Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 14 › Seite 106
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-02-27, Seite 106
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
106
Jahrhundert mit dem Sturz des Longobardenreichs die Stätten öffentlicher Anbetung, haben also doch 400 Jahre und darüber rumort. Das Papstthum war ebenfalls früher da als es seine Anmaßungen mit falschen Documenten verbriefte und hat, weil was an und für sich selbst der Tod ist nicht sterben kann trotz der Todeswunde, die es vor drei hundert Jahren empfing, fortexistirt. Ja, da es eigentlich nur Baal in neuer Rüstung ist, so werden ihm die Jahre seiner heidnischen Ahnen zugerechnet und darf man also kühnlich auch im weitesten Verstande das Alter beider Seuchen zu einander in das angegebene Verhältniß setzen. Will man indessen ganz scharf messen und bloß auf die Blüthezeit im engsten Sinne sehen, so ergibt sich folgende Rechnung
1. Die Verhältnißzahl: 5 und 42. Da diese nicht in einander aufgehen, muß man jede doppelt nehmen, was ja bekanntlich das Verhältniß nicht ändert. Das Alter der Arianischen Ketzerei verhält sich demnach zu dem des Papstthums wie 10 : 84.
2. Die Arianische Ketzerei — blühte v. J. 321 bis 388, ward also 67 Jahre alt.
3. Das Papstthum — hat nach dem angegebenen Verhältniß also 562 vier Fünftel Jahre geblüht. Ziehen wir diese von dem letzten Jahre der Blüthezeit, d. i. 1517 ab, so fällt der Anfang der vollen Blüthe des Papstthums ins Jahr 954. Das war die Zeit, als in Rom die Huren regierten.
Uebrigens sind die „fünf Monden“ zugleich eine tröstliche Erinnerung, daß diese Plage der Kirche nach himmlischem Zeitmaß nicht lange währen und auch so lange sie daure nicht immer gleich heftig sein, sonderlich sofern sie durch Verlust der Versammlungshäuser, Landesverweisung u. dgl. äußerlich (5) die Gläubigen peinige wie der Mond zu- und wieder abnehmen werde.
V. 6. „Den Tod suchen und nicht finden ꝛc. —: Wie schon früher bemerkt worden ist, so müssen auch diejenigen welche Christum von sich stoßen auf ihre Art mit gewahr werden, daß ein Gericht Gottes hereingebrochen ist. In unsern Tagen z. B. fühlen die Ungläubigen nicht minder als die Kinder Gottes, daß die Hand des Herrn schwer auf uns liegt. Druck und Noth jeglicher Art in der alten Welt, Seuchen, schreckliche Unglücksfälle, die Unsicherheit, von der man aller Orten ein Gefühl hat, Krieg und Kriegsgeschrei, Erdbeben hin und wieder: das alles muß mit dazu dienen, daß es sich Jedermann bezeuge, eine schwere Gewitterwolke werfe ihren schwarzen Schatten auf die ganze Erde. In gewissem Maße ist das nun auch der Fall gewesen als Arius und sein Anhang das Haupt erhob. Damals war ja, wie die Geschichte jener Zeit lehrt in der ganzen Welt ein fährlicher Stand der Dinge. Das alte römische Reich war innerlich zerrüttet und wurde von wilden Horden überfluthet. Es war eine Zeit, daß man lieber nicht hätte leben mögen. Das will zunächst der sechste Vers sagen: daher die allgemeine Fassung: „die Menschen.“ Dann liegt aber auch mit darin, daß die Arianische Ketzerei in die ewige Verdammniß stürze. Die Irrlehre gibt ja keinen Frieden und führt daher immer einen solchen Zustand herbei, wie er hier beschrieben wird. Endlich haben die Worte aber auch den Sinn, daß die rechtgläubige Christenheit in jenen Tagen lieber hätte sterben mögen, als solchen Greuel erleben, daß ihr Haupt von seinem Thron gestürzt werden sollte. Fromme Christen sehnten sich damals nach den Zeiten zurück, wo sie der Teufel mit blutiger Gewalt offen angriff.
V. 7. „Und die Heuschrecken sind gleich den Rossen, die zum Kriege bereitet sind“: — Die Arianer fachten Streit an und störten den Kirchenfrieden.
„wie Kronen“: — Sie befestigten ihre Herrschaft durch bürgerliche Obrigkeit und Gewalt, doch war ihr Haupt nur „wie Kronen“: denn sie waren doch nicht selbst die oberste Macht, und das königliche Priesterthum verschmähten sie, weil sie an den nicht wahrhaftig glaubten, der uns zu Königen und Priestern gemacht hat.
„ihr Antlitz gleich der Menschen Antlitz.“ —: List, menschliche Ueberredung und andere menschliche Mittel mußten ihnen helfen. Auch zielt es auf die Leugnung der Gottheit Christi.
V. 8. „Haar wie Weiberhaar“—: kein männlicher Geist war in ihnen, kein Glaube und Trauen auf Gottes Macht, keine Standhaftigkeit in Verfolgungen. Ihre Hauptwaffe war Schmeichelei und Hofgunst. Durch die Fürsprache einer Kaiserin kamen sie auch anfänglich empor. Die Eunuchen verfochten sie darnach. Also war das königliche Priesterthum geschändet und weibisch worden.
„ihre Zähne waren wie der Löwen“—: mit listigen Verleumdungen richteten sie doch so viel aus, wie der höllische Löwe, daß Athanasius lange Zeit vor ihrer Wuth nicht bleiben konnte.
V. 9. „Und hatten Panzer wie eiserne Panzer“ — ein schönes Gegenstück gegen den Panzer eines Streiters Christi: ihre Zuversicht war auf Erz und Eisen gebaut; doch nur „wie eiserne,“ weil sie ja selbst keine Soldaten waren, sondern nur wegen des Beistandes, den sie bei den Kaisern fanden so gefürchtet wurden, wie wenn sie selbst die Gewalt hätten, auf die sie sich stützten.
„das Rasseln ihrer Flügel“: — nicht die Flügel, die wie Silber und Gold schimmern, die der heilige Geist schwingt, und deren Rauschen himmlischer Art den Teufel verscheucht und gepreßten Herzen Luft macht, sondern sie rasselten, wie an den Wagen vieler Rosse, die in Krieg laufen. Von der Hölle entzündet schürten ihre Zungen das Kriegsfeuer und es war ihnen leid, daß sie nicht mehr ausrichteten.
V. 10. „Schwänze gleich den Scorpionen“—: das Gift versteckten sie, nach Art der Irrlehrer, weil sie sonst keinen Eingang gefunden hätten; aber mit der Zeit kam es ans Licht, weß Geistes Kinder sie waren.
„Stachel an ihren Schwänzen“—: denn wiewohl es Anfangs nicht den Anschein hatte, wie wenn sie feindliche Absichten auf die Schaafe Jesu Christi hätten, so offenbarte sich doch hinterdrein ihre stachlichte Natur, die sie trieb, die treuen Bekenner des HErrn zu höhnen und zu verfolgen.
„zu beleidigen die Menschen“—: es war ja doch eine schnöde Beleidigung für die ganze Menschheit, daß des Menschen Sohn nicht wahrhaftiger Gott sein sollte, aber sie kränkten auch außerdem einfältige Herzen, weil sie ihr Kleinod spöttisch antasteten.
V. 11. „hatten über sich einen König, einen Engel aus dem Abgrund“—: wenn ihre Schutzherren dies Wort verstanden hätten, würden sie Buße gethan haben.
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt von Past. Fick.)
Agnes.
„Mich hat bereits ein Andrer (JEsus) lieb gewonnen, und mit dem Ringe seines Glaubens sich zu eigen gemacht.“ Agnes gegen einen Heiden.
In dem Blumenkranze aus dem Märtyrergarten Gottes prangt die heilige Agnes als die weiße Lilie. Schon ihr Name deutet darauf hin, denn Agnes heißt die Keusche, die Reine. Sie war aus einem edlen Geschlechte der Hauptstadt Rom entsprossen. Ihr zarter Bau, ihr liebliches Antlitz und die Reinheit ihres ganzen Wesens zog schon sehr frühe die Augen der vornehmen Jünglinge aus den ersten Familien der Stadt auf sich, welche sich um ihre Gunst bewarben. Aber früher noch hatte sich ihre Liebe mit ganzem ungetheilten Herzen dem hingegeben, der zwar in den Augen der Welt keine Gestalt noch Schöne hat, von dem aber die gläubige Seele mit voller Inbrunst spricht: „Du bist der schönste unter den Menschenkindern.“ Diesem ihrem himmlischen Bräutigam war ihr ganzes Leben geweiht, und ihrer heiligen Liebe, die nichts mehr wissen mochte, als nur ihn allein, gelang es auch, viele ihre Gefreundeten und Gespielinnen für den HErrn JEsum zu gewinnen.
Der Sohn des Prätors Symphronius hatte die dreizehnjährige Jungfrau einst bei ihrem Heimgange nach der elterlichen Wohnung auf der Straße erblickt, und war in heftiger Liebe zu ihr entbrannt. Er warb um ihre Hand, bot ihr die köstlichsten Kleinodien und stellte ihr das glänzendste Leben, was Reichthum, Ehre und alle weltlichen Freuden und Genüsse nur gewähren können, in Aussicht. Agnes wies alle seine Lockungen von sich, und erwiederte ihm: „Weiche von mir, du böster Verführer, der du mich gern in vielfältige schwere Sünde und zuletzt in den ewigen Tod durch dein Begehren führen möchtest. Ja, weiche von mir, denn mich hat bereits ein Anderer lieb gewonnen, und mit dem Ringe seines Glaubens zu eigen gemacht, einer, der von Geschlecht und Ehre viel mächtiger ist, als du. Der hat meine rechte Hand und meinen Hals mit köstlichen Edelsteinen umhangen, und mein Angesicht gezeichnet, damit ich keinen Andern neben ihm lieb gewinnen soll. Ja, er hat mir alle seine unaussprechlichen Schätze gezeigt, und mir dieselben, wenn ich ihm nicht untreu werde, zum Eigenthum zugesagt. Darum kann ich neben ihm keinen Andern anschauen, vielweniger ihn annehmen, und den verlassen, welchem ich aus herzlicher, inbrünstiger Liebe vermählt bin. Sein Adel, seine Gewalt, sein Angesicht, seine Liebe übertrifft weit alles Andere, was auf der ganzen Erde mag gefunden werden.“
Der ungestüme Jüngling, dessen fleischlicher Sinn ihre Worte auf einen irdischen Bräutigam
English translation AI translation
106
century, with the overthrow of the Lombard kingdom, the places of public worship; so they have raged for 400 years and more. The papacy likewise was there earlier than the time when it secured its pretensions by false documents, and, because that which in and of itself is death cannot die, in spite of the death-wound which it received three hundred years ago, it continues to exist. Yea, since it is really only Baal in new armor, the years of its heathen ancestors are reckoned to it, and one may therefore boldly set the age of the two plagues, even in the widest sense, in the given proportion to one another. But if one wishes to measure quite sharply and look only at the time of flourishing in the narrowest sense, the following calculation results
1. The proportion: 5 and 42. Since these do not divide into one another, one must take each one double, which, as is well known, does not change the proportion. The age of the Arian heresy therefore stands to that of the papacy as 10 : 84.
2. The Arian heresy — flourished from the year 321 to 388, and was thus 67 years old.
3. The papacy — has, according to the given proportion, flourished 562 and four-fifths years. If we subtract these from the last year of its flourishing, that is, 1517, the beginning of the full flourishing of the papacy falls in the year 954. That was the time when the harlots ruled in Rome.
Incidentally, the „five months“ are at the same time a comforting reminder that this plague of the Church will not last long by heavenly measure, and that, as long as it lasts, it will not always be equally severe, especially in so far as it afflicts the believers outwardly, through loss of the meeting-houses, banishment from the country and the like, but will wax and wane like the moon.
V. 6. „Seek death and shall not find it,“ etc. —: As has been remarked before, those also who thrust Christ from them must in their own way become aware that a judgment of God has broken in. In our own days, for instance, the unbelieving feel no less than the children of God that the hand of the Lord lies heavy upon us. Oppression and distress of every kind in the old world, plagues, dreadful accidents, the insecurity of which one has a feeling everywhere, war and rumors of war, earthquakes here and there: all this must serve to make everyone testify that a heavy thundercloud casts its black shadow upon the whole earth. To a certain degree this was also the case when Arius and his following lifted up the head. At that time, as the history of that age teaches, there was in the whole world a perilous state of affairs. The old Roman empire was inwardly shattered and was overflowed by wild hordes. It was a time in which one would rather not have lived. That is what the sixth verse first of all means to say: hence the general wording: „men.“ But then it also lies therein that the Arian heresy plunges into eternal damnation. False doctrine gives no peace, and therefore always brings about such a condition as is here described. Finally, the words have also the sense that orthodox Christendom in those days would rather have died than experience such an abomination, that its Head should be cast down from His throne. Pious Christians longed in those days for the times when the devil attacked them openly with bloody violence.
V. 7. „And the shapes of the locusts were like unto horses prepared unto battle“: — The Arians stirred up strife and disturbed the peace of the Church.
„as it were crowns“: — They fortified their dominion by civil authority and power, yet their head was only „as it were crowns“: for they were not themselves the supreme power, and the royal priesthood they despised, because they did not truly believe in Him who has made us kings and priests.
„and their faces were as the faces of men.“ —: Cunning, human persuasion and other human means had to help them. It also points to the denial of the divinity of Christ.
V. 8. „And they had hair as the hair of women“—: no manly spirit was in them, no faith and trust in God's power, no steadfastness in persecutions. Their chief weapon was flattery and court favor. Through the intercession of an empress they also rose up at the beginning. The eunuchs afterwards defended them. Thus the royal priesthood was disgraced and made effeminate.
„and their teeth were as the teeth of lions“—: with cunning slanders they accomplished as much as the infernal lion, so that Athanasius for a long time could not remain before their fury.
V. 9. „And they had breastplates, as it were breastplates of iron“ — a fine counterpart to the breastplate of a warrior of Christ: their confidence was built on brass and iron; yet only „as it were of iron,“ because they were not themselves soldiers, but were so feared only on account of the support which they found with the emperors, as though they themselves had the power on which they leaned.
„the sound of their wings“: — not the wings which shimmer like silver and gold, which the Holy Ghost moves, and whose rustling, of a heavenly kind, drives away the devil and gives air to oppressed hearts, but they rattled as the chariots of many horses running to battle. Kindled by hell, their tongues stirred up the fire of war, and they were sorry that they did not accomplish more.
V. 10. „And they had tails like unto scorpions“—: the poison they hid, after the manner of false teachers, because otherwise they would have found no entrance; but in time it came to light of what spirit they were the children.
„and there were stings in their tails“—: for although at first it did not appear as if they had hostile designs upon the sheep of Jesus Christ, yet afterwards their stinging nature revealed itself, which drove them to mock and persecute the faithful confessors of the LORD.
„to hurt men“—: it was indeed a base insult to the whole human race that the Son of man should not be true God; but they also grieved simple hearts besides, because they scornfully laid hands on their jewel.
V. 11. „And they had a king over them, which is the angel of the bottomless pit“—: if their patrons had understood this word, they would have repented.
(To be continued.)
(Contributed by Pastor Fick.)
Agnes.
„Another (JESUS) has already conceived a love for me, and has made me His own with the ring of His faith.“ Agnes to a heathen.
In the garland of flowers from God's garden of martyrs the holy Agnes shines as the white lily. Her very name points to this, for Agnes means the chaste, the pure. She sprang from a noble family of the capital, Rome. Her delicate frame, her lovely countenance and the purity of her whole being drew to her, even very early, the eyes of the young men of rank from the first families of the city, who sought her favor. But even earlier her love had given itself with whole and undivided heart to Him who indeed in the eyes of the world has no form nor comeliness, but of whom the believing soul says with full fervor: „Thou art fairer than the children of men.“ To this her heavenly Bridegroom her whole life was consecrated, and her holy love, which wished to know nothing more than Him alone, succeeded also in winning many of her friends and playmates for the LORD JESUS.
The son of the praetor Symphronius had once seen the thirteen-year-old maiden in the street on her way home to her parents' dwelling, and had been inflamed with violent love for her. He sought her hand, offered her the costliest jewels, and held out to her the most splendid life that riches, honor and all worldly joys and pleasures can possibly give. Agnes put away all his enticements, and answered him: „Depart from me, thou wickedest tempter, who wouldst gladly lead me by thy desire into manifold grievous sin and at last into eternal death. Yea, depart from me, for another has already conceived a love for me, and has made me His own with the ring of His faith, One who in lineage and honor is much mightier than thou. He has hung my right hand and my neck with precious stones, and marked my countenance, that I should love no other beside Him. Yea, He has shown me all His unspeakable treasures, and has promised the same to me for my own, if I am not unfaithful to Him. Therefore I cannot look upon any other beside Him, much less take him, and forsake Him to whom I am wedded in hearty, fervent love. His nobility, His power, His countenance, His love surpasses far everything else that may be found on the whole earth.“
The impetuous youth, whose carnal mind understood her words as referring to an earthly bridegroom