heb. 10:23. That, however, many adults cheat themselves out of the saving efficacy of Baptism itself by actual impenitence, as well as by hypocrisy and by wilful resistance, we willingly grant; but from this the objection is by no means to be made that Baptism is therefore not in and by itself the saving means of regeneration! The Word of God is not effectual in all unto faith and salvation, but will it on that account not be the saving means through which God works faith and salvation? The axe does not cease to be a tool for splitting, although it does not split stones: so Baptism is and remains a washing of regeneration, even when it is administered to hypocrites; not with regard to him who receives it, since hypocrites lack faith and hinder the working of the Holy Spirit, but with regard to its nature, or rather to the divine institution for that purpose. It is also objected: "Many who were baptized in childhood live exceedingly ill when they are grown up. Therefore they were not regenerated through Baptism, for whosoever is born of God doth not commit sin. 1 John 3:9." I answer: Those vicious men show in this way, not that they were never regenerated, but that they have fallen away from the grace and benefit of regeneration. The regeneration and renewal which takes place in Baptism is of such a nature that evil lust and sin are not wholly blotted out and rooted out of the flesh, but are forgiven and mortified; and to this end the Holy Spirit is given through Baptism, that the regenerate may through the Spirit mortify the deeds of the flesh and manfully fight against the sin still remaining in the flesh. If now the man regenerated and renewed through Baptism indulges the lusts of the flesh in security and lives after the flesh, he loses the grace of God, the indwelling of the Holy Spirit, and eternal salvation. We are indeed engrafted into the spiritual vine as branches, but those which abide not in it are broken off and cast into the fire, John 15:6. Therefore Prosper writes: "He who denies that the one who fell back after Baptism into unbelief and ungodly life had been cleansed from inherited sin errs as much as he who maintains that such a one is not to be condemned to eternal death"! (Loc. theol. l. de bapt. § 119. 120. 121. 124. 125.)
(To be concluded.)
Popish Superstition.
Many suppose, when they read in Luther's writings what shameful superstition was practised by the people under the papacy, and promoted by the clergy in every way in order to coax the poor people out of their money, that now it is different, that now such manifestly heathenish doings no longer prevail in the Roman church. But, alas! it is not so. To the disgrace of the Christian name, an even madder superstition is, on the contrary, practised in that church just now than before the Reformation. How could it be otherwise, after the papists despised the gracious visitation which they experienced 300 years ago, and hardened themselves against it! It had to go with them as with the heathen, whom "God gave up to the lusts of their hearts, and who changed the glory of the incorruptible God into an image made like to corruptible man," etc. (Rom. 1:23, 24). Yes, it was foretold of the followers of Antichrist that God, because they would not "receive the love of the truth," would "send them strong delusion, that they should believe a lie," and that Antichrist would deceive them "with all power and signs and lying wonders." (2 Thess. 2:7-12.) Of a thousand examples from our time, only one. Thus it says, for instance, in Oertel's Kirchen-Zeitung, in the number of the 7th of December of last year: "In the Rione Regola there lies a little church called Santa Maria in Monticelli, where in June a picture of Christ is said to have moved its eyes. But the Vicar-General had it forthwith brought out of the chapel into the interior of the adjoining monastery, in order to examine whether the rumor was confirmed, and according to a decree of the highest ecclesiastical authority this proved to be the case; for no fewer than fifty-four witnesses affirmed it on oath. The picture is now again in the little church in its former place, and thousands are on the way to it at every hour of the day." Indeed the correspondent from Rome (of the 28th of October) testifies: "I do not remember having seen the people in such religious excitement on any occasion as just now."
That the Roman priests, by arranging such idolatrous veneration, take the people's money, for that is naturally what is aimed at in the last resort, one might perhaps look on quietly: but that they thereby drag whole multitudes with them down to hell, that is what one cannot lament enough. And not enough that this happens in Italy, the imposture must also be trumpeted abroad here as a holy thing, in order to tear souls away from God here also and to lead them into idolatry.
Resolutions of the Evang. Luth. Synod of Tennessee, in Reference to the Synod of Missouri, Ohio and Other States.
Since the Rev. Th. Brohm of the city of New York has appeared among us as delegate from the Evang. Luth. Synod of Missouri, Ohio and other States, and we are assured, both by personal conversation with him and by other reports, that the Synod which he represents holds strictly to the doctrines of the Evang. Luth. Church as they are set forth in her confessions, and is zealously engaged in furthering the affairs of the kingdom of our Redeemer, be it therefore
1. Resolved, that we are highly rejoiced to see Brother Brohm in our midst,
2. Resolved, that we gladly return the friendly and brotherly disposition which the Synod of Missouri has shown toward us;
3. Resolved, that we endeavor to cultivate a closer acquaintance and a nearer union with the Missouri Synod;
4. Resolved, that to this end the Rev. Socrates Henkel be appointed delegate from this body to the eastern division of the Missouri Synod, which will be held at Baltimore