Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 11, Nummer 14 › Seite 107

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1855-02-27, Seite 107

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deutete, bekümmerte sich über diese Antwort so heftig, daß er krank wurde. Als sein Vater die Ursache seines Kummers vernahm, entschloß er sich, selbst für ihn um die Hand der Jungfrau anzuhalten. Der Stolz des Heiden mochte sich wohl besonders durch das verletzt fühlen, was ihm sein Sohn von der Macht und dem hohen Stande des vermeintlichen Nebenbuhlers erzählt hatte, und er rühmte daher gegen Agnes ganz besonders seine eigene hohe Stellung und wie gewaltig er im Regimente zu Rom säße. Agnes aber blieb dabei, daß sie ihrem ersten Bräutigam nicht untreu werden könnte. Nun wollte Symphronius wenigstens wissen, wer denn dieser unbekannte Bräutigam sei, dessen sich die Jungfrau so sehr erfreue, und jetzt erst erfuhr er, was Agnes nie hatte verläugnen wollen, daß sie den Heiland ihrer Seele, den HErrn JEsum Christum meine.

Nun änderte der stolze Praetor seine Rolle. Er verließ das Haus, und sandte sofort seine Trabanten ab, die Agnes ergreifen und vor seinen Richterstuhl führen mußten. Hier suchte er, aus Rücksicht auf seinen Sohn, zuerst durch Schmeichelworte und die lockendsten Versprechungen die Jungfrau zur Verleugnung zu bewegen, und wendete, als das nichts fruchtete, die härtesten Drohungen an, um durch Schreck und Angst seinen Zweck zu erreichen. Er ließ vor ihren Augen Feuer anzünden, und die Folterbank, eiserne Haken und andere Marterwerkzeuge herbeibringen. Aber der Gott der Stärke hatte in diesem schwachen Gefäße seine Wohnung aufgeschlagen. Von Henkern umringt, schaute die zarte, dreizehnjährige Jungfrau allen diesen Zurüstungen unerschüttert, ja heitern Blickes zu, und schien mit Freudigkeit den richterlichen Befehl zur Peinigung zu erwarten. Da mochte denn Symphronius ahnen, daß er mit allen seinen Qualen und Martern an dem Heldensinn der jugendlichen Bekennerin zu Schanden werden würde. Schnell dachte er einen andern Plan aus, von dem er bessern Erfolg hoffte. Er erklärte der Jungfrau zuerst, wenn sie seinen Sohn noch länger verschmähe, so müsse sie eine Priesterin der Göttin Vesta werden. Agnes erwiederte, sie würde niemals einem stummen und tauben Götzen dienen, der ohne alles Leben und ohne alle Empfindung sei. Da stellte ihr Symphronius mit feierlicher Betonung und unter Berufung auf seine Amtswürde die Wahl, entweder Priesterin der Vesta zu werden, oder gewärtig zu sein, in einem Hause der Unzucht der öffentlichen Entehrung Preis gegeben zu werden.

Mit dem Gleichmuthe einer Seele, die sich in der Hut desselben wohl geborgen weiß, der uns in seine Hände gezeichnet hat, entgegnete ihm Agnes: „Wenn du den HErrn kenntest, dem ich diene, würdest du solches mir nicht zumuthen! JEsus Christus ist ein Hort seiner Bräute. So verachte ich auch fröhlich deine Drohworte, und glaube fest, daß ich weder deinen Götzen opfere, noch meinen Leib Andern zur Schmach und zur Schande hingeben werde. Der Engel des HErrn ist bei mir, der wird auch meinen Leib behüten. Der Sohn des lebendigen Gottes ist mir eine starke Mauer, die niemand umstoßen wird, auch mein Wächter, der nimmermehr schläft, und mein Beschirmer, dessen Schutz in Ewigkeit währt.“

„So übergebe ich dich der öffentlichen Entehrung!“ rief der Praetor voll Zorn, und gab Befehl, daß Agnes nackend ausgezogen und öffentlich in das Haus der Unzucht geführt würde. Aber der Jungfrau geschah dennoch, wie sie geglaubt hatte. Der allmächtige Gott schaffte, daß sie sich mit ihrem langen Haupthaar am ganzen Leibe genugsam bedecken konnte. Sie stand da, wie ein stilles Opferlamm, aber getrost in Gott. Der Glanz der Unschuld umfloß wie ein himmlisches Lichtgewand die Holdselige, daß auch auf der Straße die Menge still und ehrfurchtsvoll an ihr vorüberwogte, wie an einer Heiligen. Niemand warf ihr auch nur einen verletzenden Blitz zu. Und als sie in das Haus der Schande gebracht war, erhielt sie, — wie? hat niemand erfahren, — ein weißes Gewand, in das sie sich hüllte, und dann niederfiel und betete: „HErr JEsu Christe, ich sage dir ewig Lob und Dank, daß du mich Arme in die Zahl deiner Mägde aufgenommen, und nun auch mir solche Kleidung zugeschickt hast.“

Jetzt aber stürzte der wilde Sohn des Symphronius in das Haus, und obwohl er vor dem blendenden Glanze erschrack, der Agnes umgab, wollte er sich doch erfrechen, mit freveler Begier der Jungfräulichen zu nahen. Aber, noch ehe er ihren Leib berühren konnte, sank er, wie von einem jähen Blitzstrahle getroffen, für todt zu Boden. Seine Genossen waren ihm nachgedrungen, und als sie ihn auf der Erde liegen sahen, riefen sie entsetzt aus: „Herbei, ihr Bürger, dies schändliche Weib hat durch ihre Zauberei des Praetors Sohn ums Leben gebracht.“ Das Volk lief in Haufen zusammen, und es entstand ein großes Geschrei. Die Einen riefen, sie wäre eine Zauberin; die Andern, sie sei fromm und unschuldig; wieder Andere, sie sei eine Gotteslästerin. Auch Symphronius war herbei geeilt, und als er seinen Sohn entseelt vor sich liegen sah, rief er aus: „O du schändliches Weib, hast du dein Zauberwerk an meinem Sohne ausüben müssen?“ Agnes erwiederte: „Mein Gott, dem er nicht die Ehre geben wollte, hat ihn geschlagen.“ „Wohlan,“ rief der Praetor, „daran will ich sehen, daß du keine Zauberin bist, wenn du durch dein Gebet meinen Sohn wieder erweckest.“ Da hieß die Jungfrau alle hinausgehen, knieete nieder und betete. Und siehe, bald richtete sich der Jüngling auf, aber entsetzt stürzte er hinaus und rief: „Es ist nur ein Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer erschaffen hat! Und diesen einigen wahren Gott verehren die Christen; aber alle andere Götter sind eitel und vermögen nichts. Sie können weder sich selbst noch andere helfen.“

Statt jedoch vor der Macht des christlichen Glaubens sich zu beugen, stieg die Wuth der Feinde des Kreuzes, jemehr sie sahen, daß sie an diesem schwachen Gefäße zu Schanden wurden. Die Götzenpriester rotteten sich zusammen, und schrieen, man dürfe die Zauberin und Gottesläugnerin nicht länger leben lassen. „Hinweg mit ihr!“ brüllte der tobende Volkshaufen ihnen nach. Auf Symphronius hatte jedoch das ganze Ereigniß einen tiefen Eindruck gemacht; aber, ein anderer Pilatus, fürchtete er sich eben so sehr, die Götzenpriester, als den Gott der Christen zu beleidigen, und so übergab er den ganzen Prozeß seinem Stellvertreter Aspasius. Dieser befahl, man solle vor allem Volke ein großes Feuer anzünden, und die Jungfrau hineinwerfen. Der Befehl wurde vollzogen, aber die Flammen loheten seitswärts von Agnes in die Höhe, und ergriffen sie nicht. Sie aber faltete ihre Hände und betete laut: „O allmächtiger Gott, du ewiger Vater unsers HErrn JEsu Christi, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich durch deinen eingebornen Sohn aus den Händen der Gottlosen erlöset und vor aller Schande gnädiglich behütet hast. Dich bekenne ich mit Mund und Herzen; nach dir allein steht mein Verlangen!“

Als Aspasius sah, daß die Jungfrau vom Feuer unversehrt blieb, schickte er einen Henker ab, welcher ihr ein Messer durch den Hals stieß. Das geschah im Jahre 306, wahrscheinlich am 21. Januar, an welchem Tage nämlich schon frühe ihr Gedächtniß gefeiert wurde. Ihre Eltern hoben den Leichnam des geliebten Kindes lobpreisend auf, und begruben ihn auf einem ihrer Aecker an der Straße, die von Rom nach Numentum führte.

Die Ausführlichkeit dieser Nachrichten über die heilige Agnes verdanken wir vornehmlich dem Ambrosius, der gegen das Ende desselben Jahrhunderts Erzbischof von Mailand war. Derselbe hat in der 91. der von ihm uns aufbewahrt gebliebenen Predigten einen getreuen Bericht ihres Leidens und Todes uns hinterlassen, und wir schließen mit der Mahnung, die der fromme Mann an seine damaligen Zuhörer richtete: „Wir sollen uns alle von Herzen darüber freuen, sonderlich aber möge es zu großer Erbauung und Besserung aller Jungfrauen gereichen, was die gottselige Agnes um ihres Heilandes JEsu Christi willen erlitten hat.“

Aus: Buch der Märtyrer, Bd. 1. S. 275.

(Eingesandt.)

Der jetzige Türkenkrieg auch ein Zeichen der Zeit.

Ueber den gegenwärtigen Krieg der Russen und Alliirten sind die Urtheile der Leute sehr getheilt. Die einen beschuldigen die Russen, die andern die Türken als die eigentlichen Urheber des blutigen Kriegs und wünschen demnach auch den einen oder den andern den Sieg. Meiner Ansicht nach kann es dem Christen ziemlich gleichgültig sein, auf wessen Seite das Recht oder Unrecht liegt, um so mehr, da der Krieg ein rein politischer ist. Denn wer wird dem russischen Kaiser glauben, der vorgibt, er habe die Waffen nur zum Schutze der griechischen Christen im türkischen Reiche ergriffen und habe nicht die geringsten Eroberungsgelüste? oder wer wird den Franzosen und Engländern so viel reine Nächstenliebe zutrauen, den Türken gegen seine Angreifer zu schützen?

Allein weit wichtigere Betrachtungen knüpfen sich an diesen Krieg, wenn wir fragen, wiefern auch in diesem Kriege die Weissagungen der Schrift von dem Türkenreiche ihrer Erfüllung entgegenreifen.

Daß die h. Schrift von den Türken prophezeit, ist außer Zweifel. Keine Weissagung ist deutli-

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meant, grieved so violently over this answer that he fell sick. When his father learned the cause of his sorrow, he resolved to ask for the maiden's hand himself on his behalf. The pride of the heathen may well have felt itself wounded especially by what his son had told him of the power and high station of the supposed rival, and he therefore boasted to Agnes quite particularly of his own high position and how mightily he sat in the government at Rome. But Agnes persisted that she could not be unfaithful to her first Bridegroom. Now Symphronius at least wished to know who this unknown Bridegroom was in whom the maiden so greatly rejoiced, and only now did he learn what Agnes had never wished to deny, that she meant the Savior of her soul, the LORD JESUS CHRIST.

Now the proud praetor changed his role. He left the house, and at once sent out his henchmen, who were to seize Agnes and bring her before his judgment seat. Here, out of regard for his son, he sought first by flattering words and the most alluring promises to move the maiden to denial, and, when that availed nothing, applied the harshest threats, in order to reach his end through terror and anguish. He had a fire kindled before her eyes, and the rack, iron hooks and other instruments of torture brought in. But the God of strength had pitched His dwelling in this weak vessel. Surrounded by executioners, the tender, thirteen-year-old maiden looked on at all these preparations undismayed, yea with cheerful gaze, and seemed to await with joyfulness the judge's command for the torment. Then Symphronius may well have divined that with all his torments and tortures he would be put to shame by the heroic spirit of the youthful confessor. Quickly he devised another plan, from which he hoped for better success. He declared to the maiden first that if she still longer scorned his son, she must become a priestess of the goddess Vesta. Agnes replied that she would never serve a dumb and deaf idol, which was without all life and without all feeling. Thereupon Symphronius, with solemn emphasis and appealing to the dignity of his office, set before her the choice, either to become a priestess of Vesta, or to be prepared to be given over to public dishonor in a house of lewdness.

With the composure of a soul that knows itself safe in the keeping of Him who has graven us upon the palms of His hands, Agnes answered him: „If thou knewest the LORD whom I serve, thou wouldst not ask such a thing of me! JESUS CHRIST is a refuge of His brides. So I also gladly despise thy threatening words, and believe firmly that I shall neither sacrifice to thy idols nor give my body to others for reproach and shame. The angel of the LORD is with me; he will also guard my body. The Son of the living God is to me a strong wall which no one will overthrow, also my Watchman who never sleeps, and my Protector whose protection endures forever.“

„Then I deliver thee up to public dishonor!“ cried the praetor full of wrath, and gave command that Agnes be stripped naked and led publicly into the house of lewdness. But it happened to the maiden nevertheless as she had believed. Almighty God brought it about that she could cover herself sufficiently over her whole body with her long hair. She stood there like a silent sacrificial lamb, but comforted in God. The radiance of innocence flowed around the blessed one like a heavenly garment of light, so that even in the street the crowd surged past her silent and reverent, as past a saint. No one cast at her so much as an injurious glance. And when she was brought into the house of shame she received, — how? no one has learned, — a white garment, in which she wrapped herself, and then fell down and prayed: „LORD JESUS CHRIST, I give Thee eternal praise and thanks that Thou hast received me, poor creature, into the number of Thy handmaids, and now hast also sent me such raiment.“

But now the wild son of Symphronius rushed into the house, and although he was terrified before the dazzling radiance which surrounded Agnes, he yet dared in wanton desire to approach the maiden. But, before he could touch her body, he sank to the ground, as though struck by a sudden flash of lightning, as dead. His companions had pressed after him, and when they saw him lying on the ground they cried out in horror: „Hither, ye citizens, this shameful woman has by her sorcery brought the praetor's son to his death.“ The people ran together in crowds, and a great outcry arose. Some cried that she was a sorceress; others, that she was pious and innocent; still others, that she was a blasphemer. Symphronius also had hastened thither, and when he saw his son lying lifeless before him, he cried out: „O thou shameful woman, hadst thou to practice thy sorcery upon my son?“ Agnes replied: „My God, to whom he would not give honor, has smitten him.“ „Well then,“ cried the praetor, „by this will I see that thou art no sorceress, if by thy prayer thou awakenest my son again.“ Thereupon the maiden bade all go out, knelt down and prayed. And behold, soon the young man raised himself up, but in horror he rushed out and cried: „There is only one God, who has created heaven and earth and the sea! And this only true God the Christians worship; but all other gods are vain and can do nothing. They can help neither themselves nor others.“

Instead, however, of bowing before the power of the Christian faith, the fury of the enemies of the Cross rose, the more they saw that they were put to shame by this weak vessel. The idol priests banded together, and cried that one must not let the sorceress and denier of the gods live any longer. „Away with her!“ the raging mob bellowed after them. Upon Symphronius, however, the whole event had made a deep impression; but, another Pilate, he feared just as much to offend the idol priests as the God of the Christians, and so he handed over the whole trial to his deputy Aspasius. He commanded that before all the people a great fire be kindled, and the maiden cast into it. The command was carried out, but the flames blazed up sideways away from Agnes, and did not seize her. She, however, folded her hands and prayed aloud: „O almighty God, thou eternal Father of our LORD JESUS CHRIST, I give Thee praise and thanks that Thou hast redeemed me through Thine only-begotten Son out of the hands of the ungodly and graciously preserved me from all shame. Thee I confess with mouth and heart; after Thee alone is my longing!“

When Aspasius saw that the maiden remained unharmed by the fire, he sent an executioner, who thrust a knife through her throat. That happened in the year 306, probably on the 21st of January, on which day, namely, her memory was celebrated from early times. Her parents took up the body of the beloved child with praise to God, and buried it in one of their fields by the road which led from Rome to Numentum.

For the fullness of these accounts concerning the holy Agnes we are indebted chiefly to Ambrose, who toward the end of the same century was Archbishop of Milan. In the 91st of the sermons of his that have been preserved to us he has left us a faithful report of her suffering and death, and we conclude with the exhortation which the pious man addressed to his hearers of that time: „We should all rejoice from our hearts over it, but especially may it serve to the great edification and amendment of all virgins, what the godly Agnes suffered for the sake of her Savior JESUS CHRIST.“

From: Buch der Märtyrer, Vol. 1, p. 275.

(Contributed.)

The Present Turkish War Also a Sign of the Times.

Concerning the present war of the Russians and Allies, the judgments of people are very divided. Some accuse the Russians, others the Turks, as the real authors of the bloody war, and accordingly wish the victory to the one or the other. In my view it can be rather a matter of indifference to the Christian on whose side right or wrong lies, the more so since the war is a purely political one. For who will believe the Russian emperor, who pretends that he has taken up arms only for the protection of the Greek Christians in the Turkish empire and has not the least desire of conquest? or who will credit the French and English with so much pure charity toward their neighbor as to protect the Turk against his assailants?

But far more important considerations attach themselves to this war, if we ask how far also in this war the prophecies of Scripture concerning the Turkish empire are ripening toward their fulfillment.

That the Holy Scripture prophesies concerning the Turks is beyond doubt. No prophecy is more distinct